Manipulative Zahlen: Asylentscheidungen in der EU

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brain-2146167__482Es hat sich herumgesprochen: Zahlen von eurostat (EU) und destatis (D) sind in der Regel politische Inszenierungen. Sie werden gezielt aufbereitet, um zu desinformieren, um irreführende Akzente zu setzen, um den Betrachter mit vielen unwichtigen Größen zu überschwemmen, hinter denen die eigentlichen Zahlen versteckt werden (Wackelbild: ElisaRiva, pixabay).

Was das Statistische Bundesamt destatis kann, kann auch die Bundesagentur für Arbeit. Beispielhaft ist die Zahl der Arbeitslosen, die das Arbeitsamt mit immer neuen Tricks und Schlichen kleinrechnet (wb-Link unten). Der Weg zu gefälligen Zahlen führt über die Aufspaltung in allerlei Rubriken, die man nicht mitzählt, z.B. Unterbeschäftigte, Aufstocker, Ein-Euro-Jobber, offiziell keine Arbeit Suchende, an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen Teilnehmende, über 58 Jahre Alte, Langzeitarbeitslose, am Tag der Erfassung Krankgeschriebene, in Ausbildung Befindliche, Angehörige Pflegende, Kinder Erziehende, Vorruheständler, arbeitsfähige Hartz-IV-Bezieher.

Ähnlich ist die Strategie bei den Flüchtlingen. Da wird fein säuberlich unterteilt in Asylanten, Genfer-Konvention-Geschützte, subsidiär Geschützte, Geduldete, Kontingentflüchtlinge, Schutzbedürftige auf Basis Relocation oder Resettlement, Personen mit Abschiebungsaussetzung bzw. aus Ländern mit Abschiebungsverbot, Personen mit Aufenthaltserlaubnis aus humanitären Gründen sowie Ausreisepflichtige – und Familiennachzügler fallen ganz aus der Statistik raus.

Die Zahlen werden noch dividiert in Quartale und aufgeschlüsselt nach Quellen- und Zielländern, unterschieden nach Einreisetermin, Antragstermin und sonstwas. Heraus kommen viele kleine Zahlen, die gar nicht beeindruckend wirken. Und vor allem gibt es eine Vielzahl von konkurrierenden Zahlen. Wer darüber stolpert und mit falschen Zahlen rechnet, dem werden von anderen andere Zahlen vorgehalten, mit dem Argument, er blicke ja nicht durch. Ja, dazu sind sie ja aufbereitet, die Zahlen, damit man nicht durchblickt.

Was nicht gezeigt wird, sind die wirklich interessanten Zahlen: Die tatsächlichen Summen und die Verteilung auf die Altersschichten. Wenn wir ein "Abwehrzentrum gegen Falschmeldungen" hätten, dann hätte es viel zu bekritteln. Und zwar nicht nur die beschriebene Salamitaktik, sondern auch Prinzipielles:

Wenn sowieso jeder Abgelehnte geduldet wird und kaum einer abgeschoben wird, ist das Verfahren doch nur eine Farce.

Nach diesem Vorspann sind die Zahlen mit Vorsicht zu genießen. Eine Eurostat-Pressemitteilung (1. Link unten) nennt für 2017 diese Zahlen: 325.370 positive Asylentscheidungen in Deutschland, 40.757 in Frankreich, 35.130 in Italien, 33.925 in Österreich, 31.235 in Schweden. Insgesamt fielen in der EU von 973.330 erstinstanzlichen und 266.700 endgültigen Entscheidungen 538.000 positiv aus, 60% davon in Deutschland.

Darin sind die 23.925 umgesiedelten Flüchtlinge nicht enthalten; deren Zahl taucht allerdings in der Pressemitteilung auf. Die ganzen anderen Zahlen fehlen: Geduldete usw. usf. bis Familiennachzug. Das Ganze ist so arrangiert, dass man diese Zahlen auch nicht rekonstruieren kann. Die angegebenen Anerkennungsquoten 46% Anerkennung in 1. Instanz und 36% in der endgültigen Instanz sagen wenig darüber aus, wie viele Bewerber es 2017 waren, und wie groß die Anerkennungsquote unterm Strich ist bzw. zu schätzen ist.

Einen Monat vor dieser verwirrenden Pressemitteilung lieferte eurostat noch mehr Wirrnis (2.). Der Asylum quarterly report liefert komplett andere Zahlen (First time asylum applicants, Q4 2016 – Q4 2017 gegenüber Entscheidungen in erster Instanz, 2017, Gesamtzahl): 198.255 Asylanträge in Deutschland (gegenüber 524.185 bei 1.), 91.070 in Frankreich (110.945), 126.550 in Italien (78.235), 22.160 in Österreich (56.285) und 22.190 in Schweden (61.065). Stimmen kann das alles nicht, aber dafür gibt's Tabellen voller Zahlen, wo man sehen kann, dass Liechtenstein in jedem Quartal 10 Anträge hatte.

Wer das bei eurostat vorträgt, bekommt vielleicht Auskunft, wie das ineinander umzurechnen ist. Aber ist das die Aufgabe der Leser? Müsste nicht eurostat transparente, übersichtliche Zahlen liefern, auch wenn dafür geschätzt werden muss? Das kann im Zeitalter der Computer doch nicht so schwer sein.

So wie sich das jetzt präsentiert, ist es Manipulation. Es ist gewollte Verschleierung und absichtliche Irreführung. Das unausweichliche Fazit ist, man soll nicht durchschauen, wie viele Flüchtlinge tatsächlich da sind, und man soll die Prozentzahlen in den jungen Altersverteilungen nicht sehen. Genau das ist es aber, was zählt, und nicht das 4. Quartal von Liechtenstein.

 

Medien- und Institutionen-Links:

  1. Asylentscheidungen in der EU (eurostat 19.4.): EU-Mitglidedstaaten erkannten im Jahr 2017 mehr als eine halbe Million Asylbewerber als schutzberechtigt an. Fast ein Drittel der Schutzberechtigten waren Syrer.
  2. Asylum quarterly report (eurostat 19.3.): Overall, the number of persons seeking asylum from non-EU countries in the EU-28 during the fourth quarter of 2017 was 154 000, a number around the levels recorded in 2014, before the peaks of 2015 and 2016.
  3. Asylmekka Österreich (atheisten-info.at 22.4.): Die von der EU-Statistik am 19.4.2018 vorgelegten positiven Asylerledigungen des Jahres 2017 bringen wieder dieselben drei Asylmeister: BRD, Österreich, Schweden.
  4. Asylmekka Deutschland (atheisten-info.at 22.4.): Über 60% der positiven Entscheidungen entfielen auf einen einzigen Mitgliedstaat: Deutschland (325.400). Im Vergleich dazu Frankreich (40.600).
  5. PKS 2016 (die PKS 2017 ist noch unveröffentlicht)
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