497. Wort zum Sonntag, den 18.8.2019

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ReligionskriegeLk 12,49-53: Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen! Ich muss mit einer Taufe getauft werden und wie bin ich bedrängt, bis sie vollzogen ist. Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf der Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, sondern Spaltung. Denn von nun an werden fünf Menschen im gleichen Haus in Zwietracht leben: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei; der Vater wird gegen den Sohn stehen und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.

Solche Zeiten sind heute in den aufgeklärten Ländern vorbei, da brennen kaum noch Leute so heftig für ihren Glauben, dass sie mit allen Nichtbrennenden verfeindet sind. Schönborn hat immerhin eine Erkenntnis dazu: "Religion bringt Unfrieden! Immer mehr Menschen haben diesen Eindruck. Viele wenden sich von der Religion ab, weil sie ihr misstrauen. Ist die Geschichte der Religionen nicht immer auch eine Geschichte der Religionskriege gewesen? Und wenn es nicht Kriege waren, so doch endlose Konflikte, gegenseitige Ablehnungen, Ausgrenzungen, Aburteilungen. Mit Religion ist kein Frieden möglich, so sind viele überzeugt."
Aber er distanziert sich dann sogleich davon und meint, solche Ansichten richteten sich heute oft gegen den Islam, aber es gebe auch andere Religionen in anderen Gegenden, wo Religionen zur herrschenden gemacht werden.

Wie hat seinerzeit die römische Anordnung geheißen, mit der anno 380 das Christentum zur Staatsreligion im Imperium Romanum befördert wurde? Im Dreikaiseredikt wurden alle anderen Religionen untersagte: "Alle Völker, über die wir ein mildes und maßvolles Regiment führen, sollen sich, so ist unser Wille, zu der Religion bekehren, die der göttliche Apostel Petrus den Römern überliefert hat, wie es der von ihm kundgemachte Glaube bis zum heutigen Tage dartut und zu dem sich der Pontifex Damasus klar bekennt wie auch Bischof Petrus von Alexandrien, ein Mann von apostolischer Heiligkeit; das bedeutet, dass wir gemäß apostolischer Weisung und evangelischer Lehre eine Gottheit des Vaters, Sohnes und Heiligen Geistes in gleicher Majestät und heiliger Dreifaltigkeit glauben. Nur diejenigen, die diesem Gesetz folgen, sollen, so gebieten wir, katholische Christen heißen dürfen; die übrigen, die wir für wahrhaft toll und wahnsinnig erklären, haben die Schande ketzerischer Lehre zu tragen. Auch dürfen ihre Versammlungsstätten nicht als Kirchen bezeichnet werden. Endlich soll sie vorab die göttliche Vergeltung, dann aber auch unsere Strafgerechtigkeit ereilen, die uns durch himmlisches Urteil übertragen worden ist."

Dieses alleinseligmachende klerikalfaschistische System herrschte bis zur Reformation, das führte dann zu den 30jährigen europäischen Religionskriegen, die proportional zur damaligen Bevölkerung gerechnet mehr Opfer forderten als der 1. und 2. Weltkrieg zusammen. Danach war die Religion nicht frei, sondern bloß in katholisch und protestantisch  zweitgeteilt – Religionsfreiheit begann sich zumindest formalgesetzlich in Europa im 19. Jahrhundert zu bilden, wirkliche Religionsfreiheit breitete sich erst im späteren 20. Jahrhundert aus, in meiner Kindheit und Jugend war in weiten Teilen die katholische Religion noch eine Art Bürgerpflicht. Auch jetzt gibt es immer noch deutliche Restspuren der einstigen katholischen Allmacht, weil sonst hätte die katholische Kirche in Österreich nicht immer noch fünf Millionen Mitglieder, von denen allerdings nur um die zehn Prozent die Religion tatsächlich durchgehend praktizieren.

Dem Bischof Schönborn ist es klar, dass tatsächlich gelebte Religion Widerspruch hervorruft, schließlich  sind die, die man in früheren Jahren in säkularen Kreisen als "Verpfaffte" zusammenfasste, eine auffällige Sondergruppe. Schönborn beschreibt das so: "Warum aber redet Jesus von Spaltungen statt Frieden? Es geht wohl darum, dass Jesus uns nicht neutral lässt. Wer sich für ihn und seinen Weg entscheidet, wird auf Widerstand stoßen, meist sogar zuerst in der eigenen Familie. Denn wer Jesus nachfolgt, wer konsequent nach dem Evangelium zu leben versucht, wird, ohne dass er es will, zum Zeichen des Widerspruchs."

Ja, konsequent nach dem Evangelium zu leben, das wird eben von sehr vielen Leuten als seltsame Narretei gesehen, auch in den Zeiten, wo es noch Bürgerpflicht war, katholisch zu sein, waren die tatsächlich wirklich echten Gläubigen eine Minderheit, die bei der durchschnittlichen Bevölkerung sozusagen unter der Hand Kopfschütteln auslösten.

Wie schließt der Herr Kardinal heute? Sein letzter Predigtabsatz lautete: "Jesus ist gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen. Es ist das Feuer des Glaubens. Nicht um blinden Fanatismus geht es, auch nicht um sture Rechthaberei, sondern um den lebendigen Glauben, um die Herzensentscheidung, mit Jesus den Weg zu gehen. Jesus verschweigt uns nicht, wie sehr er sich danach sehnt, dass dieses Feuer brennt. Wie traurig, wenn in einem Land das Feuer des Glaubens erlischt."

Das Feuer des Glaubens wurde seinerzeit zwangsweise verordnet, es brannte durch die Jahrhunderte, weil die katholische Kirche allmächtig war und nicht weil all die Menschen wirklich an die katholische Christenlehre glaubten. Das "Feuer des Glaubens" wurde von der katholischen Kirche über die Erde geworfen und es wurde getrachtet, die ganze Welt damit anzubrennen.

Wenn es in den damaligen Zeiten Religionsfreiheit gegeben hätte, so wie diese Freiheit bis 380 im römischen Reich existiert hatte, der katholische Glaube und der katholische Jesus hätten heute dieselbe Bedeutung wie der Glaube an Zeus, Jupiter, Teutates und Wotan, nämlich außer einer historischen überhaupt keine mehr. Das Feuer des Glaubens wurde künstlich aufgeheizt, heute brennt es von Jahr zu Jahr immer weniger und die Freiheit von Religion wird in absehbarer Zeit zur Selbstverständlichkeit werden. Amen. Bleiben wird wohl die Einfalt des esoterischen Aberglaubens, aber der hat zu viele verschiedene Gurus, um allmächtig zu werden…

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).

 

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