Wie wird die Nahrung bei der Herstellung vergeudet?

image_pdfimage_print

trash-3323974_1280

In einer Welt, wo immer noch Hunderte von Millionen hungern, sollte es eigentlich selbstverständlich sein, dass keine Nahrung verschwendet wird. Das ist aber nicht so leicht, wenn die Regale im Supermarkt immer gefüllt sein sollen, und wenn die Konsumenten einen vollen Kühlschrank zuhause haben wollen. Das, was dann weggeschmissen wird, ist noch nicht alles. Schon bei der Herstellung von Lebensmitteln wird enorm viel verschwendet (Bild: Painter06, pixabay).

Wie das zugeht, berichtet Megan Blake in The Conversation (1.), und wissenbloggt referiert den Inhalt. Zunächst die Größe des Problems:

2017 wurde laut UN ein Drittel von allen produzierten Lebensmitteln entsorgt (2.) – 1.300.000.000 Tonnen. Das bedeutet nicht nur einen Verlust an Nahrung, sondern auch Verschwendung von Ressourcen. Und 1/3 von dem Drittel geht schon verloren, bevor es die Bauernhöfe und Produktionsstätten verlässt.

Insgesamt fällt etwa die Hälfte der vernichteten Lebensmittel bei Herstellung, Transport und Verkauf an (3.). Dabei tolerieren die Hersteller eigentlich nur 5% Abfall während normaler Produktion. Die Hauptursache für den Abfall nennen sie "Ineffizienz" (4.), und davon gibt es mehr als gedacht.

Ein Beipiel: Mehrere Maschinen arbeiten zusammen, um ein Fertiggericht herzustellen. Eine davon fällt aus, die anderen produzieren weiter. Was sie abliefern, geht direkt in den Abfall, bis die ausgefallene Maschine wieder angekurbelt ist. Dahinter steht ein Effizienzgedanke. Es ist billiger, den Abfall zu verlieren, als den ganzen Maschinenpark zu stoppen.

Die Verluste gehen besonders mit dem Hochfahren ("Ankurbeln") der Machinen einher. Die Maschinen brauchen ein paar Minuten, um auf Touren zu kommen und die volle Produktion zu bringen. Was bis dahin produziert wird, ist unverkäuflich, z.B. weil in den Packungen zuwenig drin ist (5.).

Und jedesmal wenn das Produkt umgestellt wird, z.B. auf allergenfrei, muss die Maschine eine Weile laufen, um die Reste der alten Inhalte loszuwerden. Was derweil produziert wird, kann auch nicht verkauft werden. Ähnlich ist es bei der Produktentwicklung, denn bis alles eingestellt und kalibriert ist, wird eine Menge Ausschuss produziert. Diese Maschinen sind hochkomplex, sie arbeiten mit hoher Geschwindigkeit, und das braucht eben eine Weile, bis alles passt, vom Befüllen bis zum Etikettieren und Einpacken.

Inzwischen können die nichtverkäuflichen Produkte in eine Überschuss-Verteilung gegeben werden (surplus redistribution). Vielleicht ließe sich das Konzept durch Steuern, Regulierung und Industriestandards voranbringen, damit mehr Menschen durch diese Produkte ernährt werden können, statt sie wegzuschmeißen oder in die anaerobe Kompostierung zu geben (6.).

Einfach ist das nicht, weil eine Menge Logistik dazu gehört. Viele Menschen und Organisationen müssen koordinert werden. Es braucht Arbeitskräfte aller Art, vom Abladen der Paletten bis zum Aufteilen und Umetikettieren, es braucht Extraplatz dafür. Freiwillige müssen einbezogen werden, und die müssen flexibel sein. Die Überschüsse kommen unvorhersehbar in Bezug auf Sorte und Menge, und sie müssen zeitnah umgeschlagen werden.

Das Problem ist aber lösbar, und es wird daran gearbeitet, z.B. durch neue Wege der Mitteilung, wann Essen zu haben ist. Einige Organisationen machen mit beim Sammeln und Verteilen der Überschüsse (7.-16.). Überall wird nach der besten Methode gesucht, die Nahrung und die Hungrigen zusammenzubringen. Die Verbraucher und die Produzenten können mithelfen; erstere durch Druckausübung, letztere durch Mitarbeit. Freiwillige werden gebraucht und Spenden. Alle können helfen.

Bis Nahrung weggeworfen wird, ist sie kein Abfall.

 

Medien-Links:

  1. Enormous amounts of food are wasted during manufacturing – here’s where it occurs (The Conversation 5.9.): The volume of edible food that is wasted is staggering. In 2017, the UN estimated that almost a third of all food that is produced is discarded. Edible food makes up approximately 1.3 gigatonnes of this (one gigatonne is a billion tonnes).
  2. FAO activities on food waste measurement and SDG reporting (Food and Agriculture Organization fo the United Nations 31.3.17): Food is any substance, whether processed, semi-processed or raw, which is intended for human consumption, and includes drink, chewing gum and any substance which has been used in the manufacture, preparation or treatment of "food" but does not include cosmetics or tobacco or substances used only as drugs.
  3. Tackling the 1.6-Billion-Ton Food Loss and Waste Crisis (BCG 20.8.): The scale of the problem is staggering. Each year, 1.6 billion tons of food worth about $1.2 trillion are lost or go to waste—one-third of the total amount of food produced globally.1 To put the figure in perspective, that is ten times the mass of the island of Manhattan.
  4. Reducing Food Loss and Waste (World Resources Institute 5/13): The Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) estimates that 32 percent of all food produced in the world was lost or wasted in 2009. This estimate is based on weight. When converted into calories, global food loss and waste amounts to approximately 24 percent of all food produced.
  5. Capitalism has coopted the language of food – costing the world millions of meals (The Conversation 1.2.): Meanwhile, stories about the various groups of people going hungry are also on the rise – there are reports about malnourished elderly people, children’s holiday hunger, and rising food insecurity.
  6. Anaerobic digestion (The Waste and Resources Action Programme wrap 2018).
  7. OLIO food sharing revolution
  8. FoodCloud
  9. Facebook Foodhallproject
  10. FareShare
  11. The Bread and Butter Thing
  12. His Church
  13. City Harvest London
  14. The Felix Project
  15. The Real Junk Food Project
  16. Community Shop

Unsere Links dazu:

Mehr zum Thema:
Dieser Beitrag wurde unter Technik, Wirtschaft veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf Wie wird die Nahrung bei der Herstellung vergeudet?

  1. Wolfgang Goethe sagt:

    Das Wegwerfen fängt doch schon bei der Anlieferung der Lebensmittel beim Händler an: Ist nur bei einer Tomate oder bei den anderen Produkten eine Stelle beschädigt, wird die gesamte Ware vernichtet. Haben die Lebensmittel nicht die gleiche Größe und die gleiche Farbe, wird alles vernichtet. Daran sind auch die deutschen "DIN-Normen" dran schuld. Nun die Verbraucher: Sie wollen stets die perfekte Ware haben – dabei ist es doch egal, welche Form eine Gurke hat, und wie kurz oder lang sie ist. Das gilt für alle Lebensmittel. In der Küche wird es doch verarbeitet und verkocht, da sollte das doch keine Rolle spielen, wie es voher ausgesehen hat. Die Qualität ist dieselbe. 

    Die Lebensmittelhändler und die Bauern müssten besser zusammenarbeiten, und die Produkte so anbieten, wie sie gewachsen sind: Wenn nicht, dann eben an die Armen verschenken – das ist immer noch besser, als alles wegzuwerfen. Ohne Gesetze wird sich daran auch nichts ändern. Die Einstellung der Menschen muss sich genauso ändern, damit man dieses Problem halbwegs lösen kann.

    Dann haben wir noch ein Problem: den Trick mit der Verpackung. Wenn ich eine Hähnchenkeule kaufen möchte, sind in der Verpackung 3 – 4 Stck. drin, das gleiche gilt für Schnitzel, Hähnchenbrustfilet uvm. Obst und Gemüse werden zum Sparpreis in 1-5 kg Kisten angeboten – was soll das denn? Natürlich könnte man alles in einem gewissen Zeitraum in der Gefriertruhe einfrieren, aber irgenwann wird es aussortiert und weggeworfen.

    JWG, Berlin  

Schreibe einen Kommentar