Die GEMEINWOHL-ÖKONOMIE – Ein kurzer Überblick

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GWÖ

Eine ethische Wirtschaft ist möglich – sagt Hans Jürgen Lukowski und stellt diesen Beitrag zur Diskussion.
“Merkwürdig: Obwohl ethische Werte die Grundorientierung, die „Leitsterne“ unseres
Lebens sein sollten, gelten heute in der Wirtschaft ganz andere Werte als in unseren
alltäglichen zwischenmenschlichen Beziehungen. In unseren Freundschafts- und
Alltagsbeziehungen geht es und gut, wenn wir menschliche Werte leben: Vertrauensbildung,
Ehrlichkeit, Wertschätzung, Respekt, Zuhören, Empathie, Kooperation, gegenseitige Hilfe
und Teilen. Die „freie“ Marktwirtschaft beruht auf den Systemspielregeln Gewinnstreben und
Konkurrenz. Diese Anreizkoordinaten befördern Egoismus, Gier, Geiz, Neid, Rücksichtslosigkeit
und Verantwortungslosigkeit.
Dieser Widerspruch ist nicht nur ein Schönheitsfehler in einer komplexen oder multivalenten
Welt, sondern ein kultureller Keil; er spaltet uns im Innersten – sowohl als Individuen als
auch als Gesellschaft.“ (Christian Felber in seinem Buch „Gemeinwohl-Ökonomie“, Seite 12)
Die ungelösten sozialen und ökologischen Fragen unserer Zeit sind Ausdruck dieser
Entwicklung. Neuerdings skandieren bereits die Schüler im Rahmen von Fridays for Future:
“Systemwandel, nicht Klimawandel.“
Ausgangspunkt für eine Neu-Orientierung oder ein Paradigma-Wechsel ist die grundlegende
Überlegung, welcher Zweck dem Wirtschaftsleben zugrunde zu legen ist.
„Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl.“ Was im Artikel 151 der
bayrischen Verfassung verankert ist, wird bei der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) zum Ziel
des Wirtschaftens. Nicht Profitmaximierung soll demnach der Zweck sein, sondern das
Dienen für das Gemeinwohl. Die Vermehrung von Profit steht nicht mehr im Vordergrund,
sondern es treten nunmehr folgende Erfolgsfaktoren dazu:
Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, Ökologische Nachhaltigkeit sowie
Transparenz und Mitentscheidung. Sie sind in der GWÖ gleichberechtigte Ziele, deren
Erreichungsgrad auch ein Gradmesser für das Ausmaß ist, inwieweit dem Gemeinwohl
gedient wird.
Menschen verhalten sich meist so, wonach sie beurteilt und belohnt werden.
Wollen wir also die wirtschaftlichen Verhaltensweisen von Unternehmen (und Verbrauchern)
ändern, müssen wir sie dafür belohnen, wenn sie so wirtschaften, dass sie die Menschenwürde
in Solidarität unter Beachtung ökologischer Rahmenbedingungen in transparenter Form
einhalten.
Dies geschieht dadurch, dass wir für diese ethischen Werte messbare Größen festlegen.
Es wird gemessen (und damit auch das Gemeinwohl definiert), in wie weit die genannten
ethischen Werte in Bezug auf Lieferant*innen, Eigentümer*innen/ Finanzpartner*innen,
Mitarbeitenden, Kund*innen und Mitunternehmen sowie im gesellschaftlichen Umfeld
eingehalten werden.
Im Rahmen eines Audits wird zunächst der Befund, der Status Quo aufgenommen.
Der jeweilige Zielerreichungsgrad wird durch Punkte dargestellt. Je höher die Punktzahl im
Unternehmen ist, umso mehr ist der Zweck – das Dienen für das Gemeinwohl – erreicht.
In schrittweisen Veränderungsprozessen kann jedes Unternehmen (aber auch Städte,
Gemeinden und der individuelle Verbraucher) festlegen, welche Werte für die nächste Zeit
durch entsprechende Maßnahmen verbessert werden sollen.
Passende Anreize wie Steuererleichterungen (ab einer bestimmten Punktzahl) sollen
möglichst viele Wirtschafts-Akeure dazu animieren, dem Gemeinwohl immer mehr zu
dienen.
Nähere Informationen siehe: www.ecogood.org

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