NASA? NASOWAS!

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NASAtabular-iceberg-rectangly_1024Überall bekommt man gerade erklärt, dass Eisberge eigentlich zackig und faltig sind, und obendrauf gehören Spitzen. Aber nein, diese beiden Eisberge sind anders (Bild 1. Eisberg: NASA/Jeremy Harbeck, 2. Bild unten).

Die beiden sind anscheinend frisch vom Larsen-C-Schelfeis in der Antarktis abgebrochen. Larsen C machte schon mal Schlagzeilen, weil dort 2017 der 175 Kilometer lange A-68-Eisberg abbrach. Jetzt, im Oktober 2018 sind es nur die beiden fußballfeldgroßen Stücke, die dafür eine ganz besondere Form haben.

Entdeckt wurden sie bei den wissenschaftlichen Erkundungsflügen der Operation IceBridge, die von Punta Arenas in Chile aus die Polarregion überfliegen, um Daten über das Eis zu gewinnen (Dicke, Verteilung, Verdichtung usw., 1.).

Lokalisiert sind die rechtwinkligen Eisberge bei der geographischen Breite -66.8793° und der geographischen Länge -59.8820°. Ihre Fotos machten schnell die Runde, und ebenso schnell wurde versichert, dass es alles mit rechten Dingen zugeht. Es handelt sich um völlig natürliche Phänomene (2.).

Die Unterart heißt Tafeleisberge (tabular icebergs), und die sind nun mal oben platt. An den Seiten haben sie steile Abhänge. Sie brechen von Eis-Schelfen ab, die ihrerseits tafelförmig sind. Die Winkel der gekalbten Stücke sind oft scharf ausgeprägt und nahe an 90 Grad. Nach einer Weile gibt sich das, wenn Wind, Wellen und Wasser am Eis arbeiten (3.)..

Im Fall der beiden Rechtwinkler ist es unklar, ob sie unten aufsitzen oder ob sie schwimmen. Wenn sie schwimmen, sind sie zu 90% untergetaucht, also 10-mal so groß wie das, was man sieht. Der größte gemessene Eisberg heißt B-15 und war 293 km lang und 27 km breit, als er im Jahr 2000 vom Ross-Eis-Schelf kalbte.

Dieses Kalben wird von der NASA-Operation IceBridge beobachtet. Die Eisschmelze wird von der Erderwärmung angeheizt. Sie bildet eine Schlüsselrolle beim Ansteigen des Meeresspiegels, denn das Eis-Schelf sitzt auf dem Meeresboden auf, während die Eisberge schwimmen und sich letztlich auflösen. Die NASA misst seit Jahrzehnten den daraus resultierenden Anstieg des Meeresspiegels.

Laut wiki/IPCC stieg er zwischen 1901 und 2010 durchschnittlich um 1,7 mm pro Jahr, 1993 bis 2010 waren es schon 3,2 mm pro Jahr. Zwischen 1870 und 2009 waren es insgesamt 250 mm, und bis zum Jahr 2100 wird mit weiteren 500 – 2000 mm gerechnet, einem halben bis zu zwei Metern.

Dabei spielt es keine Rolle, ob die Eisberge rechteckig, rund oder zackig sind.

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(Bild 2. Eisberg: NASA/Jeremy Harbeck) – Medien-Links:

  1. 2 Rectangular Icebergs Spotted on NASA IceBridge Flight (NASA 23.10.): Operation IceBridge, NASA’s longest-running aerial survey of polar ice, flew over the northern Antarctic Peninsula on Oct. 16, 2018. During the survey, designed to assess changes in the ice height of several glaciers draining into the Larsen A, B and C embayments, IceBridge senior support scientist Jeremy Harbeck spotted a very sharp-angled, tabular iceberg floating among sea ice just off of the Larsen C ice shelf.
  2. What The Heck Is The Deal With This Perfect Rectangular Antarctic Iceberg? (Science alert 22.10.): Take this iceberg NASA photographed in Antarctica last week as part of Operation IceBridge. Sitting amid a chaotic jumble of floating ice, it looks perfectly rectangular, as though it was deliberately cut.
  3. NASA Finds Perfectly Rectangular Iceberg In Antarctica As If It Was Deliberately Cut (Forbes) 22.10.): NASA just shared a stunning image of a nearly perfect rectangular iceberg in Antarctica. The monolithic slab of ice, floating just off the Larsen C ice shelf appears quite unnatural given the 90-degree angles.

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2 Antworten auf NASA? NASOWAS!

  1. Wolfgang Goethe sagt:

    Sowas habe ich noch nicht gesehen – sieht super aus! Ich kann mir nicht so richtig vorstellen, dass die Natur das so genau quadratisch mit hoher Kante und gerade an dieser Stelle hinbekommt: Man könnte meinen, dass es sich um eine Fotomontage handelt.

    JWG

  2. Wilfried Müller sagt:

    Das Bild zeigt die andere Seite nicht, die ist nämlich etwas krumm. Aber immerhin, ein ziemliches Phänomen.

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