Franz Josef Wetz – Eine neue Kultur des Abschieds. Wo ist sie? Rezension von Siegfried R. Krebs

image_pdfimage_print

Tot ohne GWEIMAR. (fgw) Franz Josef Wetz, geb. 1958 und seines Zeichens Professor für Philosophie und Ethik in Schwäbisch Gmünd, will nach eigenem Bekunden in seinem neuesten Buch „Tot ohne Gott – Eine neue Kultur des Abschieds“ die Facetten „unserer Endlichkeit“ reflektieren.

Doch leider verspricht der Titel mehr als es der lange Text zu halten vermag. Diesen hat er in fünf Hauptabschnitte unterteilt, überschrieben mit „Endlichkeit"; „Gibt es ein Leben nach dem Tod?"; „Wer stirbt schon gerne?"; „Metaphysik und Metastasen" sowie „Wie ist Trost möglich?".

Seine betrachtete Welt ist fast ausschließlich die des hellenistisch-römischen und später christlichen Europas. Ihm fehlt bei aller konstatierten Globalisierung jedoch die universelle Weltsicht, so daß er stets nur von „Gott" – aber ohne Anführungszeichen – spricht und die Abertausende Götter anderer Religionen negiert.

Vor allem aber vermißt man eigene Gedanken, Erkenntnisse und konkrete Vorschläge. Wetz referiert dafür in epischer Breite gelesene Texte Dritter aus Literatur, Philosophie und Naturwissenschaften. Seine Eloquenz ist auch daher in starkem Maße gepaart mit Geschwätzigkeit und geistiger Begrenztheit bürgerlicher Wissenschaftler. Denn dem Leser werden lediglich das Leben gehobener akademischer Mittelschichten Mittel- und Westeuropas sowie Nordamerikas und deren Probleme/Befindlichkeiten offeriert. Wie aber sieht es mit Leben und Sterben in den „Unterschichten" und vor allem in der sogenannten Dritten Welt aus? Das bleibt weitestgehend ausgeblendet.

Und für Deutschland vermißt man mit wachsendem Unbehagen, ja mit Ärger, Aussagen zu diversen freigeistigen und humanistischen Organisationen, insbesondere zu deren vielfältigen Angeboten in Sachen Sterbe- und Trauerkultur. Der Humanistische Verband Deutschlands (HVD) und die Deutsche Gesellschaft für humanes Sterben (DGHS) kommen bei Wetz einfach nicht vor. Das vermißt man gerade bei seinen Auslassungen zum Thema „Freitod" (S. 161-163; 197-198).

Für eine „neue" Kultur des Abschieds haben doch seit Ende des 19. Jahrhunderts freigeistige Vereine viele praktische Erfahrungen gesammelt und diese in gedruckter Form verallgemeinert. Man denke da nur an das Wirken des Deutschen Freidenker-Verbandes schon in den 1920er Jahren. Oder die Publikationen der Humanistischen Akademien in den vergangenen Jahren. Aber auch das alles kommt bei Wetz nicht vor. Nur knappe allgemeine, eigentlich nichtssagende, Phrasen. Schade!

Siegfried R. Krebs

Link zum Artikel http://www.freigeist-weimar.de/beitragsanzeige/franz-josef-wetz-eine-neue-kultur-des-abschieds/

 

Franz Josef Wetz: Tot ohne Gott. Eine neue Kultur des Abschlieds. 312 S. Klappenbroschur. Alibri-Verlag. Aschaffenburg 2018. 20 Euro. ISBN 978-3-86569-249-8

 

Mehr zum Thema:
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Atheismus, Humanismus veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar