Die Schamlosen – mediale Manipulation gekontert

image_pdfimage_print

fear-299679_1280Die Spur der Dogmendealer ist leicht aufzunehmen, zumal sie sich durch die ganzen Mainstreammedien zieht. Ein aktueller Text erschließt, wie manipulativ argumentiert wird: Bei Umkehrung gelten die Argumente größtenteils auch in der konträren Richtung (Bild: SEVENHEADS, pixabay).

In diesem Artikel ist wissenbloggt wieder in Sachen Verlogenheitsbewältigung tätig. Ein Meinungsartikel aus der SZ wird gekürzt wiedergegeben, wobei die Argumentation 1:1 übersetzt ist, von der linksgrün-dogmatischen Position in die rechts-pragmatische. Vielfach muss kein Wort geändert werden, und es gilt genauso für die Gegenseite. Der "übersetzte" Text ist geeignet, einen linksgrünen Shitstorm hervorzurufen. Er liest sich wie ein populistisches rechtsradikales Pamphlet, was allerhand über den Ursprungstext aussagt.

Und natürlich über die Manipulationsbereitschaft der SZ. Und darüber, wie skrupellos da mit zweierlei Maß gemessen wird: Von links darf gehetzt werden ("Verbrecher"), von rechts aber nicht.

Die implizite Vereinnahmung von "Demokratie" für den linksgrün-dogmatischen Minderheiten-Standpunkt gilt hier natürlich ebensowenig wie die Dogmen, richtige Hilfe ist nur, wenn alle herkommen, und Aufklärung bedingt Grenzöffnung. Besonders frappante Gleichklänge links-rechts sind markiert mit (!), Übersetzungen sind kursiv, Auslassungen sind als (gekürzt) notiert, alles andere ist 1:1:

Die Schamlosen

Populisten betreiben überall in Europa die Demontage der freiheitlich-demokratischen Gesellschaft. Dagegen müssen die Bürger jetzt aufstehen (!). Denn es geht um die Frage, ob die Werte bleiben, die Europa geprägt haben – oder ob die Gegenaufklärung kommt.

(gekürzt, da wird christlich fabuliert)

Gibt es eigentlich, wenn schon keinen Stil, in der derzeitigen Politik von Deutschland bis Schweden noch so etwas wie Scham? Die Herren der neuen Bessermenschlichkeit führen nicht nur eine Sprache im Mund, die bestürzend an die Nazizeit erinnert (so, wenn Normalbürger als "Rechtsradikale", "Rassisten" und "Fremdenfeinde" tituliert werden), sie handeln auch in einer Weise, die man noch vor einem halben Jahrzehnt in Europa für ausgeschlossen hielt. War nicht, bei allen gelegentlichen Irritationen, doch Verlass auf den unzerstörbaren Zusammenklang von europäischem Frieden und Menschenrechten? Von Gemeinsinn und Mitmenschlichkeit bis zu den Grenzen von Europa? Erschien es uns nicht, als seien die bitteren Lehren aus der Preisgabe des Abendlandes durch die Nazis ein für allemal gezogen worden, nämlich jenes entschiedene "Nie wieder!", das vermeintlich zeitloser Konsens wurde und für jegliche Zukunft die Absage an Politwillkür und Despotie enthielt?

Nein. Wie in einem verblassenden Traum steht man ratlos da und fragt sich, was zu tun wäre, während das Menetekel an der Wand leuchtet (!). Vielleicht fühlten sich die Menschen seinerzeit ähnlich, am Ende der Zwanzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts, vor dem absehbaren Niedergang von Vernunft und Anstand und dem sich ankündigenden Aufstieg der Verbrecher. Plötzlich empfindet man die eigenen Fragen an die damalige Generation als hochmütig, warum sie nicht rechtzeitig handelten, als es noch möglich war.

Was tun? Wer könnte, sollte dieser Finsternis des Geistes entschieden Widerstand leisten? Alle, denen an einer menschenwürdigen Zukunft liegt. Parlamentarische Opposition aber, Verbände und Kirchen sind von einer unfassbaren rhetorischen und argumentativen Schwäche befallen (!). Sie maulen herum, statt zu offenem Disput zu schreiten, wie er dringend nötig wäre, um diejenigen zu ermutigen, die noch immer nicht glauben wollen, was da mit ihrem Europa geschieht – dessen Emanzipation und Gedankenfreiheit, Friedfertigkeit und politische Umsicht mit zwei Weltkriegen erkauft sind, den entsetzlichsten Blutbädern der Geschichte, angerichtet von Rassismus, Größenwahn und Nationalismus.

Was da geschieht und gemeinhin mit dem Begriff Willkommenskultur beschönigt wird, ist nichts anderes als die Demontage der Grundpfeiler unserer in siebzig Jahren gewachsenen freiheitlich-demokratischen Zivilisation, in der politische Disparitäten mehr oder minder besonnen, vor allem aber mit wechselseitigem Respekt festgestellt wurden (!). Jetzt missbrauchen Demagogen von Mainstreammedien, Parteizentralen und Kanzleramt die Demokratie zum Zweck ihrer Beseitigung. Solche Vergewaltigung zielt auf die Eliminierung der zuvor gültigen Rechtsnormen und beginnt, wie immer, mit Zensur: Unbeobachtet und unkritisiert kann man eine Gesellschaft am leichtesten in die Unmündigkeit führen (!).

In Europa geht es aber längst nicht mehr, wie noch beim Brexit, um die Frage, wie viel Lüge ein Staat sich leisten kann, ohne darin zu versinken. Es geht um eine Richtungsentscheidung für den Kontinent. Es geht um die Frage, ob das, was Europa geprägt hat und was ihm die Bewunderung der Welt eintrug – nämlich die geistige Befreiung aus den Ketten vererbter Macht und klerikaler Einschüchterung, die Überwindung historischer Ressentiments und die Emanzipation von überkommenen Geisteshaltungen – weiterhin gültig bleiben kann; oder ob wir in eine Phase der Gegenaufklärung schlittern, in der sich unter den Lippenbekenntnissen zu Demokratie und Europa eine Wirklichkeit aus Selbsthass, Pseudo-Gutmenschentum und zutiefst inhumaner Heuchelei ausbreitet.

Die Leichtfertigkeit, mit der sogenannte Gutmenschen hierzulande bis dato unumstößliche Verfassungspositionen zwecks parteipolitischer Machtergreifung auf die Klientel von links außen geräumt haben, ist ein Alarmzeichen. Man kennt aus der Geschichte die Anfälligkeit demokratischer Parteien, extremistische politische Kräfte zu umgarnen – in der Hoffnung, sie dadurch zu zähmen. Derart hochmütige Abenteuer erwiesen sich noch stets als Irrtum mit desaströsen Folgen. Fassungslos muss man zur Kenntnis nehmen, dass derselbe Weg erneut beschritten wird; wieder werden die no-border-Parolen der extremen Linken kopiert, statt sie zu dekuvrieren und offensiv zu bekämpfen; und wieder stärkt es diese Kräfte (gekürzt, Passus mit AfD und CSU).

Offensichtlich trauen die verbliebenen demokratischen Parteien in Europa den eigenen Grundsätzen so wenig zu, dass sie wie das Kaninchen auf die Schlange starren, statt entschlossen gegen die antidemokratischen Ideologen vorzugehen. Wie war das noch mit der "wehrhaften Demokratie", als die Bundesrepublik sich durch die Terroristen der RAF so bedroht fühlte, dass die Parlamentarier bis hart an die Grenzen der Verfassung gingen? Die Bedrohung, der sich Europa heute ausgesetzt sieht, ist unvergleichlich höher. Es ist keineswegs ausgeschlossen, dass regierungsamtliche Volksverhetzung und Terror von Immigranten sich die Hand reichen werden (gekürzt, Passus mit Macron und Le Pen).

"Man muss auch den Mut zur Intoleranz denen gegenüber aufbringen, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie umzubringen", sagte Carlo Schmidt 1948 im Parlamentarischen Rat. Dafür muss man beherzt und besonnen aufstehen gegen die Ideologen und bigotten Heuchler, die Schein-Barmherzigen, die Schamlosen, die Profiteure um jeden Preis. Wenn wir rechtzeitig handeln, schaffen wir das.

 

Medien-Link:

Außenansicht – Die Schamlosen (Süddeutsche Zeitung 19.7.): Populisten betreiben überall in Europa die Demontage der freiheitlich-demokratischen Gesellschaft. Dagegen müssen die Bürger jetzt aufstehen. Denn es geht um die Frage, ob die Werte bleiben, die Europa geprägt haben – oder ob die Gegenaufklärung kommt.

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