Poststrukturelle Diskriminierung

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woman-3150357_1280In Deutschland leben 27 Millionen Schweine, da ist es kein Wunder, wenn ständig eine neue Sau durchs Dorf getrieben wird. Die aktuelle Sau hieß eine Weile MeToo, wunderbar veranschaulicht von dem Bild von izhora22, pixabay: Aufreizen ist angesagt, aber wenn der Reiz handgreiflich beantwortet wird, dann macht es bumm.

Diese Interpretation entspricht nicht ganz der Agenda – aber das ist auch bloß eine Sau von gestern. Die Agenda ist jetzt durch das Modewort Narrativ ersetzt – während früher alle eine Agenda hatten, haben sie heute ein Narrativ. Genauso ist MeToo bloß eine Sau von gestern, es hat seine Popularität zugunsten der strukturellen Diskriminierung verloren.

Besonders gern wird die strukturelle Diskriminierung diskriminierend eingesetzt, nämlich als reine Diskriminierung von Frauen. Das entspricht zwar nicht der allgemein gehaltenen Definition, aber es wird eben was Pauschales gebraucht, das die Frauen-Unterdrückungs-Ideologie unterstützt. Und zwar die Diskriminierung von denen, die eigentlich alle Gleichheitsrechte errungen haben, und wo's keine Gleichheit gibt, da meist aus sachlichen Gründen.

Was nicht in der Agenda, pardon, im Narrativ auftaucht, das sind diejenigen, die tatsächlich massiv diskriminiert werden: die Weiblichkeit im konservativen Islam. Genau wie bei den MeToo-Aktivistinnen ist das auch bei den Protagonistinnen der strukturellen Diskriminierung ein Tabuthema. Die real betriebene Correctnessindustrie hält da auf Abstand. Und das, obwohl solch diskriminierte Weiblichkeit zu hunderttausenden unter uns weilt. Es geht vom Kopftuch- und Burkinizwang für muslimische junge Mädchen über Essverbote und andere Verhaltensmaßregelungen bis hin zu Genitalverstümmelung, Zwangsheiraten und Ehrenmorden.

Das läuft bei den tonangebenden GenderInnen wohl unter "bunt" und "bereichernd". Ein schöner Artikel von Seiten der Grünen dazu behauptet, der Feminismus des 21. Jahrhunderts baue strukturelle Diskriminierung ab. Der Artikel thematisiert die Rolle der Frauen auf der ökonomischen "Verliererinnenseite". Ohne einen Pieps darüber, dass heutige Diskriminierung überwiegend archae-muslimisch bedingt ist, bekrittelt der Artikel den Sexismus und die sexualisierte Gewalt im Alltag und obendrein die Vorschriften fürs Verhalten und Aussehen (1. Link unten).

Demnach muss der Kampf für das Selbstbestimmungsrecht von Frauen weitergehen, die Männer dürfen den Frauen nicht den Platz in der Gesellschaft zuweisen, der dann eben hinter oder unter dem Mann sei. Genauso geht es ums Bekämpfen der sexuellen Gewalt und körperlicher Übergriffe auf Frauen – auch diese Forderungen erstaunicherweise ohne Bezug zum konservativen Islam, der dies prototypisch fordert, während die aufgeklärte Gesellschaft fern davon ist. Und bei der MeToo-Debatte gehe das Anprangern von männlicher Gewalt und männlichem Machtmissbrauch beileibe nicht zu weit – das ist Grünensprech direkt aus dem Wolkenkuckucksheim.

Eine kleine Umschau nach den Zahlen (1 von ihrem Partner oder Ex-Partner Ermordete pro Tag) offenbart erstaunliche Abweichungen (2., 3., 4., 5.). Es wird weder angegeben, wie groß der Anteil der Muslime ist, noch wird gesagt, wieviele Männer von ihren Partnerinnen getötet werden. Dabei sind auch viele Männer von häuslicher Gewalt betroffen (6.).

Hier soll nicht abgewiegelt werden, sondern es wird nur die Forderung nach weiterer Aufklärung erhoben. Dann lässt sich besser entscheiden, ob der Gegenstandpunkt zur strukturellen Diskriminierung zutrifft, wie ihn novo artikuliert: Staatliche Gleichstellungspolitik meint reine Frauenförderung, festigt aber letztlich die tradierten Rollenvorstellungen (7.). Der Artikel weist den paradoxen Zustand nach, dass Gleichstellungsbeauftragte immer nur reine Frauenbeauftragte sind. Der Gesetzgeber gehe davon aus, dass nur Frauen von "struktureller Benachteiligung“ betroffen sein können, und den Männern werde diese Zuschreibung kategorisch verweigert. Doch wer fühlt sich nicht strukturell diskriminiert?

Mal abgesehen von der Tabuisierung der konservativ-muslimischen Zustände gibt's noch diese Schieflage: Wo es Migranten betrifft, wird jede Pauschalisierung abgelehnt, vielmehr ist jeder individuell anzuschauen. Wo es um die Diskriminierung von nichtimmigrierten Frauen geht, kann gar nicht genug pauschalisiert werden – die sind nach solcher Doktrin allesamt diskriminiert.

Was bleibt unterm Strich? Einige Jahre hat sich das Allzweck-Schlagwort vom Poststrukturalismus gehalten, unter dem jeder verstehen konnte, was er mochte, und bei dem sich jeder einordnete, der hip sein wollte. Der Poststrukturalismus wurde auch gern als Grundlage vom Feminismus genommen. Na schön, wie wär's dann mit der poststrukturellen Diskriminierung? Das hat einen coolen, künstlerischen, feministischen Anhauch und ist allemal die nächste Sau wert, die durchs Dorf getrieben wird.

 

Medien-Links:

  1. Wir bauen die strukturelle Diskriminierung ab (The European 15.3.): Der Feminismus des 21. Jahrhunderts baut strukturelle Diskriminierung ab, gestaltet die Digitalisierung mit Frauen und setzt sich für neue Rollenbilder ein. Der Kampf für das Selbstbestimmungsrecht von Frauen muss weiter gehen.
  2. Fast jeden Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem Partner getötet (Brigitte 23.11.16): Laut BKA wurden 2015 in Deutschland 127.457 Menschen Opfer von Mord und Totschlag, Körperverletzung, Vergewaltigung, sexueller Nötigung, Bedrohung und Stalking – allein durch ihren Partner oder ihre Partnerin. Darunter waren 104.290 Frauen und 23.167 Männer. Hier wird Mord und Totschlag an 331 Frauen angegeben (keine Angabe zu den getöteten Männern).
  3. Gewalt gegen Frauen – Eine Tote täglich – in Deutschland (Süddeutsche Zeitung 10.12.17): 2016 wurden in Deutschland 357 Frauen von ihren Partnern oder Ex-Partnern getötet, also fast jeden Tag eine; circa 11 900 wurden lebensgefährlich verletzt. Hier wird Tötung an 357 Frauen angegeben (keine Angabe zu den getöteten Männern).
  4. BKA-Statistik für 2016 149 Frauen starben durch den Partner (Tagesschau 24.11.17): In Deutschland sind im vergangenen Jahr mehr als 133.000 Erwachsene Opfer von häuslicher Gewalt geworden. Knapp 82 Prozent der Opfer waren Frauen. Hier wird Tötung an 149 Frauen angegeben (keine Angabe zu den getöteten Männern).
  5. Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 20014): Die Forschung belegt, dass jede vierte Frau im Laufe ihres Lebens Gewalt durch den eigenen Partner erlebt. Und dieser Befund gilt leider nicht nur für Deutschland, sondern für ganz Europa, wie die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Europäischen Grundrechteagentur (FRA) aus dem Jahre 2014 zeigen.
  6. Gewalt gegen Männer in Deutschland (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2004): Knapp jeder Vierte erlebte demnach schon körperliche oder sexuelle Gewalt in einer Beziehung.
  7. Das Gleichstellungsparadoxon (novo 16.3.): Staatliche Gleichstellungspolitik meint reine Frauenförderung, festigt aber letztlich die tradierten Rollenvorstellungen. … Nach dieser Maßgabe geht der Gesetzgeber zudem davon aus, dass nur Frauen von „struktureller Benachteiligung“ betroffen sein können. Den Männern wird diese Zuschreibung kategorisch verweigert.
  8. So will frau nicht mehr leben (Der Freitag 11/18): Pay Gap – Seit Jahrzehnten müssen Frauen eine Lohnlücke von durchschnittlich 21 Prozent beklagen und es passiert: nichts. Somit bleibt nur der Weg über Gesetze. Wenn die Einkommensstatistiken mit "frauenbedingten" Abzügen berechnet werden, ist die Abweichung nur noch 6%. Aber auch dagegen geht der Artikel an, mit dem unzutreffenden Argument, "Frauenarbeit" werde vielfach noch immer nicht als gleichwertig angesehen und honoriert.
     

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Eine Antwort auf Poststrukturelle Diskriminierung

  1. Saco sagt:

    Gewalt, ausgeführt von Frauen, sieht oft anders aus. Da wird mit anderen Mitteln vorgegangen als mit den roten Boxhandschuhen im Bild oben. Da wird herabgesetzt, diskriminiert, verbal attakiert. Da geschehen Dinge, für die Männer nicht so ausgebildet sind.Vor ca. 4 Jahren gabs in Celle in der Staatsanwaltschaft eine Versammlung  über häusliche Gewalt. Ich saß neben der Leiterin eines Frauenhausen. Nein, sagte sie, so etwas wie die von mir vermutete feminine Gewalt gäbe es bei ihren Bewohnerinnen nicht. Mag sein. Aber wer fragt schon Frauen nach derartiger Gewalt? Und welche Frau entwortet da ehrlich?

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