Können Atheisten wissenschaftlich denken?

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chimpanzee-978809_1280Diese Frage ist mit ein paar Behauptungen unterfüttert, und es ist interessant zu sehen, wo die Denkfehler stecken.

Letztlich läuft es auf die Behauptung hinaus, ein Atheist würde nie objektiv und wissenschaftlich denken (Bild: skeeze, pixabay).

Man muss nicht auf den ganzen Unfug eingehen, der in Form eines Videos daherkommt. Es reicht, die grundlegenden Irrtümer aufzuzeigen.

Bei atheisten-info.at hat Erwin Peterseil das unternommen. Unter dem Titel Der Denkfehler der Atheisten schreibt er: Da erklärt uns also einer die Welt, der sie versteht! Er fragt, ob Atheisten wissenschaftlich denken können und dann redet er die ganze Zeit haarsträubenden Blödsinn.

Können Atheisten wissenschaftlich denken?
(Der Inhalt des Kastens stammt aus dem Vordenker-Video)

  1. Das Universum ist per Urknall entstanden
  2. Evolution (und somit der Zufall) sorgten für die Entstehung von Leben
  3. Menschen sind also zufällig entstanden
  4. Die Hirnstrukturen (z.B. deine) sind zufällig (neironale Netze)
  5. Die Denkmuster sind zufällig
  6. Ein Atheist denkt also nie objektiv und wissenschaftlich

Dazu möchte der wissenbloggt-Atheist Wilfried Müller eine eigene Argumentation aufbauen, auch wenn ihm die Fähigkeit zur objektiven und wissenschaftlichen Denke abgesprochen wird. Punkt für Punkt:

  1. Das Universum ist per Urknall entstanden –ok-check-303494_1280Clker-Free-Vector-Images-150x150
    Das entspricht dem wissenschaftlichen Weltbild.
    (Es entspricht aber nicht dem Weltbild der Argumentation.)
  2. Evolution (und somit der Zufall) sorgten für die okyeno-delete-462216_1280-300x300Entstehung von Leben –
    Bei der Evolution ist der Zufall nur ein Element. Variation und Selektion haben außerdem starke deterministische Einflüsse.
  3. Menschen sind also zufällig entstandenoky1-delete-462216_1280-300x300
    Mit zunehmender Entwicklungsstufe schwindet der Anteil des direkten Zufalls, Stichworte Emergenz, Symmetriebrechung, Selbstorganisation.
  4. Die Hirnstrukturen (z.B. deine) sind zufällig (neuronale Netze)oky1-delete-462216_1280-300x300
    Hier gilt nochmal dieselbe Argumentation wie bei 3.
    Der Zufall war beteiligt, aber das meiste ist Determinismus.
  5. Die Denkmuster sind zufälligoky1-delete-462216_1280-300x300
    Und nochmal dieselbe Argumentation wie bei 3.
    Der Zufall ist beteiligt, aber das allermeiste ist Determinismus.
  6. Ein Atheist denkt also nie objektiv und wissenschaftlich okno-delete-462216_1280-300x300
    Diese Aussage ist komplett falsch, denn als Nichtexistenzbehauptung kann sie widerlegt werden: Ein atheistischer Wissenschaftler reicht dazu.

Es gibt viele atheistische Wissenschaftler, und auch andere Atheisten denken wissenschaftlich. Die Vernunftwidrigkeit der Aussage liegt aber auch darin, dass sie unausgesprochendermaßen für Atheisten eine andere Entstehungsgeschichte als für Gläubige unterstellt. Gläubige sind gottgemacht und nicht zufällig, denn der Vordenker hält seine Argumentation 1.-6. bestimmt für objektiv, wenn nicht gar für wissenschaftlich.

Zum Nicht-Zufall hat Erwin Peterseil auch noch ein paar Takte zu sagen: Wer einen Schöpfergott braucht, lebt mit einem Denkfehler, der alleine dadurch schon erkennbar sein müsste, dass dieser vermutete Gott ja auch eine Ursache haben müsste. Oder ist er vor dem Urknall, bevor es Raum, Zeit und Materie gab, zufällig entstanden? Ein Gott verlängert nur die Kausalkette, erklärt aber nichts, wenn er selber unerklärbar ist, z.B. Gott habe es immer schon gegeben oder so. Und gesehen hat so einen Gott schließlich auch noch nie jemand, man kann ihn sich bloß einbilden.

 

(Bilder ok/no: Clker-Free-Vector-Images/Mediengestalter, pixabay, Mischung von wb.)

Link zum Originalartikel bei atheisten-info.at (mit eigebettetem Vordenker-Video)

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3 Antworten auf Können Atheisten wissenschaftlich denken?

  1. Wolfgang Goethe sagt:

    Das sehe ich genauso, Wilfried, das ist Blödsinn! Jeder Gläubige legt sich das so zurecht, wie er es gerade haben will. Die Atheisten machen keinen Denkfehler, sie denken richtig und objektiv – wer einen Denkfehler hat, das sind die Gläubigen.

    Stephen Hawking sagt es so, was mir glaubwürdig erscheint: Wenn man mit einer Uhr ins Universum eintritt und in Richtung Schwarzes Loch fliegt, würde die Uhr und die Zeit immer langsamer gehen, je näher man dem Schwarzen Loch kommt. Im Schwarzen Loch würde die Uhr dann stehenbleiben und somit gibt auch keine Zeit. Wo es keine Zeit gibt, gibt es auch kein Leben und keinen Gott, der die Menschen hätte erschaffen können.

    Nach dem Urknall entwickelten sich die Einzeller, nach weiteren Millionen von Jahren und entstand dann der Mehrzeller. Aus der Evolution heraus entwickelte sich dann der Mensch – es war also Zufall, dass es uns gibt.

    JWG

  2. Artemis sagt:

    Gott existiert und handelt vollkommen willkürlich – seine Wege sind unergründlich

    Das Universum ist durch Gott entstanden

    Absolute Willkür sorgten für die Entstehung von Leben

    Menschen sind also vollkommen willkürlich entstanden

    Die Hirnstrukturen (z.B. deine) sind vollkommen willkürlich (neironale Netze)

    Die Denkmuster sind vollkommen willkürlich und unergründlich

    Ein Christ – zum Beispiel – denkt also nie objektiv und wissenschaftlich

  3. Wolfgang Goethe sagt:

    Das Universum ist durch Gott entstanden, sagt Artemis:

    Wenn es das Universum noch nicht gab, wie und durch was ist Gott entstanden? Wie hat Gott Universum, Sonne, Mond und Sterne und andere Planeten erschaffen – durch Zauberei, oder hat er sie mit der Hand geformt? Wie hat Gott den Menschen mit Haut und Haaren gemacht, woher bekam er die Organe, wie Leber, Nieren, Herz, u.s.w. her?

    JWG

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