„Doom porn“: Neue Spekulationen & mehr Hype ums Klima

image_pdfimage_print

climate-change-2063240_1280Gerade wird der Klima-Hype nochmal nachgeschärft (Bild: Tumisu, pixabay) – Pech nur, dass gerade Erdbeben, Tsunamis und  Vulkanausbrüche die Schagzeilen innehaben. Auch dieselt die Diesel-Debatte immer wieder nach.

Doch das ist eine eigene Diskussion. Wie bei der Klima-Debatte ist eigentlich schon alles gesagt (wb-Link doom porn). Aber wenn die UN-Klimatologen vom IPCC nachlegen (1.,2.,3.), kann wissenbloggt auch noch ein paar Takte Klima durchdeklinieren. Das muss ja nicht so weit gehen wie bei der Klimaschutz-Schwindel-Fraktion (4.). Es reicht, die Zeit-Artikel und ihre Leserkommentare anzuschauen (5.,6.), um sich mit Argumenten zu versehen.

In der Zeit-Interpretation sind fürs Klima "schnelle, weitreichende und beispiellose Änderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen" erforderlich (5.). Das schreiben 91 Autoren aus 40 Ländern in ihrem 400-Seiten-Bericht, gemünzt auf politische Entscheidungsträger. Damit ziehen sie die Druckschraube nochmal an, denn beim Pariser Abkommen waren viele Experten noch vom 2-Grad-Limit ausgegangen. Da hieß es noch, eine Erwärmung bis zu zwei Grad plus würde weitgehend kontrollierbare Folgen haben, also Limit 2 °C. Der neue Bericht der Klimaforscher prognosziert aber einen exponentiellen Anstieg der Risiken schon ab 1,5 °C und nicht erst über 2,0 °C.

Falls die Erde 1,5 Grad wärmer wird als zu vorindustriellen Zeiten, heißt es, werden Naturkatastrophen, Hunger und Kriege dramatisch zunehmen (6.). Die Süddeutsche Zeitung meldete schon vorher eine ähnliche Erkenntnis aus der Konfliktforschung: Auf Extremwetter folgen vielfach Gewaltausbrüche. Wenn also der Kampf gegen die Erderwärmung gelänge, würde sich als Zusatzeffekt wohl Frieden ausbreiten (7.).

Demnach könnten (klimatische) Extremereignisse die bestehende Ungerechtigkeit der Gesellschaft akut zuspitzen, bis Menschen zur Waffe greifen. Oder solch ein Ereignis könnte überhaupt erst wegen der desolaten Verhältnisse zur Katastrophe werden, und Klimawandel macht Extremereignisse häufiger und heftiger. Das betreffe speziell diverse afrikanische, asiatische und südamerikanische Staaten, z.B. Nigeria, Eritrea, Angola, Iran, Indonesien, Ecuador, Peru und Nepal.

Abgesehen davon, dass weltweiter Friede ganz sicher ein schöner Effekt wäre, und nicht bloß ein "ganz besonderer Zusatzeffekt der Klimastabilisierung", erheben sich weitere Fragen. Dem wird hier am Beispiel Äthiopien nachgegangen. Ein paar wissenbloggt-Artikel liefern immer dieses Land, wenn es um Probleme geht, und zwar nicht nur um Klimaprobleme (wb-Links Äthiopien):

  • verzehnfachte Bevölkerung von 1950 bis 2050,
  • zerstörte Umwelt wegen Übervölkerung,
  • religiösester Staat der Welt,
  • unter den Staaten mit größten Bildungsunterschied zwischen Männern und Frauen,
  • gehört zu den Staaten mit niedrigstem IQ-Durchschnitt,
  • autoritäre Wirtschaftspolitik verhindert Nachhaltigkeit,
  • ineffizientester Einsatz der Arbeitskräfte – aber
  • beim CO2-Ausstoß pro Kopf ist Äthiopien 9.-letzter.

Daran sieht man, dass höchstwahrscheinlich die Bevölkerungsexplosion der Hauptfaktor für Äthiopiens Probleme ist. Bei wiki wird für das Land keine Bevölkerungspyramide gezeigt, wie sie für exponentielles Bevölkerungswachstum typisch ist, sondern eine deformierte Pyramide, die für eine noch mehr beschleunigte Zunahme steht. Aus dieser Bevölkerungsexplosion resultieren Waldrodung und Übernutzung der Umwelt. Dazu kommt die Religion als Fortschrittsbremse und nochmal extra die christlich-orthodoxe und die muslimische Religion als Ungleichmacher von Männern und Frauen. Obendrein die insuffiziente Politik (Äthiopien steht auf Platz 15 der failed states) – und wenn das alles nicht reicht, kommt womöglich noch das Klima als Problemfaktor dazu. "Womöglich" deshalb, weil die äthiopische Dürre vor allem hausgemacht sein dürfte. Nur eins schlägt positiv zu Buche, der geringe CO2-Ausstoß. Der lässt sich am besten für Vorwürfe an den Rest der Welt nutzen – "die anderen sind schuld, wir doch nicht".

Äthiopien steht nicht allein. Die Bevölkerungsexplosion, die Umweltzerstörung, die perfide Religion, die gescheiterte Politik gibt's auch in anderen Ländern. Obendrein haben andere Länder einen ganz anderen Einfluss aufs Weltklima, speziell als CO2-Emittenten. China (Platz 1 mit 30%) und die USA Platz 2 mit 15%) liefern zusammen fast die Hälfte (wiki-Zahlen von 2015 auf Gesamt bezogen).

Der deutsche CO2-Ausstoß ging seit 1970 trotz vielmillionenfacher Einwanderung um fast 30% zurück. Bei 1,1% Bevölkerungsanteil verursacht Deutschland weltweit nur noch 2,3% der CO2-Emissionen. Gut die Hälfte davon stammt von der Energiewirtschaft. Die schnellste und nachhaltigste Reduktion vom CO2-Ausstoß geht deshalb über Atomkraft, zumindest als Übergangslösung – hier werden Argumente aus den Zeit-Leserkommentaren 6. wiedergegeben.

Was der IPCC-Bericht demnach aussagt ist einmal, dass die Erde sich schneller und mit ernsteren Folgen als angenommen erwärmt. Andererseits behauptet der Bericht, dass der Klimaanstieg ab Mitte des Jahrhunderts konstant bei 1,5-1,9 Grad verharren wird (siehe auch Bild unten). Von 3-4 Grad Erwärmung ist gar nicht mehr die Rede. 2014 hatte der IPCC noch Zahlen vorgelegt, nach denen das 2-°C-Limit kaum einzuhalten wäre. Demnach wäre die Klima-Katastrophen-Uhr zurückzudrehen, sie stünde jetzt wieder auf 5 vor 12 (6.).

Nach eigenen Aussagen ist nun die technische Machbarkeit gegeben, so dass der Klimarat den "raschen Umbau der Weltwirtschaft" fordert. Das finden viele schräg, nicht nur wegen dem vergessenen Hauptfaktor Bevölkerungswachstum. Die Leserkommentare dazu:

  • Wer verdient an der technischen Machbarkeit?
  • Wenn der Klimarat schon mal dabei ist, könnte er gleich noch "Freibier für alle" fordern. Bei beiden Forderungen ist die Erfolgswahrscheinlichkeit ähnlich hoch.
  • Realistisch bleiben: Der Veranstaltungsort der diesjährigen UN-Klimakonferenz ist Katowice – dort rauchen noch die Schornsteine. In Polen werden 91% der Elektroenergie von Kohlekraftwerken erzeugt.

Wie schon im ersten Doom-porn-Artikel von wissenbloggt geschildert, geht es wohl weniger um neue Erkenntnisse, sondern um neue Spekulationen (Doom porn = Aufgeilen am Weltuntergang). Wo jetzt die Hitzewelle vorbei ist, muss was anderes her als der zündende Treibhaus-Spruch vom  “Hothouse Earth”. Der Moorbrand ist ja nun vorbei, die Waldbrände auch (wb-Links Moorbrand, Waldbrand).

Also soll die Erwärmung nun als gefährlicher gelten, obwohl sie geringer ausfällt. Die vorgezeigten Forschungsresultate von 1,5-1,9 °C sind erstaunlich unspektakulär, auch wenn dieser Temperaturspanne und sogar dem Unterschied von 0,4 °C so viel Wirkung zugeschrieben wird (8.).

Verbesserungen durch die Klimaänderung kommen im Resumee nicht vor. Wie schon im vorigen Doom-porn-Artikel darf man den Aussagen also Einseitigkeit vorwerfen. Es ist nun nicht so, als ob die Einseitigkeit ein besonderes IPCC- oder “Hothouse Earth”-Feature wäre; die gibt's auch woanders. Wenn man den derzeitigen Klima-Aktivismus um Diesel-Fahrverbote wegen der NOx-Belastung anschaut, hat man noch ein ganz schräges Beispiel im Visier.

Unten noch eine Sammlung von Links (9.-13.). Wie die Sahara klimamäßig aufgepeppt werden könnte, wie VW gegen Hagel vorgeht, wie unberechenbar das Wetter ist, und wie es doch berechnet wird, nämlich als nächstes kommen 4 warme Jahre. Und wenn es nächstes Jahr kalt wird, gibt's eben neue Studien … (Bild: IPCC-Report 2018)

IPCC-prognose

Medien-Links:

  1. IPCC Press Release (Intergovernmental Panel on Climate Change 8.10.): Ninetyone authors and review editors from 40 countries prepared the IPCC report in response to an invitation from the United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCCC) when it adopted the Paris Agreement in 2015.
  2. Link zum Report (Intergovernmental Panel on Climate Change 8.10.).
  3. Schlagzeilen vom Report (Intergovernmental Panel on Climate Change 8.10.).
  4. Klimaschutzschwindel: So wird die Angst geschürt (The European 13.7.): "Es ist nicht exakt eine Rechts-Links-Debatte. Aber es ist sicher, dass dieser Umweltaktionismus die moderne Inkarnation des Kommunismus ist.“
  5. Sonderbericht zum Klimawandel: Klimarat fordert raschen Umbau der Weltwirtschaft (Zeit Online 8.10., 150 Kommentare): Der IPCC-Bericht stellt klar: Die Erde erwärmt sich schneller und mit ernsteren Folgen als angenommen. Die 1,5-Grad-Grenze einzuhalten, ist jedoch "technisch möglich".
  6. IPCC-Bericht zum Klimawandel: Vergesst das Zwei-Grad-Ziel! (Zeit Online 7.10., 600 Kommentare): Naturkatastrophen, Hunger und Kriege werden dramatisch zunehmen, falls die Erde 1,5 Grad wärmer wird als zu vorindustriellen Zeiten. Ist das noch zu verhindern?
  7. Konfliktforschung – Kampf gegen Klimawandel könnte Kriegsgebiete befrieden (Süddeutsche Zeitung 27.7.): Auf Extremwetter folgen in vielen Ländern Gewaltausbrüche. Gelingt der Kampf gegen die Erderwärmung, hätte das wohl einen unglaublichen Zusatzeffekt.
  8. The impacts of climate change at 1.5C, 2C and beyond (Carbon Brief): Carbon Brief has extracted data from around 70 peer-reviewed climate studies to show how global warming is projected to affect the world and its regions.
  9. Massive solar and wind farms could bring vegetation back to the Sahara (The Conversation 6.9.): Scientists have modelled the effects of huge hypothetical energy projects in the desert.
  10. Volkswagen In Trouble For Altering Mexico's Weather (Zero Hedge 23.8.): Hail storms present significant problems for car manufacturers, which often have large numbers of finished vehicles parked outside at distribution centers or plants. Demnach hat VW in Mexico Hagelkanonen installiert, um Hagel auf seine Autohalden zu verhindern.
  11. Hand aufs Herz: Wie wird das Wetter, Frau Jones?  (Zeit Online 17.8., 47 Kommentare): Wir sorgen uns um den Himmel: Das Wetter wird immer unberechenbarer, die Autoindustrie auch. Kann uns jemand beruhigen? (Nochmal die Parallele zur Autowirtschaft.)
  12. Climate models predict the world will be ‘anomalously warm’ until 2022  (The Conversation 14.8.): The next four years are going to be anomalously warm – even on top of regular climate change.
  13. A novel probabilistic forecast system predicting anomalously warm 2018-2022 reinforcing the long-term global warming trend (nature communications 14.8.): Accurate and reliable interannual predictions of global temperatures are key for determining the regional climate change impacts that scale with global temperature, such as precipitation extremes, severe droughts, or intense hurricane activity, for instance. However, the chaotic nature of the climate system limits prediction accuracy on such timescales. Here we develop a novel method to predict global-mean surface air temperature and sea surface temperature …

Links von wissenbloggt dazu:

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5 Antworten auf „Doom porn“: Neue Spekulationen & mehr Hype ums Klima

  1. Wolfgang Goethe sagt:

    Den Klimawandel hat es schon immer gegeben, nur hat es damals keinen interessiert: Heutzutage ist der Klimawandel an allem schuld; alle drehen jetzt mit ihrem Klimawandel durch, mal sind es die Tiere, dann die Autos, dann der Mensch selbst – usw. usf. – vielleicht sind ja die Raumstationen im All schuld? Vielleicht auch die Raucher?

    JWG

  2. Offensichtlich ist Klimawandel eine glatte Erfindung der Linksversifften. OMG!

  3. Wilfried Müller sagt:

    Frank, das hat Wolfgang nicht behauptet. Es ging ja nur um die Schuldfrage "an allem". Wolfgang hat insofern recht, als der Hype darüber oft faktenfrei daherkommt. Ich versteh ihn doch wohl richtig, dass er den Klimawandel selbst nicht für eine Erfindung hält, auch nicht von Deinen geliebten Linksversifften. Und OMG ist bei wissenbloggt ein Fluch …

  4. Wolfgang Goethe sagt:

    Frank Berghaus, da hat Wilfried recht: In meinem Kommentar steht nicht, das der Klimawandel eine Erfindung ist. Den Klimawandel gibt es, man muss es nur nicht immer auf die Autos schieben und Fahrverbote aussprechen – dahinter stecken m. E. wirtschaftliche Aspekte: Wenn wir über Klimawandel sprechen, dann darf man das Kerosin von Flugzeugen in der Atmosphäre nicht vergessen und auch nicht den jahrzehntelangen ″Smog″ den die ehemalige DDR durch ihre stinkenden Zweitakter und Kohleöfen produziert hat, vergessen – das ganze Schwefeldioxid und Kohlenmonoxid belastete auch die Luft in ganz West-Berlin, so das ständig ″Smog-Alarm-Stufen″ ausgesprochen werden mussten, aber davon redet heute keiner mehr! Die Altlasten haben erheblichen Anteil an den Klimawandel.

    JWG

  5. Wer über den Klimawandel schreibt oder spricht, und nur den Treibhauseffekt meint, die kleinen Eiszeiten aber verschweigt, hat den größeren Teil der Ursachen des Klimawandels verschwiegen; vgl. https://www.youtube.com/watch?v=wCnUUGilH5Y

    "Halve of a truth is often a great lie" (Benjamin Franklin)

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