Netzwerkdurchsetzungsgesetz-Urheberrechtsreform: Verboten, verboten, verboten

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clown-1760854_1280Wie heißt das meistbenutzte Wort mit Verb? Richtig: Verboten. Bald ist das einzige, was bei uns nicht verboten ist, das Verbot selber.

Dementsprechend läuft die hiesige Verbotsproduktion zu immer neuen Rekorden auf. Beispiele nennen sich Netzwerkdurchsetzungsgesetz und Urheberrechtsreform.

Wer das mit Humor nehmen will, braucht rheinisches Blut und teutonische Nehmerqualitäten (Bild: succo, pixabay).

Bei wissenbloggt muss nicht auf Einzelheiten der Beschwerdeführung eingegangen werden. Das haben andere Medien sattsam durchexerziert (1., 2., 5., 6., 7.). Hier geht es darum, die befremdlichen Aspekte herauszuarbeiten und ein wenig Leserhilfe zu betreiben.

Ein Beispiel – was wäre wenn die neue Zensur und Verbieterei voll durchgezogen würde? Würden die Texte dann so aussehen wie dieser nicht ganz unbekannte Passus?

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht. Und Gott sah, daß das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag. Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern, und die sei ein Unterschied zwischen den Wassern. Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste. Und es geschah also. Und Gott nannte die Feste Himmel. Da ward aus Abend und Morgen der andere Tag.

Wahrscheinlich muss man Bundesjustizminister sein, um sich an solchen schwarzen Balken zu delektieren. Nun gut, wenn die große Zensurkeule rausgeholt wird, will sich wissenbloggt auf das Niveau des Gegners begeben. Zum Schwärzen steht ab sofort unser vollidiotischer Zensurgenerator sw-sw-08/15 zur Verfügung (mit Regulierungsautomatik).

Die Zensurkeule ist als Oberbegriff durchaus verwandt mit der Nazikeule und der Kommunistenkeule, deshalb ist sie umschaltbar auf braun in braun und rot in rot:

Nazis, Rechtsradikale, Faschisten, Ausländerfeinde, Fremdenfeinde, Alltagsrassisten, völkische Überlegenheitsfantasten, menschenverachtende Dumpfbacken, mit Hetze, Desinformation und braunem Gedankengut. Gesinnungsfaschisten, AfD-Abschaum, Hassprediger, Gesellschaftsspalter im stinkenden braunen Sumpf.

Linksgrün versiffte Traumtänzer, Anmaßung, Stalinismus, open border madness. Gutmenschenlinke mit Open-Border-Romantik, "Abschiebung ist Mord"-Demagogen, Linksideologen, gefühlsduselige Gutmenschen, die in Willkommenskultur schwelgen wollen.

Mal sehen, was das neue EU-Urheberrecht und das deutsche Netzwerkdingsdabumsda für solche Innovationen bereithält. Wahrscheinlich darf nun niemand mehr die Farben schwarz, rot, braun benutzen. Oder nur noch in kürzesten Ausschnitten, wie das bei Nachrichtenartikeln oder Überschriften der Fall sein soll, während das Teilen einer Überschrift künftig sowieso abgestraft wird (6.).

Dann sollten Links logischerweise auch nur noch 20 Zeichen lang sein. Wenn schon Entdemokratisierung und Zensur, dann konsequent, bittesehr. Und noch konsequenter: Wo blühen denn Fake News und Hate Speech am üppigsten?

Nein, damit ist nicht der Faktenerfinder, pardon, Faktenfinder der Tagesschau gemeint (3.). In einem schönen Beispiel zeigt der immerhin, wo das Problem sitzt: Wenn man die verwendeten Zahlen prüft und folgerichtig bestimmte Personen wieder herausrechnet … die hochgerechneten Flüchtlingskosten sind nicht nachvollziehbar … Eine Quelle für die Zahlen wird nicht genannt … Wieviele Menschen aber tatsächlich durch den Familiennachzug nach Deutschland kommen, ist strittig. Eben. Im Herausrechnen sind sie ganz groß, auch wenn es in dem Fall vielleicht mal passt. Die Zahlen werden zurechtgedoktert oder gleich geheimgehalten – dann gibt es nichts Nachvollziehbares und keine offiziellen Quellen. Besonders lustig ist das beim Familiennachzug: Also bei Leuten, die sie selber reinholen, können sie die Zahl nicht nennen, seit 2015.

Zweifellos eine prächtige Blüte von Fake – aber das war gar nicht gemeint. Denn es geht jetzt gegen die Religion. Bibel und Koran sind voller Hate Speech, und unter Fake News müsste das sowieso laufen. Also dann, wo bleibt die konsequente Umsetzung der Zensur? Wann kommt das Faktenerfinder-Verbot, das Bibel- und Koranverbot? Oder wenigstens die die Relikeule, sprich, die Umsetzung mit dem vollidiotischen Zensurgenerator, im Koran-Fall grün auf grün? (wb-Link 115. Sure)

115. Sure: Die Technik
Diejenigen, welche Sure 1 bis 114 beherzigen, leugnen die Wissenschaft. Konsequenterweise mögen sie bitte auf die Produkte der Wissenschaft in Form von moderner Technik verzichten, denn sie wurden von Ungläubigen ersonnen und gestaltet. Stattdessen mögen sie sich bitte an die Hervorbringungen ihrer eigenen Weltsicht halten. Also Eselreiten statt Autofahren, Rauchzeichen und Trommelsignale statt Handy und anstelle von Atombomben Stinkbomben.

 

Medien-Links:

  1. Verfassungsschutz: Ein mieses Spiel mit der Angst der Menschen (Zeit Online 31.5.17, 350 Kommentare): Die Bundesregierung hat Angst vor ihren Bürgern und verabschiedet immer neue Überwachungsgesetze. Doch dem Verfassungsschutz genügt das nicht, er will noch mehr Daten.
  2. Netzwerkdurchsetzungsgesetz – Deutschland am Pranger (Cicero 15.6.17) – Kisslers Konter: Die Kritik am geplanten Gesetzesvorstoß gegen Hassrede im Internet reißt nicht ab. Sogar die Vereinten Nationen sehen die Meinungsfreiheit in Deutschland gefährdet.
  3. Flüchtlinge in Deutschland Rechnen mit falschen Zahlen (Tagesschau Faktenfinder 4.11.17).
  4. Neues Gesetz gilt ab heute – Soziale Netzwerke müssen Hass und Hetze schneller löschen – Kritiker warnen (Focus Online 1.1.): Die Online-Netzwerke müssen „offenkundig strafbare Inhalte“ binnen 24 Stunden nach dem Hinweis darauf löschen. Bei weniger eindeutigen Fällen ist eine Frist von sieben Tagen vorgesehen. Dazu zählen Verwendung der Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Vorbereitung einer Gewalttat, Verunglimpfung des Staates und seiner Organe, Bildung terroristischer Vereinigungen, Volksverhetzung, Verbreitung von Kinderpornografie oder Verleumdung.
  5. Special zum Thema "Fake News" (Bundeszentrale für politische Bildung).
  6. Urheberrechtsreform: Diese Überschrift dürfen Sie künftig nicht mehr zitieren (Zeit Online 12.9., 440 Kommentare): Die Lobbyarbeit ist aufgegangen: Die EU-Urheberrechtsreform belohnt die Verlage. Für uns alle ist sie desaströs. Die freie Verbreitung von Informationen ist in Gefahr.
  7. ‘Catastrophic’: EU Passes Copyright Directive Including Internet ‘Link Tax’ and ‘Upload Filter’ (Planet Free Will 12.9.): The European Parliment has passed a controversial copyright directive that contains provisions which force tech giants to install content filters and sets in place a potential tax on hyperlinking. The bill was passed in a final vote of 438 – 226 and will need to be implemented by individual EU member states.
  8. Urheberrechtsreform: Was hat das EU-Parlament tatsächlich beschlossen? (Heise Online 15.9.): Das Internet verloren, die Kulturindustrie gerettet – die geplante EU-Urheberrechtsnovelle lässt viele Deutungen zu.
  9. Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung der Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerken (Netzwerkdurchsetzungsgesetz – NetzDG, Deutscher Bundestag 16.5.17): Strafbar sind solche Inhalte, die den Tatbestand der §§ 86, 86a, 89a, 90, 90a, 90b, 91, 100a, 111, 126, 129, 129a, 129b, 130, 131, 140, 166, 184b, 184d, 185 bis 187, 241 oder 269 des Strafgesetzbuchs erfüllen.

Links zu Fake-Artikeln von wissenbloggt:

Links zu weiteren Humor-Artikeln:

(Hinweis: um den Farbe-in-Farbe-Text zu lesen, markiert man ihn.)

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