Sündengefühle von Frank Sacco

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Mit Sündengefühlen scheinen sich merkwürdigerweise viele abzugeben (Bild: Josch 13, pixabay). Sogar bei wissenbloggt gab es einen Artikel dazu (Link unten); dabei sind Sünden böse, böse, böse.

Unser Fachmann Frank Sacco, Doktor der Medizin, findet einiges zu kritisieren am Umgang mit der Sünde, bzw. an der Instrumentalisierung der Sünde.

Sündengefühle  von Frank Sacco

Mit einer Rezension des Buches „Unbewusste Schuldgefühle“  von Engel und Ferguson, Kreuz-Verlag, 1992.

Über Sünde werde in der Psychiatrie „nicht mehr gesprochen“, pflichtete mir  der Psychiater meiner Kammer am 17.11.2009 bei. Ich bin über diesen Kunstfehler erschüttert. Man spreche aber  durchaus über „Schuld“. Das Thema Religion gilt als „verpönt“, so Lütz. Religiöse Anamnesen werden nicht erhoben. Dahinter steckt Angst. Die Angst der Psychiatrie.  Doch so geht es nicht, liebe Kollegen. Das o.g. Buch kann nur dann helfen, hin zu einer wirklichen Heilung helfen, wenn man das Wort Schuld im Buch konstant  durch das Wort „Sünde“ ersetzt.

Während eine mäßige Schuld wieder gutzumachen ist, so geht das bei der Sünde nur im Katholizismus. Ausnahmen sind die nicht gebeichteten Sünden oder eine „Sünde wider einen Heiligen Geist“. So etwas bedeute das finale AUS in Bibel- Jesu KZ, der Hölle, so der Klerus. Wir Lutheraner müssen dagegen bis zu einem „Jüngsten Gericht“ warten. Wenn dann ein angeblich „von den Toten Auferstandener (!) einen guten Tag hat, werde eine Sünde vergeben. Doch nur denen wird vergeben, die feste ans Christentum und diese Auferstehung glauben. Denen, die auf die Knie fallen. Nietzsche diagnostiziert vor 1870 das Sacco-Syndrom, wozu die etablierte Psychiatrie heute zu dumm ist. "Krank machen  ist die eigentliche Hinterabsicht des ganzen Heilsprozeduren-Systems der Kirche.“ Schon ein flüchtiger Gang über die Flure einer Psychiatrie mache klar, wer für die dortigen Erkrankungen verantwortlich zeichne: Die Kirchen.  „Der Priester herrscht durch die Erfindung der Sünde… Das Christentum war das bisher größte Unglück der Menschheit." Wie hochaktuell er damit doch ist: Eugen  Drewermann spricht sehr kritisch vom „hochgezüchteten Sündenbewusstsein“. Das Wort „Sündengefühl“ musste ich erst für die Psychiatrie kreieren, ein Internist. Selbst Word kennt es noch nicht.  Heute  wird die Gefahr und Schuld der Kirchen für die Gesundheit der Bevölkerung von im Kern Gläubigen und der etablierten Psychiatrie aus eigner Gott-Angst heraus ignoriert und unverantwortlich bagatellisiert. Drohe der Klerus mit Folter, so sei das für Kinder völlig ungefährlich, so die Berliner Psychiater-These, siehe Internet. Fazit: Klares Denken ist  Fehlanzeige in der Psychiatrie. Eigene Gottangst führt zu einer Denkhemmung meiner Kollegen. Es soll dabei Ausnahmen geben.

Eine Schuld ist also gar nicht so schlimm. Man kann sich entschuldigen. Oder man geht halt ins Gefängnis. Hart ist dagegen die Sünde. Denn auf der steht, so Bischof N. Schneider, ewige Folter mit richtigem „Feuer“. Diese Feuer-Botschaft sei „verstörend“. Schneider meint, diese Strafe gelte besonders für Autisten wie mich, die im Leben „nicht genug Liebe“ gegeben haben. DAS macht unsere Kinder krank. Das mit der Folter habe Schneider in einem „Richterspruch Jesu“ gelesen. Doch den gibt es gar nicht. Ich habe Schneider gebeten, ihn mir zu senden: Fehlanzeige. Er, Schneider, ist Verbrecher und Gotteslästerer in Person. Er macht Jesus zu einem Nazi. Er zerstört den öffentlichen Frieden unserer Kinder.

Das Wort Sünde kommt im oben erwähnten Buch nicht vor. Nur als Zitat. Da  wird  Sigmund Freud erwähnt: Wer seine „Sünden“ erkenne, der „bestraft sich“. So etwas, das Wort Sünde,  ist bei Freud eine große Rarität. Und die Konsequenz der Sünde, Schneiders  ewiges KZ Hölle, ist bei Freud als Wort noch seltener zu finden. Denn die ewige Folter war die ureigene Angst des Analytikers. Immerhin ahnte Freud hier im Gegensatz zu seinen heutigen Kollegen etwas vom religiösen Masochismus, der Selbstbestrafung. Die ist ein beschwichtigendes Opfer an den jeweiligen Gott und heute u. a. in der „Depressiven Episode“ versteckt – unerkennbar für „moderne“ denkgehemmte Psychiater. Ich schrieb ein Buch darüber. Und einen Artikel über das Paradebeispiel des Masochismus: Ödipus.

Auch Engel und Ferguson wollen nichts vom religiösen Masochismus wissen. Es sei banales Schuldgefühl, das einen Masochismus bedinge. Ein unter Schuldgefühlen leidender könne „immer eine Möglichkeit finden, gemartert zu werden“. Unbewusste Schuldgefühle würden eine „ungeheure Rolle“ bei „vielen psychologischen Problemen“ spielen. Man sabotiere sich selbst. Der Depressive gönnt sich seine unbeschwerte Fröhlichkeit nicht. Man verweigere sich „Erfolg, Intimität, Freude und Seelenfrieden“. Freud wird zitiert: Menschen würden „krank“, weil ein tiefverwurzelter… Wunsch sich erfüllt hat“ (S. 149). In Selbstbestrafung meide man „intime Beziehungen“, suche sich extra „unpassende Partner aus“ und zerstöre eine vorhandene gute Beziehung, weil man „glaubt, sie nicht zu verdienen“. Man fliehe vor sexueller Erfüllung, da man glaube, Sex „ist Sünde“. Also doch: Doch und endlich hier dieses Wort „Sünde“ im Buch. Das Bedürfnis nach Strafe  treibe  gewisse Patienten zu „entsprechenden Prostituierten“ (zum Sadomasochismus). Sobald die dortige Strafe beginne, würden „Schuldgefühle“ abnehmen und Lust könne entstehen. Sexuelle Lust. Auch die Angst, dem Ehepartner schuldhaft Gewalt anzutun, treibe Männer in den Puff. Nebenbei: Der deutsche Mann ist  Bordell eher schüchtern und lieb als brutal.

Die Autoren wundern sich allerdings über ein Rätsel: Winzige Dinge lösen schwere Erkrankungen aus. „Unfreundliche Gedanken“ zum Beispiel. „Sexuelle Phantasien“. Eine „vermeintliche Missetat“. Das Wort Sünde muss hier vermieden werden, denn es löst unbewusste Ängste bei Psychiatern aus. Immerhin ist auf Seite 42 von „psychologischer Verdammnis“ die Rede und der Überzeugung, unter einem bösen Fluch  stehen zu können, verflucht zu sein. Immerhin: Hier kommt Transzendentales auf. Der, der das Verfluchen erfunden hat, ist der liebe Gott. Ein harmloser Apfel bewirkte seinen Amoklauf.  Ein totes Elternteil könne den Klienten „von oben“ kontrollieren. Keine Rede hier also von einem Gott, der uns alle „von oben“ kontrollieren soll,  sogar unser sexuelles Verhalten im Ehebett. Bloß kein Orgasmus an den empfängnisfreien Tagen! Hände weg von der Vagina! Hände weg vom eigenen Schwanz oder dem Schwanz des Ehegatten. Kinder, also Knaben,  „darf“ ein Kleriker aber schon vögeln: Das verbietet der liebe Bibel-Gott nicht.

Die angesprochenen Dinge beinhalten meist so minimale Schuld, dass sie unmöglich Erkrankungen auslösen können. Doch es sind exzessive Sünden mit der Option ewiger Folter. Oft ist beim Erkrankten die Sünde gar nicht unbewusst. Verdrängt ist deren Strafe, die Hölle. Besser, man reiße sich bei sündigen Gedanken ein Auge aus und hacke sich eine Hand ab, so die Bibel, als ewig in Jesu “höllischem Feuer“  zu schmoren (Bergpredigt). Nietzsche hatte Recht. Das größte Unglück der Menschheit ist diese Bibel, ist dieses Christentum. Es kann die Menschen auch  in einen sie exzessiv überfordernden pathologischen Altruismus mit perfektionistischer Ausprägung treiben. Die Folge dieses Gefängnisses: u.a. Migräne. Die 260 klinischen Fälle, die Freud in seiner „Psychopathologie des Alltagslebens“  anführt, lassen sich  ausnahmslos in die vier  „Sünden“ nach der Bergpredigt ordnen: 57 x Unaufrichtigkeit, 122 x Selbstsucht, 39 x Unreinheit, 42 x Lieblosigkeit (Autor: Tournier). Psychiatrische Alltagserkrankungen sind also zumeist auf: Sündengefühle bei Empfindlichen zurückzuführen. Diese sind die Ursache der Erkrankungen. „Für ihre Gedanken können Sie doch nichts“, rief Freud seiner Patientin Elisabeth v. R. zu, die unter einer schweren Angstneurose, einer Fibromyalgie litt. Sie hatte den sündigen Gedanken gehabt, ihren Schwager für sich haben zu wollen. Schwachsinnige Tiefenpsychologen analysierten Freuds Angsterkrankung. Er habe seinem Brüderchen „vergiftete Muttermilch gewünscht“. Da war der kleine Sigmund gerade mal  1 Jahr alt. Für Gedanken „kann“ man eben doch etwas, Herr Freud,   und zwar im verbrecherischen Christentum. Da sind sie nicht frei, die Gedanken. Freuds Sünde: Es war die größte Sünde, die ein Jude im Leben begehen kann.

Im o. g. Buch werden verschiedene Arten von ‚“Schuld“ ausführlich an Fallbeispielen besprochen. Die gefühlten „Verbrechen“, wie es da heißt,  seien z. B. ein „Übertreffen wollen“, das Gefühl, eine „Belastung“ für die Umwelt zu sein, weiter „Liebesraub“, also das Gefühl, durch eigenes  Verlangen nach Liebe anderen solche Liebe abzuziehen. Weiterhin ein „Verlassen“, also die „Schuld“ (besser Sünde), jemanden psychisch zu schädigen, indem man ihn  verlässt (oder verlassen muss). Weitere Beispiele werden genannt: Illoyalität, grundsätzliche  Schlechtigkeit, Überlebensschuld, ja „alles“ könne ein Schuldgefühl bewirken. In der Tat: Ich denke da an eine furchtbare Sünde, an den Apfel, den Eva ihrem Gott klaute. Statt einfach zu verzeihen, lief dieser Gott Amok und wird zum Verbrecher und Folterknecht an Gebärenden. Pfui!  Eltern könnten diverse „Schuldgefühle“ bei Kindern auslösen. Elterliche Depression, Unruhe, ja selbst  sexueller Missbrauch am Kind würden „Schuldgefühle“ beim unschuldigen Kind bewirken. Es fühle sich dann schmutzig und „verdammt“ (Seite 101).Frank  Sacco sagt: Verdammt zur Hölle.

Die Therapie: Schön ist es natürlich, wenn man durch Exploration herausfinden kann, wo die „Schuld“, die objektiv oft gar keine ist,  liegt.  Liegt die „Schuld“ vor dem 4. Lebensjahr, ist ein solches  Herausfinden nicht möglich. Dann muss man dem Klienten, wenn er sich für „modern und aufgeklärt“ hält,  nahelegen oder gar beweisen, dass er unbewusst seinen orthodoxen  Kindheitsglauben glaubt, so auch an Dinge wie Versündigung und die Strafe dafür, die Höllenstrafe.  Hier kann man  den Kierkegaard-Test anwenden (siehe Internet). Und dann eine EAT machen, eine „Ausfirmung“. Kirchliche Gehirnwäsche wird rückgängig gemacht. Die Ecclesio-adversative Therapie (EAT) ist das Gegenteil einer Firmung oder Konfirmation. Das „Gift“ des Glaubens (Rilke) muss raus aus den Gehirnen. Man muss o.g. Buch lesen und darin Schuld durch Sünde ersetzen. Man muss den „Antichristen“ Nietzsches lesen. Und dann das Buch „Wenn Glaube krank macht“. Es ist von mir und in der Tat das beste Buch über psychische Erkrankungen, das mir bekannt ist. Dann erkennt man plötzlich: Man ist als Kind einer verfassungsfeindlichen Organisation, einer kriminellen Vereinigung  in die Hände gefallen.  Von der Gründung an betreibt sie mit der Angst vor der Hölle ein „Geschäft“. Das gibt Bischof Nikolaus Schneider selbst zu. Es geht, wie so oft, um Geld. Die Kollateralschäden dieses miesen Geschäftes können auf unseren geschlossenen Psychiatrien zur üblichen Zeit besucht werden.

dwarf-1765187_1280(Bild: Klaus-Hausmann, pixabay) – Frank Sacco ist Autor von Das Sacco Syndrom und Autor der Bücher

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Weiterer Link von wissenbloggt: Das Sünder-Prinzip

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2 Antworten auf Sündengefühle von Frank Sacco

  1. Saco sagt:

    Hat die Dame oben  ein kleines Geschwür an der Zungenspitze? Dann lieber vorm ersten Kuss ( mit ihr) mit Salbei-Tee spülen… Da helfen schon die alten Hausmittel…

  2. Insbesondere der Psychopath, und eventuell auch der Debile, kennen keine Sünde, keine Schuldgefühle, keine Gewissensbisse, kein Verantwortungsbewusstsein.

    Eckhardt Kiwitt, Freising

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