Medjugorje lebt weiter - auch bei Erwin Peterseil


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So titelte ein gewisser Guido Horst einen Artikel über den Pilgerort Medjugorje unlängst auf der Site www.vatican-magazin.de – Datum steht keines dabei, aber der Artikel stand am 4.7.2019 in der Sparte "aktuell", denn er stammt anscheinend aus der gedruckten Ausgabe des Magazins mit der Nummer 6/7-2019.

Medjugorje ist seit 1981 ein angeblicher Erscheinungsort der Gottesmutter Maria. Das katholische Problem dabei ist es, dass es den angeblichen Zeugen dieser angeblichen Erscheinungen an der nötigen Glaubwürdigkeit mangelt, bzw. umgekehrt, dass im säkularen Heute der Glaube an solche Sachen ziemlich weggeschrumpft ist.

Der Vatikan ist seit Jahren deswegen in der Bredouille, einerseits traut man sich nicht, ein vatikanisch-päpstliches JA zu den erzählten gottesmütterlichen Auftritten zu verkünden, andererseits kann man ja auch den seit vielen Jahren strömenden Pilgerzügen kein NEIN entgegenstellen. Die Lösung schaut darum wohl so aus, wie es Guido Horst im vatikanischen Magazin schildert:

"Fragezeichen werden Medjugorje auch weiterhin anhängen. Zum einen ist es ein Wallfahrtsort, zu dem jährlich Millionen pilgern. Wo sich Menschen bekehren, beichten, ihre Berufung finden. Von dem ein Impuls ausgegangen ist, der zur Gründung junger geistlicher Gemeinschaft führte, die heute segensreich wirken. Zum anderen ein Heiligtum Mariens, bei dem man nicht weiß, ob die von den sechs Sehern bezeugten Erscheinungen und Botschaften der Gottesmutter wirklich echt und glaubwürdig sind. Diese Zweideutigkeit hat die Weisung des Papstes, ganz offizielle Wallfahrten von Diözesen und Pfarreien in den bosnischen Wallfahrtsort zuzulassen, ohne dass damit die Anerkennung der Authentizität der Visionen verbunden ist, auf unabsehbare Zeit verfestigt. Diese Entscheidung von Franziskus haben der Apostolische Visitator für Medjugorje, der polnische Erzbischof Henryk Hoser, und der Apostolische Nuntius in Bosnien-Herzegowina, Erzbischof Luigi Pezzuto, bei einer Messfeier in dem Wallfahrtsort bekannt geben. Dabei handelt es sich nicht um eine Anerkennung der Echtheit der Marienerscheinungen, mit denen Medjugorje ab 1981 bekannt und zu einem Magnet für Pilgernde und Marienverehrer aus aller Welt geworden ist, sondern um eine pastorale Entscheidung, die eine bessere Begleitung der Besucher des Heiligtums ermöglichen soll."

Es gilt also beides: Es gibt keine anerkannten Marienwunder, aber die Wallfahrten zu einem nicht anerkannten Wallfahrtsort werden anerkannt! Medjugorje ist die aktuelle Widerspiegelung der esoterisch-religiösen Einfalt unter den um die 280 Millionen Katholiken in Europa, denn es sollen angeblich jedes Jahr bis zu einer Million Pilger dorthin reisen. Es sind sicherlich weniger geworden, der österr. Medjugorje-Pilgerdienst fährt das nächste Mal heuer im September. Solange die Pilgernachfrage besteht, wird die kath. Kirche das natürlich ausnutzen, weil dass Gläubige irgendwo zuhauf strömen, kommt ja nicht so oft vor…

Weiter im Text von Guido Horst: "Die Pilgerfahrt nach Medjugorje ist damit päpstlich approbiert, ohne dass der eigentliche Kern der Wallfahrten, die Erscheinungen der 'Gospa', das kirchliche Gütesiegel der Echtheit erhalten hätte, wie es etwa für Lourdes, Fatima oder Guadalupe gilt. Die von Benedikt XVI. im Jahr 2010 eingesetzte Untersuchungskommission unter Leitung des italienischen Kardinals Camillo Ruino war 2014 zu dem Ergebnis gekommen, dass bei den Erscheinungen Mariens zu unterscheiden ist. Die ersten sieben vom 24. Juni bis 3. Juli 1981 könnten echt sein. Dafür sprachen sich dreizehn Kommissionsmitglieder aus, bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung, was die Medien erst 2017 enthüllten. Wesentlich skeptischer war man, was alle folgenden Erscheinungen angeht, als die Seher und die Marienerscheinungen in den harten Konflikt zwischen dem Ortsbischof und den Franziskanern hineingezogen wurden, die die Pfarrei von Medjugorje betreuten. Allerdings sprach sich die Ruini-Kommission mit großer Mehrheit dafür aus, das Verbot offizieller Wallfahrten nach Medjugorje aufzuheben – eine Empfehlung, der Franziskus jetzt gefolgt ist."

Eine Wallfahrt darf ja nur zu einem vom Vatikan dafür bestimmten Ort erfolgen, irgendwohin pilgern darf natürlich jeder Katholik. Jetzt ist man eben offiziell in der verzwickten Lage, dass Medjugorje kein anerkannter Wallfahrtsort ist, aber die Wallfahrten als solche sind erlaubt! Weil wenn Katholiken wallfahren, dann tun sie ja was, was Katholiken tun soll…

Weiter im Text von Guido Horst: Auch wenn Zweifel an der Echtheit der bis heute anhaltenden Erscheinungen und Botschaften der Gottesmutter bestehen, auch wenn es dort Skandale gegeben hat – immerhin wurde ein früher geistlicher Begleiter der Seher laisiert und verließ den Franzsikanerorden -, auch wenn die Ortsbischöfe stets strikte Gegner der Echtheit der Erscheinungen waren: Wer guten Willens ist und beste Absichten hat, darf also gerne nach Medjugorje fahren, jetzt auch über den Weg kirchlich ganz offiziell organisierter Wallfahrten – und das Heiligtum so erleben, wie es der überwiegenden Mehrzahl von Millionen von Pilgern nun bald vierzig Jahre lang in Erinnerung geblieben ist: als Ort der Gnade, der Umkehr, der eucharistischen Anbetung und der Beichte.

Dass die Sache auch für den Vatikan selber höchst dubios ist, macht nix, wenn die Wallfahrer ernsthafte Wallfahrer sind! Woher der Glaube kommt, ist egal, ob aus der Tradition oder aus der Einbildung, wenn wer mit besten Absichten dorthin fährt, wo die Maria auch schon gewesen sein könnte, dann ist das in Ordnung! Denn Medjugorje ist zwar wohl kein Ort von Marienerscheinungen, aber ein Ort der Gnade, der Umkehr, der eucharistischen Anbetung und der Beichte. Und das geht auch ohne Maria!

Weiter im Text von Guido Horst: Das im Siechtum begriffene Christentum in Europa hat nur noch wenige geistliche Brennkammern. Medjugorje ist eine davon – und nicht wie Notre Dame als Abglanz einer großartigen katholischen Vergangenheit, sondern als lebendiges Zentrum des Glaubens. Franziskus hat pragmatisch entschieden. Und Medjugorje vor dem Aus bewahrt.

Ja, so ist es, das katholische Feuer brennt nimmer so richtig, der katholische Glaube ist siech geworden! Den meisten Kirchenmitgliedern ist die Religion längst ziemlich wurscht geworden, aber wenn es noch welche gibt, die aus eigenem Antrieb katholizieren wollen, dann müssen die zensurfreie Fahrt nach überallhin haben! Gerade schau ich aus dem Fenster! Und da seh ich wie die Maria am Nachbarhaus auf dem Kamin sitzt und den Jesus stiehlt, äh stillt! Wahrlich und wahrhaftig! Das ist so wahr wie die wahren Marienerscheinungen in Medjugorje war wahren! Oder so irgendwie…

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).