Koran verworfen — eine Zeitenwende

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Eine Nichtsatire

Es begab sich aber zu der Zeit, da das Ende des Zweiten Weltkriegs gerade mal ein paar Wochen zurücklag. Allah war ins Grübeln gekommen. Nicht dass Allah für den Zweiten Weltkrieg und die während dieses internationalen Gemetzels begangenen Greueltaten verantwortlich gewesen wäre oder dass dazu in seinem Koran eine Anleitung oder eine Anweisung zu finden gewesen wäre. Aber das Ausmaß hatte ihm doch zu denken gegeben und er überlegte sich, wie er die Welt ein Stück weit besser machen könnte, da seine bis dahin letzte Offenbarung nicht den gewünschten Erfolg nach sich gezogen hatte. Allah machte sich ans Werk.

Die Erstfassung seines Korans hatte Allah vor ca. 1400 Jahren einem Mann aus den Wüsten Arabiens, genauer, aus einer kleinen Stadt im gebirgigen Westen nicht weit von der Küste des Roten Meeres, herabgesandt. Er hätte sich auch jemanden aus einem anderen Land, einem anderen Kontinent, aus einer ganz anderen Weltgegend aussuchen können, z.B. jemanden von einer traumhaft schönen Insel in der Südsee, oder einen Menschen aus Grönland, aus den Weiten Sibiriens oder aus den Urwäldern des Amazonasgebiets. Dann wäre der Koran möglicherweise ganz anders und den geographischen Gegebenheiten und den Lebensumständen der jeweiligen Region entsprechend ausgefallen. Warum Allahs Wahl auf jemanden aus Arabien fiel, lässt sich heute nicht mehr rekonstruieren. Immerhin hat Allah dem Empfänger seiner damaligen Botschaft mit auf den Weg gegeben, dass dieser Koran nicht für die Ewigkeit bestimmt sein muss:

Und wenn Wir es wollten, könnten Wir gewiß das wieder fortnehmen, was Wir dir offenbart haben;

heißt es in der 17. Sure «Die Nachtreise (Al-Isra’)» aus der mittleren mekkanischen Entstehungsphase im Vers 86.

Dass diese Erstfassung des Korans in sich nicht immer ganz stimmig ist, ja von so manchen inneren Widersprüchen, Ungereimtheiten und Absurditäten durchsetzt ist, mag daran liegen, dass der seinerzeitige Empfänger der Botschaften Allahs einiges zum persönlichen Vorteil hinzugedichtet hatte — ganz abgesehen davon, dass etliches daraus für Menschen aus anderen Kulturkreisen oder aus anderen geschichtlichen Epochen weder angemessen noch zeitgemäß war und ist.

So hat sich Allah im Spätherbst 1945 also ans Werk gemacht, hat den gesamten bisherigen Koran verworfen und eine völlig neue Fassung seines heiligen Buches formuliert — diesmal nicht in arabischer Sprache, sondern, auf der Höhe der Zeit, in Englisch. Diese vollständige Neufassung sollte künftig auch manches andere heilige Buch ersetzen.

Herausgekommen ist ein Text, der ganz erstaunliche Ähnlichkeit mit der späteren Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 sowie mit einigen Artikeln aus dem Grundrechtekatalog des im Jahr 1949 in Kraft getretenen Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland hat. Nicht dass die Welt deshalb nun am deutschen Wesen genesen sollte, nein, das nicht, — im neuen Koran steht schließlich vieles, das mit der UNO-Menschenrechtserklärung deckungsgleich ist — aber die Ähnlichkeiten dessen, was Allah da formuliert hat mit dem, was in besagtem Grundrechtekatalog geschrieben steht, sind doch verblüffend.

In den Jahrzehnten nach Herabsendung des neuen Korans taten sich etliche Potentaten in Ländern, die sich dem bisherigen Koran verpflichtet fühlten, aber auch manche Menschen in Ländern, die anderen heiligen Büchern folgten, noch sehr schwer, Allahs neue Botschaft zu akzeptieren, da sie nicht nur einen persönlichen Machtverlust befürchteten, sondern auch den Zusammenbruch der Sozialgefüge ihrer Staaten und Gesellschaften als drohendes Unheil am Horizont sahen — eine Befürchtung, die sich als unzutreffend erweisen sollte.

Nun soll man die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte oder das deutsche Grundgesetz nicht als heilige Bücher auffassen oder deklarieren, aber manch einer könnte das, was darin formuliert ist, womöglich leichter akzeptieren, wenn es ihm einstweilen als ein Text seines Gottes präsentiert würde. Die Erkenntnis, dass es Gott nie gegeben hat und nicht gibt, wird sich zu gegebener Zeit durchsetzen. Erzwingen kann man sie schließlich nicht.

Eckhardt Kiwitt, Freising

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Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (Deutsch)
Grundrechtekatalog des Grundgesetzes

Beitragsbild:
The universal declaration of human rights 10 December 1948 (Ausschnitt)
en.wikipedia.org/wiki/File:The_universal_declaration_of_human_rights_10_December_1948.jpg

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3 Antworten auf Koran verworfen — eine Zeitenwende

  1. In Anlehnung an Sure 2 Vers 256 des bisherigen Korans ließe sich für Gottesfürchtige ergänzen:

    Wer nun — nachdem Allah die Erstfassung seines Korans vollständig verworfen und eine Neufassung seines Werkes ausgegeben hat — an Allah glaubt, der …

    Denn mit dieser Neufassung gibt es jetzt tatsächlich keinen Zwang mehr im Glauben, sondern Religions-, Glaubens- und Bekenntnisfreiheit — auch dort, wo diese bislang verweigert wurde.

    Eckhardt Kiwitt, Freising

  2. Es wäre schön, wenn das Beachrung fände :D

  3. Es wäre schön, wenn …

    In Zeiten von länder- und kontinentübergreifender Kommunikation kommt das von ganz allein — siehe aktuell Algerien, Sudan, mit Einschränkung auch Brunei, bald vermutlich die Malediven (wo die Regierung noch zum 1. Januar 2008 vielen Bürgern, die Christen sind, die Staatsbürgerschaft entzogen hat, siehe Wikipedia, und wo derzeit überhaupt andere Religionen als der Islam verboten sind — ach ja, "es gibt keinen Zwang im Glauben", im Glauben, sofern man nur den "richtigen" hat). Im Vatikan und in der Katholischen Kirche hat man längst verstanden, dass sich die Machtverhältnisse und die "Wahrheits"ansprüche geändert haben, und hat die Selbstkritikphobie überwunden.

    Eckhardt Kiwitt, Freising

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