Und Kant? von Frank Sacco

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ethics-947572_1280"Doch wer sind die Götter wirklich? Analytisch gesehen sind es Projektionen von überwiegend bösen Menschen mit einer entsprechend bösen 'Moral', einer Unmoral," schreibt Frank Sacco, Doktor der Medizin. Deshalb kritisiert er Kant für dessen Kreation der "absoluten Notwendigkeit von Religion".

Kant "musste das Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zu bekommen", heißt der fette kantige Nonsens-Spruch dazu. Sacco wendet sich komplett gegen Kants Idealisierung der Religionen (Bild: rdaconnect, pixabay).

Und Kant?   von Frank Sacco

Mit Kant ist es nicht einfach. Er liest sich schwer. Er verschachtelt seine Sätze, die oft eine halbe Seite einnehmen. Er erscheint unklar und zu  kompliziert für den allgemeinen Kulturbetrieb. Vielleicht ist es Kants Absicht: Er will sich nicht festlegen. Ich meine, er verstand nichts von Religion. In seinen Gedanken über die reine Vernunft ist er noch recht vernünftig. Man könne Gott, die Seele, das Unsterbliche und die Freiheit (als Ideen) nicht erkennen bzw. beweisen. Von Wundern hält er nichts.

Doch dann wird er romantisch: in der praktischen Vernunft kreiert er die absolute Notwendigkeit von Religion. Dass der Mensch frei ist, eine unsterbliche Seele besitzt, dass ein Wesen von höchster Reinheit und Güte die Welt regiere, das müsse der Mensch so ansehen, als ob es sich so verhielte. Es seien regulative Prinzipien, ein ideales Ziel der Vernunft im engeren und höchsten Sinn. Die praktische Vernunft habe sogar das Primat gegen vor der theoretischen. Für die spekulative Vernunft sind Glaubensangelegenheiten nur bloße Möglichkeiten,  für die moralische Vernunft seien sie Wirklichkeiten, Notwendigkeiten und kategorische Gebote.

„Ich musste das Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zu bekommen“, so Kant. Damit stellte er den Glauben gegen alle wissenschaftlichen Einsprüche sicher. Göttliche Strafen sieht er als Funktionen an, das Böse aus und das Gute in diese Welt zu bekommen (Zweites Stück: „Vom Kampf des guten Prinzips mit dem bösen“). Die Vorstellung  eines „unabsehlichen Elends“ und einer „unseligen Ewigkeit“ sei mächtig genug, die Guten zu beruhigen und zu befestigen, in den Bösen aber die „Aufweckung des richtenden Gewissens“ zu bewirken. Dass es vorwiegend die „Guten“ sind, die unsere Psychiatrien füllen, die Guten mit einem durch die Religionsvertreter zu eng gemachten  Gewissen, erwähnt Kant nicht. Er erwähnt nicht die Unfreiheit, die Angst und existentielle Not der Geschädigten in der Psychiatrie. Ihm fehlt die Erfahrung Nietzsches: ein flüchtiger Gang über die Flure eines Irrenhauses, der ihn aufgeklärt hätte über die Nebenwirkungen einer fundamentalistisch-terroristischen Religion wie der „christlichen“.

Damit idealisiert Kant die Religionen. Es ist zwar in der Tat so, dass die Angst vor Höllenstrafen auch gewisse Menschen sozialisiert, etwas, was unsere heutigen Soziologen partout nicht wahrhaben wollen. Doch die bisher erfundenen Götter sind großenteils die größten Verbrecher und stiften dazu ihre Gläubigen zu üblen Verbrechen an: Der Christengott der  Bibel legt den ersten Holocaust hin und nimmt dazu (als Folterinstrument) Regenwasser. Mit seiner Abtötung der Menschheit lässt er sich ein Jahr Zeit. Er befiehlt Israel die Tötung aller kanaanitischen Kinder, ganz abzusehen von dem Befehl der Schlachtung aller männlichen Homosexuellen und der Steinigung ehebrecherischer Ehefrauen. Nahezu alle irdischen Despoten, Hitler inklusive,  arbeiten bzw. arbeiteten mit dem „lieben“ Gott bzw. seiner gewalttätigen Seite. Der katholische Dogmatiker Michael Schmauß hat noch in den 70er Jahren die Auffassung vertreten, im Holocaust sei Gott am Werk gewesen, um sein Volk, die Juden,  zu Christus zu bekehren (s.  DIE WELT vom 23.3.05). So macht man einen („unseren“) Gott zum Täter in Auschwitz – und lässt ihn dessen ungeachtet als Saubermann vor Kindern (!) weiter durchgehen. Und so säubert man auch Hitler und sein näheres Gefolge.

Was Kant nicht erkannte: Religionen werden geboren, indem sich hohe menschliche Intelligenz und ein rigoroser Machtwille in Verbrechern zusammenfindet. Wenn also bspw. ewige Folter in einem erfundenen Jenseits erdacht wird, des Weiteren tausende von sog. „Sünden“, die dorthin führen sollen, und dazu recht aufwendige, völlig unsichere und dazu noch teure Auswege, dem gepredigten ewigen Feuer (siehe Bergpredigt) zu entkommen. Wo das mühsam Ersparte hingeht, sagt uns ein kurzer Rundflug über den Vatikan. Als Lockmittel werden ein im Prinzip immer helfen könnender Gott und ein ewiges Paradies eingesetzt. Ein Schema F also. Nichts ist so billig zu haben wie das Angst machen vor ewiger Folter und ein Lust machen auf ewige Sorgenfreiheit. Der Abriss des Straßburger Münster und das Verbot aller Religionen, Dinge also, die in der Aufklärung gefordert wurden, kommen für Kant nicht in Betracht.

Ein jeder könne „selbst durch seine eigene Vernunft  den Willen Gottes, der seiner Religion zum Grunde liegt“ erkennen. Die moralischen Gesetze seien im „Bewusstsein“ vorhanden. Es gebe daher nur „eine Religion“, die moralische. Doch ist es so einfach? Ist nicht die Moral landes- und religionstypisch sehr verschieden? Gelten nicht dort die Tötung Ungläubiger, und anderswo das Schafott oder gar eine ewige Höllenstrafe für sündige Gedanken als göttliche Moral, der auf Erden gewissenhaft nachzueifern ist? Ist nicht auch die „Vernunft“ so sehr verschieden und uns ein so flüchtiger Freund, dass es die „Vernunftreligion“ Kants nicht geben kann? Überhaupt: Was ist Vernunft? Vernünftig war die Weisung Jahwes an sein Volk, alle kanaanitischen Babys zu töten. Damit hatte das Volk Israel auch für die nähere Zukunft keinerlei Probleme mit der „göttlich angeordneten“ Landnahme. Sind nicht Nietzsches kranke Überlegungen „vernünftig“, „durch Züchtung und andererseits durch Vernichtung von Millionen Missratener den zukünftigen Menschen zu gestalten und nicht zu Grund zu gehen an dem Leid, das man schafft und dessengleichen noch nie da war“. 

Doch wer sind die Götter wirklich? Analytisch gesehen sind es Projektionen von überwiegend bösen Menschen mit einer entsprechend bösen „Moral“, einer Unmoral. Folter ist eine rein menschliche und niemals eine göttliche Erfindung. Diese Projektionen  sind das Gegenteil von dem, was Kant sich unter einem Gott vorstellte. Er hat seine Philosophie ohne den Wirt, ohne die Erfinder des jeweiligen Glaubens gemacht. Selbst der Jesus der Bibel  ist, was von Kant und bis heute kollektiv verdrängt wird, ein übler Verbrecher, plant er ja als „Mensch“ und „Auferstandener“ mit seiner Apokalypse an unseren Gesetzen vorbei einen weiteren Holocaust. Ich zeigte diesen Jesus an: Die Staatsanwaltschaft Freiburg i. Br.: Der Herr sei definitiv gestorben und damit nicht mehr „existent“.  Na also. Es geht doch.

Das Resultat menschlicher Intelligenz ist nicht immer Freundlichkeit. Das sieht man speziell bei den Religionen. Sie gehören abgeschafft. Doch wenn schon Religion, so muss sie sich strikt Abkehren von einem jeglichen „Richten“ und Strafen bzw. Foltern, also von Bedrohungen. Religionen, die nicht grundgesetzkompatibel sind und Krankheiten hervorrufen wie das Christentum, gehören bekämpft. Jegliche Toleranz, auf die ich fortwährend besonders bei „Humanisten“ stoße,  hat da zu unterbleiben. Doch nach Bischof N. Schneider besteht das „Geschäft“ der Kirche ja gerade in der Implantation von Ängsten vor dem Jenseits, was er dann auch fleißig betreibt.  Dass diese massiven Ängste im kollektiven Unbewussten vorhanden sind, erkennt man an der Unterwürfigkeit der Bevölkerung, der Politik und der Jurisprudenz. Man lässt nicht nur den Kirchen nahezu alles durchgehen, man bekämpft auch Kritiker der Kirchendogmen.

1085px-Immanuel_Kant_signature.svg(Bild: Conquistador, pixabay – in seiner Signatur streicht sich Kant selber durch.)

Frank Sacco ist Autor von Das Sacco Syndrom und Autor der Bücher

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15 Antworten auf Und Kant? von Frank Sacco

  1. Kann es sein, dass Frank Saccos intensive und jahrelange Beschäftigung mit den unangenehmen Apsekten von Religionen, speziell in AT und NT, darauf hindeutet, dass er all dies für bare Münze nimmt, also daran glaubt?

    In dem Beitrag Ein bißchen Magie zeigt eine Autorin auf, dass es sich bei diesen Geschichten wohl nicht um die Beschreibungen historischer Ereignisse handelt, sondern dass die Personen bloße Typen, Charaktere, Platzhalter für bestimmte Verhaltensweisen sind — wie in einem Schauspiel oder Roman.

    Frank Sacco schreibt u.a.:

    Das Resultat menschlicher Intelligenz ist nicht immer Freundlichkeit. Das sieht man speziell bei den Religionen. Sie gehören abgeschafft.

    Glaube und Weltanschauung kann man nicht einfach "abschaffen". Das funktioniert selbst in China oder in anderen Diktaturen nicht. Man kann sich aber z.B. an einem Goethe-Wort orientieren und es positiv interpretieren:

    Behandle die Menschen so, als wären sie, was sie sein sollten, und du hilfst ihnen zu werden, was sie sein können.
    (Goethe)

    Es funktioniert (außer vielleicht bei ganz hartgesottenen Psychopathen, die es jedoch auch ohne Religion gibt).

    Eckhardt Kiwitt, Freising

     

  2. Saco sagt:

    Kindern werden die Dinge als bare Münze beigebracht. Also die Sintflut als die Ertränkung der Erde bis auf die wenigen bekannten  Ausnahmen. Die Symbolik der Sitflut kann auch nur die sein, dass der Gott, der ertränkt, nicht alle Tassen im Schrank hat. Seinen Kindheitsglauben behält man aber (im Unbewussten) wenngleich im Oberstübchen "Aufklärung" herrscht. Ich denke unbd fühle also weiter ganz offiziell wie ein Kind. Sachlich und fachlich mache ich es da also richtig. Ich gehe die Dinge ohne Verdrängungen an. Das irritiert natürlich das Kollektiv. 

     

  3. ockham sagt:

    Hallo Herr Sacco, 

    etwas über Kant zu schreiben, wenn man ihn nicht durch und durch verstanden hat, finde ich anmassend. Sie sind da offensichtlich unbekümmert…

    Ihr Zitat: „„Ich musste das Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zu bekommen“, so Kant. Damit stellte er den Glauben gegen alle wissenschaftlichen Einsprüche sicher.“

    Unter Kants Zitat ist folgendes zu verstehen: Kant verwarf die herkömmliche Metaphysik, soweit diese beansprucht, über die Existenz Gottes ein Wissen vermitteln zu wollen. Die Vernunft könne laut Kant die Existenz Gottes nicht beweisen, sie kann sie allerdings auch nicht widerlegen. Kant meinte damit, dass es kein Wissen über Gott zu vermitteln gibt, es bleibt einem nur übrig, an ihn zu glauben (Quelle: Meine Rezension zum Buch „Gott im Fadenkreuz von John Lennox vom 15.08.18).

    Ihr Zitat: „Ihm fehlt die Erfahrung Nietzsches: ein flüchtiger Gang über die Flure eines Irrenhauses, der ihn aufgeklärt hätte über die Nebenwirkungen einer fundamentalistisch-terroristischen Religion wie der „christlichen“.

    Dass Sie persönlich ein Problem mit der Religion haben, ist mir bekannt. Aber diese Aussage ist viel zu allgemein gehalten und maßlos übertrieben. Auch ist nicht die Religion an sich die Ursache für Konflikte, sondern es sind diejenigen, die Konflikte auslösen durch Intoleranz, Bigotterie, Extremismus, Fundamentalismus, Fanatismus, politischen Ehrgeiz, Herrschsucht und durch einen Mangel an Achtung vor dem Nächsten usw (Quelle: Meine Rezension zum Buch „Gott im Fadenkreuz von John Lennox vom 15.08.18).

    Ihr Zitat: „Nahezu alle irdischen Despoten, Hitler inklusive, arbeiten bzw. arbeiteten mit dem „lieben“ Gott bzw. seiner gewalttätigen Seite.“

    Einerseits berief sich Hitler als Legitimation pausenlos auf Gott, den Schöpfer und Allmächtigen. Ebenso sah er sich als Erfüller der Vorsehung und als Vollender des Werks Jesu Christi im gemeinsamen Kampf gegen "den jüdischen Feind". In "Mein Kampf" schreibt er auf S. 70: "So glaube ich heute im Sinne des allmächtigen Schöpfers zu handeln: Indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn." Ebenso ließ er Beamte sowie SS- und Wehrmachtsangehörige Ihren Eid "bei Gott" schwören.

    Dieses Vorgehen lässt sich als ausgefeilte Strategie entlarven! Die Berufung der Nazigrößen auf Gott war von Anfang an scheinheilig. Sie bezeugt aber eines: Es ging ihnen darum, ein verbindliches Glaubenssystem für alle Bürger zu konstituieren. Es gelang Hitler, an einen nichtchristlichen Gott zu glauben, ohne den christlichen Gott je offiziell zu verwerfen (Quelle: Meine Rezension zum Buch „Gott im Fadenkreuz von John Lennox vom 15.08.2018).

    Ihr Zitat: „Das sieht man speziell bei den Religionen. Sie gehören abgeschafft.“ 

    Die Abschaffungs-Idee ist utopisch: Sie berücksichtigt nicht, was Religionen ihren Anhängern bieten! Dazu gehört Selbstbewusstsein und personale Identität, womit Voraussetzungen für soziale Bindungen geschaffen werden. Religionen produzieren in Abgrenzung zu anderen ein Wir-Gefühl und verpflichten ihre Anhänger auf eine verbindliche Binnenmoral. Mit Ausnahme von "Kognition und Metaphysik" sind alle anderen Aspekte von Religion mit der Lösung von biologischen Problemen des Zusammenlebens verbunden. Hinzu kommt die Kontingenzbewältigung sowie die Überwindung des Schwarzfahrer-Problems auf zwei Ebenen. Schon allein daher wäre es aus strategischen Gründen sinnvoll, sich als Atheist mit der weiteren Existenz der Religion abzufinden (Quelle: Meine Rezension zum Buch „Gott im Fadenkreuz von John Lennox vom 15.08.2018).

  4. Saco sagt:

    1. Man könne Gott und ein Weiterleben nach dem Tod nicht beweisen, doch sei es notwendig, das als "Wirklichkeit" anzunehmen.  Denn sonst könne sich keine Moral entwickeln. Er baute demnach auf Zuckerbrot (den Himmel) und die Peitsche (die Hölle) zur Moralentstehung. Ein eigenverantwortliches Gutsein lag außerhalb seines praktischen Denkens. Er geht damit konform mit dem heutigen Vatikan und ist insofern „modern“. Nichts liest man bei Kant über die Auswirkungen des Sacco-Syndrom bzw. die Erkrankung, die in der Hauptsache unsere Psychiatrien füllt – mit Angst- und Schuldkranken. 

    2. Ich schrieb: Hitler "arbeitete" mit dem Christentum. Insofern, Ockham, gehen wir da konform. Es läßt sich eben sehr gut mit dem Christentum "arbeiten", wenn man behauptet, was Politker tun, den Willen Gottes zu kennen  und ihn dann als solchen vermittelt.

    3. Wenn ich schreibe, Religionen gehörten abgeschafft, schließt das nicht aus, dass sie nicht abzuschaffen sind. 

    4. Dass Religionen bzw. deren Zugehörigkeit auch Gutes hervorbringt, ist klar. Das wird aber so vielfach und vielfältig auch von Ihnen beschrieben, dass ich mich beherzt der negativen Seiten der Religionen zuwende und es dabei weitestgehend belasse. Diese Republik ist so religionslastig, dass ich mir das auch vor dem Hintergrund erlaube, dass meine Kollegen nicht über Religionsschäden mit ihren Patienten sprechen. Manfred Lütz meint, sie hätten "schlechte Erfahrungen" mit der Religion gemacht.  Doch das haben wir ja alle (Sintflut, Sodom und Gomorrha, ewige Hölle etc.).

  5. ockham sagt:

    Ihr Zitat: „Man könne Gott und ein Weiterleben nach dem Tod nicht beweisen, doch sei es notwendig, das als "Wirklichkeit" anzunehmen. Denn sonst könne sich keine Moral entwickeln.“

    Wenn Sie aus meiner Rezension zum Buch „Gott im Fadenkreuz“ den Teil „Altruismus, Moral und Ethik“ lesen, finden Sie eine Antwort auf die Frage der Moralentstehung.

    Ihr Zitat: "Nichts liest man bei Kant über die Auswirkungen des Sacco-Syndrom bzw. die Erkrankung, die in der Hauptsache unsere Psychiatrien füllt – mit Angst- und Schuldkranken."

    Weil Kant am 12.02.1804 starb, konnten Sie sich gar nicht kennen! Über Ihr "Sacco-Syndrom" – ein kläglicher Versuch die ekklesiogene Neurose wiederzubeleben – hätte er sicherlich nur müde gelächelt.   

    Ihr Zitat: „Wenn ich schreibe, Religionen gehörten abgeschafft, schließt das nicht aus, dass sie nicht abzuschaffen sind.“

    Der springende Punkt ist ja, dass Sie nicht „gehörten“ sondern „gehören“ geschrieben haben! 

    Ihr Zitat: „Dass Religionen bzw. deren Zugehörigkeit auch Gutes hervorbringt, ist klar.“

    Ja, im Nachhinein ist Herr Sacco immer schlauer, wenn man er darüber aufgeklärt wird, wie beschränkt sein Denken war.

  6. @ockham: :D

    Sacco ist eben kein Logiker. Hat er im Studium irgendwie versäumt.

  7. Saco :

    Von Immanuel Kant stammt ein Satz, der heutzutage wohl wenig beachtet wird:

    Daß der bei weitem größte Teil der Menschen […] den Schritt zur Mündigkeit, außer dem daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte, dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben.

    (aus BEANTWORTUNG DER FRAGE: WAS IST AUFKLÄRUNG ?)

    Eckhardt Kiwitt, Freising

  8. ockham sagt:

    @ Frank Berghaus

    Im Umkehrschluss bin ich mir nicht sicher, ob ich Logiker bin Zumindest habe ich mich intensiver mit der Materie beschäftigt. Nur warum – das ist die spannende Frage.

     

    @ Eckardt Kiwitt

    Kant schreibt auch, dass Faulheit und Feigheit die Ursachen seien, warum Menschen dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben. Der Mensch wäre unfähig sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, weil man ihn niemals den Versuch davon machen ließ. Selbst verschuldet sei die Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Dass aber ein Publikum sich selbst aufkläre, sei eher möglich, da würden sich immer einige Selbstdenkende sogar unter den eingesetzten Vormündern des großen Haufens finden.

    (Quelle: https://www.zeit.de/2015/49/immanuel-kant-unmuendig-aufklaerung). 

    Ich würde da mit Kant nicht konform gehen, dass es an einer bewussten Willensentscheidung („Entschließung“) liegen würde. Hier kommt Kants Vorstellung des freien Willens zum Vorschein. Andererseits ist Kant aber auch Determinist, was die Sache kompliziert macht (Quelle: http://www.philosophieverstaendlich.de/freiheit/klassiker/kant.html). 

    Zum Skeptizismus wird man meiner Meinung nach erzogen – was viel Determinierung voraussetzt. 

    Dass Kant den Schritt zur Mündigkeit für „gefährlich“ hält und dass er dafür Mut einfordert, könnte meiner Vermutung noch an der weit ins 18. Jahrhundert reichenden Inquisition liegen (Quelle: https://www.zeit.de/zeit-geschichte/2014/03/inquisition-folter-todesstrafe/seite-4). 

  9. Saco sagt:

    Gefährlich war für Kant nicht der Scheiterhaufen. Gefährlich für das Kollektiv  ist heute immer noch Kirchen- Jesus- und Gottkritik. Feigheit, so Freud, sei es nicht, den Kirchen nicht Paoli zu bieten. Es sei "Vorsicht". Immer noch läßt das Kollektiv durchgehen, dass man den Holocaust Sintflut als solchen als gerechte Tat vor Kindern feiert. Das ist nicht Feigheit, es ist Angst. Man läßt es Bischof Schneider durchgehen, dass er unseren Kindern schreibt, gewisse Sünder kämen in das ewige Feuer Jesu.Das ist nicht Gleichgültigkeit, Feigheit oder Ignoranz, es ist Angst. Die ist natürlich nur so weit im Hintergrund, dass man sie nicht merkt. Man merkt sie nicht, weil man sich nicht auf Kirchen- oder Gottkritik einläßt (man ist "vorsichtig", nach Freud). Und man bekämpft Personen, die diese Kritik üben. Auch dadurch rehabilitiert man sich vor seinem Kindheitsgott. 

  10. Saco sagt:

    Ockham meint an dieser Stelle, Atheisten sollten sich mit der Existenz von Religionen abfinden. Sie hätten doch  etliche Vorteile. Von den massiven Nachteilen spricht er nicht. Doch er ist auch nicht seit 40 Jahren psychotherapeutisch auf dem Sektor der Religionsschäden tätig. Am Wochenende schrieb ich ein Gedicht, ein Stück über eine meiner Klientinnen. Definitiv gehören Religionen bekämpft, die sich Folter auf ihre Fahne geschrieben haben oder nackte Gewalt. Da gilt: Null Toleranz. Sie müssen auf den Boden des Grundgesetzes. Lächerlich ist, das heute  hier nur vom Islam zu fordern. Und, Ockham, das Sacco-Syndrom habe  nicht ich ins Leben gerufen, es existierte schon zu Kants Zeiten. Und es ist keineswegs lächerlich oder eine Ausnahme in der Psychiatrie.  Ich habe der Sache nur einen Namen gegeben, der 1. schreibbar und merkbar  ist und 2. nicht nur die Ekklesia, die Kirche, sondern auch andere Religionen mit einschließt.

    Im Heim

    Sie fand sich im Heim wieder, als Kind, über Nacht. In Großburgwedel, bei Hannover, dort, wo heute Ikea ist. Bei Diakonissen, das sind Schwestern, die mit Jesus verheiratet sind – und manchmal glauben, als Ehefrauen alles machen zu dürfen, alles, was man nicht darf. Dort gab es Schläge, für alle, und andere Gewalt: Sie mussten essen, was sie ausbrachen. Kam ja vom lieben Gott, und nicht etwa vom Bauern aus der Umgebung, für Geld gekauft. „Krause Haare, krauser Sinn, da steckt nur der Teufel drin“, sagte man ihr, dem Kind mit den krausen Haaren. Dazu Einzelhaft, tagelang. Dazu noch gefickt vom Pastor, gefickt mit dem Schwanz und mit der Hölle, mit der Angst davor. Sie durfte nichts sagen davon, von der Fickerei. Sonst käm sie in die Hölle.

    Das Kind, das sie bekam, aß den ganzen Tag. Aus Angst. Hatte ja die Angst der Mutter geerbt. Adipositas permagna schrieb der Arzt in die Kartei. Ihr Enkel wurde Autist. Das war seine Lösung des Problems mit der Angst, der ererbten Angst vor der Hölle.  

    Die Bischöfin hat sich vor der Marktkirche bei ihr entschuldigt. Doch das erhoffte Geld kam nicht rüber. Da sind sie knauserig, die Pfaffen. Sie kriegte dann Krebs. ´S Immunsystem war halt kaputtgegangen.

     

  11. Saco sagt:

    In seiner Kritik der reinen Vernunft hätte Kant die gesamte Metaphysik mit ihrer ungeheuren Brutalität in Luft auflösen können. Aber dann zieht er, wie wir hier in der Nordheide sagen,  den Schwanz ein und Vernunft und Glaube verbleiben nebeneinander. Ja  der Glaube habe sogar Vorrang vor der Vernunft. Denn für eine Moralentstehung sei eine entsprechende Gottesvorstellung erforderlich. Atheisten wird hier die Ausbildung von Moral abgesprochen. Der Vernunft in der Religion versperrt Kant also den Zugang. Warum? Hatte er ein Sacco-Syndrom und Sündengefühle wegen seiner Kritik an der Religion, seiner Kritik am (überflüssigen) Beten und an unglaubwürdigen Wundern?

    Kant hatte fromme Eltern. Die Mutter war strenge, überzeugte Pietistin. Ein  Sacco-Syndrom  des Sohnes ist da doch sehr  naheliegend. Das Syndrom  zeigt sich hier nicht in einer sichtbaren Erkrankung, wie bei Nietzsche, Freud und Hölderlin, aber in dem Symptom einer Unterwerfung unter die herrschende Religion. Sie macht zwar frei von ecclesiogenen Symptomen, führt aber in das Gefängnis einer Unterwerfung unter alle Dogmen der Kirche.

  12. Atheisten haben keine Moral, sondern (sofern sie Humanisten sind) eine im gegenseitigen Einverständnis vereinbarte Ethik. Das macht einen Riesenunterschied.

  13. Saco sagt: ( 19. August 2018 um 12:01 )

    … dass man den Holocaust Sintflut als solchen als gerechte Tat […] feiert.

    Auch wenn die Sintflut allein wegen des vielen Wassers ganz sicher kein Holocaust war (holókaustos, als Neutrum ὁλόκαυστον – holókauston‚ das „vollständig verbrannt“ bedeutet):

    Wie kamen eigentlich seinerzeit die Eisbären und die Schneefüchse, Kängurus und Koalas, Kiwis und Pinguine, Lamas und Alpakas zu der Arche ?

    Und wie bewältigen deren Nachfahren heute das aus der Sintflut entstandene Trauma ?

    Eckhardt Kiwitt, Freising

  14. Saco sagt:

    Schon mit den Insekten wäre die Arche voll gewesen. Die Sintflutstory hat den Sinn, Ängste ins Kind zu bekommen. Es weiß, es ist einem Verrückten oder einem Verbrecher ausgeliefert. Der Gedanke ist aber nur sehr kurz im Bewusstsein, dann wird er verdrängt, weil  er verdrängt werden muss. Er bleibt aber virulent und existent. Ein Kind hörte die Geschichte von der Pastorin und fragte, was mit den anderen Tieren sei. Als die nichts sagte, äußerte das Kind: "Die nehmen dann wohl das nächste Schiff". Auch ich hatte Mitleid mit den Tieren. Und Mitleid mit Jesus, zumal  der Vater gnadenlos zusah. Die Sühnegeschichte ist einfach unbeschreblich gemein. Benedikt schrieb als Ratzinger, die Story mache die Botschaft von der Liebe Gottes unglaubwürdig. In "Einführung in das Chrstentum".

  15. Saco sagt: ( 22. August 2018 um 09:43 ):

    Die Sintflutstory hat den Sinn, Ängste ins Kind zu bekommen. …

    Ob es wirklich darum geht, "Ängste ins Kind zu bekommen"? Da bin ich mir nicht sicher.

    In der Wikipedia lese ich zum Thema "Sintflut" u.a. (gleich im Eingangssatz):

    Die Sintflut wird in den mythologischen Erzählungen verschiedener antiker Kulturen als eine göttlich veranlasste Flutkatastrophe beschrieben, die die Vernichtung der Menschheit und der Landtiere zum Ziel hatte. Als Gründe für die Sintflut nennen die historischen Quellen zumeist Verfehlungen der Menschheit.

    Mir scheint, dass sich diese Story eher an Erwachsene richtet — vermutlich, um einzuschüchtern. Vielleicht war der Liebe Gott, der Gütige und Barmherzige, damals ein kleiner Sadist, der Lust dabei verspürte, Unschuldige für die Verfehlungen anderer zu "bestrafen" und Tiere gleich mit zu ersäufen.

    Doch wie dem auch sei: wenn man der ganzen Geschichte mit ein wenig Galgenhumor begegnet, kann man daraus eine herrliche Satire machen. Zum Beispiel so (jetzt muss ich ein wenig ausholen):

    Wenn die Eiskappen an Nord- und Südpol eines Tages vollständig abschmelzen, dann steigt der Meeresspiegel "weltweit" (aber eigentlich nur hier auf der Erde) gegenüber dem derzeitigen Niveau bekanntlich um ca. 70 Meter.

    Das erste Camp auf dem Weg zum Ararat befindet sich 2.750 m.ü.d.M. bei der Stadt Aralik. Der Berg hat eine Gipfelhöhe von 5.137 m.

    In Noahs 600. Lebensjahr begann die Flut am 17. Tage des zweiten Monats.

    600 Jahre waren seinerzeit vermutlich ein gewöhnliches Alter, bei dem man gerade mal in Rente gehen und Freizeitkapitän werden durfte.

    An der Flanke des Ararat ist angeblich Noah's Arche gestrandet …

    Am 17. Tag des siebenten Monats setzte die Arche im Gebirge Ararat auf.

    … nachdem die Flut zurückgegangen war. Diese Arche (oder das, was davon übrig blieb) liegt also wohl auf mehr als 2.750 m Höhe über dem Meeresspiegel, der aber gegenüber dem heutigen Level bei Abschmelzen der Polkappen nur um ca. 70 m steigen würde.

    Wie konnte nun die Arche auf diese Höhe gelangen? Laut biblischer Überlieferung war es ja so:

    40 Tage dauerte die Flut auf der Erde. Nach insgesamt 150 Tagen des Anschwellens nahm das Wasser ab.

    Wo aber kam das ganze Wasser her, das den Meeresspiegel damals hatte ansteigen lassen und die Arche auf eine Höhe von mindestens 2.750 m getragen hatte? Natürlich aus den Wolken, aus denen es wochenlang geregnet hatte! Woher auch sonst. Das ist ganz plausibel und logisch — wie alles an der Geschichte … (sofern man sie wörtlich nimmt).

    Da es die Erzählung von der Sintflut übrigens "in den mythologischen Erzählungen verschiedener antiker Kulturen" gibt (siehe oben), wird sie wohl stimmen — ganz sicher !

    Was damals aber mit den Pflanzen und insbesondere mit den Pilzen geschah, die eine so lange "Wässerung" nicht unbedingt überstehen, ist nicht etwa ein Thema für Pflanzen- und Pilzkundler, sondern für Bibelforscher und Theologen, die das wissenschaftlich erklären können.

    Eckhardt Kiwitt, Freising

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