Tiere haben Religion! von Frank Sacco

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Worin besteht die Überlegenheit der Menschen über die Tiere? Dass sie tierisch gute Politik machen können? Nun ja …

Frank Sacco firmiert in diesem Artikel nicht nur als Doktor der Medizin, sondern auch als Internist, Psychotherapeut und Truppenarzt – und als Religionsforscher in den Sphären der Fauna. Als Ergebnis hat er Erstaunliches zu vermelden (Bild: Sacco):

Tiere haben Religion! von Frank Sacco

Lange hatte ich den Gedanken, das Vorhandensein von Religionen sei das Unterscheidungsmerkmal des Menschen vom Tier. Die anderen Bastionen sind längst widerlegt: Delphine und Wale haben Lautsprache, Ameisen bilden Staaten, andere Insekten halten sich Sklaven, andere Tiere wiederum führen Kriege. Das sind  alles Dinge, die Kommunikation, Intellekt, ein Lernen und ein Wissen erfordern. Nicht alles ist mit Instinkt zu erklären. Überhaupt: Was ist Instinkt. Wie entsteht er? Ist Instinkt doch ein früher Lernprozess, der schon intrauterin bzw. im befruchteten Ei einsetzt? Heute, nach diesem Artikel meine ich: Die Unterscheidung Mensch-Tier ist künstlich.

Mensch und Tier werden in eine bedrohliche Umwelt hineingeboren. Sterben, Leiden  und Tod sind allgegenwärtig. Was liegt näher, als sich Schutz zu suchen. Die Herde fand diesen Schutz zunächst in den Eltern, den Älteren und dem starken Herdenführer. Wir nennen ihn das Alphatier. Es wird verehrt, umsorgt, gepflegt, „angebetet“ und gefürchtet. Doch wenn man sich ihm vollständig unterwirft, lässt diese Furcht nach und das Gefühl der Sicherheit nimmt zu. Ein Auflehnen dagegen bedeutet gesellschaftlichen Ausschluss oder gar den Tod.

Lässt die Kraft des Alphatieres nach, geschieht das zunächst unmerklich. Die Zeit macht ihn letztlich und objektiv gesehen zu einem recht hilflosen Greis. Langsam muss so  in der Herde, der Urhorde, in der Familie eine Illusion in dem Sinn entstehen: „Der Herdenführer schützt uns.“ Diese Illusion ist echter Wahn, also eine Trugempfindung von Realitätscharakter. Hier finden wir die Geburtsstätte der Religion. Das Gefühl, geschützt zu sein, kann völlig unabhängig werden vom objektiv gegebenen Schutz. Und dieses unbedingt benötigte Gefühl muss gegen jede störende Einwirkung von Verstand verteidigt werden. Den Verstand gibt man an der Kirchentür ab.

Zunächst waren Menschen unsere „Götter“. Religion war profan. Pharaonen waren nach dem Dogma unsterblich. Eine Einbalsamierung sollte deren Seele die Rückkehr in den erhaltenen Körper ermöglichen. Je stärker der Pharao war, ja je grausamer er mit den Feinden und der unteren Klasse, der „Arbeiterklasse“ umging, umso angesehener war er bei der Mittel- und Oberschicht. Viel hat sich daran nicht geändert. Ein Präsidentschaftskandidat, der den Armen das rettende Obama – Care nehmen will, wird Präsident der USA. Seine moralische Qualifikation wird zur Nebensache. Ja je unmoralischer das Verhalten, je mehr Zustimmung erfährt ihm.

Menschen stört vieles nicht an einem Führer oder einem Gott, ja nicht einmal die Unsichtbarkeit ihres Gottes, auch nicht eine offensichtlich unterlassene Hilfeleistung oder seine Brutalität. Die wird kleingeredet oder in skurrile „Gerechtigkeit“ umgewandelt, eine Gerechtigkeit, die ein Mensch nicht beurteilen könne. Er dürfe daher Urteile und Taten nicht kritisieren, die dieser „höheren Gerechtigkeit“ entspringenden würden. Selbst ein Holocaust, die Sintflut, wird unter dieser Gerechtigkeit verbucht, obgleich § 131 StGB dies nach Auschwitz unter Strafandrohung hierzulande strengstens verbietet. Das zeigt uns die Größe der Angst des Menschen, der seinem Alphatier, hier seinem Gott, alles, auch alle Grausamkeiten gestattet. Ja je grausamer er sich anderen gegenüber verhält, umso größer das Gefühl des Schutzes für die sehr ängstlichen oder ängstlich gemachten Ja-Sager. Ein angehender Führer, das zeigen etliche Beispiele, mag auf Bedrohungen hinweisen oder gar künstlich Ängste erzeugen, um Führer zu werden. Er muss versprechen, dem Volk Schutz vor den erzeugten Bedrohungen bieten zu können. Er muss ein, und nur ein Feindbild aufbauen. Hitler war ein eiskalt berechnender Politiker in diesem kranken Sinn. Die „Kunst aller wahrhaft großen Volksführer“ sei die, dem Volk nur einen einzigen Gegner zu präsentieren. Den Schwächlichen und „unsicheren“ Charakteren im Volk kämen sonst Zweifel. Mit aller Macht schürte er also eine pauschalisierte Angst vor „dem Juden“. Er glaube, „im Sinne des allmächtigen Schöpfers zu handeln“. Indem er sich „des Juden erwehre“, kämpfe er „für das Werk des Herrn“. Der liebe Gott  muss halt für jede große Schweinerei in der Politik herhalten. „Unantastbar“ hätten für einen guten politischen Führer die religiösen Lehren seines Volkes zu sein, so der Führer. Man sollte schon das Buch „Mein Kampf“ gelesen haben, um manipulative Politik identifizieren zu können.

Wirklichen Atheisten kommen Äußerungen von Gläubigen dann schon einmal eigenartig vor. Hier ein Beispiel: „Es ist für mich ein Gefühl der Geborgenheit. Obwohl ich einen langjährigen, treuen Freund habe, ist Gott mir häufig tatsächlich näher, als jeder Mensch. Wenn ich gegen einen anderen Wut oder Hass verspüre, holt er mich wieder runter…. Ohne diesen Gott zu leben, würde mir ehrlich gesagt, Angst machen.“ Sigmund Freud schrieb daher im Alter, es sei ein schlimmer Fehler eines Therapeuten, gläubigen Patienten ihren Glauben zu nehmen. Nun, der atheistische, in Wirklichkeit aber tief konservativ gläubige Analytiker Freud verdrängte aufgrund einer eigenen Sünde die krankmachenden Seiten seiner Religion.

Die Geistlichkeit erfand nämlich den üblen Trick, der guten Seite des Alphatieres Gott, also dem Schutzbieten, eine sehr brutale Seite hinzuzufügen. Wer nicht den rechten Glauben habe, wer nicht an eine Auferstehung des Fleisches glaube, wer verkehrten Sex betreibe, ja wer gegen einen gewissen Geist sündige, einen sog. Heilligen Geist, der komme schnurstracks in eine ewige Folterkammer, in der von einem angeblich „auferstanden“ (!) Jesus mit „Feuer“ gefoltert werde. Damit bedroht Bischof N. Schneider an Art. 1 GG vorbei unsere Kinder mit Folter. In einem Spiegel-Interview gibt er dann aber zu, dieses „verstörende“ Angstmachen sei ein „Geschäft“ der Kirche. Er outet sich damit als übler Verbrecher, der einem „geschäfts“-mäßigen Terror nachgeht. Es geht um sehr viel Geld. Dass eine Religion Lüge war, erkennt der normale Gläubige erst, wenn die nächste erfunden wird (Beispiele: Zeus, Jupiter).

Die Kollateralschäden dieses kriminellen Einsammelns von Angstgeld sind zur üblichen Besuchszeit auf den geschlossen Abteilungen der Psychiatrie zu betrachten. Über 50 % der dort versammelten Erkrankten haben ein Sacco-Syndrom. Und sie werden bis auf Ausnahmen falsch therapiert, überweist man sie doch zum verursachenden Klerus. Der Geistliche hat sein Gebetszimmer ja direkt nebenan auf der Station. Und die Kirchen verbitten sich natürlich als größter Arbeitgeber unserer Psychiatrie die Diagnose eines „Sacco-Syndroms“. Ja es soll die Erkrankung gar nicht geben! Das ist ein ausgewachsener Skandal. Kritiker dieses Verhaltens unserer Psychiater werden für verrückt erklärt. Doch so geht es nicht, liebe Kollegen.

Frank Sacco ist Autor von Das Sacco Syndrom und Autor der Bücher

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3 Antworten auf Tiere haben Religion! von Frank Sacco

  1. Saco sagt:

    Also: Eine Religion erfindet man, indem man die Illusion eines Schutzes bei stark Schutzbedürftigen weckt. Geld verdient man mit ihr, wenn man auch massive Ängste schürt und sich als Vermittler aufführt.

     

  2. Saco sagt:

    Ganz  gute Religionen in diesem Sinn sind die Esoterik und  Horoskope. Uns Männern liegt das meist etwas fern. Es ist Frauensache.  Beide Dinge  vermitteln ein Schutzgefühl und ich will hier einmal ausnahmsweise offenlassen, ob dieses sich auf Illusionen gründet oder nicht. Hauptsache doch: Man fühlt sich geschützt.

    Geht mal etwas verkehrt mit der Esoterik oder gar mit dem Horoskop, ist das kein großes Malheur. Man hat dann etwas verkehrt angewendet. Doch es gibt Ausnahmen: Jemand behandelt einen schnell wachsenden Knoten in der rechten Brust mit viel- oder allesversprechenden Globuli  oder glaubt seinem Horoskop, dass man heute etwas zunächst Erschreckendes entdecken wird, aber sich darüber keinerlei Sorgen machen muss. Dann hat man natürlich die tödlichen Nebenwirkungen dieser Religionen am Hals. Aber immerhin kein Sacco-Syndrom, die schrecklichste psychische Erkrankung, die wir Psychotherapeuten kennen.

    Wer verdient nun hier? Auch die Kirchenleute? Nein: 1. Die Wirtschaft  2. Die einschlägigen  Zeitungen und 3. Die Redakteure, die sich Horoskope und Artikel ausdenken.

     

  3. Wilfried Müller sagt:

    Den weisen Spruch vom vorigen Kommentar hab ich in den Schnuller-Artikel übernommen. Woher weißt Du, dass Horoskope Frauensache sind? Ansonsten gute Argumentation.

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