Die Hölle heute, am 21.7.2018 von Frank Sacco

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Diesen Artikel schrieb Frank Sacco, Doktor der Medizin, am 21.7. nach der Lektüre eines Welt-Artikels. In der Zeitung durfte sich eine "Exzellenz" verbreiten, ein Bischof, der exzellenten Stuss von sich gab. Hochwürden geruhen noch im Mittelalter zu leben, wo den  Apostaten das Höllenfeuer unterm Allerwertesten angezündet wurde (Bild: Sacco).

Die Hölle heute, am 21.7.2018  von Frank Sacco

Das Sacco-Syndrom entsteht durch die Angst im Kind vor ewiger Folter. Und die steckt nun mal im Kind – und nicht nur dort.  Papst Benedikt erklärt es uns: Seinen Kindheitsglauben behalte man (im Unbewussten). Auch wenn man als „Erwachsener“ einen anderen Glauben zu haben glaubt. Was man glaube, wisse man nicht. Heute, am 21. 7. 2018,  wird in der Die Welt Erzbischof Schick, Bamberg,  interviewt. Der Artikelname: "Ist Richard Wagner in der Hölle, Exzellenz?". Hier wird Kindern, die oft nur Überschriften lesen, die Existenz der Hölle so ganz nebenbei zur Glaubens-Realität gemacht.

Nun, nahezu jeder Geistliche glaubt an die Hölle. Wer nicht daran glaube, so Benedikt, der versündige sich „wider den Heiligen Geist“ – mit der entsprechenden Höllenstrafe. Denn so eine Sünde wird nicht vergeben. Weder in dieser noch in jener Welt. Geistliche vermitteln diesen Glauben an unsere und ihre  Kinder. 3 von 4 Kindern eines Geistlichen bekommen ein Sacco-Syndrom. Die Vermittlung jenseitiger Folter geschieht verbal und averbal. Bischof Zollitsch gab die Order heraus, man solle als Priester „die Hölle nicht mehr thematisieren“. Muss man auch gar nicht. Sie ist über die Jahrtausende ein Selbstgänger geworden. Doch man sollte und muss sie thematisierten. Jedes KZ (Diktion Hürlimann) gehört thematisiert. 250 Kirchenlieder thematisieren die Hölle. In ihnen ist zumindest von einem Retter (vor der Hölle) die Rede. So auch zur Weihnacht  in „Stille Nacht“. Aber jedes Kind weiß: Der pingelige Statthalter des „Jüngsten Gerichtes“ nimmt beileibe nicht alle in seinen Himmel auf. Reiche Kinder schon gar nicht. Die kommen nicht durchs Nadelöhr. Schicks Antwort auf die Höllenfrage: "Wer kann das wissen?", ob Wagner in der Hölle ist.  Wagner habe "viel Mist bebaut". Aber er wünsche Wagner, dass Gott ihm "irgendwann" verzeiht. Falls Gott ihm irgendwann verzeiht, kommt Wagner raus aus dem Feuer. Er muss dann nicht ewig brennen.  Wünschen wir dem Komponisten also viel Glück. Er stand den Nazis so nahe wie viele Geistliche um jene traurige Zeit.

Bischöfin Käßmann weicht aus bei der Frage, ob Jesus in seiner Hölle mit Feuer foltere: Sie könne sich das nicht "vorstellen". Statt unseren Kindern mit einem klaren und erlösenden "Nein" zu antworten, lässt sie unsere Kleinen im Ungewissen. Das ist üble Taktik. Man lässt es offen, ob Jesus ein Nazi ist.

Dumm sind die Kirchenleute allerding nicht. Da gibt sich die Hochintelligenz die Hand. Man jammert in höchsten Tönen über die 660.000 Kirchenaustritte 2017. Doch 54 % der Bevölkerung sind noch in den Amtskirchen. Taufen und Eintritte bleiben stabil, schreibt Die WeltJa die Zahl der Eintritte überwiege die der Austritte.  Kein Wunder. Man hat als Kirche schon die Kleinkinder über flächendeckende Kitas fest im Griff. Da kommt wöchentlich der Geistliche. „Oma, man kann da brennen“, so Vierjähriger hier aus der Gemeinde im Juni 2018. Oma war über diese Höllenlehre entsetzt. Auch die Kinder von Atheisten sind zwangsläufig im kirchlichen Kindergarten. Denn er liegt ja um die Ecke. Und Atheistenkinder werden dort ohne Elternwissen mit der Hölle und dem „Jüngsten Gericht“ vergiftet. Und mit dem Foltertod Jesu.  Den sollen  sie als „Mittäter“ verursacht haben, so Pastor Traugott Giesen.  Durch ihre Sünden. Da wundern sich Atheisten, warum ihre Kinder plötzlich die Taufe „aus freien Stücken“ wollen. Es erscheint ihnen eben als die einzige Möglichkeit, nicht in Jesu Hölle zu „brennen“. Aus Liebe zum Jesus resultiert ein später Taufwille wahrlich nicht, weiß man ihn ja als Veranstalter der sog. Apokalypse (Lukas 17). Dass die „Offenbarung des Johannes“ krank macht, wissen wir aus dem Fall ADS in Würzburg. Würzburgs Kinder bekamen psychische Erkrankungen nach Ausstellungen über diesen geplanten göttlichen Holocaust. Ich sagte das voraus. Und ich sage eine dortige Suizidwelle voraus. Die kommt noch. Warten wir 5 Jahre ab.

Doch die Bevölkerung verdrängt die Höllensache. Man spielt sie herunter, man greift mich als Kritiker dieses göttlichen KZ´s an. Nur ich hätte ein Sacco-Syndrom. Doch das sind Projektionen. In der heutigen  Die Welt preist eine Opernsängerin die Bibel: Ihr Reichtum sei „unerschöpflich“, „nicht zu vergessen die „Offenbarung des Johannes“. Doch gerade dieses „Werk“ ist grausam und endet mit dem Holocaust Apokalypse. Die Bibel sei ein Werk „über die Liebe“, ein „menschenfreundliches Kraftwerk des Trostes“. Vom „Erlöser“ ist da die Rede. Doch erlöst der Erlöser alle? Nein. Er ist der Weltmeister in Sachen  Liebesentzug. Er kann sogar Gedanken lesen und diese ewig bestrafen –  speziell wenn es da um Sex geht. 

So leiden über 50 % der Insassen einer Psychiatrie an einem Sacco-Syndrom. Tournier hält die Zahl für noch großer. Und da ist eine Heilung nahezu unmöglich, überweist doch die etablierte Psychiatrie nach eigener Angabe solche Patienten, die heute „durch alle Ritzen kommen“ (Quelle Die Zeit, 31. 3. 2010) zum verursachenden Klerus. Wenn von Religion die Rede sei, stoppe man das analytische Denken, so die Nachfolgerin Sigmund Freuds, Prof. Leuzinger-Bohleber. Und das solle „auch so bleiben“. Der mitinterviewte Pastor zu Elzt äußert, die von der Psychiatrie zum Klerus überwiesenen seien „vom Teufel besessen“. Hurra. Es gibt ihn also doch, den Teufel? Luther hatte ich ja nur halluziniert. Sein Tintenfass traf nur die Wand. Ihren größten Arbeitgeber nimmt die Psychiatrie in Schutz. Sigmund Freud spricht von „Feigheit“ (bei Schur), wenn Psychiater den Kirchen ohne wirklich zwingenden Grund kein Kontra geben. Ich dagegen spreche von Angst. Die Psychiatrie ist angstkrank. Feige ist man nicht, wenn man aus Höllenangst heraus handelt oder nicht handelt. Feige ist man, wenn man als guter Schwimmer nicht in den Teich springt, um ein hilfloses Kind zu retten. Zur Religions- und Gottkritik gehört im Einzelfall reichlich Mut.

sacoBischof Schick 001(Bild: Saccos 1. Schultag vor Exzellenz-Artikel) – Frank Sacco ist Autor von Das Sacco Syndrom und Autor der Bücher

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Medien-Link:

Erzbischof Ludwig Schick „Wagners Musik kann Tendenzen im Menschen verstärken – wie bei Hitler“ (Die Welt 20.7., mit Zahlschranke, gedruckte Version: "Ist Richard Wagner in der Hölle, Exzellenz?").

 

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3 Antworten auf Die Hölle heute, am 21.7.2018 von Frank Sacco

  1. Gehört es — ungeachtet, um welche Religion es sich handelt — unabdingbar zur Religionsausübung, Psychoterror auszuüben oder (andere) Straftaten egal welcher Art zu begehen ?

    Eckhardt Kiwitt, Freising

  2. Abu Sheitan sagt:

    Psychoterror oder Angstpädagogik scheint notwendig zu sein um die Gläubigen bei der Stange zu halten. Straftaten nicht unbedingt. Je mehr Macht Religionen erlangen, desto größeren Einfluss nehmen sie auf die Gesetzgebung.  Das betäubungslose Schächten, das zu einem qualvollen Todeskampf führt, die sexuelle Verstümmelung von Kindern werden inzwischen auch im "aufgeklärten" Westen immer häufiger legal praktiziert.

  3. Abu Sheitan sagt: ( 30. Juli 2018 um 00:50 )

    Psychoterror oder Angstpädagogik scheint notwendig zu sein […]. Straftaten nicht unbedingt.

    Das Zufügen einer irreversiblen Körperverletzung ist m.W. eine Straftat (§ 223 StGB). Damit, dass manche auf dem Begehen dieser Straftat im Rahmen der Religionsausübung beharren (dabei zur Selbstkritik nicht willens oder nicht fähig, oder einen Identitätsverlust befüchtend), beanspruchen sie eine Herausgehobenheit, die zu jenen Anfeindungen führen kann, über die man sich anschließend beklagt. Zum Verständnis: ich kritisiere hiermit das Begehen von Straftaten, ungeachtet, wer diese begeht.

    Die "sexuelle Verstümmelung von Kindern" ist z.B. bei Christen in den USA weit verbreitet, und gilt insbesondere in den Philippinen seit langem als normal. Dabei kann man, wenn man jemandem z.B. auf der Straße begegnet, dessen Religionszugehörigkeit an diesem Merkmal gar nicht erkennen — es ist somit sinnlos. Und wer hätte schon das Bedürfnis, jemanden auf dieses Merkmal hin zu untersuchen? Was jemand tatsächlich glaubt, lässt sich daran ohnehin nicht feststellen, und es ist für andere bedeutungslos.

    Insgesamt sind insbesondere die drei monotheistischen Religionen (aber auch ein paar andere) aus meiner Perspektive rechtsreaktionäre totalitäre Ideologien, rechtsreaktionäre despotische Systeme.

    Was mich sehr irritiert, ist, dass so manche Leute, die sich für politisch "links" halten, diese rechtsreaktionären Ideologien und rechtsreaktionären despotischen Systeme ein ums andere Mal verteidigen und gegen jede Kritik in Schutz nehmen — nur weil das Etikett "Religion" draufklebt. Dabei wird dann nichtmal zwischen den Ideologien einerseits und den Menschen andererseits, die in diesen rechtsreaktionären despotischen Systemen leben, unterschieden, es wird aber jeder, der diese rechtsreaktionären Ideologien und rechtsreaktionären despotischen Systeme kritisiert, unterschiedslos verurteilt und diffamiert. Dass dabei die Plausibilität der Argumente verloren geht, spielt keine Rolle.

    Es gibt zwar durchaus Leute, die eine Kritik an den rechtsreaktionären Ideologien und rechtsreaktionären despotischen Systemen, auf denen das Etikett "Religion" klebt, nur vortäuschen und zum Anlass nehmen, gegen andere Menschen wegen deren Herkunft, Abstammung oder Relligionszugehörigkeit zu hetzen — als ob Herkunft, Abstammung oder Relligionszugehörigkeit (persönliches) Fehlverhalten wären. Es gibt aber auch diejenigen, die sachliche bzw. sachbezogene Kritik üben, jedoch mit den Hetzern regelmäßig in einen Topf geworfen werden — z.B. von Leuten, die Kritik an rechtsreaktionären Ideologien und rechtsreaktionären despotischen Systemen offenbar nicht ertragen können, zumindest dann nicht, wenn nur das Etikett "Religion" draufklebt.

    Stéphane Charbonnier (CAHRB) hat dies in seinem Buch "Brief an die Heuchler – und wie sie den Rassisten in die Hände spielen" beschrieben.

    Die Heuchler sind m.E. Leute, die also durchaus für Diktatur und Despotismus sind, und es auch begrüßen, wenn Frauen zu bloßen Sexualobjekten degradiert werden, deuten dies aber zu "Religionsfreiheit" um (womöglich, ohne den Text der Artikel 4 und 140 GG zu kennen). Die Dreckarbeit überlassen sie jedoch gern denen, die sie als "Rassisten" bezeichnen — und behalten dabei eine weiße Weste.

    Abdel-Hakim Ourghi ist in dem Beitrag "Muslime brauchen keine westlichen Beschützer" in der NZZ am 28.7.2018 ebenfalls auf das Thema eingegangen ( https://www.nzz.ch/feuilleton/muslime-brauchen-keine-westlichen-beschuetzer-ld.1403868 ).

    Eckhardt Kiwitt, Freising

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