Chinas Regenmacher

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water-2986837_1280China hat seit 2013 eine Menge künstlichen Regen produziert: 55.000.000.000 Tonnen, das sind 55 Kubikkilometer Wasser oder 1 m Wasser pro Jahr auf 100 km * 100 km. Jetzt beginnt noch ein größeres Projekt, das eine Fläche von 1.500.000 km2 beregnen oder beschneien soll – dreimal die Fläche von Spanien (1., Bild: ju1059jjj, pixabay).

Dazu will die chinesische Regierung militärische Wetter-Änderungs-Technik einsetzen. Die staatliche chinesische Firma Aerospace Science and Technology Corporation entwickelt sowas, Low-Tech-Öfen aus Metall, sechs Meter hoch. Darin verbrennt ein fester Brennstoff, der Silberjodid in Rauchform produziert. Der Wind trägt das dann in die Wolken. Stand April waren 500 Test-Öfen schon installiert, in Tibet, Xinjiang und anderen Orten (2.). Manchmal fällt sofort Schnee, wenn die Öfen gezündet werden, wie in einer Regenmachershowaterraindrop-1913347_1280w.

Die tibetanische Hochebene bestimmt die Wasserversorgung für einen großen Teil von China und Ostasien. Ihre Gletscher und Reservoire speisen den Gelben Fluss, den Jangtse, den Mekong und andere große Flüsse in China, Indien, Nepal usw. (Bild: Myriams-Fotos, pixabay).

Es regnet aber zuwenig für den Bedarf, deshalb arbeitet China am Wetter von Tibet. Über den Gebirgen hängen viele Wolken, die aber nur selten abregnen. Deshalb wird versucht, die Wolken mit Silberjodid zum Abregnen zu bringen. Herkömmlicherweise wird es mit Raketen hochgeschossen oder aus Flugzeugen versprüht, z.B. auch in Deutschland, aber nur in Sonderfällen, etwa wenn in Weinregionen Hagelschäden vermieden werden sollen.

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In China sind die Dimensionen ganz andere, zu groß für Flugzeuge und Raketen. Es sollen zehntausende von Öfen installiert werden, die Kondensationskeime in die Luft blasen, an denen sich das Wasser sammelt, um dann als Regen niederzugehen. Ein einziger Ofen (cloud-seeding chamber) kann einen Streifen von 5 Kilometer Breite bedienen (Bild: EvgeniT, pixabay).

Damit werden die Militärflugzeuge entlastet, die den Job seit einigen Jahren übernommen haben. In China ist Regenmachen gang und gebe, auch um den Smog aus der Luft abzuregnen. Vor der Olympiade in Beijing wurden über 1000 Raketen mit Silberjodid hochgeschossen, damit der Regen gleich runterkam und nicht während der Spiele. Jetzt hat China einen Entwicklungsplan für Wettermodifikation bis 2020.

Soviel Optimismus wird nicht überall aufgebracht. Bisher fehlt nach anderen Quellen ein wissenschaftlicher Beweis dafür, dass Wolken wirklich zuverlässig zum Regnen gebracht werden können. Wenn es nach einer Wolkenimpfung mit Silberjodid regnet, dann kann das vom Silberjodid verursacht sein, oder auch nicht (2.).

Zumindest ist das Silberjodid nach dem aktuellen Stand der Forschung nicht schädlich für die Umwelt oder die Menschen. Aber es drohen Streitigkeiten ums Wasser. Die gibt es schon zu ebener Erde und sogar unterirdisch wegen dem abgepumpten Grundwasser. Nun kann der Streit sogar in die Lüfte abheben: Wenn China großflächig Regen erzeugen kann, dann kann dieser Regen ja nicht mehr woanders fallen (Bild: Free-Photos, pixabay).

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Medien-Links:

  1. China to make it rain over area 3 times the size of Spain (Russia Today RT 8.4.): Since 2013 China has been creating 55 billion tons of artificial rain a year. The country is now embarking on its biggest rainmaking project ever.
  2. Wetter steuern China will Regen über Tibet machen (Deutschlandfunk Nova 4.4.): Weil es in Tibet nicht genug regnet, will China die Sache mit dem Wetter jetzt selbst in die Hand nehmen und Regen machen – mit großen Schornsteinen.

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4 Antworten auf Chinas Regenmacher

  1. Wolfgang Goethe sagt:

    Wenn man ″Chinas Regenmacher″ ironisch betrachtet, könnten sie ja Schuld an unsere Dürre in Deutschland haben?

    JWG

  2. Wilfried Müller sagt:

    Leider ist das gar nicht so spaßig. Zwischen China und Deutschland wird diese Diskussion wohl nicht kommen, aber der Artikel befürchtet sie ernsthaft zwischen Nachbarländern. Übrigens haben die Klima-Prognosen alle mehr Feuchtigkeit vorausgesagt und keine Dürren …

  3. Wolfgang Goethe sagt:

    Ja, ich weiß, Wilfried, das macht man auch in den Bergen, da werden künstliche Lawinen erzeugt durch Sprengraketen. Regenwolken künstlich entleeren, kann die Natur und den Klimawandel beeinflussen.

    JWG

  4. Wilfried Müller sagt:

    Noch anderer Ärger ist möglich, z.B. bei VW Mexico:  Baller, baller – VW schießt in Mexiko auf Wolken. Bauern beklagen Ernteausfälle (Der Freitag 11/18) und der Link 10. in „Doom porn“: Neue Spekulationen & mehr Hype ums Klima. Da geht es um die Vermeidung von Hagel, damit die geparkten Autos keine Dellen kriegen. Während die Experten noch streiten, ob das Abregnen überhaupt funktioniert, wird schon dagegen geklagt.
     

     

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