Psychoanalyse der Flüchtlingspolitik

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bullying-3089938_1280Eine persönliche Anmerkung vorweg: Es muss schon allerhand passieren, damit sich der wissenbloggt-Schreibknecht in solche Gefilde traut – Psychoanayse … Aber wie soll man das nennen, was in Diskussionen über die Vergangenheitsbewältigung hochkommt? (Bild: geralt, pixabay)

Aus der Perspektive eines Wilfried Müllers sieht Vergangenheitsbewältigung so aus (wie diese mit der Flüchtlingspolitik zusammenhängt, soll weiter unten begründet werden): Seit frühster Jugend werde ich mit Schuldvorwürfen konfrontiert ("Nazi-Gen"), ich werde in Sippenhaft genommen. Das erstreckt sich bis in die Literatur, die man mir im Deutschunterricht auftischt. Die ist so kaputt und depressiv – bis mir klarwird, da therapieren sich die Autoren unausgesprochenermaßen von ihren Nazi- und Kriegserlebnissen auf Kosten der Leser.

Dann darf ich mich über heftige Steuerzahlungen an der Wiedergutmachung (1.) beteiligen. Solange das Geld nicht für Waffen gegen Palästinenser verwendet wird, geht das gefühlsmäßig in Ordnung – doch wo bleibt die Wiedergutmachung von anderen? Die USA für Vietnam? Die Deutschen entwickeln eine ganz spezielle Schuldkultur – wohlgemerkt, die Nachkriegsgeneration, die völlig unschuldig ist. Die europäischen Nachbarn schaffen es sogar ohne Holocaust,  Schuldkomplexe zu entwickeln, wegen historischer Sklaverei, kolonialer Vergangenheit, Unterstützung vom Faschismus (2.). Soweit es wegen der Ausbeutung von Dritte-Welt-Ländern oder dem Überziehen der Region mit Krieg der Fall ist, hat es sogar eine reale Rechtfertigung.

Nichts dergleichen trifft auf die Religion zu. Die reitet zuallererst auf der Schuldwelle und will mir einreden, ich wäre ein Sünder und müsse Gott um Verzeihung bitten. Die Katholen haben sogar das Äquivalent für die Sippenhaft, die "Erbsünde". Mein Gott war der evangelische, bei weitem nicht so schlimm, aber den habe ich als erstes für mich abgeschafft. Und die Schuld am Juden- und Polen-Massenmord? Die habe ich für mich auch abgeschafft. Ich will mich nicht in Sippenhaft nehmen lassen, und an Erbsünde glaube ich schon gar nicht.

Aber wie steht es mit der "besonderen Verantwortung", die uns Deutschen für die Vergangenheit zugeschrieben wird? Damit wir uns selber und alle Welt besonders informieren und mahnen, damit sowas wie der Holocaust nie, nie wieder gemacht wird?

Auch diese Verantwortung lehne ich ab. Die Sonntagsredner können das gern auf sich nehmen, aber sie sollen mich nicht damit belästigen. Als Humanist bin ich sowieso menschenfreundlich eingestellt, und ich würde ganz bestimmt nicht tatenlos zusehen, wie neue Pogrome gemacht werden – das reicht.

Psychoanalyse

Im Gegenteil sehe ich in der deutschen Schuldfixierung ein schweres Problem – und damit kommt der eigentliche Sinn des Artikels ins Visier. Vor lauter Vergangenheitsbewältigung, Schuldbereitschaft und Wiedergutmachung wird unser Staat in Gefahr gebracht. In abgeschwächter Form gilt das für die ganzen EU-Kernländer. Damit setzt meine Psychoanalyse ein.

In einem anderen wissenbloggt-Artikel ist beschrieben, wie die Open-border-Agenda in Deutschland Macht ergriff (wb-Link Flüchtlingspolitik). Es ging zufällig, aus einem empathischen Impuls heraus vonstatten, und dann blieb es so. Dieser "Zufall" hat aber einen Grund, wie darzulegen ist. Er hat m.E. was mit Vergangenheitsbewältigung und Schuldbereitschaft zu tun.

Es wurden ja viele Gründe für Grenzöffnung und Willkommenskultur angegeben. Natürlich steht die Empathie im Vordergrund, aber kann und darf das bei politischen Entscheidungen sein? Eher nicht, denn Politik nach Empathie ist willkürlich, und damit das Gegenteil des demokratischen Auftrags. Es wurden ja dann auch eine Menge andere Gründe vorgelegt, warum die Menschen aus Afrika, Arabien und dem Nahen, Mittleren und Fernen Osten kommen sollten. Die Diskussion der Gründe findet sich im Flüchtlingspolitik-Artikel und muss hier nicht nochmal aufgewärmt werden. Frappierend, wie wenig stichhaltig die Gründe sind, "wir brauchen 'Bestanderhaltungsimmigration'" oder "Grenzen kann man sowieso nicht schließen" oder "es sind alles Flüchtlinge, die nach GG und Asylgesetz aufgenommen werden müssen"  oder "die integrieren sich alle" bis "die zahlen unsere Renten."

Die Behauptung ist nun, dass es gar nicht die echten Gründe sind, sondern vorgeschobene. Unbewusst oder zumindest uneingestandenermaßen steckt ein anderer Grund hinter der Grenzöffnung für Menschen aus der halben Welt: "Wir haben einen Schuldkomplex und möchten den an euch therapieren. Die Andersdenkenden sollen das bezahlen, die hassen wir sowieso."

Was da nämlich passiert, ist m.E. ein ungewollter und unbewusster Missbrauch der Schuldbereitschaft durch Überkompensation. Die Sanktionierung von Judenhass wird transformiert in die Verurteilung von einem zunächst einmal nichtexistenten "Fremdenhass". Darauf baut die Überkompensation auf, dass Fremde aus der ganzen Welt überhaupt erst reingelassen werden, um den Schuldkompex zu therapieren und den Beweis der Heilung anzutreten.

Dabei werden nicht nur gute Gefühle umgesetzt. Gegenüber den Fremden ist die Haltung unbekannterweise sehr positiv, gegenüber den Einheimischen ist sie sehr kritisch. Die Einheimischen sollen die Willkommenskultur nicht nur ungefragt bezahlen. Sie dürfen noch nicht mal mitreden, wen sie ins Land lassen und alimentieren sollen. Wenn sie anders denken, werden sie sogar verteufelt; dann sind sie "Fremdenhasser", "Rassisten" und "Nazis".

Die Wortwahl ist bezeichnend und stützt die Hypothese von der Überkompensation. Die Open-border-Politik wurde ja tatsächlich realisiert, und man konnte jahrelang beobachten, wie Vertreter von mittleren und konservativen Standpunkten als "Rechtsradikale" bezeichnet wurden – die Mitte wird rechtsradikal genannt.

Das ist eine klare Schieflage und zeigt, welche Machtposition die linksgrünen Agendasetzer erobert haben. Dass sie eine solche Jahrhundertentscheidung wie die Grenzöffnung für alle an der Mehrheit der Bevölkerung vorbei durchdrücken konnten, liegt m.E. an den von der Vergangenheitsbewältigung bestellten Feldern. Diese Durchsetzung war eine Bevormundung. Sie hat nicht nur unsinnige Auswirkungen, sie bedeutet eine Gefahr für unseren Staat. Was wurde denn durchgesetzt?

  • Die Umsiedlung vom rohstoffreichen großen Afrika usw. ins kleine rohstoffarme übervölkerte Deutschland (siehe wb-Link Umsiedlung).
  • Die Schädigung von Quellenland (Fachkräfte fehlen) und Zielland (hier ist der Fachkräfte-Status vernichtet).
  • Die Ungerechtigkeit gegenüber fast allen: die vor Ort (gehen leer aus), die hier (werden benachteiligt und zahlen noch dafür). Es profitieren nur die Privilegierten, die es hierher schaffen.
  • Und es kommen lauter Judenhasser!

Gefahr

Die Logik ist jetzt, wer die reingeholten Wiedergutmachungs-Ziele nicht haben will, wird in die Nähe der Juden-Vernichter geschoben. Der Hass auf diese Andersdenkenden ist so, als ob sie wirklich die Gaskammern anschmeißen wollten. Eine rationale Abwägung der Argumente wird damit verhindert – und das ist eine Gefahr fürs Gemeinwesen.

Denn ein Ausgleich der Positionen wird verwehrt, und die Open-border-Agenda soll bei uns weiterhin durchgesetzt werden, gegen den Willen der deutschen (und europäischen) Mehrheit. Solche Entmündigung kann sich schnell rächen, zumal die Argumente auf Seiten der Grenzöffnungs-Kritiker sind.

Der Praxistest zeigte, dass die Immigranten aus den fremden Kulturen vor allem eins sind: rückständig. Da hapert es nicht bloß an Ausbildung, Alphabetisierung und womöglich Arbeitsethos. Es fehlt an Aufklärung, Emanzipation und Enttabuisierung. Es dominieren repressive Verhaltensweisen, paternalistisches Machotum und menschenverachtende Religionen. Vor allem die Frauen sind nicht frei und selbstbestimmt. Insgesamt ist das eine schwere Bürde, und es wirft die Frage auf: Wieso sollen solche Menschen auf Dauer hier leben? Sie werden hier nicht gebraucht, sie passen nicht hierher. Es wäre besser, ihnen vor Ort zu helfen. Wenn sie nur Vorteilssuchende sind, haben sie sowieso kein Recht herzukommen. Wenn sie Asylanten oder Kriegsflüchtlinge sind, haben sie nur temporäres Bleiberecht.

Dass sie trotzdem fast alle hierbleiben, und dass das von der linksgrünen Fraktion erbittert verfochten wird, ist ist nicht legitim, und es ist gesellschaftlicher Zündstoff. Wie weit die linksgrüne Vereinnahmung geht, zeigt das Vokabular: "Mob", "Systemfeinde". Sowas wie besorgte Bürger, die bloß gehört werden möchten, kennt die linksgrüne Agenda nicht. Ohne Differenzierung und Sachlichkeit ist aber der Rechtsstaat in Gefahr, zumal er nur noch selektiv durchgesetzt wird: Gegenüber Einheimischen, nicht aber gegenüber Flüchtlings-Immigranten.

Dass es jetzt Randale gibt, liegt an der Ignoranz der Politik (die wiederum von der Schuldbereitschafts-Grundstimmung verstärkt wird). Wenn man ihr was im Guten sagt, ignoriert sie das. Einfach bloß weil die Leute was wollen, rührt sich in der Politik nichts. Man wird erst gehört, wenn man Randale macht. Was jetzt passiert, ist praktisch Randale mit Ansage: unsere Politik hat die Randale heraufbeschworen.

Die Gefahr liegt m.E. darin, gegen die Radikalinskis die rechtlichen Mittel einzusetzen, und gegen den Kontrollverlust bei Zuwanderung und Abschiebung weiterhin nichts zu tun. Durch solche Ungleichgewichte müssen sich die Protestler herausgefordert fühlen. Die Melange aus fehlgeleiteter Schuldbereitschaft, politischer Ignoranz und leichtfertiger UN- und EU-Bastelei an weltweiten Umsiedlungsaktionen ist eine reale Gefahr.

Na klar gibt es eine Mehrheit gegen Rassismus – wer wäre nicht dagegen? Aber nur eine Minderheit will, dass sich fremde Kulturen hier unkontrolliert ausbreiten und es ihrem Ermessen überlassen sein soll, inwieweit sie sich integrieren. Die Mehrheit will andere Formen der Hilfe.

Und sie sieht sich zurecht unter Zugzwang gesetzt. Einmal durch das elende politische Prinzip, die Hausaufgaben nicht zu machen. Also nicht die bestehenden Probleme (z.B. bei Asylende und Abschiebung) zu lösen, ehe weitergemacht wird (mit mehr Zuwanderung). Zum anderen durch den laufenden Versuch, Tatsachen am Mehrheitswillen vorbei zu schaffen, die dann womöglich nicht mehr korrigiert werden können. Da ist Randale programmiert, Bürgerproteste bis hin zum Volksaufstand; spätestens wenn die Flüchtlings-Immigranten massenweise Bleiberecht kriegen.

Es gibt viele Menschen, welche die Einhaltung der Gesetze fordern, die dabei mitbestimmen möchten, wer zu uns kommen darf, und die über andere Formen der Hilfe reden möchten. Sie aus dem deutschen Schuldkomplex heraus als Nazis zu verunglimpfen, ist m.E. nicht zielführend und nicht zutreffend. Es geht hier schließlich nicht gegen Teile unserer Bevölkerung, sondern um Hilfe für Fremde.

 

Medien-Links:

  1. Kriegsfolgen und Wiedergutmachung (Bundesfinanzministerium 2018)
  2. Der Schuldkomplex: Vom Nutzen und Nachteil der Geschichte für Europa (Pascal Bruckner 2008): In seinem mitreißenden Essay prangert der Philosoph und Schriftsteller Pascal Bruckner diesen »westlichen Masochismus« an und kritisiert die in Europa verbreitete Haltung, sich lieber jeder nur erdenklichen historischen Schuld zu bezichtigen, als hier und jetzt Verantwortung zu übernehmen.

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5 Antworten auf Psychoanalyse der Flüchtlingspolitik

  1. Wolfgang Goethe sagt:

    Wilfried, da stimme ich dir voll und ganz zu: so wie Du es als Nachkriegskind verspürt hast, so erging es auch mir und vielen aus unserer Generation. Wir hatten mit dem Krieg, mit den Juden, Holocaust, und den Massenmorden nichts zu tun, das kann man doch nicht uns ankreiden. Dieses "wieder gut machen Gerede" nervt. Das ist vorbei und Vergangenheit – die Zukunft ist wichtiger, als die ollen Kamellen – das ist Geschichte. Wir waren es nicht, dann haben wir auch nichts gutzumachen.

    Man spricht immer von Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass, was ist denn mit den Ausländern? Die sind wiederum Deutschlandfeindlich uns gegenüber, indem wir von denen als Nazis usw. beleidigt werden. Wenn ein Ausländer zu dir sagt: "Du Nazi – fick deine Mutter", dann haben wir das Maul zu halten: Sag das mal zu den Ausländern, dann fühlen die sich in ihrer Ehre verletzt; wenn du Pech hast, wirst du erstochen.

    Da die Politik alles von sich aus entscheidet ohne das Volk mit einzubeziehen, dann muss man sich nicht wundern, wenn´s zur Randale und Demonstrationen kommt. Natürlich sind da auch Idioten dabei, die gibt`s genauso auch beim Fußball. Die Bürger haben langsam die Schnauze voll. Von der Politik hört man immer nur: Wir "müssen", Wir "sollten", Wir "können". Wir wollen Taten und Handlungen sehen, nur für`s Gerede, dafür brauchen wir  keinen Staat – das können wir auch.

    Die Politik kritisiert die AFD, baut aber die AFD mit ihrer Politik auf.

    JWG  

  2. Wilfried Müller sagt:

    Lieber Wolfgang,

    wundert mich nicht, dass Du es in der Nachkriegszeit auch so empfunden hast. Bei Deinen Aussagen über „Ausländer“ sei bitte differenziert. „Die Ausländer“ gibt es so nicht, das sind immer nur einige Ausfälle, die so reagieren, wie auch die deutschen Ausfälle. Freut mich, dass Du das bei den Fußball-Hools erwähnt hast.

  3. Saco sagt:

    Ja es ist ein Elend mit der uns von oberster Stelle (Maas) wieder aufgedrückten „Verantwortung“ an Auschwitz. Leider ist ein Großteil der deutschen Presse jüdisch. So gibt es in der Die Welt alle 2 Tage einen Großartikel über den Holocaust. Da las ich auch von einem Täter-Gen, dem Täter – Volk und dem Spruch einmal Täter immer Täter. Man versucht, und das mit Erfolg, ein permanent schlechtes Gewissen zu produzieren. Denn Deutschland ist als Rückzugsland eingeplant, wenn das Experiment Israel scheitert. Das ist die dortige Furcht. Man befürchtet einen atomaren Angriff. Darum will man kein angereichertes Uran in den Nachbarländern. Hass gibt es ja genug am östlichen Mittelmeer.

    Ich habe den Eindruck, dass die aufgezwungene Schweigsamkeit der Deutschen in Sachen Israelkritik den hiesigen Antisemitismus noch nur schürt. Dabei ist es antisemitisch, angebrachte Kritik nicht zu äußern.

    Übrigens: die besten Psychoanalytiker fündet man unter den Nichtanalytikern…

  4. Wilfried Müller sagt:

    Ich glaube auch an die Schlechtes-Gewissen-Produktion. Für Deine Verschwörungstheorie mit Deutschland als Rückzugsgebiet hast Du aber keine Belege, Rolf. Die Lage bei der Israelkritik ist inzwischen entspannt, seit die Medien auch mal Israelkritik bringen und auf die Palästinenser eingehen.

  5. Saco sagt:

    Nein, der Frank, alias Rolf, hat keine Belege. Aber wohin sollen die Israelis im Fall des von ihnen befürchteten  Atomschlages gegen sie. Nach Frankreich? Nach Polen? Dann doch lieber in ein bequemeres  Land, das sich "so schuldig gemacht hat", dass es aufnehmen muss.  Machen wir ja dann auch gern. In wirklicher Not helfen wir gern. Wir sind nicht antisemitisch. Meine erste Freundin war Jüdin. Beinahe hätts geklappt.  Ist man eigentlich so richtig verliebt nur in die erste?

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