495. Wort zum Sonntag, den 11.8.2019

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SchönbornErwin Peterseil nimmt sich wieder gekonnt eine Predigt des Bischof Schönborn vor:

Lk 12,35-40: Eure Hüften sollen gegürtet sein und eure Lampen brennen! Seid wie Menschen, die auf ihren Herrn warten, der von einer Hochzeit zurückkehrt, damit sie ihm sogleich öffnen, wenn er kommt und anklopft! Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! Amen, ich sage euch: Er wird sich gürten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen. Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach – selig sind sie. Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde der Dieb kommt, so würde er verhindern, dass man in sein Haus einbricht. Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.

Die Jesuswelt war eine streng geteilte Klassengesellschaft, Herren und Knechte! Die katholische Kirche hat das in ihrer ganzen Geschichte als Selbstverständlichkeit gefunden, als im 19. Jahrhundert die Arbeiterbewegung entstand und diese anfing, Rechte für die arbeitende Bevölkerung einzufordern, war die r.k. Kirche natürlich strikt dagegen, jeder hatte auf seinem Platz zu stehen und dort zu verbleiben!

Papst Pius IX. (im Amt 1846 bis 1878) erließ 1864 die Enzyklika Syllabus Errorum ("Verzeichnis der Irrtümer"), eine Liste von 80 Thesen, die von diesem als "falsch" verurteilt wurden. Darunter fallen natürlich Dinge wie Rationalismus, Liberalismus, Sozialismus, Kommunismus, Religionsfreiheit, dass Staatsrecht vor Kirchenrechte gehe usw. Sogar in den 1930er-Jahren hielt sich der Vatikan noch für befugt die Arbeiterbewegung zu verurteilen, es hieß in der Enzyklika Quadragesimo anno von Papst Pius XI. von 1931:
"Der Sozialismus, gleichviel ob als Lehre, als geschichtliche Erscheinung oder als Bewegung, auch nachdem er in den genannten Stücken der Wahrheit und Gerechtigkeit Raum gibt, bleibt mit der Lehre der katholischen Kirche immer unvereinbar.
Er müsste denn aufhören, Sozialismus zu sein: der Gegensatz zwischen sozialistischer und christlicher Gesellschaftsauffassung ist unüberbrückbar."

Herren und Knechte, das war Christenlehre!

Der Herr Bischof Schönborn kann das heute nimmer predigen, er schreibt darum einleitend: "Manchmal merkt man deutlich, dass die Zeiten sich seit Jesus sehr gewandelt haben. Das heutige Evangelium spielt in einer Welt, die heute (zumindest bei uns) der Vergangenheit angehört. (..) Alle hatten ihren genauen Platz und Rang (..)". Dass die damalige Welt für'n allwissenden Gottessohn Jesus eine Selbstverständlichkeit war, das kritisiert Schönborn natürlich nicht! Er geht davon aus, dass der Jesus den Knechten die richtigen Tipps gibt: "Eure Hüften sollen gegürtet sein, also: Bleibt in eurer Arbeitskleidung! Und: Eure Lampen sollen brennen, also: keine Pause, keine Nachtruhe, bis der Herr geruht, vom Fest heimzukehren. Das ist alles 'normal' in der Gesellschaftsordnung von früher."

Der Herr bedient dann seine wachgebliebenen Knechte, weil aus dem Herrn wird der "Menschensohn" und aus den Knechten werden die vom "Menschensohn" wegen ihres Glaubens belohnten! Der Herr Kardinal argumentiert dann so: "Die Diener sitzen bei Tisch, und der Herr bedient sie höchstpersönlich! Er kommt spät abends nach Hause von einer Hochzeit, und statt sich bedienen zu lassen, übernimmt er selbst die niedrigsten Dienste seiner Knechte. Was will Jesus damit sagen? Er hat es oft und deutlich ausgesprochen: 'Wer unter euch der Erste sein will, der mache sich zum Diener aller.' Und er hat hinzugefügt, er sei selber nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben für die Menschen."

Schönborn schließt schließlich seine Predigt heute so: "Eine große Frage bleibt mir im Hals stecken: Wenn Jesus das so klar gesagt hat, warum haben wir das so wenig umgesetzt? Immer noch gibt es alle Arten von Rangordnungen. Auch wenn unsere Welt viel demokratischer geworden ist, Herren und Knechte gibt es nach wie vor, auch wenn sie nicht mehr so genannt werden. Vielleicht ist das unvermeidlich. Immer wird es Chefs und Untergebene geben. Die 'Jesus-Revolution' besteht nicht darin, dass niemand mehr Diener zu sein braucht. Im Gegenteil: Keiner war mehr 'Chef' als Jesus, der Sohn Gottes. Entscheidend ist, wie er 'Chef' war. Er war sich nicht zu gut, sich für uns alle zum Diener zu machen."

Das ist heute wieder eine Freude für den Wiener Bischof, weil wer sich selber klein macht, der ist der GRÖSSTE! Die katholische Lehre hat als Schwerpunkt ja bekanntlich die erbarmungslose Heuchelei, wer groß sein will, der mache sich klein, wer Erster sein will, der strebe nach dem letzten Platz! Es richten sich wohl nur sehr wenige Katholiken wirklich nach dieser seltsamen Lehre von den kleinen Großen und den großen Kleinen. Und unsereiner ist sicherlich am liebsten er selber und kein zum Heiligen geschrumpfter Heuchler!

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).

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