Rezension des Buches „Pfaffenspiegel“ von Otto von Corvin (geboren 1812) von Frank Sacco

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PfaffenspiegelDer Pfaffenspiegel aus dem Jahr 1845 ist ein kirchenkritisches Buch des ostpreußischen Autors Otto von Corvin. Das "gepfeffert polemische Werk" beinhaltet eine oberflächliche Geschichtsklitterung, die von den Nationalsozialisten zu Hetzaktionen gegen die katholische Kirche genutzt wurde, schreibt wiki.
Frank Sacco, Doktor der Medizin, hat das Buch rezensiert, die „Religionstollheit“, die „Vizegötter“ (die Päpste), und wie der menschliche Geist „der Aufklärung möglichst unzugänglich“ gemacht werden soll. Die christliche Botschaft des auf ewig gegrillt Werdens (in der Hölle), ist verstörend, und dagegen geht Sacco vor (Bild: Willhelm01, Wikimedia Commons).

Rezension des Buches „Pfaffenspiegel“  von Otto von Corvin  (geboren 1812)  von Frank Sacco

Es ist ein berühmtes Buch mit einem millionenfachen Verkauf. Es ist in einer Zeit geschrieben, die man die Aufklärung nannte – und nicht die Postmoderne. Doch wenn man es liest, lernt man, dass es immer nur wenige sind, die in einer aufgeklärten Zeit aufgeklärt sind. Das gilt auch für die Jetztzeit. Corvin schreibt nun in einer Sprache, der der meinen doch sehr ähnelt. Und er hat die gleichen Ergebnisse über die christliche Religion vorgelegt. Er ist ein Glaubensbruder in Sachen Religionskritik. Die Kriminalgeschichte des Christentums nahm er vorweg. Eine Rezension kann nur einen sehr kleinen Überblick in die Fülle von Informationen geben, die uns der Autor liefert.

Die Welt sei schon oft mit einem „Narrenhause“ verglichen worden, so Corvin. Er findet überall Kennzeichen eines „Tollhauses“. Corvin: „Die Religionstollheit verdient schon eine genauere Betrachtung, denn sie ist über die ganze Erde verbreitet und hat unsägliches Elend über die Menschen gebracht.“ „Oh nein“, diese Krankheit sei „nicht heilbar“, schreibt er. Es gebe zwar Ärzte, die es ehrlich meinen würden. Aber die „Machthaber fesseln ihnen nicht allein die Arme, sondern versiegeln ihnen auch den Mund“. Das erinnert mich doch stark an die konzertierten Aktionen der Kirche, meiner Kammer, der Approbationsbehörde und der lieben Kollegen aus der Psychiatrie gegen mich. „Versklavt“ habe das Christentum die Bürger. Unter „Zittern und Zagen  würde von „Wahnsinnigen“ ein Rosenkranz gebetet und ständig fürchte man, „der Teufel möchte einen holen“. „Vizegötter“ nennt er die Päpste und zitiert gleich im Vorwort Papst Alexander  VI.: Das Papsttum, so der ehrliche Alexander,  könne „nur herrschen, wenn die Welt dumm ist“. Es ruhe auf dem „solidesten Fundament – auf der Dummheit der Menschen“. Hier will ich gleich dem Alexander widersprechen: Es ist kollektive Angst, die den Verstand ausschaltet – und nicht etwa primäre Debilität. Corvin bemerkt: Einigen zartbesaiteten Kritikern sei seine Sprache „hin und wieder zu offen und derb“. So etwas habe ich über meine Arbeiten auch schon vernommen.

Corvin erzählt von den Tricks des Klerus. Man bemächtige sich „der Erziehung der Jugend“.  Daran hat sich bis heute nichts geändert. Schon im Kindergarten kommt der Pastor wöchentlich. Nur so könne der menschliche Geist „der Aufklärung möglichst unzugänglich“ gemacht werden. Kleriker würden Mensch die  Furcht „vor entsetzlichen Gefahren“ einpflanzen, „gegen welche allein die Priester die Mittel“ hätten, zu vergeben.  Man bezeichne „den Glauben als das Heiligste und Unantastbarste“ und stelle schon „bloßen Zweifel“ als ein „Verbrechen“ dar, „welches die Götter als das schrecklichste von allen“ Verbrechen bestrafen. Sola fide, rief denn auch der Reaktionär Luther aus: Nur durch einen festen Glauben komme man nicht in die Hölle. Da er feste glaubte, fühlte er sich sicher, er, der zuvor durch schreckliche Angst am Wahnsinn litt und halluzinierte.

Corvin meint wie ich, Jesus sei ein Revolutionär gewesen, indem er sich gegen die herrschende Klasse der Römer und Pharisäer wandte. Auch in unserer Zeit hätte man ihn „wenn nicht gekreuzigt, so doch standrechtlich erschossen oder in ein Zuchthaus gesperrt“. Auch ich kann nicht auf einem rostigen Fahrrad nach Berlin radeln und dort behaupten, ich sei die neue Merkel. Darauf steht in der BRD „lebenslänglich“.  Erst Jahrhunderte nach Jesu Versterben  werde er als „Stifter der christlichen Religion“ genannt. 

Da Jesus gesagt habe, man solle als Gläubiger ihm gleich auch das Kreuz auf sich nehmen, um so durchs Nadelöhr zu kommen, entstand ein christlicher  Masochismus 1. Klasse. Corvon zitiert z. B. die Heilige Therese (1515- 1582). Selbstquälerei war in ihrem Kloster „an der Tagesordnung“. Thereses Nonnen „verbrauchten Unmasse von Ruten. Sie schliefen auf Dornen oder im Schnee, tranken aus Spucknäpfen, nahmen tote Mäuse und anderes ekelhaftes Zeug in den Mund, tranken Blut, tauchten ihr Brot in faule Eier und durchstachen sich die Zunge mit Nadeln, wenn sie das Schweigen gebrochen hatten“. Wir sehen hier bzw. an den Heiligen, wie massive Angst vor der Hölle die Menschen wahnsinnig, also krank  macht. Auch die anderen Heiligen kommen nicht gut bei Corvin weg. „Ärger konnten die Pfaffen die christliche Religion nicht verhöhnen als durch diesen Heiligendienst“, so Corvin.

Auch über den Reliquienbetrug schreibt er. Der Mönch Eiselin zog 1500  „mit einer Schwungfeder“ einher „aus dem Flügel des Engels Gabriel. Wer diese küsste, dem sollte die Pest nichts anhaben. Ein solcher Kuss wurde natürlich nicht umsonst gestattet“. „Splitter vom Kreuz gab es so viel, dass man aus dem verwendeten Holz ein Kriegsschiff hätte bauen können.“

„Der Ablass ist ein Kind des Fegefeuers und der Ohrenbeichte“, so der Autor. „Jeder begreift, welche ungeheure Gewalt die Priester durch diese Eirichtungen erlangten, denn abgesehen davon, dass sie von den Gläubigen die geheimsten Dinge erfuhren, die sie zu ihren Zwecken ausnutzen konnten, lag es auch ganz in ihrer Hand, den Beichtenden freizusprechen oder nicht… je nachdem der Sünder zahlte. Das Fegefeuer war eine Erfindung des römischen Bischofs Gregor des Großen (590-604)… eine Art Seelenwaschanstalt“ für Gläubige, die „zwischen Himmel und Hölle balancierten“. Hier, das bemerken wir, spricht der Autor nicht im Präsens. Er begreift – wie auch die Heutigen –  die eigene Zeit nicht. Er hält  sie für aufgeklärter, als sie es war.

„Die Kreuzzüge waren anfangs eigentlich weiter nichts als bewaffnete Wallfahren… der Päpste“, mit dem Ziel, „ihre Macht auf Asien ausdehnen zu können“. „Alle Sünden,…sie mochten noch so groß sein“, waren  vergeben, sobald der Krieger „sich das Kreuz auf den Rock geheftet“ hatte. Zitiert wird Tetzel, ein Dominikanermönch.  Der rief: „Sowie das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt.“ Das, so lehrte Tetzel, gelte auch für jemanden, der „die Mutter Gottes genotzüchtigt und geschwängert habe“. Das nennt Corvin mit Recht eine Frechheit.

Auch bezüglich der Sexualität ist Corvin  auf dem neuesten Stand: „Die Befriedigung des Geschlechtstriebes ist also eine Naturpflicht und an und für sich ebenso erlaubt und unschuldig, wie die Befriedigung des Durstes. Der gewaltsam unterdrückte Geschlechtstrieb macht Tiere toll und Menschen zu Narren.“ „Die Ehe, dieses heilig Sakrament, wurde den Geistlichen verboten, weil es sie verunreinige!“ So hat der Klerus bis heute die Sexualität vergiftet und zur Krankheit gemacht. Der Heilige Bernhard wird als einer der wenigen Vernünftigen zitiert: „Man muss ein Vieh sein, um nicht zu merken, dass man allen Lastern Tür und Tor öffnet, wenn man die rechtmäßige Ehe verdammt“.  Die Folgen sehen wir heute an den Skandalen unserer Priester in Sachen Pädophilie. Die klerikale Pädophilie ist eine Angstneurose. Die Vulva wird verteufelt und als „Eingang zur Hölle“ empfunden. Das schreibt uns der homosexuelle Einstein des Sex, Magnus Hirschfeld, der das  Aushängeschild der heutigen Berliner Homosexuellen ist. Er schreibt uns, Homosexualität, im Falle sie unbewusster Ersatz für kirchlich verbotenen Heterosex ist, könne zurückgehen, wenn es der Gesellschaft gelänge, die Kirchen in den Griff zu bekommen. Die Valesier, so Corvin, zwangen ihre Anhänger zur Kastration. Das ist nur logisch: Ohne Sex keine jenseitige Strafen für diesen Sex. Ein Priester wollte sich den Penis abschneiden, um nicht mehr onanieren zu könne. Sein logischer Gedanke: Besser ohne Pimmel im Himmel als mit Pimmel auf dem ewigen Grill. Diesen Grill schildert uns Bischof Nikolaus Schneider, ehemaliger Chef der EKD und Nachfolger Bischöfin Käßmanns,  als ein bestrafendes „ewiges Feuer Jesu“. Die Botschaft des auf ewig gegrillt Werdens sei „verstörend“, meint Schneider. Nein! Sie ist ein Verbrechen. Schneider ist ein Verbrecher. Ich habe ihn angezeigt.

Bis zum heutigen Tag macht diese Religion krank bis hin zum Wahnsinn. Die Psychiatrie hat bis heute nicht begriffen, welche Erkrankung sie auf ihren geschlossen Stationen hauptsächlich und eigentlich behandelt: Das Sacco Syndrom. Der Grund dieser Blindheit: Es ist die Erkrankung auch unserer Psychiater. Die Erkrankung Sigmund Freuds. Auch Psychiatrie-Chefarzt und Autor Manfred Lütz meint, es würden religiöse Traumata bei seinen Kollegen vorliegen. Denn man überweist Sacco-Kranke zum verursachen Klerus! Ein Kunstfehler! Doch wer so offensichtlich krank ist, sollte dann erst psychisch Kranke behandeln dürfen, wenn er eine spezifische Therapie durchlaufen hat. Ich bot und biete mich da gern meinen Kollegen als Therapeut an. Doch die lehnen strikt und entrüstet die Hilfe eines Internisten ab. Was wir verstehen können. Eine frühkindliche Kränkung in der Vorgeschichte macht das Akzeptieren eines solchen Angebotes in aller Regel nicht möglich (Bild: Sacco).

davOtto von Corvin, „Der Pfaffenspiegel“, Thalia, 2015, 978-3-8496-9507-1

Frank Sacco ist Autor von Das Sacco Syndrom und Autor der Bücher

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