Insidersicht aus der Beratungsstelle

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woman-3337162_1280Referiert wird über einen Brief, den die Politikerin, Publizistin und DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld bekam und in ihrem Blog veröffentlichte (1.). Auf der Lengsfeld-Site sind Schlagworte zu sehen wie "muslimische Invasion" (stammt vom ungarischen Präsi Victor Orban), wie "Klima-Alarmisten", wie "Klimaerwärmung nicht aufzuhalten, weil sie eben nicht menschengemacht" sein könnte, wie "deutschen Klimafushima-Moment herbeischreien" (von Lengsfeld selbst, Bild: Mysticsartdesign, pixabay).

Abseits der Schlagworte ist Lengsfelds Klima-Artikel (2.) wohl ok. Außerdem gibt es rein sachliche Artikel wie eine empirische Widerlegung islamapologetischer Argumentation (von Gott und die Welt, 3.). Mit aller gebotenen Vorsicht soll nun der Brief angegangen werden. Der Inhalt ist aufrüttelnd, wenn auch keine objektiven Aussagen über seine Repräsentanz möglich sind. Man kann ihn als Stimmungsbild nehmen, das eine zweifache gesellschaftliche Fehlentwicklung hervorhebt, politisch und emanzipatorisch.

Es geht um einen Leserbrief von einer studierten Bürokraft, die in einer mitteldeutschen Kleinstadt arbeitet. Die Berichterstatterin klärt Lengsfeld über mehrere Begegnungen in ihrem Umfeld auf, wo sie beruflich Gespräche mit einer deutschtürkischen Klientel über Kinderbetreuung führt (keine näheren Angaben, alle Personen anonymisiert).

Am Beispiel einer jungen Deutschen mit türkischen Wurzeln wird das Problem aufgezeigt. Diese Frau fragte die Berichterstatterin, warum "wir Deutsche so klein geworden" seien, und sie lieferte auch die Interpretation ihrer Frage. Warum wir uns das gefallen ließen? Sie werde von ihren Brüdern schikaniert, die auch noch ihre Frauen und Kinder schlügen. Die Brüder gingen nicht arbeiten, "weil sie 'Rücken' haben", und abends verkauften sie Drogen. In den Worten der Beschwerdeführerin:

Es gibt absolute Straffreiheit, und ich muss es als Frau ausbaden. Euer Kriechen belastet auch mich, da es keine Folgen für die Männer hat, wenn sie Scheiße bauen.

Warum sei Deutschland Opfer? Sie wolle das nicht mehr. Sie werde sich trennen, trotz der Schikanen, auch wenn der Staat sie nicht schütze. Sie werde eine Ausbildung machen und ihr Kind anders erziehen. Ihre  Freundinnen würden genauso denken, auch wenn sie den Absprung nicht schafften. Eine Scheiße sei das hier, dabei haben sie den deutschen Pass. Nochmal die eigenen Worte der Beschwerdeführerin:

Deutschland ist Dreck für Frauen und ein Paradies für Kriminelle.

Sie würde so viele aus der Beratungsstelle kennen, welche die Berichterstatterin & Kollegen anlögen, sie für dumme Opfer hielten und damit sogar für die Zeitung posierten – und es ist nicht nur die eine Beschwerdeführerin, die sowas sagt. Diese Tirade höre die Berichterstatterin von Frauen aus muslimischen Ländern immer wieder. Sie stünden unter dem Zwang, Kinder zu gebären, sie sprächen kaum Deutsch und wollten so ein Leben oft gar nicht.

Die Berichterstatterin ist mit ihrem Leben auch nicht zufrieden, soweit es die berufliche Tätigkeit angeht. Sie beklagt ein "Redeverbot über ihre Erfahrungen" und ist in Sorge um ihre Anstellung. Das habe sie verunsichert und klein gemacht. Überhaupt habe das "Gift der Verharmlosung von Gewalt" schon vor Jahren zu wirken begonnen. 

Sie sehe "Gewalt als Erziehungsmittel und zunehmende Verwahrlosung der Kinder in Großfamilien" als Problem von Familien mit Migrationshintergrund. Als sie ihren Bereichsleiter darauf ansprach, bekam sie eine Abfuhr. Das Thema sei bekannt, würde aber nicht bearbeitet. Dafür reichten die Kapazitäten nicht aus. Ohnedies würden  die Klienten genug Schwierigkeiten machen, sie sprächen sowieso zu wenig Deutsch, da wolle er kein Fass aufmachen. Auch sei das politisch nicht angedacht.

Die Berichterstatterin fühlt sich nicht ernst genommen, sie habe wieder mal eine ausweichende Antwort auf ihre Beobachtungen bekommen. Niemand wolle Zahlen und Fakten hören. Berichte sollen unkritisch verfasst werden, nur mit kleinen Nuancen zwecks Plausibilität.

Und nun klagt die Berichterstatterin: Was hier in diesem Land ablaufe, sei ihr ein Rätsel; mit normalem Menschenverstand sei sowas nicht zu begründen. Eine Kollegin habe sich bereits nach einer anderen Tätigkeit umgesehen. Aus deren Sicht mache soziale Arbeit nur Sinn, wenn es eine bessere Perspektive gäbe. Sie wolle die herrschenden Strukturen der Gewaltverharmlosung nicht mehr bedienen. Unser Land habe sich drastisch geändert, es sei nicht mehr wiederzuerkennen. Abschließend nochmal in den eigenen Worten:

Innerhalb von nur zwei Jahren wurde uns die Leichtigkeit des Seins genommen, unsere selbstverständliche Sorglosigkeit, unser Vertrauen in die Zukunft.


Konkretisiert als Schikanieren, Schlagen, Gewaltverharmlosung, Kriechen, Straffreiheit ist das ein schwerer Vorwurf. Der richtet sich einmal an den Kontrollverlust der Politik, der entsprechendes Verhalten massenweise nach Deutschland holt und nichts dagegen zu tun versteht. Die insuffiziente Politik weiß ja noch nicht mal ausländische Einmischungen durch türkische und saudische Imame zu verhindern. Sie ignoriert das grundlegende pädagogische Konzept: Bad behavior that isn't punished tends to become worse. Moreover, bad behavior that is rewarded (with money, adventure or sex), tends to get worse. Unfortunately, rewarding or failing to punish bad behavior is what our country does ("wehret den Anfängen").

Zweitens richtet sich der Vorwurf an die selbsternannten Wahrer*innen der Frauenrechte. Die haben keine Eier mehr, sozusagen, und ihr Kriechen belastet auch die Geschlechtsgenossinnen. Hier rächt es sich konkret, dass sie sich als Gender-Phantasten, als Wort-Polizei und als Metoo-Rufmordkampagneras verstehen und muslimische oder stammesreligiöse Frauenunterdrückung und Kindermisshandlung für eine Bereicherung der Kultur halten. Und dass sie nicht mehr gegen Rückschrittlichkeit, Emanzipations- und Frauenfeindlichkeit agieren, sofern die Täter keine reichen weißen Männer sind.

Inwieweit darf man nun den Vorwürfen glauben? Deutschland ist Dreck für Frauen und ein Paradies für Kriminelle? Die Formulierung ist ziemlich überzogen, auch wenn das hunderttausendfach zutreffen dürfte und mit weiterer Zuwanderung & Familiennachzug noch mehr um sich greift.

Und Aufklärung darüber ist politisch nicht gewollt? Also – das darf man bedingungslos glauben (ein ähnlicher Artikel berichtet über das Bamf, siehe wb-Link Insidersicht aus dem BAMF).

 

Medien-Links:

  1. “Meine Brüder schikanieren mich und schlagen ihre Frauen und Kinder” Vera Lengsfeld 12.8.): Es gibt absolute Straffreiheit und ich muss es als Frau ausbaden. Euer Kriechen belastet auch mich, da es keine Folgen für die Männer hat, wenn sie Scheiße bauen.
  2. Grüne laufen heiß – wir müssen Klimafushima-Moment verhindern (Vera Lengsfeld 9.8.): Oliver Krischer, grüner MdB und einer der Hintermänner des EEG, mit dem sich grüne Aktivisten auf Kosten der Gesamtbevölkerung durch Windmühlen und Solarpanele dumm und dusselig verdienen, sieht die ‚Erden glühen‘ und fordert ‚radikalen Klimaschutz‘.
  3. Islamapologetische Argumente empirisch widerlegt (Gott und die Welt 21.7.): Gerade von jenen, die eine Differenzierung hinsichtlich der Pluralität des Islams einfordern, um den Islam vor Kritik zu immunisieren, hört man allenthalben pauschalisierende und beschönigende Argumente über „den Islam“, die nachfolgend mit Hilfe von Zahlen widerlegt werden sollen.

Links von wissenbloggt:

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4 Antworten auf Insidersicht aus der Beratungsstelle

  1. Vera Lengsfeld kommt in dem Artikel ja sehr gut weg.

  2. Sie ist jedenfalls nach ihrer Sommerfrische noch erheblich brauner zurückgekehrt als sie vorher schon war.

  3. Wilfried Müller sagt:

    Ich finde nicht alles schlecht was die beim European schreibt. Aber die Alarmlampe hat gebrannt. Gibt es konkrete Vorwürfe, AfD-Beteiligung oder sowas?

  4. Ihre Petition "2018" – "Rückkehr zur rechtsstaatlichen Ordnung", Grenzen dicht usw. wird jedenfalls ausschliesslich von der AfD bejubelt und unterstützt. In letzter Zeit tritt sie nur noch als AfD-Fan auf, ohne meines Wissens bisher Mitglied zu sein.

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