Gott und die Welt


petersdom-2e22df13-40f4-4bd9-a521-c8efabd84371„In Verantwortung vor Gott und den Menschen“ steht als Verpflichtung in der Präambel des deutschen Grundgesetzes. Angesichts der stark steigenden Zahlen derer, die sich in den letzten Jahrzehnten von den Kirchen befreit haben und der zusätzlichen großen Menge derer, die nur aus gesellschaftlichen oder familiären Gründen weiterhin im Schoß der Kirchen verbleiben, muss die Frage erlaubt sein, ob dieser Gottesbezug noch zeitgemäß ist, oder ob er nicht inzwischen einen regelrechten Affront gegenüber den Nicht- oder Andersgläubigen darstellt. Das Grundgesetz gilt immerhin für alle Deutschen, nicht nur für die verbliebenen Reste der aussterbenden Spezies homo religiosus. Jeglicher Vorstoß in Richtung Vernunft ist in den vergangenen Zeiten nach dem Kriege am erbitterten Widerstand der kirchlichen Lobby gescheitert. Man fragt sich unwillkürlich, was diese damit bezweckt, welche wahren Gründe sich hinter diesem besessenen Kampf verbergen.

Ginge es den Kirchen lediglich darum, ungestört ihre Riten befolgen zu dürfen, könnte es ihnen doch völlig egal sein, wie sich dieses weltliche Gebilde Staat organisiert und seine Gesetze demokratisch abgestimmt formuliert. Niemand will und wird ihnen das Recht auf Ausübung ihrer Religion nehmen. Es geht also nicht um die Verteidigung des religiösen Freiraums, sondern offensichtlich um die Meinungshoheit, um Dominanz, ja letztlich um die Disziplinierung aller Abtrünnigen oder Nie-Dort-Gewesenen. Es findet so zu sagen eine Fortsetzung der Inquisition mit anderen Mitteln statt. Zwar darf man Häretiker und Ketzer nicht mehr so ohne weiteres auf dem Scheiterhaufen von ihren Sünden befreien, aber das Beharren auf einer unsinnigen Formel zeigt jedermann eiskalt und gnadenlos: Wir sind noch da, warte nur ab, bis wir wieder die alleinige Bestimmungsgewalt haben, dann geht es Dir an den Kragen.

Auch in den nie zu einer gemeinsamen Verfassung geronnenen Lissabon-Prozess haben sich die Kirchenvertreter eifrig bemüht – unterstützt von den deutschen Vatikan-Parteien – ihre diskriminierenden Bestrebungen einzubringen. Es hat nicht gereicht, da selbst die überwiegende Mehrzahl der so genannten „katholischen“ Länder dem Begehren Widerstand entgegensetzte. Seitdem herrscht helle Verzweiflung bei den Katholiken, die so weit führte, dass katholischen Abgeordneten mit Exkommunikation gedroht wurde – ein wohlfeiles Machtmittel, das aber nicht mehr ganz so zieht wie noch in früheren Jahren, als von jeder Kanzel Wahlkampfpropaganda betrieben wurde.

Sie geben nicht auf. Im Rahmen der Kampagne, einen Gott in die europäische Verfassung (so sie irgendwann kommen sollte) einzuführen, veröffentlichte Kath.net nunmehr ganz brandaktuell ein Interview, das der kürzlich verstorbene Otto Habsburg der Organisation „Kirche in Not“ 2007 gab:

Papst Johannes Paul II. hat immer wieder davon gesprochen, Europa müsse auch eine Seele haben. Wie hat er das gemeint?
Der Kampf um die Seele Europas ist der Kampf um den Gottesbezug in der Verfassung. Wenn die Menschenrechte, die eines der wesentlichen Elemente Europas sind, einen Sinn und einen Inhalt haben sollen, muss es logischerweise einen Gott geben. Denn das Menschenrecht fußt schließlich auf dem Gedanken, dass der Mensch als von Gott erschaffenes Wesen eigene Rechte hat. Aus diesem Grund plädiere ich dafür, den Gottesbezug in die Europäische Verfassung einfließen zu lassen.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: ohne Gottesbezug ist die Seele Europas in Gefahr! Aber schlimmer noch: ausgerechnet die Menschenrechte, die der Vatikan neben Weißrussland nie unterzeichnet hat, dienen jetzt nachgerade als Gottesbeweis. Wusste dieser Mann zum Zeitpunkt des Interviews überhaupt noch, wovon er redete? Doch es geht bizarr weiter:

Die Gegenseite ist heute aktiver denn je. Der Teufel ist immer dort in der Nähe, wo der liebe Gott ist – weil er der Widersacher Gottes ist. Die antichristlichen und antireligiösen Kräfte sind gut vorbereitet, was von unserer Seite nicht behauptet werden kann. Hier gibt es für die Christen noch viel zu tun.
Reicht es denn nicht, wenn man einfach die Menschenrechte in die Verfassung schreibt und sich an diese vernünftigen Grundsätze hält?
Es reicht eben nicht! Hinter all dem muss eine höhere Autorität stehen. Das war der Grund, warum früher Gott in allen Dokumenten erwähnt wurde, jene höhere Autorität, die die Kontinuität der ganzen Sache verbürgt. Wir brauchen einen Gottesbezug in der Europäischen Verfassung, wobei dieser von allen Monotheisten getragen werden sollte.

Langsam schwant selbst dem kritischsten Leser, warum sich die Amtskirchen so herzhaft über die Präsenz des Islams in Europa freuen: Schützenhilfe für die erschlaffende Kraft des Christentums („alle Monotheisten“!). Und die Menschenrechte reichen natürlich nicht aus, denn denen fehlt die „höhere Autorität“.  Deutlicher kann man dem Scharia-Vorbehalt der OIC-Staaten nicht Beifall klatschen. Ob das allen Katholiken bewusst ist, die da immer noch meinen, vereint mit ihren Kirchen den Islam in Europa eindämmen zu können?

Wer an Gott glaubt, ist in dieser Frage unser Verbündeter. Auf anderen Gebieten mag es durchaus Differenzen zwischen den Religionen geben. Aber wenn wir die europaweite Perspektive sehen, müssen wir alle Kräfte sammeln und die Menschen vereinen, die an Gott glauben und für einen Gottesbezug in der Europäischen Verfassung eintreten.
Könnte es zu einer Re-Christianisierung oder zu einer Re-Vitalisierung des Christentums in Europa kommen?
Ich bin überzeugt, dass es dazu kommt. Ich sehe viele Zeichen, die das bestätigen. Wer, außer der katholischen Kirche, hätte weltweit solche Jugendtreffen zustande gebracht?
Wir leben in einer Zeit großer Veränderungen. Die Lebensbedingungen sind heutzutage ganz andere als früher. Die junge Generation hat das verstärkte Bedürfnis nach Halt, sie befindet sich auch wieder mehr auf der Suche nach Gott. Diese Chance gilt es zu nutzen.
Vor allem müssen junge, christliche Menschen in die Positionen kommen, wo Entscheidungen, auch für Europa, getroffen werden. Hier müssen sie für ihren Glauben

Wer sich die ganze Story zu Gemüte führen möchte, sei verwiesen auf http://www.kath.net/detail.php?id=32213

 

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