Statistisches Bundesamt: Manipulation

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mom-316927_1280Die Mainstream-Medien bringen gern Berichte, welche die linksgrün-illusionäre Willkommenskultur unterstützen. In den letzten Tagen gab es viele Artikel zum deutschen Geburtenanstieg, ein Ereignis, über das quer durch die Medien euphorisch berichtet wurde. Das Ganze basiert auf einer Destatis-Presseerklärung namens Geburtenanstieg setzte sich 2016 fort (1. Link unten).

Im ursprünglichen wissenbloggt-Artikel wurde bemängelt, dass bei den Angaben des Statistischen Bundesamts eine Zahl falsch war. Diese Behauptung wird mit Bedauern zurückgezogen. Was bleibt, ist der Vorwurf der Manipulation, der sich auf die Hervorhebung von marginaler Zunahme bei den Geburten der deutschen Mütter bezieht, während von der starken Zunahme bei den Geburten von Müttern mit ausländischer Staatsangehörigkeit abgelenkt wird. Die tendenziöse Berichterstattung wird in Artikeln der Zeit wie auch in der Süddeutschen Zeitung übernommen (Bild: Kaz, pixabay).

Es gibt eine Zunahme der Geburten von 2015 auf 2016 um 7% insgesamt und um 25% bei Müttern mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Bei deutschen Müttern waren es nur 3%. Auf dieser mickerigen Basis gingen solche Meldungen quer durch die Medien: Damit setzt sich der Geburtenanstieg der letzten Jahre fort. Diese Entwicklung ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Frauen im Alter zwischen 30 und 37 Jahren häufiger Kinder bekommen (1.).

Aus den Destatis-Zahlen entnimmt man, wie wenig sich die Geburtenzahlen der deutschen Mütter ändern (im Schnitt 2% Zunahme pro Jahr, und wie stark der Ausländeranteil an den Geburten zunimmt. 2016 waren bereits 23% der Geburten von Müttern mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Im Schnitt haben die letzten Jahrgänge von Geburt an fast 20% Ausländeranteil (Geburtenzahlen in Tausend):

Jahr 2011 2012 2013 2014 2015 2016
Deutsche Geburten 550,3 558,8 562,3 584,3 589,7 607,5
Steigerung zusammen+10%   +1,5% +0,6% +4% +1% +3%
Ausländische Geburten 112,4 114,8 119,8 130,6 147,9 184,7
Steigerung zusammen+64%   +2% +4% +9% +13% +25%
Geburten insgesamt 662,7 673,5 682,1 714,9 737,6 792,1
Ausländeranteil 17% 17% 18% 18% 21% 23%

Die Zunahme, die gefeiert wird, sind die paar deutschen Prozente. Dabei stellt sich auch noch die Frage, wieviele deutsche Mütter einen Doppelpass haben und genausogut zu den Ausländerinnen gezählt werden könnten.

Die 3% wurden von den Medien wie eine Heilsnachricht aufgegriffen. Sie gaben Gelegenheit, unsere demografische Revolution manipulativ darzustellen, in dem Sinn, seht her, die Deutschen werden mehr, nicht bloß die Ausländer in Deutschland. Und diese Botschaft ist weitestgehend falsch.

Am Beispiel des Zeit-Artikels (5.) wird klar, wie die Botschaft ankam: Zum fünften Mal in Folge ist die Geburtenrate in Deutschland gestiegen. Ein Grund ist laut Statistikern, dass Frauen zwischen 30 und 37 Jahren vermehrt Kinder bekommen.

Während die Zeit noch relativiert und eher skeptisch bleibt, kriegt sich die SZ kaum ein vor Freude. Auf der Titelseite vom 28.3. winkt ein Baby, daneben steht: Kleines Wunder. In Deutschland kommen so viele Kinder zur Welt wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Für die Eltern erfüllt sich ein Traum. Wie kam es zu der Trendwende?

Die schlichte Antwort darauf heißt: durch Zuwanderung. Aber dank Destatis kann die SZ das anders bringen. Der Titel-Artikel heißt Die Rückkehr der Kinder (mit Zugangssperre, 2.). In der gedruckten Version ist die Anmoderation der SZ etwas anders (Babyboom …), aber mit dem gleichen Inhalt: In Deutschland kommen wieder mehr Babys zur Welt. Das liegt nicht nur an der Zuwanderung, sondern auch daran, dass viele Frauen sich später entscheiden, Mutter zu werden.

Im Artikel werden die Wartezeiten für Krippenplätze beklagt, für Kinderwagen, Geburtenkliniken, Hebammen, Kinderärzte, kindgerechte Wohnungen. Trotz dieser Nervereien: Die Menschen in Deutschland bekommen wieder mehr Kinder. Woher kommt die "erfreulich konstante Freude" am Kinderkriegen? Da nennt die SZ zwei Ursachen, folgend der irreführenden Vorgabe von Destatis:

  1. Einmal kriegen die Frauen zunehmend Kinder im Alter von 30-37, was der Familienpolitik zugeschrieben wird. Jetzt sind nur noch 25% der Akademikerinnen mit Anfang 40 kinderlos, nach 29% vor 10 Jahren.
  2. Noch viel höher als bei Frauen mit deutschem Pass war der Geburtenanstieg allerdings bei Migrantinnen – eine Folge vor allem der Flüchtlingszuwanderung. Die wachsende Zahl von Migrantinnen ist laut SZ der zweite Hauptgrund für die steigende Geburtenzahl in Deutschland (bei der SZ wird dieser Passus unauffällig versteckt, unter der Überschrift Im europäischen Vergleich ist Deutschland nun ins Mittelfeld vorgerückt; immerhin ist die Aussage da bei Destatis wird dieser Hauptgrund überhaupt nicht explizit erwähnt). Die grafische Darstellung der SZ zeigt ein ganz anderes Bild:

szgeburtenCCI31032018_0005Das Bild gibt die Zahlen der Destatis-Presseerklärug (1.) wieder – es enthält allerdings eine komplett andere Aussage als die textliche: Nämlich dass sich bei den deutschen Zahlen fast nichts ändert, während die ausländischen enorm steigen.

Bei der SZ ist danach die Rede vom deutschen Leitbild der Zwei-Kind-Familie, an die sich die Kinder der Migranten "später dann oft anpassen". Wenn alle sich an zwei Kinder pro Frau halten würden, würde die Bevölkerung nicht schrumpfen, aber das Problem sei, sie tun's nicht. Dazu die Statistik von Destatis (1.). Sie wurde von wissenbloggt mit Destatis-Zahlen ergänzt:

  1. Insgesamt 54.556 Babys oder 7% mehr 2016 als 2015 (792.131 nach 737.575, Geburtenziffer 1,59 nach 1,50 in 2015).
  2. Deutsche Mütter haben rund 17.800 Kinder mehr zur Welt gebracht oder 3% mehr 2016 als 2015 (607.500 nach 589.700, Geburtenziffer 1,46 nach 1,43 in 2015).
  3. Mütter mit ausländischer Staatsangehörigkeit haben 36.760 Kinder mehr geboren, das ist ein Anstieg von 25% in 2016 gegenüber 2015 (184.660 nach 147.900, Geburtenziffer 2,28 nach 1,95 in 2015).

Was das Bild oben optisch zeigt, wird hier zahlenmäßig belegt: Der Geburtenanstieg ist zum allergrößten Teil ein Produkt der Immigration. Die von Destatis angegebenen und den Medien übernommenen 3% Zuwachs bei den Deutschen sind ein Ausreißer nach oben, im Schnitt sind es sogar nur 2%.

Was Destatis hier liefert, gaukelt einen unrealistischen Trend vor, um die Bevölkerung einzulullen. Die Zahlenlieferandos vom Statistischen Bundesamt haben in ihrer Presseerklärung (1.) das Möglichste getan, um einen falschen Eindruck zu schaffen. Immerhin lassen sie sich 15 Monate Zeit, um die Zahlen zu bringen (Zahlen von 2017 sind nicht in Sicht), da können sie alles zurechtrücken, wie es am wenigsten Anstoß erregt.

Der Tenor der Berichte führt gezielt in die Irre. Bei den Geburten der deutschen Mütter ist kaum ein Unterschied festzustellen, der aber so verkauft wird, als ob deutsche Eltern massenweise wieder mehr Kinder kriegen würden. Und während die Geburtenzahlen der Deutschen incl. Doppelpassdeutschen stagnieren oder allenfalls minimal zunehmen, steigen die der ausländischen Mütter stark an. 2016 war fast 1/4 der Geburten (23,3% aus der Tabelle oben) von ausländischen Müttern. Ihre Fertlilitätsraten sind mehr als eineinhalb mal so groß wie die der Deutschen. 36.769 zusätzliche ausländische Geburten gegenüber 17.800 zusätzlichen deutschen Geburten – das ist absolut das Doppelte, und relativ sogar das 8-Fache.

Dieser Trend auf 2 Generationen hochgerechnet ergibt (bei Geburtenziffer 2,28) 30% Zunahme bei den ausländischen Geburten gegenüber 47% Abnahme bei den deutschen (mit Geburtenziffer 1,46). Wenn man bedenkt, dass nicht alle Ausländerinnen viele Kinder haben, wird die Diskrepanz noch größer:

Es sind zahlreiche ausländische Familien mit zahlreichen Kindern ins Land immigriert.

Diese Entwicklung als freudiges Ereignis zu feiern ("kleines Wunder"), bedarf schon einiger Chuzpe. Das ist doch das Gegenteil von Integration, wenn viele nach solch rückständigem Leitbild gestrickte Familien einwandern. Dazu der manipulative Umgang mit den Fakten: Die Einwanderung wäre der "zweite" Hauptgrund. Nein, das ist der absolute Hauptgrund Nummer eins. Und nochmal: Die Frage Wie kam es zu der Trendwende? ist mit Immigration weitestgehend beantwortet. Dann so viel von den Akademikerinnen mit den späten Kindern zu reden ist Manipulation.

Weiter wälzt der SZ-Artikel Überlegungen zur Geburtenankurbelung "da geht noch was": mehr Kindergeld, subventionierte große Wohnungen und vor allem bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf – wie viele von den kinderreichen Ausländerinnen sich wohl für das letztere interessieren? Kindergeld und Wohnungssubventionierung dürften für die ausländischen Großfamilien allerdings höchst attraktiv sein.

In den Zeit-Leserkommentaren (5.) wird allerhand Skepsis in der Richtung geäußert, wobei meist implizit unterstellt wird, dass die kinderreichen ausländischen Familien von Staatsknete leben: Bei Arbeitenden gibt es keine Gehaltserhöhung für ein Kind mehr, das Familieneinkommen sinkt (relativ) trotz Kindergeld und Steuerersparnis. Bei Transferempfängern steigt das Familieneinkommen dagegen mit jedem Kind. Nochmal anders: Wer selber Geld verdient, für den sind Kinder extrem teuer. ALGII-Empfänger oder Flüchtlinge bekommen alles geschenkt, und zwar von den Arbeitenden, die sich selber keine Kinder leisten können. Und nochmal: Somit finanzieren die Arbeitnehmer, die sich wegen der hohen Steuern und Sozialabgaben keine Kinder leisten können, die Kinder der Leistungsbezieher.

Das sollten sich die Befürworter der Replacement Migration (6.) hinter die Ohren schreiben. Und noch eine Foristen-Frage dazu: Für den Lebensunterhalt seiner eigenen Familie sollte man selbst aufkommen. Und wenn man das bei zwei Erwachsenen schon nicht kann, warum muss man dann noch Kinder in die Welt setzen?

Als Kontrastprogramm nochmal zu dem, was die SZ aus der Destatis-Vorlage macht – ein weiterer Artikel (4.) walzt die Fehlinformation aus: Die Gewissheit, dass eine Krippe einspringt, wenn beide Eltern arbeiten wollen, hat gerade bei Akademikerinnen für mehr Nachwuchs gesorgt.

So eine Aussage bei geringfügigen 3% zusätzlichen deutschen Kindern gegenüber 25% zusätzlichen Kindern von ausländischen und höchstwahrscheinlich nichtakademischen Müttern. Und bei einer 5-Jahres-Zunahme von 10% gegenüber 64%. Dazu liefert die SZ noch die Aussage, dass mehr Mütter arbeiten und weiterhin ihre Steuern zahlen, was wohl nur auf Promillebruchteile zutreffen dürfte. Und die Annahme, dass die vielen Neugeborenen irgendwann zu Fachkräften und Rentenbeitragszahlern werden, dürfte gelinde gesagt überoptimistisch sein.

Ärgerlich ist nicht nur die Manipulation. Implizit wird ja noch das Dogma hochgehalten, die Bevölkerung darf nicht schrumpfen. Andere linksgrün-illusionäre Artikel kritisieren dann die übermäßige Umweltbelastung von Deutschland, womit es den Klimawandel auslöse und deshalb die Klimaflüchtlinge aufnehmen müsse. Ohne die Einwanderung wäre die deutsche Bevölkerung aber viel kleiner und würde noch weiter zurückgehen; sie würde sie Umwelt viel weniger belasten. Geburtenrückgang ist ein anderes Wort für Nachhaltigkeit.

Erst möglichst viel Einwanderung verlangen und dann die dadurch hochgehaltene Umweltbelastung kritisieren, das ist nochmal mehr Manipulation. Und dafür braucht es noch nicht mal die Zahlenlieferandos von Destatis.

 

(Dieser Artikel wurde am Tag nach dem Erscheinen überarbeitet. Die anfangs behauptete falsche Zahl kam durch einen Zahlendreher des Autors und nicht durch Destatis, 598,7 statt 589,7. Die eigentliche Aussage des Artikels bleibt davon leider unbetroffen.)

Medien-Links:

  1. Die fehlerhafte Grundinformation: Geburtenanstieg setzte sich 2016 fort (Statistisches Bundesamt Destatis, Pressemitteilung Nr. 115 vom 28.3.): 2016 wurden in Deutschland 792.131 Kinder geboren. … Deutsche Mütter haben rund 607.500 Kinder zur Welt gebracht, 3 % mehr als 2015. Für 2015 wird dort 589.700 angegeben, die wirkliche Zunahme ist weniger als 1,5%.
  2. Der manipulative SZ-Artikel: Geburtenrate – Die Rückkehr der Kinder (Süddeutsche Zeitung 28.3., mit Zahlsperre): In Deutschland kommen wieder mehr Babys zur Welt. Das liegt nicht nur an der Zuwanderung, sondern auch daran, dass viele Frauen sich später entscheiden, Mutter zu werden.
  3. Der halbwegs sachliche SZ-Artikel: Statistisches Bundesamt – So viele Geburten wie zuletzt 1973 (Süddeutsche Zeitung 28.3.): In Deutschland sind wieder mehr Babys geboren worden: Die Zahl der Geburten stieg 2016 im fünften Jahr hintereinander auf 792 131, teilt das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Im Vergleich zum Vorjahr sei das ein Anstieg von sieben Prozent beziehungsweise um 54 556 Babys.
  4. Noch ein manipulierender SZ-Artikel: Geburtenrate – Kitas sind nur ein Anfang (Süddeutsche Zeitung 28.3.): … Die Gewissheit, dass eine Krippe einspringt, wenn beide Eltern arbeiten wollen, hat gerade bei Akademikerinnen für mehr Nachwuchs gesorgt. … Der Staat … profitiert nicht nur davon, wenn die vielen Neugeborenen irgendwann zu Fachkräften und Rentenbeitragszahlern werden, sondern auch davon, dass mehr Mütter arbeiten und weiterhin ihre Steuern zahlen.
  5. Zum Vergleich ein Zeit-Artikel: Geburtenrate: In Deutschland werden so viele Kinder geboren wie vor 20 Jahren (Zeit Online 28.3., 340 Kommentare): Zum fünften Mal in Folge ist die Geburtenrate in Deutschland gestiegen. Ein Grund ist laut Statistikern, dass Frauen zwischen 30 und 37 Jahren vermehrt Kinder bekommen.
  6. Replacement Migration (UN Department of Economic and Social Affairs 2001): Is It a Solution to Decline and Aging Populations. Diese Lösung sieht so aus: Im Verhältnis zu ihrer Bevölkerungsgröße bräuchten Italien und Deutschland die höchste Anzahl von Einwanderern, um den Bestand ihrer Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter zu erhalten. Italien benötigte jährlich 6.500 Zuwanderer pro 1 Million Einwohner und Deutschland 6.000 (entsprechend 492.000 Immigranten pro Jahr). Die Vereinigten Staaten benötigten die geringste Zahl – jährlich 1.300 Zuwanderer pro 1 Million Einwohner.

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