Im Heim & Die Falle Heiliger Geist – 2 Geschichten von Frank Sacco

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SACO7504_894315524050994_1645552570_nIn diesem Artikel spricht der Analytiker Doktor Frank Sacco, der aus persönlicher Betroffenheit heraus über tatsächliche Fälle von religiösem Missbrauch berichtet (anonymisiert, Bild: Sacco).


Im Heim

Sie fand sich im Heim wieder, als Kind, über Nacht. In Großburgwedel, bei Hannover, dort, wo heute Ikea ist. Bei Diakonissen, das sind Schwestern, die mit Jesus verheiratet sind – und manchmal glauben, als Ehefrauen alles machen zu dürfen, alles, was man nicht darf. Dort gab es Schläge, für alle, und andere Gewalt: Sie mussten essen, was sie ausbrachen. Kam ja vom lieben Gott, und nicht etwa vom Bauern aus der Umgebung, für Geld gekauft. „Krause Haare, krauser Sinn, da steckt nur der Teufel drin“, sagte man ihr, dem Kind mit den krausen Haaren. Dazu Einzelhaft, tagelang. Dazu noch gefickt vom Pastor, gefickt mit dem Schwanz und mit der Hölle, mit der Angst davor. Sie durfte nichts sagen davon, von der Fickerei. Sonst käm sie in die Hölle.

Das Kind, das sie bekam, aß den ganzen Tag. Aus Angst. Hatte ja die Angst der Mutter geerbt. Adipositas permagna schrieb der Arzt in die Kartei. Ihr Enkel wurde Autist. Das war seine Lösung des Problems mit der Angst, der ererbten Angst vor der Hölle.

Die Bischöfin hat sich vor der Marktkirche bei ihr entschuldigt. Doch das erhoffte Geld kam nicht rüber. Da sind sie knauserig, die Pfaffen. Sie kriegte dann Krebs. ´S Immunsystem war halt kaputtgegangen.

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Die Falle Heiliger Geist   Geschichten des Pflegers K.

Religionen werden geboren, indem sich hohe menschliche Intelligenz und ein rigoroser Machtwille in Verbrechern zusammenfindet. Wenn also bspw. ewige Folter in einem erfundenen Jenseits erdacht wird, des Weiteren tausende von sog. „Sünden“, die dorthin führen sollen, und dazu recht aufwendige, völlig unsichere und dazu noch teure Auswege, dem gepredigten ewigen Feuer zu entkommen. Als Lockmittel werden ein immer helfen könnender Gott und ein Paradies eingesetzt. Ein Schema F also.

Er sei der größte Sünder, sagte mir Andreas ins Ohr. Auf der N17, wo ich sein Pfleger war. Er gehörte zu den Abertausenden, die sich gegen den Heiligen Geist versündigt hatten, bzw. das glaubten, und die nicht wussten, dass auch der ein Stück schwarzes Geschäft ist, also eine grausame Politik mit der Angst von Kindern. Dieser Geist sei, so hört man von den Schwarzen, noch ärger als Jesus, denn er kenne nicht einmal ein Standrecht. Schon vom armen Jesus, dem mutigen  Kämpfer gegen die herrschende Klasse, behaupten die Kirchenleute, er sei schlimmer als „Adolf Hitler“. Wo Hitler noch „Gnade“ gekannt haben soll, werde man Erbarmen unter Jesus  vermissen – in dessen KZ Hölle. Die Kirchenleute ficken Jesus mit ihrer Erfindung Hölle. Sie machen aus ihm einen Nazi, den Anzubeten sie aber als ein absolutes Muss predigen – auch für Atheisten. Trübe Aussichten also für unsere Kinder. Besser, man setzt keine in diese Welt. Trübe auch für die Mutter Maria. Man unterstellt ihr, eine Hitlerfigur geboren zu haben.

Und Andreas? „Bei ihm hilft gar nichts. Absolut nichts“, so die Ärztin. „Du hast ja erst was bekommen“, sagte  sie ihm und drehte ab. Gegen die Angst vor ewigem Feuer helfen keine Neuroleptika. Da hilft nur ne halbe Narkose mit Tranquilizern, wenn überhaupt. Oder wie wär´s mal mit Gesprächen über das „Geschäft“ der Kirchen? Ihr Geschäft mit der Angst. Doch das machten die Ärzte nicht. Sie waren beides: getauft und gekauft: Das Irrenhaus gehörte der Kirche.

Nach meinem Urlaub wurde Andreas verlegt. Auf die Geschlossene. Erst soll er mit dem Kopf an die Wand gerannt sein. Und in der Nacht hat er sich erhängt. Hat´s einfach nicht mehr ausgehalten. „Der Heilige Geist ist ein großer Haufen Scheiße“, schrieb ich ins Kondolenzbuch. Klar, das war  mein letzter Tag auf der N17. Die Verwaltung hatte was gegen Leute wie mich. Bin dann weg. Weg aus dem Dreck.

Ein „Geschäft“ ist seine Religion der Angst,  bedeutet uns Bischof Nikolaus Schneider, ehemaliger Chef der Evangelischen Kirchen Deutschlands (EKD). Teuer sind unsere Psychiatrien mit einem Heer von Psychiatern. Teuer ist es, die Fabriken und Produkte der Pharmaindustrie auf dem „modernsten“ Stand zu halten, der auch meist der teuerste ist. Teuer sind unsere Tränen nach einem vollendeten Suizid.

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(Bild: AtheistRepublik)

Frank Sacco ist Autor von Das Sacco Syndrom und Autor der Bücher

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3 Antworten auf Im Heim & Die Falle Heiliger Geist – 2 Geschichten von Frank Sacco

  1. Wolfgang Goethe sagt:

    Meine Frau und ich haben als kleine Kinder auch in verschiedenen kirchlichen Heimeinrichtungen unsere Erfahrungen gemacht. Da ging es militärisch und religiös zu, was uns eingeschüchtert hat: Gewalt und sexuelle Übergriffe blieben uns aber Gott sei Dank erspart; aber eine Struktur und Strategie aus unserer Sicht von heute, war erkennbar. Dass der Staat über kirchliche Grausamkeiten hinwegsieht, kann ich nicht nachvollziehen! Es ist doch offensichtlich, dass die alle unter einer Decke stecken.

    JWG

  2. Saco sagt:

    Ja, wir haben einen Gottesstaat. Die zwei Geschichten oben beruhen auf selbst erlebten Verläufen bei Patienten. Klar war ich nie Pfleger. Ich schrieb aber so allerhand Storys unter dieser Tarnkappe. Ich, das möchte ich hier klarstellen, bin auch kein Psychoanalytiker. Obgleich ich der Analytiker der Psychoanalytiker bin. So habe ich Sigmund Freuds Neurose entziffert. Freud hatte Gottangst. Er hatte schlicßlich Gott getötet. Mit den Worten: Religion ist Wahn. Immer wenn von Gotttesmorden die Rede war, fiel Freud in Ohnmachten. "Angst" sei das gewesen, so Freud. Angst vor dem Gehinom, der Hölle der Juden. Freud verfiel der Sucht. Rauchen vertreibt die Angst. Allerdings nur für kurze Zeit.  Der Teer in der Zigarre brachte ihn um: Mundhöhlencarzinom.

  3. Wilfried Müller sagt:

    Ich hab das Psycho- vom Analytiker gestrichen.

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