Über die Rache: „Die Rache ist mein“, spricht „Gott“ von Frank Sacco

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Die sommerliche Dürre ist zuende, und nun wird die Sintflut thematisiert. Frank Sacco, Doktor der Medizin, schreibt über üble göttliche Features und schließt mit einem sarkastischen Amen.
 

Über die Rache: „Die Rache ist mein“, spricht „Gott“  von Frank Sacco

Diesen Trost gab Jahwe seinem Volk. Und unser Christengott gibt ihn uns Getauften. Angeblich. Indes: Beide sind eine üble Erfindung. Doch auch Erfindungen können  trösten. Sogar perfekter als irgendwelche Mitmenschen. Doch die Erfindung Jahwe lehrte mit seiner ihm angedichteten Sintflut leider auch (und nicht nur) Adolf Hitler, wie man einen „ethisch durchaus vertretbaren“ Holocaust hinlegt. Und meine Kirche lehrt es unseren Kindern  bis heute. Sie hat aus Auschwitz nichts gelernt (Bild: Gustave Doré, Wikimedia Commons).

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Wird ein schwacher Mensch (oder ein schwaches Volk) durch einen starken Bösewicht oder eine starke Regierung geschädigt, kann er (oder es) sich nicht selbst rächen. Aufgrund der Schwäche. Toll, wenn einem da ein Jahwe oder ein Christengott aushilft. Toll, wenn solch ein Gott die Feinde in einer ewigen Folterhölle foltert. Rache tut  ja so gut. So hilft diese jüdisch – christliche Religion dem Seelenfrieden des Schwachen schon hienieden. Und zum Trost derer, die die Zeit nicht abwarten können: Es gibt auch Personen, die mit Erfindungen wie Jahwe oder dem Christengott kommunizieren können. Oder es behaupten. Wenn die nun vorbringen, der jeweilige Gott befehle schon hier und ohne Umschweife Rache oder Krieg, so darf man sich schon hier rächen und töten. Am 5. Gebot vorbei! Als Einzelperson oder als Volk. Eine tolle Angelegenheit also. So befahl die Erfindung Jahwe seinem Volk die Tötung aller Kanaaniter, inclusive aller Babys. Das war völlig o.k. Ein Stück Altertum? Keineswegs. Christina und Hans, von denen wir hier weiter unten lesen werden,  sind noch auf dem gleichen „Wissens“- bzw. Glaubensstand. Noch ein kleiner Vorteil der Rache: Die Rüstungsindustrie hat volle Auftragsbücher. Es kann uns  nicht langweilig werden.

Doch zuvor kurz zu Kafka: Er ist Jude und schreibt das Stück „Das Urteil“ Dort geht es um Gregor. Gregors Vater ist zu schwach, sich an seinem Sohn (wegen begangener Kleinigkeiten) zu rächen. So holt er sich, der bereits Psychotische und Bettlägerige, zwecks Rache Jahwe her. Wie?  Indem er Gregor verflucht. Der jüdischen Vaterfluch bewirkt eine Symbiose mit Jahwe. Und der Herr Papa verurteilt Gregor zum Tode durch Ertrinken. Dieser merkt aber, da kommt kein Jahwe, ihn zu ertränken. Also macht er es selbst. Er fühlt unbewusst die Pflicht dazu. Denn er glaubt an Jahwe.Ertränkt er sich nicht, so wartet das Gehinom, die Hölle Jahwes auf ihn. Jeder Fluch dient also dazu, etwas Transzendentales herbeizurufen. Und Georg glaubt an Transzendentales. Er glaubt, wie auch Kafka, an die Unendlichkeit. Diese taucht im letzten Satz der Geschichte dann auch prompt auf. Kafka hatte ein Über-Ich- Problem. Und er erkannte nie wirklich, dass diesem Problem, seiner Krankheit, die Erfindung Jahwe zugrunde lag. Wir spüren bei Kafka einen Gegner, wissen aber nicht, wer der Gegner ist. Wir spüren aber bei seiner Lektüre viel Leid, einen unendlichen Druck, eine Wehrlosigkeit und eine tiefe Verzweiflung. Kafka selbst hatte diese Gefühle. Er hatte ein Sacco-Syndrom. Und er starb daran (wie auch Sigmund  Freud daran starb). Beinahe durch einen Sprung aus dem Fenster, letztlich aber durch eine Schwächung seines Immunsystems. So konnte die Tuberkulose kommen und siegen. Genaueres kann man in meiner Psychoanalyse Kafkas nachlesen (Bild: Sacco).

sacojesusablehnDoch nun endlich zu Facebook. Ich hatte dort beklagt, dass „der Christengott“ auch die Babys bei der Sintflut ertränkte. Wo war da seine moralische Qualifikation? Unsere ehemalige Pastorin, damals ca. 40 Jahre alt, hatte dazu gemeint, ob ich nicht glauben würde, dass alle Menschen, also auch die Babys, „irgendwo Sünder“ seien. Und ertränkt werden mussten. Nun, ich hatte es nicht geglaubt. Und wieso nahm dieser Gott als Tötungsmittel Regenwasser? Dabei  hätte es doch bspw. ein harmloseres Vergasen, bspw.  mit Kohlenmonoxyd auch und vor allem schneller getan.

Dazu sagt Christina (Name geändert):  „Unser Schöpfer hat das Recht und die Pflicht, die Bösen zu bestrafen und das Böse, zur Abschreckung potentieller Sünder, Furcht einflößend auszurotten. Das erwarten auch die Opfer von menschlicher Gewalt zu Recht vom Schöpfer. Du hast Dich unendlich weit von Gott entfernt, Frank. Es wäre ein unfassbares Wunder, wenn Du noch rechtzeitig zum Heil zurückfinden würdest. Tobe Deinen Hass gegen Gott, wie Satan, also völlig aus, bevor Dich Gott richtet. Denn das wird dann vollkommen sein. Übrigens: Wenn Du die Bibel liest, erkennst Du, genauso wie bei der intensiven Naturbeobachtung, der Menschenbeobachtung und der Meditation, dass diese Werke kein Mensch, sondern nur Gott selbst veranlasst haben kann. Denn vom Nichts kommt nichts. Aber da Du die argumentative Auseinandersetzung mit den Christen brauchst, um Dich zu trösten, wirst Du bis zu Deinem Vergehen hier, unterschwellig verzweifelt und Sinn entleert und tollwütig, weiter schreiben. Facebook ist Dein Trost. Ich werde Dir kein weiteres Wort mehr dazu schreiben. Denn es ist jetzt alles Wesentliche erwähnt. Danke auch von mir dazu an Facebook! Amen.“

Dann kommt dazu Hans (Name geändert);

„Frank Sacco! Meine Verwandte Christina hat Recht. Du beklagst Dich darüber, dass Gott Kinder vernichtet. Ja, Frank, Gott darf das Böse auch im Keim ersticken und ausrotten, bevor es immer bösere Blüten trägt. Das tut Gott für die gutmütigen Menschen, die unter den Gewalttätern leiden. Gott ist nicht ethisch dazu verpflichtet, mit der Ausrottung der Bösen zu warten, bis diese volljährig sind. Tatsächlich kann jeder Mensch schon bei kleinen Kindern erkennen, ob diese gutmütig oder bösartig sind… Und jetzt, Frank, bereue Deine Sünden und kehre, demütig und dankbar, zu Gott zurück!!!“ Nun, den Teufel wird ich tun.

Dann wieder Christina zum Hans:  „Nur durch Gott finden wir zum inneren Frieden. Denn er ist unser Ursprung und unser Schicksal. Abwendung von Gott führt zur Übeltat und zur psychischen Erkrankung, die dann mit Psychopharmaka oder Heroin betäubt wird.“

Nun, da hat Christina mal ausnahmsweise und beinahe Recht. Die Geistlichkeit hat dafür gesorgt, dass man sich bei der „Abwendung“ von ihrer Erfindung Bibelgott des Öfteren schon in einer Psychiatrie oder in einer Gosse mitsamt Alkohol und Drogen wiederfand. Dafür sorgen frühkindlich und in tiefer Suggestion einer  „Heiligen“ Messe eingepflanzte Sündengefühle verbunden mit einem daher gestörten Selbstvertrauen. Ein Kirchenaustritt wird damit zu Kirchenaustrittsfalle. Das klerikal indoktrinierte „eigene“ Unbewusste rächt sich an der ausgetretenen Person. Wie? Über einen ecclesiogenen Masochismus. Wie wir ihn von Ödipus her kennen. Der hatte sich ja beide Augen ausgestochen, damit (die Erfindung) Zeus ich nicht in die Hölle warf. Eine Vielzahl solcher Fälle ist bekannt. Das Christentum ist die „perfekte“, da grausamste bekannte Religion: Allah holt schon mal Sünder aus der Hölle raus. Unser Gott jedoch nie. Da ist er kleinlich.

Darum hält es sich auch über 2000 Jahre, das Christentum. Zum einen ist die Bedrohung mit ewiger Feuerfolter für Kinder ein unauslöschliches, gläubig und demütig machendes Brandmahl, verstärkt durch die Darstellung eines überaus verbrecherisch wirkenden gewalttätigen „Gottes“. Zum anderen bedient unser Glaube auch die streng Gläubigen. Die erwarte ein hübsches Paradies, von dem aus man auch die endlosen Qualen der Nichtgläubigen und „bösen“ Menschen  in der Hölle beobachten kann. Ja das sei geradezu das Schönste am Paradies, äußert der so unheilige Heilige Thomas von Aquin: Das Zuschauen bei Folterungen. Durch zu wenig bzw. gar keinen Sex wurde Thomas zum Sadisten. Und zum Asketen wurde er, da nur Arme und Asketen durchs christliche Nadelöhr kommen. Wie gesagt: eine perfekte Religion. Amen.

 

Frank Sacco ist Autor von Das Sacco Syndrom und Autor der Bücher

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4 Antworten auf Über die Rache: „Die Rache ist mein“, spricht „Gott“ von Frank Sacco

  1. Wolfgang Goethe sagt:

    Wer und was ist "Gott"? Mal spricht er, dass er alle Menschen liebt, und anderseits "Die Rache ist mein". Die Wahrheit ist doch, dass die Kirche und der Glaube die Menschen nur krank machen. Es wird gesagt "Gott" erschuf den Menschen – aber welcher Gott? Allah, Buddha – und was es noch alles an Göttern gibt. Terroristen und Gäubige töten Menschen und Kinder "im Namen Gottes". Wie krank muss man sein, um sowas zu tun. Im Grunde genommen muss man es der Kirche ankreiden, weil sie mit ihrem Glaubensgerede die Menschen verrückt und krank macht.

    JWG

  2. Buddha war kein Gott :D Buddhismus ist eine atheistische Philosophie.

  3. ockham sagt:

    Hallo Wolfgang Goethe, 

    Ihr Zitat: "Terroristen und Gäubige töten Menschen und Kinder "im Namen Gottes". Wie krank muss man sein, um sowas zu tun."

    Mit „parochial altruism“ sind Verhaltensweisen gemeint, die wie insbesondere Tapferkeit und Heroismus in Zwischengruppenkonflikten unter hohem persönlichem Risiko die eigene Gruppe stärken, um diese gegen eine konkurrierende Gruppe durchsetzungsfähiger zu machen (Quelle 28, vgl. S. 152). Der Ökonom Jean-Paul Azam hat die Rationalität und Nutzenkalkulation von Selbstmordattentaten untersucht. Als Grundlage diente ihm ein „dynastisches Familienmodell“, in dem die Kosten/Nutzen-Bilanzen der Generationen miteinander verbunden sind und spätere Generationen vom Altruismus früherer Generationen profitieren. Azam spricht vom Selbstmordattentat als einem Akt des Einsparens von persönlichem Verbrauch zugunsten späterer, möglicherweise in die kommende Generation verschobener Konsumption. Auch Evolutionstheoretiker arbeiten mit dynastischen Modellen und kommen zu vergleichbaren Ergebnissen. Sie behaupten, dass Altruismus selbst dann evolutionsstabil ist, wenn seine Nutznießer später leben – Verwandtschaft und Ortstreue vorausgesetzt (Quelle 28, vgl. S. 153).

    Quelle: https://de.richarddawkins.net/articles/gott-im-fadenkreuz-eine-rezension

  4. Wilfried Müller sagt:

    Ja, das ist eine sehr gute und gehaltvolle Rezension. Das "parochial altruism"-Thema ist natürlich kontrovers, insbesondere wenn sich der Terror ungezielt gegen die Allgemeinheit richtet. Ob das wirklich Evolutionsvorteile für die Terrorgruppe bringt? Hoffentlich nicht.

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