Fußball-Intimitäten

image_pdfimage_print

footballgrass-369975_1280geraltHauchzart touchiert, brechen sie zusammen wie vom Blitz gefällt und wälzen sich in Agonie. So sehen Sieche aus – das ist ein Eigenzitat von wb. Bei der Fußball-WM in Russland (Bild: geralt, pixabay) zeigten besonders fortschrittliche Kämpen mit ihren Showeinlagen, dass es genausogut ohne die hauchzarte Berührung geht.

Solche Protagonisten verleihen dem Sport einen zusätzlichen amoralischen Touch. Nach der überkandidelten Geschäftemacherei ("Millionarios") und dem nichtendenden Doping ein Feature, auf das viele Zuschauer lieber verzichten würden (nochmal wb). 

Ansonsten zeigen sich viele Teams rustikal und angriffslustig (allgemein gesprochen, nicht unbedingt aus deutscher Sicht). Bestaunenswert ist, wie die Spieler das wegstecken, dass sie immer feste auf die Knochen kriegen. In manchen Spielen kann der Ballführende keine 10 m zurücklegen, ohne dass man ihn in die Horizontale transferiert. Das grenzt an Freistilringen, ist aber anscheinend so gewollt – wenn solche Ringer-Einlagen nicht sanktioniert werden, zieht man sich Ringerspiele heran. Ein paar Takte zum Thema mehr Sport fürs Geld.

Ultimative Elemente der Sieger-Ermittlung:

  • Elfmeter: die 11 kommt nicht von der Zahl der Spieler, sondern von den ursprünglichen 12 yards = 11 m,
  • Elfmeterschießen: wenn die Mannschaften sich nicht einigen konnten wer gewinnt, müssen sie nachsitzen, bzw. -schießen,
  • katholischer Elfmeter: Ohrfeige, der Empfänger kriegt eine geballert,
  • Verlängerung: Zwei drangehängte Dramolette vorm Elfmeterschießen.

Worauf es besonders ankommt:

  • Tor: heißt auf russisch genauso wie auf englisch/spanisch гол ("gol"),
  • Torschuss: Kopfstöße zählen ebenfalls zu den Torschüssen, alle zusammen gelten als Maß für die Angriffslust einer Mannschaft,
  • Torschusspanik: ist eigentlich die Panik vorm Nicht-Tor, vorm Vorbeischießen,
  • missed: sagt der englisch Sprechende beim Vorbeischießen (ohne Gewähr), der deutsch Sprechende sagt phonetisch und inhaltlich dasselbe mit Mist.

Ein paar Feinheiten unterwegs:

  • Kopfstoß: ist erlaubt, wenn er den Ball trifft, aber nicht, wenn er den Gegner trifft,
  • Rasenmäher: früher Spielstil ("Sense", "Blutgrätsche"), heute wichtiges Requsit für die Frisur der Spieler,
  • Abseits: wenn der vorderste Spieler hinter dem hintersten Spieler, d.h. aus der Sicht vom vordersten vor dem hintersten, also, wenn die Abwehrkette einen Schritt nach vorne macht, und der Angreifer bleibt stehen, dann ist der im Abseits.

Taktische Feinheiten:

  • Pressing: ständiges Anrennen auf die ballführenden gegnerischen Spieler,
  • den Gegner anlaufen: derjenige, der den Ball führt, wird angelaufen, angerempelt, festgehalten, umgerissen, geschubst, getreten, geschlagen, niedergestreckt,
  • Foul: nur teilweise regelkonform, darf man nur, wenn's der Schiedsrichter nicht sieht,
  • Fair play: den gegnerischen Spieler nur gerade so unsportlich angehen, dass der Schiedsrichter nicht pfeift,
  • Schwalbe: feindeinwirkungsfreies Fliegen – das ungehemmte Ausleben der Schauspielertalente zielt darauf, dass der Schiedsrichter doch pfeift, unberechtigterweise.

Und zum Abschluss:

  • Ballermann: Lehnwort aus dem urdeutschen Sprachfundus, wie gemacht für Fußball,
  • balla-balla: dieser Fachterminus beschreibt die Befindlichkeit der Fans,
  • balla nostra, der du bist im Himmel, so auf Erden …

 

Links dazu:

Mehr zum Thema:
Dieser Beitrag wurde unter Satire veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar