Der schlimmste Feind des Linken ist der andere Linke

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Eigentlich sollte es bei wissenbloggt erst einen Artikel zur neuen Sammelbewegung #aufstehen (vormals #fairland) geben, wenn Substanz gezeigt wird. Aber der aktuelle Medienhype verlangt nach Kommentierung: ein Verriss nach dem anderen, Schelte für Wagenknecht aus allen Ecken und Winkeln (Bild: Clker-Free-Vector-Images, pixabay).

Und das sind die linken Winkel, aus denen es keift und kollert (5., 6.). Die Mainstream-Medien verhalten sich eher neutral (3., 4.). Immerhin werden schon 36.000 Anmeldungen für die Sammelbewegung angesagt (4.). Anmelden kann man sich in der (weitgehend inhaltslosen) Homepage (1.). Ein bisschen Inhalt gibt's in einem NDS-Interview (2.), in einem NWZ-Artikel (7.) und in den wb-Artikeln zu Wagenknecht/#fairland/#aufstehen.

Abgesehen vom Schmäh der linken Besserwisser, was lässt sich schon über die Sammelbewegung #aufstehen sagen?

  • Einmal, dass der Bedarf gegeben ist, siehe 36.000 Anmeldungen.
  • Und dass es die Linke wieder mal schafft, sich selbst zu zerfleischen.

Irgendwie sind die anderen Linken der schlimmste Feind für die Linken. Kann man mit dieser Linken Staat machen? Sahra Wagenknecht versucht es, aber leicht wird das wohl nicht. Die Kommentatoren in den Zeit-Foren (3., 4.) bringen buntgemischte Punkte, die hier beispielhaft inhaltlich wiedergegeben werden:

  • Kaum zeigt sich eine linke Aktivität, schon distanziert sich die Prominenz aller Parteien aus dem linken Spektrum. Das war erwartbar, aber die Argumente sind lächerlich: Wagenknecht sei eine notorische Separatistin mit Egoproblemen, oder es gäbe schon eine linke Sammelbewegung, nämlich die SPD.
  • Endlich mal frischer Wind im bräsigen Politikbetrieb.
  • Das wievielte Mal muss sich die SED umbenennen und "re-branding" betreiben, um sich wieder politisch Leben einzuhauchen?
  • Es wird Zeit, wieder zu entdecken, was "Demokratie" eigentlich bedeutet.
  • Heute steht  "links" für eine satte, selbstgefällige "Linksschickeria". Die propagiert eine dogmatische Massenzuwanderungsideologie, "Postnationalismus" mit autophoben Tendenzen, proislamische Unterwürfigkeit und übersteigerte Vertretung minoriter Partikularinteressen. Diese Haltung zeigt Die Linke ebenso wie Die Grünen, die SPD und mittlerweile auch Teile der CDU.
  • 36.000 Anmeldungen: Toll für eine Website, welche Null inhaltliche Informationen bietet, außer dass man schon mal Mitglied werden soll.
  • Diesen Zusammenschluss gab es schon einmal – nannte sich SED, Sozialistische Einheitspartei Deutschlands.
  • Die AfD ist nicht mehr alternativlos.
  • Bald hat jeder Linke seine eigene Partei.
  • Es wird Zeit, dass sich die wenigen echten Linken der Republik zusammenschmeißen und endlich wieder eine sozialdemokratrische Politik etablieren.

Zum Abschluss sei auf einen Kommentar eingegangen, der bei #aufstehen die Umgehung lästiger basisdemokratischer Vorgaben wie bei der Parteigründung beklagt – ja nun, linke Basisdemokratie ist aber wirklich schrecklich.

aufstehenHier sei noch auf den bemerkenswerten Artikel bei atheisten-info.at verwiesen (8.), in dem Zitate von Wagenknecht und Lafontaine sowie Gegenzitate gebracht werden, z.B. "Im Vergleich zu dieser 'Bewegung' sind alle unsere traditionellen Parteien ein Gottesgeschenk." Kommentar atheisten-info.at: Das zeigt wohl deutlich, dass Anhänger der Gottesgeschenkparteien das Aufstehen von Sahra Wagenknecht fürchten. Weil wenn von links versucht wird, Politik zu machen, die bisher nirgendwo mehr gemacht wird und die bei vielen Menschen populär sein könnte, dann ist Feuer am Dach!

 

Medien-Links:

  1. #aufstehen (Die Site mit Beitrittsmöglichkeit, Temperaturangabe und Personality, sonst weitgehend inhaltslos).
  2. #aufstehen – die Sammlungsbewegung geht an den Start. Fragen an Sahra Wagenknecht (NachDenkSeiten 3.8.): Jeder, der sich auf unserer Webseite registriert, wird damit Teil der Bewegung. Er wird automatisch sowohl unsere vielfältigen Online-Inhalte erhalten als auch über Aktionen vor Ort informiert. Wir hoffen, dass wir sehr viele Mitstreiter gewinnen werden, denn nur dann wird unsere Bewegung ausreichend Druck entfalten können, um die Politik in diesem Land zu verändern.
  3. Sahra Wagenknecht startet ihre Sammlungsbewegung im Netz (Zeit Online 4.8., 700 Kommentare): Seit Monaten propagiert die Linken-Fraktionschefin ihre Idee einer außerparlamentarischen Bewegung. Nun ist sie online, als Website.
  4. Oskar Lafontaine: 36.000 Anmeldungen für Sammlungsbewegung #aufstehen (Zeit Online 6.8., 500 Kommentare): Ein politisches Programm hat die Sammlungsbewegung von Sahra Wagenknecht noch nicht, aber eine Website. Dort seien schon Tausende Anmeldungen eingegangen, sagt ihr Mann.
  5. DIGITAL AUFGEFÜHRTER RÜCKSCHRITT VOM BESTEHENDEN (scharf links 6.8.): Realistischer bleibt bei all dem, dass das Projekt #aufstehen schnell in der Versenkung verschwindet.
  6. Sahra Wagenknechts Kopfgeburt (scharf links 6.8.): Wenn ich aber allein an die Einlassungen von Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht zu europapolitischen Fragen denke, dann sehe ich allerdings schwarz dafür, dass 'aufstehen' zu einem Sammelbecken wird für das, was noch an 'gesellschaftlicher linke' vorhanden ist.
  7. Gastbeitrag Von Sahra Wagenknecht Und Bernd Stegemann – Aufstehen für ein gerechtes Land (Nordwest-Zeitung 7.8.): Die politisch sinnvolle Grenze verläuft nicht zwischen den Ressentiments der AfD und der allgemeinen Moral einer grenzenlosen Willkommenskultur. Eine realistische linke Politik lehnt beide Maximalforderungen gleichermaßen ab.
  8. Aufstehen! (atheisten-info.at 8.8.): So heißt die Sammelbewegung von Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine, die am 4.9.2018 in Betrieb gehen soll, online ist sie schon.

Links von wissenbloggt:

 

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Eine Antwort auf Der schlimmste Feind des Linken ist der andere Linke

  1. Wilfried Müller sagt:

    Zwei inhaltliche Meldungen von Oskar Lafontaine, in der zweiten vertritt er den Standpunkt, der tags zuvor bei wissenbloggt formuliert wurde: Die Hilfe muss zu den Hilfsbedürftigen kommen und nicht die Hilfsbedürftigen zur Hilfe (Zweierlei Maß von links).

    • "Im Bundestag müssen sich die Interessen der Mehrheit wieder durchsetzen" (Oskar Lafontaine 12.8.): Oskar Lafontaine über die neue Sammlungsbewegung, die Fehler in der Flüchtlingspolitik und die Maßnahmen, die ergriffen werden müssen, um die Rechtspopulisten zu schwächen (Interview mit der WELT AM SONNTAG).
    • Nationalstaat steht nicht für Nationalismus und schon gar nicht für Nationalsozialismus  (The European 26.8.): Wer wie ich dafür eintritt, viele Milliarden für die Verbesserung der Lebensbedingungen in den Flüchtlingslagern und Hungergebieten auszugeben und im Hinblick auf die Schaffung von Arbeitsplätzen daran festhält, dass das Kapital und die Investitionen zu den Menschen gehen müssen und nicht die Menschen in die Zentren des Kapitalismus, dem wird Nationalismus vorgeworfen. Wer die Milliarden für die Flüchtlinge in erster Linie für Menschen, die nach Deutschland kommen, einsetzen möchte und eine Migration von gut ausgebildeten Fachkräften und weniger gut ausgebildeten Menschen nach Deutschland befürwortet, der missversteht sich als Internationalist.

     

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