Afrika - Neue Heimstatt für Jesus


„In Italien ist es warm und die Sonne scheint fast immer. Dagegen ist das graue Norddeutschland von Kälte, Regen und Stürmen gepeinigt.“ Dieses Faktum war den armen Friesen zu Beginn des achten Jahrhunderts christlicher Zeitrechnung nur zu leidvoll bewusst. Dagegen konnten auch Thor und das ganze restliche Panoptikum an germanischen Göttern und Halbgöttern, die durch die Vorstellungswelt der armen Heiden geisterten, nichts ändern. Bonifatius aber versprach Abhilfe. Das Wetter werde sicherlich wie in Italien, wenn man sich nur dem richtigen Gott zuwendet.

Verwunderung griff aber um sich, als sie die „Begründung“ für diese offenbaren klimatischen Unterschiede erfuhren. „Aufklärer“ der Friesen war der aus Wessex (heute Grafschaft Devon) stammende Wynfryth, der aber seinen Kampfnamen, der ihm von Papst Gregor II. anlässlich einer Pilgerreise nach Rom verliehen worden war, bevorzugte: Bonifatius, also in etwa „derjenige, der Gutes tut“. Er wurde natürlich heilig gesprochen und gilt heute als der „Apostel der Deutschen“. Für Jospeh Ratzinger, der sich neuerdings zum Obermissionar des so arg verweltlichten Westens berufen fühlt, ist er ein glühendes Vorbild, dem nachzueifern jedes anständigen Christen Pflicht bedeutet, so am 11. März 2009 in einer Generalaudienz vor 50.000 verklärten Pilgern in Rom.

Mission damals und heute

Bonifatius’ „Begründung“ war so simpel wie haarsträubend: „In Italien wohnen eben Christen, die von Gott dafür mit angenehmem Klima belohnt werden“. Als ich dies kurz vor meinem Examen 1969 in einer Oberseminararbeit wohl wahrheitsgemäß als plumpen Trick und schlichte Lüge bezeichnete, erboste sich mein gläubiger Professor am Rand des Manuskripts mit der Bemerkung: „Kirchenfeindlichkeit geradezu Bismarckscher Prägung!“ Die Friesen hat Bonifatius nicht überzeugt: sie jagten ihn davon. Das war aber nicht der einzige Griff des guten Apostels der Deutschen in die Trickkiste. Kurz nach 723, nunmehr mit einer beträchtlichen fränkischen Streitmacht zu seiner Sicherheit gegen etwaige heidnische Feindseligkeiten im Rücken, ließ er in Geismar bei Fritzlar die dort zu Ehren Thors stehende Donareiche fällen. Als kein Blitz vom Himmel fuhr, um den Frevler zu bestrafen, konnte er frohlockend verkünden: „Seht her, Euer Gott existiert ja gar nicht, sonst würde er sich das nicht gefallen lassen“. Die Heiden waren verdutzt, ihnen standen die Münder offen, so dass sie nicht einmal auf die naheliegende Idee kamen, eine christliche Kapelle in der Nähe einzureißen, um die Reaktion des Christengottes zu prüfen.

Doch trotz all dieser Lügenmärchen ging die Christianisierung nur schleppend voran. Aber Bonifatius wollte es noch einmal wissen. So wagte er sich im gesegneten Alter von über achtzig Jahren noch einmal in die Friesenlande, die er als junger Missionar so schmählich hatte verlassen müssen. Er wollte einfach nicht begreifen, dass diese widerborstigen Leute partout nichts mit seinem vorderorientalischen Wanderprediger zu tun haben wollten. Die Quittung folgte auf dem Fuße: die Friesen hatten nunmehr die Nase voll und erschlugen den Quälgeist mitsamt seiner Mannschaft am 5. Juni 754.

Kolonialisierung brachte abrahamitische Religionen nach Afrika

Als Jahrhunderte später Sachsen und Friesen sich noch immer nicht dem römischen Kreuz beugen wollten, riss schließlich Karl dem Großen der Geduldsfaden. Mit gewaltiger Streitmacht seiner Gotteskrieger ließ er Tausende der Widerspenstigen dahinmetzeln, allein in Verden an der Aller kostete das Massaker im Namen christlicher Nächstenliebe 4 500 Menschenleben. Die lange und leidvolle Geschichte der Missionierung in Norddeutschland zeigt archetypisch die Vorgehensweise der vermeintlich friedvollen Religionen. War man in der Minderheit, versuchte man es mit Lüge und Verstellung, im Koran etwa „Taqiyya“ genannt. Hatte man die Macht, wurde der Ungläubige schlicht militärisch überrannt und zur Annahme des jeweils „rechten Glaubens“ gezwungen. Die monotheistischen Weltreligionen stehen sich hier in nichts nach, mit einer Ausnahme: Juden missionieren nicht.

Wenn also Bonifatius-Verehrer Benedikt XVI. das Übel des um sich greifenden Atheismus per Mission ausrotten will, dürfen wir gespannt sein, zu welchen Tricks und Lügen der Vatikan diesmal greifen wird. Militärische Macht kann er ja mangels Masse zum Glück nicht einsetzen. Der Islam verhält sich in diesem Punkte völlig systemkonform. In Europa und Amerika greift er zur Taqiyya. Dort wo er militärisch stärker ist wie etwa in Somalia, Sudan, Pakistan, Afghanistan oder auch im Norden Nigerias zählt nur noch nackte Gewalt mit Terror und Unterdrückung – auch gegen die eigenen Glaubensbrüder, wenn deren Ideen nur ein Quäntchen von der angeblich „reinen Lehre“ abweichen. Das Mittelalter lässt grüßen.

William Black, Dozent für Theologie und christliche Geschichte, stellt mit Verweis auf Nordafrika fest: “Das Christentum war afrikanisch seit der Zeit der Apostel.” Spätestens aber die Kolonialisierung brachte die christliche Religion nach Afrika. Vorher, heute noch teilweise, herrschten Naturreligionen vor, die sich ganz offensichtlich evolutionär entwickelt haben, da der Mensch von Beginn an auf der Suche nach Erklärungen für das Unbekannte war. Wo kommen Blitz und Donner her? Wer ist verantwortlich für Sonnenschein und fruchtbringenden Regen? Das simplifizierte Weltbild ist immer vom Prinzip her gleich: für das Gute sind die Götter verantwortlich, die man deshalb ehren muss, oder denen man sogar Opfer bringen muss, das Böse wird von Dämonen und Teufeln hervorgebracht, vor denen man Angst und Furcht haben muss. Wie passend, dass auch die abrahamitischen Religionen im Grunde vergleichbar einfältig gestrickt sind. Mission in Afrika: Ein gütiger, manchmal auch zorniger Gott, der in seiner Ohnmacht die bösen Satane und Teufel einfach nicht in den Griff bekommt, sonst gäbe es sie ja nicht mehr.

Wenden sich also – wie heute in Europa – die ehemals Gläubigen in Scharen von den Religionen ab, so kann man sie mit einer Angstkampagne möglicherweise zurückgewinnen: Die Abwendung von Gott produziert „eine Kultur des Todes“ und „Satan füllt die Lücke“, behauptet Prälat Obiore Ike aus Nigeria, wenn er deutschen Christen weismachen will, wie sie von Afrika lernen können. In Afrika scheint eine solche primitive Angstmache zu funktionieren: die Kirchen – vor allem auch die aggressiven Evangelikalen – gewinnen stetig an Mitgliedern. Gestützt auf den traditionellen Aberglauben und unter geschickter Ausnutzung lokaler Gepflogenheiten ist Afrika zum religiösesten Kontinent der Erde geworden.

In einer umfassenden Studie des Pew Forum, die von CNN publiziert wurde, wird festgestellt, dass Afrikaner zu den religiösesten Menschen dieser Welt zählen. Etwa 150 Millionen Evangelikale gibt es bereits, und nach einer Verdreifachung der Mitgliederzahlen während der letzten 30 Jahre weiß die katholische Kirche heute ähnlich viele Menschen hinter sich. Der Humanist Leo Igwe hat dazu einen bemerkenswerten Aufsatz veröffentlicht. Als Kenner der afrikanischen Szene und leidender Betroffener dieses Wahns schreibt er: „Gemäß dieser Studie glaubt mindestens die Hälfte der Christen in Afrika unterhalb der Sahara, dass Jesus noch zu ihren Lebzeiten wiederkehren wird. Einer von drei Moslems erwartet die Wiedererrichtung des Kalifats – das goldene Zeitalter des Islam – bevor sie sterben. Mindestens 30 Prozent der Menschen in Afrika geben vor, göttliche Heilungen erfahren zu haben, oder gesehen zu haben, wie der Teufel ausgetrieben wurde, oder eine direkte Offenbarung Gottes empfangen zu haben. Ein Viertel glaubt, dass Opfergaben für die Ahnen sie vor schlimmen Ereignissen schützen können. Und bemerkenswerte Prozentzahlen glauben an Zauber und Amulette. Viele konsultieren traditionelle religiöse Heiler…”

In Nigeria werden jährlich sieben Mal soviele Priester wie in Deutschland geweiht

Wenn man diesen horrenden Unsinn liest, der durch die umfassende Studie mit über 25.000 Befragten in 19 Sprachen gut untermauert ist, so zweifelt man am Verstand der Kirchen – falls man es nicht ohnehin schon tut – , dass sie sich auf einen solchen Synkretismus einlassen. Das ist ja kein Einzelfall, wie die Inkorporation von Voodoo in der Karibik, oder die simple Weihnachtstanne an der Bethlehemer Krippe zeigen. Doch was will man von Priestern erwarten, die Seelenmessen lesen und damit den Kontakt zu den Toten herstellen, oder die Heiligenbilder verehren, auch in Form von Amuletten, oder die als religiöse Heiler den Satan per Exorzismus austreiben. Das steht diesen afrikanischen Bräuchen in frappierender Weise nah und wird deshalb auch schamlos genutzt. Wäre Jesus Leichnam nicht aus seiner Gruft gestohlen worden würde er sich, ganz metaphorisch gesprochen, wohl im Grabe umdrehen, wenn er sähe, was aus „seiner“ Kirche geworden ist.

Der Glaube an solchen Hokuspokus ist zum Glück in Europa seltener geworden, auch unter den Gläubigen. Umso befremdlicher wirkt es, wenn afrikanische Theologen wie Ibiora Ike daherkommen, und die Spiritualität Afrikas geradezu als Vorbild hinstellen. Das Interview mit Ike ist auch deshalb so unerträglich, weil dieser Unsinn mit einer freundlich lächelnden Leichtigkeit vorgetragen wird: „Jesus hat in Afrika eine neue Heimstatt gefunden“. Zur Untermauerung dient ihm auch, dass allein in Nigeria jährlich 700 Priester geweiht werden, in Deutschland sind es dagegen etwa 100 pro Jahr. All das heißt doch im Klartext: Hier liegt die wahre Frömmigkeit von heute, nehmt euch ein Beispiel daran. Da solche Avancen sicherlich nicht ohne Abstimmung mit dem Vatikan erfolgen, darf man davon ausgehen, dass sich hier im Kern bereits die neue Taktik herauskristallisiert, mit der die Re-Christianisierung Europas erfolgen soll. „Völker dieses Kontinents: schaut auf Afrika und erkennt, dass hier ein großes Vorbild glühenden Glaubenseifers vor euch steht, dem nachzufolgen heilige Christenpflicht ist.“ Und im Grunde sieht der erstaunte Betrachter nichts anderes als einen neuerlichen Griff in die Trickkiste, die eines Bonifatius nicht unwürdig wäre.

Der Artikel erschien zuerst im November 2012

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.