MeToo unter Kritik

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hijab-2208755_1280Das Gatestone Institut ist ein israelfreundlicher Thinktank, der gern islamophobe Hetze verbreitet. Da ist z.B. die Rede vom moralischen Relativismus, "in dem Mörder und Tyrannen sich in ihren Verbrechen suhlen dürfen." (1. Link unten von Giulio Meotti 12.3.). Besagter Giulio Meotti, Kulturredaktor bei Il Foglio, schreibt aber auch correcte Artikel, z.B. #MeToo in der Moschee (2., Bild: emirnridha, pixabay) – wissenbloggt berichtet:

Erst einmal Quellenforschung zu den angegebenen Statements. Die sind leider ohne Beleg, wie auch die Zahlen unten. Wo es möglich war, hat wissenbloggt Belege nachgetragen.

  • Die Kolumnistin, TV- und Radiokommentatorin Rita Panahi von der australischen Herald Sun ist eine islamisch sozialisierte Islamkritikerin. Sie wird zitiert mit Während die tapferen iranischen Frauen gegen die Hijab-Gesetze protestierten, feierten westliche Feministinnen den Hijab.
  • Die ägyptisch-US-amerikanische Journalistin Mona Eltahawi, eine säkulare radikale feministische Muslimin, wird mit der Idee zitiert, Statt die islamistische Diskriminierung von Frauen zu feiern, sollte der Westen ein #MeToo in der Moschee propagieren. Dem Artikel nach möchte sie das Problem der Vergewaltigung und des sexuellen Missbrauchs von muslimischen Frauen während der Hadsch-Pilgerreise nach Mekka ansprechen.
  • Die Rechtsanwältin, Autorin und Frauenrechtlerin Seyran Ates ist Deutsche mit türkisch-kurdischer Abstammung. Sie ist Mitbegründerin der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin, in der unverschleierte Frauen und Schwule willkommen sind. Sie wird seit mehr als 10 Jahren mit Morddrohungen verfolgt und musste unter Polizeischutz gestellt werden.
  • Der französische Philosoph Alain Finkielkraut nannte Feministinnen angeblich vor kurzem "unehrliche Mitspielerinnen", die nicht zugeben wollten, dass sie das Spiel gewonnen hätten. Im Westen sei das feministische Abenteuer größtenteils vorbei; Frauen hätten die meisten ihrer Rechte erobert und sich Respekt verdient.
  • Die US-amerikanische politische muslimische Aktivistin Linda Sarsour wird von rechten Kritikern und auch Meotti angegriffen: "Die radikale Linke in den USA werde von einer Kopftuch-tragenden Islamistin beherrscht."
  • Die mit ihr verfeindete niederländisch-amerikanische Politikerin, Politikwissenschaftlerin, Frauenrechtlerin und Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali nannte Sarsour eine "falsche Feministin", nachdem diese ihr laut Meotti wünschte, dass ihre "Vagina entfernt" werde.

Die große Frage ist dann, Werden westliche Befürworterinnen von Frauenrechten auch für die Rechte muslimischer Frauen eintreten? Die Rede ist zunächst vom Marsch für Frauenrechte in Washington, der eigentlich für Frauenrechte und gegen Trump ging, aber unter #MeToo vereinnahmt wird. Derweil gingen im Iran Dutzende von Frauen auf die Straße, um gegen Theokratie und das zwingende Tragen des Hijab zu protestieren (wb-Link Iranerinnen). Die iranischen Frauen schwenkten ihre Kopftücher als Fahnen, um gegen die von den Mullahs verfügte Hijab-Pflicht zu kämpfen. Viele dieser iranischen Frauen wurden am 1. Februar verhaftet, weil sie keinen Hijab trugen.

Am selben Tag wurde im Westen der Welt-Hijab-Tag begangen, bei dem westliche Appeaser den Schleier feierten, um für "mehr Verständnis und Toleranz" zu werben. Dem Artikel nach unterstützte sogar die britische Premierministerin die Behauptung, dass Frauen "frei" sein sollten, den Hijab zu tragen. Das amerikanische Kaufhaus Macy's entschied sich wenige Tage später, den Hijab als modisches Kleidungsstück zu verkaufen (siehe auch wb-Link Kopftuch).

Dazu nochmal das Statement von Rita Panahi: Während die tapferen iranischen Frauen gegen die Hijab-Gesetze protestierten, feierten westliche Feministinnen den Hijab.

Leider, so bemängelt Meotti, sind Frauen in einigen islamischen Ländern nicht frei, den Schleier zu tragen; sie sind gezwungen, den Schleier zu tragen, wie uns die Verhaftungen im Iran zeigen.

Dazu nochmal die Idee von Mona Eltahawi: Statt die islamistische Diskriminierung von Frauen zu feiern, sollte der Westen ein #MeToo in der Moschee propagieren.

Eine Moschee, in der das schon geht, ist die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin. Dazu wird auf oben genannte die Menschenrechtsaktivistin Seyran Ates hingewiesen, die als Mitbegründerin dafür sorgte, dass dort im Gegensatz zu traditionellen Moscheen Männer und Frauen gemeinsam. beten können.

Hier kommt der französische Philosoph Alain Finkielkraut ins Spiel, der Feministinnen als "unehrliche Mitspielerinnen" bezeichnet haben soll. Der Autor Meotti  fordert, die Feministinnen sollten ihren Kampf nicht "zu einer grotesken Karikatur werden lassen", indem sie "sexistische" Gedichte und Kunst verbieten. Als Beispiel werden ein Museum in Manchester und eine Hochschule in Berlin genannt.

Was Meotti vorschlägt: Der westliche Feminismus könnte sich erneuern und veredeln, indem er sich des Kampfes vieler muslimischer Frauen annimmt. Als Extrembeispiele genannt werden nigerianische Mädchen, die von Boko Haram entführt wurden, Jesiden-Frauen, die von ISIS sexuell versklavt wurden, vergewaltigte indonesische Frauen, die wegen "Ehebruchs" gepeitscht wurden, Frauen, die als Sklavinnen verkauft wurden. Weitere Beispiele, die leider nicht zu den extremen gehören, sind Mädchen, die einer weiblichen Genitalverstümmelung (FGM) unterworfen wurden, Mädchen, die noch als Kinder an Männer verheiratet wurden, die sie gar nicht kennen und Frauen im Iran, die jetzt im Gefängnis sitzen, wo sie möglicherweise gefoltert und vergewaltigt werden, weil sie ihren Schleier abgelegt haben.

In Europa beherbergen Großbritannien, Deutschland und Frankreich die größten muslimischen Gemeinden. In Großbritannien wird laut Meotti jede Stunde ein neuer Fall von weiblicher Genitalverstümmelung (FGM) entweder entdeckt oder behandelt, so die Statistik des National Health Service (nicht aufzufinden, dafür wiki). In Deutschland hat eine Nichtregierungsorganisation, Terre des Femmes, erklärt, dass 13.000 minderjährige Mädchen, die dort leben, Gefahr laufen, diese brutale Entstellung gezwungenermassen erleiden zu müssen. Vor einigen Tagen tauchten Berichte auf, wonach in den Vororten von Paris 30% der muslimischen Mädchen davon bedroht sind (nicht aufzufinden, dafür UNICEF).

Die Kritik des Autors richtet sich gegen männliche und weibliche "westliche Kulturrelativisten", die seit Jahren jüdisch-christliche Werte anprangern, weil sie "Frauen unterdrücken". Und gegen "Progressive", welche die Pflicht proklamieren, "offen zu sein". Aus diesen Gründen kämpften die besagten Männer und Frauen z.B. für die Ernennung weiblicher Bischöfe in der Church of England und für "egalitäre" jüdische Gebetsgottesdienste an der Westmauer von Jerusalem.

Nur eben, so die Beobachtung von Meotti, immer wenn es um den Islam geht, verlieren die gleichen Progressiven paradoxerweise ihre Stimme und werden stumm.

Der westliche Feminismus müsse nun eine Entscheidung treffen. Wenn er stolz auf die Welt der "Inklusivität" und der "(Menschen-)Rechte" sein will, müsse er sich wirklich fragen, ob er es mit "muslimischen Ikonen westlicher Eliten" halte, oder sich mit den "wirklichen Reformern des Islam" zusammenzuschließen wünsche, die darum kämpfen, ihre Religion für Güte, Toleranz, Vernunft und Modernität zu öffnen. Als Beipiel für ersteres wird die muslimische Aktivistin Linda Sarsour genannt, und für letzteres die damit verfeindete Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali.

Die Frage sei Fundamentalismus oder Freiheit, so schließt der Artikel. Er zeigt auf, wie sehr der westliche Feminismus mit seinem MeToo-Hype irregeleitet ist, und dass der frappierende Gegensatz von Welt-Hijab-Tag und Hijab-Befreiung tatsächlich auf einen Clash zwischen Kulturrelativisten und Realisten hinausläuft.

 

Medien-Links:

  1. Scheren sich westliche Gutmenschen wirklich darum, Syrern und Palästinensern zu helfen? (Gatestone 12.3.)
  2. #MeToo in der Moschee (Gatestone 11.3.)
  3. #MeToo in der Moschee (atheisten-info.at 11.3.)
  4. Protest gegen Roths Kopftuch! (Emma 27.1.15): Sie riskieren ihre Freiheit ohne Kopftuch – und können es kaum fassen, dass westliche Politikerinnen wie Claudia Roth es im Iran freiwillig tragen. Die mutigen Frauen der Anti-Kopftuch-Aktion „Meine heimliche Freiheit“ fühlen sich verraten. Bald eine Million protestieren mit ihnen auf Facebook.

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