MeToo-Spitzenleistung HimToo: Jesus Opfer sexueller Gewalt

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file-20180322-54893-1ysy6tdWenn es nicht so grausam wäre, gäbe die neue MeToo-Spitzenleistung eine schöne Lachnummer ab. Aber es geht um die Begleitumstände von Jesus' Hinrichtung. Die Kreuzigung galt als schmachvoller Sklaventod, sie hatte das Ziel, den Delinquenten absichtlich besonders langsam und grausam zu töten (Das Bild zeigt die zehnte Station des Kreuzwegs: Jesus wird seiner Kleider beraubt, elycefeliz / Flickr, CC BY-NC-ND).

Der Tod trat meist innerhalb von 3 Tagen ein, und um ganz sicher zu gehen, stachen die römischen Soldaten den Hingerichteten dann noch mit der Lanze in den Bauch. Der wiki-Link zeigt die Punkte, auf die es ankam:

  1. die vollständige Entkleidung des Verurteilten und dessen öffentliche Geißelung,
  2. das erzwungene Tragen von Querbalken oder Furca zum Hinrichtungsplatz,
  3. das Fesseln oder Annageln des Delinquenten ans Hinrichtungsinstrument,
  4. das Hochheben und Befestigen von Mensch und Querbalken an einem Baum oder Pfahl. Das Annageln von Hand und Fuß konnte das Gewicht nicht tragen, deshalb wurden zumeist Handgelenke und Fersen angenagelt.

Am 1. Punkt, der Entkleidung, hängen sich die MeToo-Vertreter speziell auf (Link unten zum The-Conversation-Artikel). In diesem Fall sind das die Bibelforscher Katie Edwards (Director Sheffield Institute for Interdisciplinary Biblical Studies SIIBS) und David Tombs (Howard Paterson Chair of Theology and Public Issues, University of Otago, New Zealand). Die freifliegend nacherzählte MeToo-Jesus-Story geht so:

Im Lenz, wenn der Ostereier Ruf durch die Lande schallt, dräut auch wieder das Osterfest mit seinen Mysterien von Kreuzigung und Tod des Jesus' von Nazareth. Diese Story aus dem Neuen Testament kennt die halbe Welt, aber kennt sie alles? Nein, da ist ein Aspekt, der bisher noch nicht recht gewürdigt wurde, nämlich der Strip, den die Kreuzigungs-Delinquenten hinlegen mussten.

Sie mussten sich ausziehen – und das liefert den HimToo-Effekt. Ausziehen ist nämlich ein Element der sexuellen Übergriffe, welche die Landschaft unsicher machen. Überall sexuelle Nötigung, sexuelle Belästigung und sonstiger sexueller Missbrauch. Dankenswerterweise hat MeToo die allgemeine Tendenz zum Leugnen, Ausblenden, Kleinmachen der Wichtigkeit und Bedeutung solcher Erlebnisse aufgedeckt (wenn die Bewegung gerade nicht mit Rufmord beschäftigt war, Anmerkung wb).

Nun darf also nochmal besonders auf die sexuelle Komponente des Jesus-Strippings hingewiesen werden. Der Akt soll als das benannt werden, was er sein sollte: eine machtvolle Demonstration von Erniedrigung und geschlechtsspezifischer Gewalt und ebensolchem Missbrauch.

Die Kreuzigung wird supreme punishment genannt, besondere Bestrafung. Die Entkleidung der Delinquenten war keine zufällige Begleiterscheinung, sondern eine vorsätzliche Strafverschärfung. Damit quälten und erniedrigten die Römer ihre Verurteilten nochmal extra. Die Kreuzigung wurde damit über die physische Strafe hinaus auch zur psychischen Strafe.

Bisher übte man sich im Verbergen der Nacktheit, denn der nackte Jesus brachte eine prüde Religion mit sich. Die religiösen Künstler statteten ihre Bilder mit Lendentüchern aus, um die Scham der Gekreuzigten zu verbergen. Historisch gesehen, war das aber unkorrekt. Wenn sich nun die Gender-Bewegten der Sache annehmen, ist das nicht nur ein Stück Correctness.

Die nackten Fakten sollten den Kirchen klarmachen, dass auch sie auf MeToo aufspringen können. Zugleich können sie sich nicht nur mit dem populären Hype schmücken, sondern ihn auch weiter in die Gesellschaften der Welt hineintragen, speziell dort, wo die Gesellschaften christlich geprägt sind. Und da gelten keine Gegenargumente.

Einen Gefangenen ausziehen, das sei zwar eine Form von Gewalt, aber keine sexuelle?

Aber wenn der Sinn der Sache doch die Erniedrigung war, die Verächtlichmachung am Pranger, dann ist die Interpratation als "sexuelle Gewalt" gerechtfertigt. Als Beispiel muss der Avernerkönig Vercingetorix herhalten, der den Darstellungen gemäß auch nackig in den Tod gehen musste. Vorher wurde er den feindlichen römischen Soldaten gegenübergestellt, gemäß der Autoren ein Zeichen von womöglich noch mehr verborgener sexueller Gewalt.

Nach einer Analyse der emeritierten Theologieprofessorin Margaret R. Miles (Graduate Theological Union in Berkeley, California) wird Nacktheit bei Männern und Frauen unterschiedlich angesehen. In der biblischen Kunst stehe der Männerkörper für gloriose Athletik unter spirituellem wie auch physischem Leiden.

Dem Jesus-Bild solches zuzuschreiben, stößt vielfach auf Widerstand. Sexueller Missbrauch passt nicht in das Narrativ der inhärent maskulinen Jesus-Repräsentationen. Nackte Weiblichkeit wird dagegen sofort als Sexualobjekt erkannt. Gewaltsam entblößte weibliche Haut hat unmittelbare Signalwirkung – wäre Jesus eine Jesa gewesen, würde niemand zögern, ihr Martyrium als sexuellen Missbrauch einzuordnen. Aber sexueller Missbrauch ist keine exklusiv weibliche Erfahrung.

Darüber muss man nach Ansicht der Autoren nicht das ganze Jahr nachdenken, aber man sollte die Kreuzigung auch nicht ganz vergessen. Unterm Strich wird der sexuelle Missbrauch von Jesus zu einem Stück, das in der Passions- und Ostergeschichte fehlt. Mehr noch, Jesus wird so zu Galionsfigur der sexuell missbrauchten Männlichkeit (ganz schön kess angesichts der kirchlich missbrauchten Kinder, Anmerkung wb).

Ganz fromm zum Abschied: Wenn Jesus als sexuell missbrauchte Galionsfigur installiert ist, wird das die Gesellschaft vielleicht für den heutigen sexuellen Missbrauch sensibilisieren. So wird also eine Verbindung vom Christentum zur Genderitis gewoben, und gleichberechtigt zu MeToo gibt's dann ein christliches HimToo (letzteres in der Schreibe von wb).

(Konventionell verbirgt die christliche Kunst Jesus' Nacktheit durch einen Lendenschurz, Bild: fietzfotos, pixabay).

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Medien-Link:

#HimToo – why Jesus should be recognised as a victim of sexual violence (The Conversation 23.3.)

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