Ichbinhier – auch in eigener Sache

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logo_ichbinhier_0Jeder weiß es – niemand tut etwas dagegen. Die Kommentarspalten der freien Presse werden regelrecht überschwemmt mit rechtslastigen Kommentaren. Manche nehmen das aber immer noch für bare Münze. Man schätzt, dass bis zu einem Drittel der Kommentare in dieser Richtung von Fake-Accounts oder von regelrechten Bots stammen. Ich habe den ehemaligen Herausgeber von Wissenbloggt, Dr. Wilfried Müller, immer wieder darauf hingewiesen, dass er sich nicht auf solche Fakes berufen sollte und ihm auch die entsprechenden Links dazu mitgeteilt. Aber er war  felsenfest davon überzeugt, dass sich dort „das Volk“, der „mündige Bürger“ äußere. Dies führte im Gefolge zu einem zunehmend stärker werden Abdriften in rechtspopulistische Argumentationsweisen, was sich mit meinen Auffassungen schließlich keinesfalls mehr vereinbaren ließ. Schließlich war mein Name als Gründer von WB immer noch eingebunden. Das ist auch einigen der Autoren, die trotzdem weiter hier schrieben, sehr unangenehm aufgefallen, da es sich immer weiter von humanistischen Grundüberzeugungen entfernte. So wurde mir jedenfalls berichtet.

Umso erfreuter bin ich zu sehen, das sich nun eine ganze Gruppe, ein Verein, gegen diese unsäglichen Verzerrungen sträubt und sich mit großem Engagement dagegen stemmt.

So gibt es nun einen Offenen Brief an Online-Redaktionen und Journalisten des Vereins Ichbinhier, auf den ich im Folgenden verlinke:

https://www.facebook.com/notes/ichbinhier-der-verein/offener-brief-an-online-redaktionen-und-journalisten/1130052927158458/

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10 Antworten auf Ichbinhier – auch in eigener Sache

  1. jochen sagt:

    Sorry, der Link ist ohne Facebook Account nicht abrufbar.

    Zum Thema selbst:
    Ausgerechnet Facebook ist der Dienst, der die "Filterblase" erfunden hat. Durch die eingesetzten Algorithmen werden dem Benutzer nach und nach immer radikalere Artikel bzw. Gruppen vorgeschlagen und der "Nutzer" in eine Scheinwelt geführt, die die eigene Meinung in eine radikale Richtung lenkt und andere Meinungen ausblendet. Dazu kommen dann noch die Bots. Die bezeichnung "asoziales" Netzwerk ist daher mehr als gerechtfertigt. Das trifft nicht nur wie beschrieben auf rechte Gruppen zu, das selbe kann man bei allen Themen beobachten.

  2. jochen sagt: 22. Januar 2019 um 09:41

    Facebook ist der Dienst, der die "Filterblase" erfunden hat.

    Hat Facebook die Filterblase tatsächlich erfunden, oder hat es lediglich ein Portal zur "Optimierung" bereitgestellt ?

    Es liegt wohl in der Natur von uns Menschen, dass viele auf den täglichen Klamauk hereinfallen, weil ihnen der Klamauk mehr leichtverdauliches "Vergnügen" bringt als die schwerer verdauliche Sachinformation. Darüber hinaus sind Menschen in allen Kulturkreisen und seit Jahrtausenden empfänglich für Sündenbockprojektionen und lassen sich von Gerüchten bereitwillig ins Bockshorn jagen.

    Das, worum es hier geht, betrifft nicht nur Facebook. Ein Blick in die Kommentarspalten (mit "Like"-Funktion) der Onlineportale verschiedener Tages- oder Wochenzeitungen — wo die Leserkommentare moderiert oder redaktionell betreut (nach Durchsicht einzeln freigeschaltet, für die Öffentlichkeit freigegeben) werden — kann erschreckend sein. Ob diese Kommentarfunkionen auch mit einem die IP des Kommentators verschleiernden Browser wie z.B. "Tor" funktioniert, weiß ich nicht, habe ich nicht probiert. Mir ist aber bekannt, dass pikanterweise bei einem von einem rechtsreaktionären Psychopathen betriebenen Blog, dessen Kürzel das Spiegelbild von sowas wie "IP" ist, die Kommentarfunktion bei Verwendung des "Tor"-Browsers nicht zur Verfügung steht, der Betreiber des besagten Blogs also vermutlich viel Wert darauf legt, wenigstens eine authentische IP des Kommentators zu bekommen und diese zu speichern (auch wenn dort jeden Monat weit über 1.ooo Kommentare in den Papierkorb verschoben, dort allerdings sehr lange Zeit aufbewahrt werden).

    Eckhardt Kiwitt, Freising

  3. @ Frank und @ jochen:

    Habe heute meinen FB-Account nach mehr als einem Jahr mal kurzzeitig reaktiviert, um mir den Text von dem Aufruf "ichbinhier" zu holen (FB danach gleich wieder deaktiviert).

    Darf man diesen Text hier bei WB veröffentlichen ?

    Eckhardt Kiwitt, Freising

  4. Ich habe deshalb nur verlinkt, weil ich das bezweifle. Ohne Genehmigung des Vereins sicher nicht. Aber die kannst du dir ja einholen. Dann passt es genau hierher.

  5. Werd ich versuchen. Vielleicht mach ich auch einen eigenen Beitrag draus.

    Interessant finde ich übrigens, dass diejenigen, die auf Klamauk und Hetze setzen, oft dann von "Zensur" reden, wenn ihre Kommentare mal nicht veröffentlicht werden. Dabei verwechseln sie wohl absichtsvoll die redaktionelle (oder verlegerische) Entscheidung, einen unaufgefordert eingesandten Textbeitrag nicht zu veröffentlichen, mit dem Unterbinden von Meinungsäußerungen durch staatliche Institutionen. Seltsamerweise sind dies häufig die gleichen Leute, die, wie einst die Nationalsozialisten, heute gern von "Lügenpresse" reden — die also nur ihre eigenen "Wahrheiten" gelten lassen wollen.

    Eckhardt Kiwitt, Freising

  6. INFO:

    Ich habe heute Eckhardt Kiwitt, Freising, zum Administrator ernannt. Da ich im Moment völlig allein stehe, ist mir das eine wertvolle Hilfe und Unterstützung. Er kann nun, wenn er mag, eigene Artikel veröffentlichen und auch ein wenig mit darauf aufpassen, dass unser Kommentarbereich "sauber" bleibt.

  7. @ Frank:

    Danke für das Vertrauen.

  8. jochen sagt:

    Das Thema "Lügenpresse" kann man nicht einfach als rechtes Problem abtun, das hat schon einen wahren Kern. Wir haben durchaus eine Glaubwürdigkeits-Krise der Presse.

    Die Hauptursache ist, dass die Einnahmen aus den Abos, speziell der gedruckten Presseerzeugnisse stetig zurückgehen. Dadurch erfolgt eine Verlagerung zunehmend in den Online-Bereich. Hier ist die Haupteinnahmequelle aber die Werbung und da zählt nur Schnelligkeit. Wer als erster eine Story bringt, bekommt die meisten Klicks und damit die meisten Einnahmen. Das führt dazu, dass die journalistische Prüfung auf ein Minimum beschränkt wird. Zusätzlich werden möglichst reißerische Überschriften verwendet, um möglichst viele Klicks zu erreichen, d.h. "Clickbaiting". Dabei bleibt die journalistische Sorgfalt dann auf der Strecke und "FakeNews" rutschen öfters mal durch. Andererseit werden hintergründige Artikel nicht mehr gebracht, weil der journalistische Aufwand deutlich höher ist und das Ergebnis kaum Klicks bringt.

    Dazu kommen noch viele andere strukturelle Probleme, die den Rahmen eines Kommentars sprengen würden.

  9. @Jochen:

    Sicher ist das kein ausschliesslich "rechtes" Problem. Allerdings ist es in diesen Bereichen eben der gängige Topos, der in keiner Weise – wie du zurecht – auf die tiefgreifenden Umstrukturierungen in der Presselandschaft Bezug nimmt, sondern als reine Propagandamasche dient.

    Hier geht es zudem um die Situation in den Kommentarteilen, die regelmässig von Rechten missbraucht werden, so dass beim unbedarften Leser der Eindruck entsteht, dies sei "Volkes Meinung".

     

  10. Zum Begriff "Lügenpresse" gibt es einen recht ausführlichen Artikel in der Wikipedia. Daraus hier nur die ersten beiden Sätze als Zitat:

    Lügenpresse ist ein politisches Schlagwort, das polemisch und in herabsetzender Absicht auf mediale Erzeugnisse gerichtet ist und sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts im deutschen Sprachraum nachweisen lässt. Zunächst wurde es gelegentlich von konservativen Katholiken, zumeist mit einem antisemitischen Hintergrund, gegen die im Zuge der bürgerlichen Revolutionen entstandene liberale Presse verwendet.

    Der Begriff wurde lt. dem Wiki-Beitrag auch in sog. kommunistischen und sozialistischen Kreisen verwendet, wobei zwischen den Nationalsozialisten und Faschisten einerseits und den sogenannten Kommunisten und Sozialisten andererseits aus meiner Sicht kaum ein Unterschied besteht. Die Sowjetunion sowie die übrigen Warschauer Pakt-Staaten, aber auch einige Länder, sie sich heutzutage noch kommunistisch oder sozialistisch nennen, waren und sind aus meiner Perspektive rein faschistische Systeme, die sich institutionell und gesellschaftlich nicht oder nur marginal vom Nazi-Terrorsystem unterscheiden. Lediglich der industrialisierte Massenmord, den die deutschen Nationalsozialisten unter dem Gröfaz Hitler organisiert und begangen haben, ist wohl einzigartig.

    Eckhardt Kiwitt, Freising

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