Insidersicht eines Syrers in Deutschland

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angry-man-274175_1280Bei Cicero wird oft ziemlich weit rechts ausgeholt. Mit aller gebotenen Vorsicht wird hier ein Cicero-Artikel referiert, der etwas Besonderes darstellt. Ein Zahnarzt aus Syrien, der 2015 einreiste, schreibt über Dinge, die viele nicht wissen und viele nicht wissen wollen (Link unten, das Bild von Ashish_Choudhary, pixabay, zeigt nicht den Cicero-Autoren Dr. Majd Abboud).

Eine der Hauptaussagen des syrischen Doktors: Damit die Integration noch gelingen kann, müsse man vor allem Schluss machen mit gut gemeinten Denkverboten. Abboud vermisst in den arabischen Ländern besonders schmerzlich die Meinungsfreiheit – und nun findet er hierzulande viele Tabus vor, über die zu sprechen die Political Correctness verbietet.

Es sind eine Menge Tabus in Deutschland, denen der Autor die Grundlage entzieht. Nach eigenen Aussagen erlebte er, wie Deutschland im Umgang mit Flüchtlingen einen Fehler nach dem nächsten beging. Das sagt kein religiös bevormundeter Analphabet, sondern ein Intellektueller, der laut Cicero sehr gut deutsch spricht, der an seinem Artikel lange gearbeitet hat und ihn mehrfach redigieren ließ. Durch seine intellektuelle Kapazität dürfte ausgeschlossen sein, dass Redakteure ihm den Griffel führten, um rechte Inhalte in den Artikel hineinzudrücken. Schon die gelieferte Information spricht dagegen.

Nicht dass man noch nie etwas in dieser Richtung hören konnte. Aber wir werden immer noch schlecht und einseitig über die Zusammenhänge in Syrien informiert. Das erschwert eine konstruktive und kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Flüchtlingspolitik. Leidtragende sind nicht nur die deutschen Bürger, die enorme Probleme vorgesetzt bekommen. Als Opfer fühlen sich auch Geflüchtete, die sich nicht integrieren und auch keine Notwendigkeit dafür sehen – und noch mehr Opfer sind integrationswillige Moslems (wie wie der Autor), die mit den anderen "in den gleichen Topf geschmissen werden".

Wie das zugeht, dass es lauter Opfer gibt? Das ist die Leistung der Willkommenskultur, die von den Flüchtlingen als Einladung verstanden wurde, und die bei ihnen eine Erwartungshaltung aufgebaut hat, deren Ansprüche sie nicht einlösen konnte. Was hierzulande kaum jemandem bekannt war: Es gab nämlich eine Grundlage für das Anspruchsdenken.

Pakt mit dem Teufel

Diese Grundlage ist ein Folgeprodukt des modernen imperialistischen Prinzips, nach dem nicht mehr direkt Krieg um Rohstoffe und Einflußsphären geführt wird. Vielmehr lassen die USA & andere Staaten Stellvertreterkriege führen, um ihre Interessen durchzusetzen. Das geht mindestens bis in die 1980er Jahre zurück, als Großbritannien die Muslimbruderschaft in Syrien unterstützte und die "BBC quasi zum offiziellen Sprecher der Muslimbruderschaft" wurde. Diese britisch gestützte Rebellengruppierung verübte viele Anschläge in Syrien. Ähnliches wiederholte sich in Afghanistan und Libyen.

Die USA und ihre Verbündeten, machen sich bei politischen Konflikten nicht selbst die Hände schmutzig, sondern unterstützen oppositionelle Gruppen durch Geld und Waffenlieferungen. In Syrien ging die Unterstützung an rebellische Gruppen, nämlich den politischen Islam, der dadurch immer größeren Einfluss erlangte. Dr. Abboud spricht bei diesen internationalen Verstrickungen von einem "Pakt mit dem Teufel".

Und nun die Crux: Viele Flüchtlinge, die heute in Deutschland leben, stehen solchen Gruppierungen nahe. Sie verstehen sich deshalb nicht als Gäste, die Schutz benötigen – sondern als Partner, die es verdient haben, belohnt zu werden. Daher die teils enorme Anspruchshaltung.

Die Rebellen wussten laut Abboud außerdem, wenn sie auf Seiten der USA stehen und die Interessen des Westens repräsentieren, können sich alles erlauben. Sie wussten außerdem, dass die deutsche Regierung "sich unter dem Deckmantel der Toleranz für Ausländer mehr einsetzt als für die eigenen Leute". Das steigert die Ansprüche und die Undankbarkeit noch weiter.

Trotz guten Willens und vielen Bemühungen wurden die Erwartungen vieler Flüchtlinge also nicht erfüllt. Die entstehende Kritik und Undankbarkeit waren dem Autor immer sehr peinlich. Er kratzt auch an der Vorstellung der Einheitlichkeit: Weil die verschiedenen Gruppierungen und Nationalitäten der Flüchtlinge einander nicht tolerieren, mussten z.B. unterschiedliche Moscheen gebaut werden. Wie aber soll man von den Deutschen Toleranz einfordern, wenn die neuen Gäste dazu untereinander nicht imstande sind?

Die Erkenntnis ist deshalb, dass Deutsche und Flüchtlinge von völlig verschiedenen Voraussetzungen ausgehen; von daher kann der Autor "sicher sagen, dass der Integrationsprozess von Anfang an zum Scheitern verurteilt war" (das dürfte für einen erheblichen Teil stimmen, wb).

Damit nicht genug, die unüberschaubare Anzahl an Flüchtlingen und die resultierende Personalknappheit führten zum Verlust der Kontrolle. Es war nicht mehr möglich zu prüfen, wer aus Kriegsgebieten kam und zur Anerkennung als Flüchtling berechtigt war. Diese Chance nutzten viele andere, in der zutreffenden Annahme, dass die große Zahl keine gründlichen Kontrollen erlaubte.

Vertuschen

In den Flüchtlingsströmen befanden sich also viele Trittbrettfahrer – und viele Radikale, die im Krieg mitgewirkt hatten und in dem Moment die Chance zur Flucht ergriffen, wo sie die Erfolglosigkeit des Kampfs gegen die syrische Regierung einsahen. Besonders letzteres darf nicht vertuscht werden. Diese Menschen bedrohen laut Abboud den Frieden des Landes, und sie erschweren den Aufenthalt von denen, die sich gut integrieren wollen.

Der Vorwurf: Die deutsche Regierung hat viel zu lange die Augen davor verschlossen. Sie hat so getan, als ob schon alles in Ordnung wäre, und sie hat diejenigen, die darauf hingewiesen haben, als ausländerfeindlich oder intolerant dargestellt. Auch im Hinblick auf die verweigerte Toleranz untereinander hält der Autor die deutsche Regierung für mitschuldig, weil sie zu sehr auf die Forderungen der Flüchtlinge eingeht. Nach seinen Worten scheint es so, als ob die Deutschen den Flüchtlingen mehr entgegenkommen als umgekehrt. Das wirkt auf ihn und viele Deutsche unverständlich.

Er sieht die Lösung darin, die Radikalen und Terroristen unter den Flüchtlingen zu identifizieren. Zum anderen sollte sich Deutschland auch klar und deutlich vom politischen Islam distanzieren – soweit Dr. Abboud.

In den Kommentaren zu seinem Artikel wird in letzterer Hinsicht einige Skepsis geäußert:  Es werde kein Umdenken bei den Politikern geben, sie seien zu tief in ihre Fehler und Lügen.verstrickt. Deutschland werde sich nicht klar und deutlich vom politischen Islam distanzieren, das habe man gerade beim Besuch Erdogans gesehen (Erdogan grüßt mit dem Zeichen der Muslimbrüder, wb-Link Fabia). Und es sei schlimm, dass die Politiker & Jubelschreier immer noch nicht verstünden, dass sie von Anfang an fast alles falsch gemacht haben.

Immerhin sei so ein Insiderbericht das beste Mittel, die "Fraktion der Hypermoralisten" zu entwaffnen. Eine weitere Fraktion sollte nicht unerwähnt bleiben, die der Profiteure. Die Willkommenskultur habe ein neues Geschäftsfeld eröffnet. Das Migrantengeschäft sei eine unerschöpfliche Gewinnquelle für Schlepper und "Gute", die "für ihren Einsatz belohnt" werden müssen.

Es geht auch ums Problembewusstsein: Dass man sich mit ungeregelter Einwanderung religiöse, ethnische usw. Konflikte ins Land holt, sollte jedem klar sein. Wer zur Aufnahme von Schutzsuchenden steht, müsse auch dazu stehen. An dieser Ehrlichkeit fehle es aber wesentlichen Teilen der Medien und der Volksvertreter. Das sei einer freiheitlichen Demokratie mit mündigen Bürgern unwürdig.

Unwürdig auch, dass ein Syrer und kein Deutscher diese vernichtende Analyse schreiben darf. Ein CSU- oder gar AfD-Bundestagsabgeordneter könnte dasselbe nicht aussprechen, ohne wütende Proteste zu ernten. So werden viele Nachfragen, mancher Zweifel und die sachliche Analyse in der öffentlichen Diskussion unterdrückt – soweit die Leserkommentare zum Artikel.

Aus der Sicht von wissenbloggt wäre es interessant, auch Stimmen aus Eritrea, Nigeria oder Indien zu hören, aus anderen Ländern, wo ein starker Flüchtlingsstrom herkommt. Ob es da auch so eine Anspruchdenke gibt? Ob von da noch mehr Radikale kommen?

Beunruhigend ist, dass unsere Politik anscheinend gar nichts davon ahnt. Was dahinter für ein Dilettantismus stecken muss, wenn solche Zusammenhänge offenbar nicht im Kalkül enthalten sind; was da für eine Fahrlässigkeit bei den Entscheidungen herrscht, was für eine Ignoranz gegenüber den Folgen – als ob nicht eine gewaltige Bürokratie dafür bezahlt würde, sowas vorher zu wissen und die Politiker darüber zu informieren.

 

Medien-Link:

Flüchtling über Integration – „Von Anfang an zum Scheitern verurteilt“ (Cicero 28.9.): Unser Autor kam vor drei Jahren als Flüchtling von Syrien nach Saarbrücken. Dort erlebte er, wie Deutschland im Umgang mit Flüchtlingen einen Fehler nach dem nächsten beging.

Links von wissenbloggt:

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4 Antworten auf Insidersicht eines Syrers in Deutschland

  1. Wolfgang Goethe sagt:

    Flüchtlinge die nach Deutschland kommen haben erst einmal keine Ansprüche oder Forderungen zu stellen! Sie sollten erst einmal zufrieden sein, das sie aus ihrem Land fliehen konnten und in Sicherheit sind. Dann sollten sie unsere Gesetze und unsere Kultur respektieren und tolerieren und nicht umgekehrt. Es sieht doch in den meisten Fällen so aus, dass wir Flüchtlingen mit Toleranz entgegenkommen, während man von den Flüchtlingen keine Toleranz erwarten kann. Wenn ich auswandere, in einem anderen Land, dann habe ich mich denen anzupassen, und nicht umgekehrt.

    Meine Frau hat für das Jobcenter gearbeitet: Was die Flüchtlinge beim Jobcenter alles beantragen und haben wollen ist einfach nur eine Frechheit; und wenn es abgelehnt wird, werden sie aggressiv und beleidigend – wo ist da deren Toleranz uns gegenüber?

    Meine Eltern und wir Kinder wurden damals von der ″DDR-Diktatur″ ausgewiesen und kamen in die ″BRD″ in einem Flüchtlingsheim in Gießen: Wir waren froh über unsere Freiheit – wir hatten ein Dach über den Kopf, was zu essen, und ein warmes Bett – wir waren zufrieden damit!

    JWG

  2. Wolfgang Goethe sagt:

    Nachtrag:

    Wenn ich der Staat wäre, würde ich nach dem ″Aschenbrödel-Prinzip″ entscheiden: die ″Guten″ ins Töpfchen (nach Deutschland), die ″Schlechten″ ins Kröpfchen (nach Syrien).

    JWG

  3. Wilfried Müller sagt:

    Wir sind uns aber einig, dass Menschen in Not geholfen werden muss, Wolfgang. Ansprüche sind gerechtfertigt, wenn eine gesetzliche Grundlage dafür da ist, auch wenn man darüber reden darf, ob die Gestzeslage noch auf die Situation passt. Hier bei wissenbloggt vertrete ich schon lange den Standpunkt, dass Hilfe und Herkommen nicht dasselbe sind. Im Gegenteil, eine gerechtere und effizientere Hilfe wäre m.E. vor Ort. Um das zu erreichen, wird aber kaum was getan. Es gibt bloß Placebo-Politik und Gerede, bis es die EU und D zerreißt.

  4. Wolfgang Goethe sagt:

    Lieber Wilfried, Menschen in Not zu helfen ist eine Selbstverständlichkeit, keine Frage: Was ich und viele andere nicht haben wollen, sind Menschen die nach Deutschland kommen, um den Sozialstaat auszunutzen und Gewalt und Terror verbreiten – das meinte ich mit ″Gut″ und ″Schlecht″. Solange in diesen Ländern Krieg und Terror herrscht, kann man für diese Menschen, auch mit finanziellen Mitteln, keine Perspektive in ihrem Land schaffen – dazu müsste zuerst der Krieg und der Terror bekämpft werden.

    JWG

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