Konservative gegen Breivik

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Dieser Beitrag erschien zunächst bei unseren Freunden von Aufklärung 2.0 :

Der Rechtspopulismus, der Konservatismus oder gar die Islamkritik allgemein tragen angeblich eine Mitschuld an den Osloer Anschlägen, bei denen fast 100 Menschen getötet wurden. Menschen wie Thilo Sarrazin und Henryk Broder gelten als schuldig durch Assoziation. Diese Reaktion war zu erwarten. Erwartet hat sie zum Beispiel der Attentäter, der in seinem Manifest schrieb, dass er als Nazi bezeichnet werden wird und dass Dämonisierungen von Konservativen seitens der Linken zu erwarten wären.

Stellt sich die Frage, ob man ausgerechnet diesem Verrückten auch noch Recht geben muss? Offenbar sind einige linke Journalisten und Politiker überzeugt, dass sie jetzt einen Freischein haben, mal so richtig auf die Pauke zu hauen und dem politischen Gegner eines auszuwischen – indem sie sich in die irre Fantasiewelt eines Massenmörders bereitwillig einfügen.

Im Tagesschau-Blog schreibt Patrick Gensing zum Beispiel:

Unter dem Banner der Meinungsfreiheit (“Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!”) wird eine angebliche linke Meinungshegemonie sowie der drohende Untergang des Abendlandes beklagt. Eine brisante Mischung aus Minderwertigkeitskomplexen und Chauvinismus, die mit religiösen Elementen angereichert offenbar das Motiv für den Massenmord in Norwegen geliefert hat.

Wie demonstriert die Tagesschau nun, dass es diese linke Meinungshegemonie tatsächlich nicht gibt? Gewiss, indem sie Konservative zu Wort kommen lässt. Falsch gedacht. Stattdessen gibt es auf der Tagesschau-Website einen Kommentar von Stefan Schölermann, in dem wir ähnliches erfahren:

Wie andere rechtspopulistische Parteien im Norden hetzen auch die Protagonisten der norwegischen Fortschrittspartei gegen die traditionell liberalen Gesellschaften Skandinaviens, sehen sich in einer Art „Endkampf“ um den vermeintlichen Untergang der abendländischen Kultur. Wer mit solchen Parolen antritt, schafft ein politisches Klima, das im Extremfall auch Menschen wie den mutmaßlichen Attentäter zu ihren Taten antreiben kann.

Offensichtlich haben Gensing und Schölermann nicht die geringste Ahnung von den Positionen der modernen Rechten. Das liegt vermutlich daran, weil sie immer nur aus zweiter Hand von ihnen erfahren und anderweitig ihren eigenen Vorurteilen freie Fahrt lassen.

Die Neocons hetzen nicht gegen die liberalen Gesellschaften, sondern sehen sich als deren Beschützer gegen den Islam und gegen Linksradikale – und ebenso gegen Rechtsradikale. Linke leben noch im 19. Jahrhundert, wo Rechte gegen Ausländer waren, die Kinder in die Kirche und die Frau in die Küche wünschten.

Vielleicht wäre es eine Idee, einmal zu lesen, was neue Rechte rund um Geert Wilders, David Horowitz, Robert Spencer, Thilo Sarrazin, Paul Wolfowitz, Victor Davis Hanson, Theodore Dalrymple, Jonah Goldberg und co. tatsächlich sagen? Oder muss man als Journalist nicht mehr recherchieren?

Sarah Wagenknecht, welche die DDR nicht so übel findet, im Gegensatz zum Judenstaat, hat folgendes zu vermelden:

Es sei ferner “kein Zufall, dass sich der Attentäter von Norwegen auch mit den Positionen von Sarrazin und Co. befasst” habe. Wagenknecht forderte außerdem, “endlich ein Verbotsverfahren gegen die NPD und andere neonazistische Organisation einzuleiten”.

Sarrazin hat nichts mit der NPD zu tun und Breivik war kein Nazi – auch wenn er unter vergleichbaren Wahnvorstellungen litt wie Nazis. Solche Tragödien sind noch lange kein Grund, unnötig zu differenzieren. Am besten, man gibt Leuten die Schuld, die man nicht mag, wird schon passen.

Die ersten paar Sekunden, nachdem ich vom Anschlag hörte und erfahren habe, dass Breivik ein Bio-Bauer gewesen ist, dachte ich: „War ja nur noch eine Frage der Zeit, bis die Bio-Bauern endgültig durchdrehen.“ Der Unterschied zwischen den genannten Funktionären und mir besteht nun darin, dass ich so etwas nicht einfach spontan hinschreibe und dass ich mir nach ein paar Sekunden dumm vorkomme, etwas, das ich nicht mag, gleich für Terroranschläge verantwortlich zu machen. Für viele sind ihre Ressentiments und die Realität offenbar identisch.

Ercan Tekin treibt die Verurteilung von konservativen Islamkritikern für die Anschläge auf Turkishpress („Wir verbinden Menschen“) auf die Spitze:

Wilders, Sarrazin und Broder mitsamt der Euterclique können Stolz darauf sein, diese Brut mit ihrer „Streitkultur“ aufgezogen und gehätschelt zu haben, die im Namen der Freiheit, der christlich-demokratischen Nächstenliebe, alle „Gutmenschen“, Linke, Liberale und Muslime die nicht mit dieser kranken Gedankenwelt d’accord sind, zur Zielscheibe manifestiert haben. Das was in Oslo passierte, ist einzig auf das Konto dieser angestoßenen „Schicksalsfrage“ zuzuschreiben, die durch Kleingeister genährt und in ihrer Überzeugung bestätigt wurden.

„Einzig“ verantwortlich sind also jene, welche den Islam kritisieren, rein zufällig die Religion von Ercan Tekin. Denn jetzt gibt es keine radikalen Muslime mehr, keine Steinigungen, Ehrenmorde, Judenhass. Jetzt gibt es nur noch böse Islamkritiker. Bis zum nächsten Anschlag von Muslimen, der kaum lange auf sich warten lassen wird. Dschihadisten finden die Anschläge in Oslo (Bombenanschlag und Exekutionen) nicht nur in Ordnung, sondern sie haben sich zeitweise als Täter zu ihnen bekannt.

Zu Breivik lässt sich sagen, dass er sich mit den Falschen angelegt hat.

Neocons über Anders Behring Breivik

Robert Spencer (Jihad Watch) hat folgende Erklärung veröffentlicht (ein Auszug):

Islamische Dschihadisten und Rassisten gebrauchen routinemäßig islamische Texte und Lehren, um Gewalt zu rechtfertigen, und darum sollten diese Lehren berechtigterweise kritisiert werden und das geschieht auch; im Gegensatz dazu ist unsere Unterstützung für Menschenrechte und für die Würde aller Menschen konsistent und ungebrochen. Der Mörder sollte im vollen Maße des Gesetzes bestraft werden; jegliche Versuche, Freiheitskämpfer mit seinen Taten zu beschmieren, sind verachtenswert.

Mark Humprhys, einer der populärsten Blogger Irlands und Neocon, findet deutliche Worte:

Dieser norwegische Terrorist ist vielleicht der größte Feind des Counter-Dschihad im Westen, den es jemals gegeben hat.

Gates of Vienna – eine der konservativen Websites, die Breivik verlinkt, hat folgendes zu sagen:

Diese widerliche Tat verortet den Mann außerhalb der Grenzen jeglicher menschlichen Gemeinschaft. Ich lehne die Behauptung kategorisch ab, dass er „einer von uns“ ist.

Die Organisation Stop Islamisation of Europe drückt es so aus:

Es gibt keine Möglichkeit, wie eine vernünftige Person schlussfolgern könnte, dass die Verübung von Massenmord an Kindern die Prinzipien, für die wir stehen, voranbringen könnte.

Pamela Geller, Daniel Pipes, Fjordman und Geert Wilders verachten den Mörder ebenso.

Anders Breiviks Unterstützung des Totalitarismus

Mark Humphrys hat eine Liste von Positionen aus Breiviks Manifest zusammengestellt, die das Gegenteil darstellen von dem Eintreten der „rechtspopulistischen“ Islamkritiker für Freiheit und Menschenrechte – und gegen Totalitarismus.

Zwangsdeportationen: „Alle Muslime werden sofort in ihr Herkunftsland geschickt. Jede Familie (Familienoberhaupt) erhält 25 000 Euro, insofern sie die Bedingungen der Deportation akzeptiert. Jeder, der sich gewaltsam der Deportation entgegenstellt, wird exekutiert.“

Massenmord und Deportationen: „[…] wir sollten die Exekutionen von Verrätern der Kategorien A und B auf 200 000 in Westeuropa begrenzen. Eine bessere Alternative als die Exekution der Übrigen, die Verräter der Kategorie C, wäre die Etablierung einer großen multikulturellen Zone in Süd/Ost-Europa, vielleicht Anatolien, oder andere Territorien, die von Muslimen erobert und besetzt wurden.“

Zwangskonvertierung zum Christentum: „Die Assimilierungs-Politik fordert/bietet muslimischen Individuen, die in Europa leben, an (dieses Angebot endet am 1. Januar 2020) … Konvertiert zum Christentum (orthodox, katholisch oder protestantisch). Jedes Individuum muss die Taufe akzeptieren […] Versuche von al-taqiyya (islamische Täuschung) für kürzere oder längere Perioden, um auf einen Regimewechsel zu warten, werden nicht toleriert.“

Zerstörung des kulturellen Erbes: „Alle Moscheen und islamische Zentren werden demontiert oder umgewandelt… Alle islamischen und oder arabischen oder ähnliche Gebäude/Kunst in diesem Stil werden zerstört oder verändert. Alle Spuren der islamischen Kultur in Europa werden ausgelöscht, sogar Orte, die als historisch angesehen werden.“

Geplanter Terrorismus (für den Fall, dass Breivik wieder auf freien Fuß kommt): „Ein priorisiertes Ziel ist der jährliche Parteitag der sozialistischen/sozialdemokratischen Partei in unserem Land. Eine Zugangsstrategie könnte darin bestehen, Feuerwehrkleidung zu tragen, wenn man das Gebäude betritt… Eine alternative Strategie wäre die Anbringung von mobilen Bomben an strategischen Orten außerhalb des Haupteingangs.“

Schlusswort

Das Schlusswort überlasse ich Mark Humphrys, weil er wieder einmal die wichtigsten Quellen bietet und am besten recherchiert hat:

Die Geschichte von Breivik ist letztlich dieselbe Geschichte wie jene der dschihadistischen Revolutionäre. Es ist die Geschichte einer Versuchung des utopischen Totalitarismus und der reinigenden Kraft der Gewalt.

Trotz all seiner Proteste ist Breivik nicht anders als die Dschihadisten und er sollte ebenso behandelt werden wie sie.

 

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

PS.: Den norwegischen Button mit Trauerflor habe ich einem Blogger entwendet, ich glaube es war David Rosen, den ich hiermit um Verständnis und Verzeihung bitte.

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30 Antworten auf Konservative gegen Breivik

  1. Argutus rerum existimator sagt:

    Der Rechtspopulismus, der Konservatismus oder gar die Islamkritik allgemein tragen angeblich eine Mitschuld an den Osloer Anschlägen, bei denen fast 100 Menschen getötet wurden.

    Angenommen jemand sprengt eine Zigaretten-Fabrik in die Luft und tötet 100 Angestellte. Wie groß ist dann die moralische Mitschuld derer, die immer gesagt haben, daß Rauchen ungesund ist?

  2. Franz sagt:

    Die Seite hier heißt zwar wissenbloggt aber meiner Meinung nach heißt es wissen blockiert. So einen Artikel, der in nationalsozialistischen und rechtspopulistischen Blogs veröffentlicht wurde, dann auch noch hier? Eine Schande!

  3. Dr. Frank Berghaus sagt:

    #2 Franz am 27. Juli 2011 um 10:13

    Bevor man "Schande" ruft, sollte man wohl dazu sagen, in welchem "nationalsozialistischen" Blog dieser Artikel bereits publiziert wurde. Mir ist davon nichts bekannt. Und der Autor ist ohnehin kein Nationalsozialist, sondern ein profilierter Religionskritiker.

  4. Argutus rerum existimator sagt:

    #2 Franz am 27. Juli 2011 um 10:13

    So einen Artikel, der in nationalsozialistischen und rechtspopulistischen Blogs veröffentlicht wurde, dann auch noch hier? Eine Schande!

    Wieso? Welchen Einfluß hat denn der Publikationsort einer Schrift auf die Richtigkeit ihres Inhalts?

  5. ilex (E. Ahrens) sagt:

    # 2 – Franz

    Mich würde eher interessieren, was gegen die sachlichen Argumente des Beitrages zu sagen wäre. Offenbar nichts – sonst würde man es nicht auf die emotionale Schiene heben.

  6. pinetop sagt:

    Darüber was konservativ ist, läßt sich leidenschaftlich streiten. In Frankreich während der Restauration (1815-1848) waren drei politische Gruppen im Parlament vertreten. Die relative Mehrheit in der Mitte war mit den Zuständen mehr oder weniger zufrieden (Constant, de Chateaubriand, Talleyrand (?), Thiers) . Sie traten für Pressefreiheit, Unabhängigkeit der Justiz und eine behutsame Ausweitung des Wahlrechts ein. Sie waren Anhänger einer konstitutionellen Monarchie. Auf der linken Seite waren die republikanischen Liberalen. Und rechts die Ultras (de Bonald, de Maistre), die die Zustände vor 1789 wieder herstellen wollten. Hier zwingt sich die Frage nach dem Wesen des Konservativismus geradezu auf. Gab es damals schon die zwei Konservativismen? Ist konservativ das Festhalten an der bestehenden Ordnung mit der Bereitschaft zu vorsichtigen Reformen oder ist es die Sehnsucht nach längst vergangenen Zeiten?

    Ich denke, dass gegenwärtig in Europa ein rückwärts orientierter Konservativismus nicht mehr als eine bedeutungslose Skurrilität ist. Heute ist konservativ gleichbedeutend mit der Verteidigung individueller Freiheit, dem Eintreten für demokratisch legitimierte Herrschaft, der Überzeugung, dass die Marktwirtschaft eine Freiheit und Wohlstand erzeugende Einrichtung ist. Nach meiner Vorstellung tritt der Konservative auch für die Gleichberechtigung der Geschlechter ein und jede Form bereits errungener Emanzipationen. Als Konservativer verteidigt man die offene Gesellschaft gegen ihre alten Feinde von rechts und links und gegen die neuen Feinde, die nur eine religiöse Begründung der Herrschaft akzeptieren. Als Konservativer, weiß man, dass die Freiheit keine Selbstverständlichkeit ist, sondern dass sie immer und immer wieder verteidigt werden muss.     

  7. Dr. Frank Berghaus sagt:

    #6 pinetop am 27. Juli 2011 um 11:08

    Wie so häufig kann ich Dir nur uneingeschränkt zustimmen.

    Ergänzen möchte ich, dass auch Bewahrung von Natur und Umwelt (mit entsprechendem Augenmass) ein konservatives Anliegen ist.

  8. ziischdig sagt:

    Der Rechtspopulismus, der Konservatismus oder gar die Islamkritik allgemein tragen angeblich eine Mitschuld an den Osloer Anschlägen, bei denen fast 100 Menschen getötet wurden.

    Das ist natürlich völliger Unfug. Bei mohammedanischen Attentätern behauptet ja auch niemand, der Islam und die Gesamtheit der Mohammedaner trügen daran eine Mitschuld.

    Und dass der blond-blauäugige Verteidiger des Abendlandes in seiner Haltung gegenüber dem linken Muselpack mit vielen konservativen Islamkritikern übereinstimmt, dafür können diese ja nichts.

  9. Dr. Frank Berghaus sagt:

    #8 ziischdig am 27. Juli 2011 um 12:40

    So sehr ich Dir dieses Mal auch in der Sache zustimmen kann, Du entwertest Deine Aussage durch Ausdrücke wie "linkes Muselpack". Das solltest Du im Sinn einer zivilisierten Diskussion unterlassen.

  10. Tolkewitzer sagt:

    #6 pinetop

    Ursprünglich war konservativ = rechts. Erst Stalin hat alles durcheinandergebracht, als er 1945 die eigentlich linken Nazis nach rechts verfrachtet hat, um nicht in den gleichen Topf geworfen zu werden.

    #1 Argutus rerum existimator

    So sehe ich das auch. Ich hatte als Beispiel, dass man den ADAC für die Verkehrsunfälle verantwortlich machen könnte, weil er immer wieder für mehr Sicherheit im Straßenverkehr eintritt.

    Aber zum Thema: Nachdem ich lange über die Untat von Oslo nachgedacht habe und mich immer wieder frage "cui bono?", komme ich zu dem Schluss, dass das keine Tat eines durchgeknallten Rechtsextremisten sein kann. Und schon gar nicht die eines Irren. Dadurch war sie zu gut durchgeplant. Auch das Manifest in Englisch war fehlerfrei, was zumindest auf einen weiteren Mittäter deutet, der Korrektur gelesen haben muss. verwunderlich, dass die Aussagen der Zeugen, dass noch ein weiterer Mann auf der Insel geschossen hat, in den Medien nicht weiter erörtert wird.
    Das Ganze erscheint mir wie 9/11 mit entgegengesetztem Vorzeichen.

    Auffallend ist, dass nur einer profitiert, der Islam und seine "Zuhälter". Oder noch weiter gedacht, die USA, denen ein wirtschaftlich geschwächtes Europa durch Zustrom nicht oder schlecht ausgebildeter "Fachkräfte" sehr zu passe kommt.
    Auffallend waren für mich die Bilder in den Medien. Man sah einen blonden, blauäugigen Nordeuropäer und die Opfer waren meist südländischen Aussehens. Soll das ein Zufall sein oder war nicht doch alles inszeniert?

    Mir kommt das Ganze eher wie die höchste Stufe der Taqiyya vor. Was spricht dagegen, dass der Mann ein heimlicher "Pierre Vogel" war der mit seiner Tat der Islamkritik in Europa ein für alle mal das Wasser abgraben und vielleicht als "Mehrtürer" auf der Insel sterben wollte? Er nur nicht wie erhofft von der Polizei erschossen wurde?
    Verschwörungstheorie?
    Ich bin ja mal gespannt, ob er die Untersuchungshaft überlebt…

  11. Dr. Frank Berghaus sagt:

    #10 Tolkewitzer am 27. Juli 2011 um 13:26

    Erst Stalin hat alles durcheinandergebracht, als er 1945 die eigentlich linken Nazis nach rechts verfrachtet hat, um nicht in den gleichen Topf geworfen zu werden.

    Das grenzt schon an arge Geschichtsklitterung. Hitler stand immer auf bestem Fuss mit den Industriebossen, die ihn ja auch heftig finanziert haben. Links dagegen – damals wie heute – steht eindeutig gegen das Kapital und die Grossindustrie.

    Dem widerspricht auch nicht, dass Röhm in diesem Punkt andere Träume hatte als sein Big Boss. Dafür hat er ja auch bezahlt. Ich verstehe nicht, wie man immer noch solchen VTs anhängen kann, wo doch die Geschichte eine eindeutige Sprache in diesem Punkt spricht.

  12. ziischdig sagt:

    #9 Dr. Frank Berghaus am 27. Juli 2011 um 12:48

    So sehr ich Dir dieses Mal auch in der Sache zustimmen kann, Du entwertest Deine Aussage durch Ausdrücke wie "linkes Muselpack". Das solltest Du im Sinn einer zivilisierten Diskussion unterlassen.

    Du hast Recht, statt "linkem Muselpack" hätte ich die in "zivilisierten" islamkritischen Kreisen übliche Diktion verwenden sollen:

    Und dass der blond-blauäugige Verteidiger des Abendlandes in seiner Haltung gegenüber der Bedrohung Europas durch Marxismus und Islamisierung mit vielen konservativen Islamkritikern übereinstimmt, dafür können diese ja nichts.

    In der Sache ändert dies aber natürlich nichts.

  13. ziischdig sagt:

    #10 Tolkewitzer am 27. Juli 2011 um 13:26

    Das Ganze erscheint mir wie 9/11 mit entgegengesetztem Vorzeichen.

    Willst Du nicht im Kopp-Verlag ein Buch darüber veröffentlichen?

  14. ilex (E. Ahrens) sagt:

    # 10 -Tolkewitzer

    Das "Manifest" besteht ja zum großen Teil aus C&P-Partien z.B. aus den Texten von "fjordman", die nun ja durchaus lesenswert sind (wiewohl man nicht immer der gleichen Meinung wie dieser Blogger sein muß) und die in einem gut lesbaren englisch geschrieben wurden. Also insofern braucht da keine weiterer Mitschreiber daran beteiligt sein. Wenn er dann einige Jahre an seinem Text gefeilt hat, wird er schon eine gewisse Sorgfalt walten gelassen haben. Schließlich war das "Manifest" sein "Vermächtnis" an den Rest der Welt.

  15. ziischdig sagt:

    #14 ilex (E. Ahrens) am 27. Juli 2011 um 14:06

    Das "Manifest" besteht ja zum großen Teil aus C&P-Partien z.B. aus den Texten von "fjordman", die nun ja durchaus lesenswert sind

    "Lesenswert" sind diese Texte in der Tat, wenn man sich Aufschluss darüber erhofft, was in dem Hirn des blond-blauäugigen Verteidigers des christlichen Abendlandes auf seinem Kreuzzug gegen die Bedrohung Europas durch Marxismus und Islamisierung vorgeht.

  16. ilex (E. Ahrens) sagt:

    # 15 – ziischdig

    Ein einziges Mal möchte ich gern ein Argument von Dir hören.

  17. Tolkewitzer sagt:

    #11 Dr. Frank Berghaus

    Das ist nicht von mir.
    "Der Idee der NSDAP entsprechend sind wir die deutsche Linke… Nichts ist uns verhaßter als der rechtsstehende nationale Besitzbürgerblock." (Joseph Goebbels)
    Das AH von den großen Bossen der Industrie als nützlicher Idiot an die Macht geholfen wurde, ist unbestritten.

  18. Tolkewitzer sagt:

    #13 ziischdig am 27. Juli 2011 um 13:44

    Willst Du nicht im Kopp-Verlag ein Buch darüber veröffentlichen?

    Vielleicht später, ich fürchte nur, dort gibt es bereits einige, die ähnlichen Gedankengängen folgen. Würde mich jedenfalls wundern, wenn es nicht so wäre.;-)

  19. ziischdig sagt:

    #16 ilex (E. Ahrens) am 27. Juli 2011 um 14:34

    # 15 – ziischdig

    Ein einziges Mal möchte ich gern ein Argument von Dir hören.

    Hören? Dazu müssten wir uns ja persönlich begegnen oder mindestens telefonieren. Bist Du Dir ganz sicher, dass Du das willst?

  20. Tolkewitzer sagt:

    #20 ziischdig am 27. Juli 2011 um 14:55

    Dazu müssten wir uns ja persönlich begegnen

    Ein wundervoller Gedanke!
    Kann nicht mal jemand ein Treffen der W-Blogger organisieren?
    (Ich vermute, Du bist eigentlich ein ganz lieber Geselle.)

  21. kantomas sagt:

    #21 Tolkewitzer 

    Das ist er ganz bestimmt. 

  22. pinetop sagt:

    Zu den oft gemachten Behauptungen, das Großkapital habe sich die Nazis gekauft, ist mit Entschiedenheit entgegenzutreten. Es ist richtig, dass die NSDAP Zahlungen erhielt. Das sogenannte Großkapital leitete noch mehr Geldbeträge an die Deutschnationalen und die Deutsche Volkspartei (hier vorzugweise an den Stresemann kritischen Teil). Gleichzeitig übertraf die Selbstfinanzierung der NSDAP durch Parteibeiträge, Eintrittsgebühren u ä. die Spenden um ein Vielfaches. Ein Sachverhalt, der von Marxisten vollständig ausgeblendet wird. Die Vorstellung, dass die Nazis die willigen Vollstrecker der Kapitalisten waren, wird heute von allen seriösen Historikern als Unsinn zurückgewiesen. So auch von dem der SPD nahestehenden Historiker Hans-Ulrich Wehler (Deutsche Sozialgeschichte, Bd. 4, 1914-1949, S. 290) (Etwa Seite 290, ich habe das Buch zur Zeit nicht in der Hand).

  23. pinetop sagt:

    Und noch etwas: Die gegenwärtigen Neonazis sind demokratiefeindlich und sie können auch heftige Schäden anrichten, von einer tatsächlichen Machtübernahme kann aber nirgends die Rede sein. Der Faschismus ist tot und bleibt es auch.

    Und hier kann ich ausnahmsweise einem marxistischen Historiker zustimmen. Eric Hobsbawm schrieb: "Nach 1945 löste sich der Faschismus auf wie ein in einen Fluß geworfener Brocken Erde." Das Jahrhundert der Extreme. Die Seite kann ich jetzt nicht angeben, das Suchen lohnt. 

  24. Fred sagt:

    In dieser Logik waren Menschen, die sich für soziale Gerechtigkeit eingesetzt haben, schuld am kommunistischen Gulag…

    Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

  25. Firithfenion sagt:

    Es wäre schön wenn sich die Erkenntnis durchsetzen würde, das man tatsächliche oder vermeintliche Mißstände nicht dadurch beseitigen kann, das man irgendwo etwas in die Luft sprengt und Leute umbringt. Zweifellos hat Breivik der Islamkritik und dem Konservatismus geschadet. Wie groß der Schaden ist, wird sich mit der Zeit zeigen. Möglicherweise ist er doch nicht so groß, wie anfangs befürchtet. Jeder der mal mit Aktien und Optionsscheinen gehandelt hat, weiss das es oft sehr schwierig ist, die Reaktion der Masse auf ein bestimmtes Ereignis vorherzusehen. Manchmal glaubt man sich absolut sicher zu sein zu wissen, wie die Leute auf ein bestimmtes Ereignis reagieren müssten und dann tun sie genau das Gegenteil davon.

    Einen interessanten Gedanken finden wir z.b. im Blog "Zettels Raum"
    Zitat: "Ein zweiter, nicht minder wichtiger Faktor ist die Beeinflussung des politischen Spektrums. Politische Verbrecher sind ausnahmslos Extremisten; Menschen, die mit ihren Auffassungen am äußersten Rand stehen. Indem sie durch ihre Propaganda der Tat ihre extremistischen Auffassungen bekannt machen, verschieben sie das politische Spektrum.

    Die Psychologen nennen das einen Ankereffekt. In der Bundesrepublik waren bis zum Auftreten der Baader-Meinhof-Bande die Kommunisten die extreme Linke. Nun gab es eine noch viel extremere Strömung. Die Kommunisten rückten in der allgemeinen Wahrnehmung ein wenig in Richtung Mitte."

    Von Verschwörungstheorien halte ich übrigends nichts. Man sollte aufpassen, das man hier nicht Opfer einer kognitiven Verzerrung wird. Warum glauben Leute an bestimmte Verschwörungen? Meist nicht wegen der "Argumente" falls es überhaupt welche gibt, sondern meistens, weil sie eine Einstellung haben, die sie wünschen lässt das die jeweilige Verschwörungstheorie wahr wäre. Deshalb sagt der Glaube an eine bestimmte Verschwörungstheorie meist mehr über die Einstellung des Verschwörungsgläubigen als über irgend etwas anderes aus. Natürlich würde es meiner islamkritischen Einstellung sehr gelegen kommen wenn sich heraus stellte das Breivik in Wahrheit gar keine islamkritische Einstellung hatte, sondern ganz andere Motive. Das sollte aber nicht so weit führen das man sich lächerlich macht und sich in unhaltbare Spekulationen flüchtet die einzig auf einem diffusen "es könnte doch so sein…" beruhen.

  26. ilex sagt:

    # 26 – Firithfenion

    Über diesen interessanten Gedanken bei Zettels Raum bin ich auch gestolpert. Allerdings glaube ich, dass hier starke Kräfte am Werk sein werden, um Breiviks "Anker" wieder aus dem Boden zu ziehen. Sein Gedankenkonglomerat hat ja offenbar auch keine klare Linie, sondern ist aus vielen Elementen zusammengesetzt, die sich zum Teil sogar gegenseitig ausschließen.

  27. Indianerjones sagt:

    Auf den Zug, auf den nun Linke und Grüne, wegen der Morde in Norwegen aufspringen, hatt etwas viel mit einer Art "Selbstdeportation" an sich….[..] :nerd:

  28. kantomas sagt:

    Ich empfehle diesen Kommentar auf QQ unter "ihre Meinung interessiert 006"

    #487 von lobotomium

  29. GottlosGlücklich sagt:

    #29 kantomas am 14. August 2011 um 10:37

    Ich empfehle diesen Kommentar auf QQ unter "ihre Meinung interessiert 006"

    #487 von lobotomium

    Danke für den Link. Dieser Kommentar ist in der Tat bemerkenswert.

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