Fat finger: was Fingerabdrücke verraten

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fingerprint-1894997_1280Das Fingerabdruck-Bild von pjw1307, pixabay, scheint einem beim Rauf- und Runterscrollen zuzublinzeln. Es steckt mehr hinter diesen Linien, als man denkt. Damit sind nicht die augenbetörenden Kurven gemeint, sondern die Stoffe, aus denen die Linien bestehen. Wenn die mit modernen Methoden analysiert werden, liefern sie ungeahnte Auskünfte (1. Link unten).
Die Rede ist von ein paar Dutzend Pikogramm (0.000000000012g). So wenig reicht heutzutage, um Dinge zu entdecken, die früher der Aufmerksamkeit entgingen. Man ist damit meilenweit von Sherlock Holmes' Kollegen entfernt: Fingerabdrücke können eine ganze Palette von neuen Daten liefern.

Die Abdrücke entstehen, wenn Finger eine Oberfläche berühren. Zurück bleiben Spuren von Schweiß, Fett und anderen Substanzen. Die Spuren der Papillarleisten formen die typischen Muster, die bei jedem Menschen anders ausfallen. Zumeist sind die Spuren für das unbewaffnete Auge unsichtbar. Sie brauchen Lupen, Mikroskope oder einen chemischen Entwicklungsprozess, um ihre Geheimnisse zu verraten.

Und sie verraten viel über die Finger-Besitzer: Was sie berührt haben, was sie gegessen haben und sogar die Drogen, die sie genommen haben. Erfasst werden jetzt auch Spuren von Speisen und Kosmetika, von Pharmaka und Umwelteinflüssen. Damit gibt der Fingerabdruck nicht nur das bekannte biometrische Rillenbild, sondern eine molekulare Signatur.

Es muss gar nicht darum gehen, einen Kriminellen zu suchen. Den findet man sowieso nur, wenn man die Abdrücke zuordnen kann, z.B. wenn sie in einer Datenbank gespeichert sind. Es geht auch darum, dem Arzt Aufschluss zu geben, der sonst nur durch Urin- oder Bluttests zu erlangen ist. Bei Dopingkontrollen wäre das geradezu ideal, weil die Identifikation durch das Rillenbild immer gegeben ist. 

Mit der Studie (1.) wiesen die Forscher die Empfindlichkeit der Methode nach. Sie fanden sogar Drogenspuren bei 13% der Leute, die keine Drogen nahmen, wahrscheinlich von Banknoten oder anderen kontaminierten Oberflächen übertragen. Wenn der Getestete Drogen nimmt, dürfte er 100* mehr Spuren in seinen Abdrücken hinterlassen. Der Nachweis funktioniert sogar nach dem Händewaschen, weil die Substanzen kontinuierlich durch die Drüsen ausgeschieden werden.

Für Ärzte eröffnet das noch die Möglichkeit, die verschriebenen Medikamente in den Fingerabdruckspuren nachzuweisen – und wenn die Medikamente nicht mehr genommen werden, kann auch das nachgewiesen werden. Nicht nur Sherlock Holmes wäre begeistert gewesen. Das sind aufregende Möglichkeiten für Forscher, Forensiker, Dopingtester und Mediziner.

Ach ja, und was ist ein fat finger? Das ist der berühmte Finger, der immer die falschen Knöpfe drückt, und dem die ganzen Computerfehler zugeschrieben werden. Ursprünglich ging es nur um Tippfehler bei Zahlen im Finanzwesen, aber der dicke Finger bot zu gute Ausreden auch auf anderen Gebieten. Er verkörpert das Argument "der Anwender ist schuld", das auch gigo heißt (garbage in, garbage out). Mit erweiterten Spürmethoden bei Fingerabdrücken hat der fat finger bis jetzt nichts zu tun. Aber man kann wohl bald genau nachweisen, wessen Finger das war, der da falsch gedrückt hat. Und wehe, wenn er Drogenspuren hinterlassen hat.

 

Medien-Link:

  1. The hidden data in your fingerprints (The Conversation 27.4.): Fingerprints are made not just from substances you have touched, but also substances excreted from your eccrine glands (the sweat glands located on the fingertips). Since sweat can include traces of things you have ingested, that means fingerprints can contain traces of drugs you’ve taken. In a recent paper in Clinical Chemistry, my colleagues and I have shown it is possible to detect cocaine, heroin and morphine use from a single fingerprint.
  2. Fat Finger Trades – schlimme Finger an der Börse (ARD 2017). 15 Beispiele zum durchklicken.

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