Bischof Schönborn und die Gebete

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GottLk 18,1-8: Jesus sagte ihnen durch ein Gleichnis, dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten: In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm. In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Widersacher! Und er wollte lange Zeit nicht. Dann aber sagte er sich: Ich fürchte zwar Gott nicht und nehme auch auf keinen Menschen Rücksicht; weil mich diese Witwe aber nicht in Ruhe lässt, will ich ihr Recht verschaffen. Sonst kommt sie am Ende noch und schlägt mich ins Gesicht. Der Herr aber sprach: Hört, was der ungerechte Richter sagt! Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern bei ihnen zögern? Ich sage euch: Er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen. Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, den Glauben auf der Erde finden?

Fürchtet Gott auch, dass er Watschen kriegt wie der Richter, der sich deswegen vor der – laut Schönborn – "lästigen Witwe" fürchtet? Darum zögert der Christengott nicht, die Beter, die keine Ruhe geben, zu erhören?! Aber die Zahl dieser Beter wird ja immer weniger! In früheren Zeiten wurde notgedrungen weitaus mehr gebetet! Wenn das Kind die Masern bekam, dann brauchte man Gottes Hilfe, weil eine medizinische Masernbehandlung oder gar eine Impfung gegen die Masern gab es ja noch nicht, das mussten die Menschen seinerzeit erfinden, Gott hatte nur den Masernvirus erschaffen, aber keine Gegenmittel!

Masernvirus, Wikipedia-Abbildung, PD
Und Gott erhörte die Gebete, Kinder überlebten die Krankheit, manche starben daran, dann hatten die Eltern zuwenig gebetet oder zuviel gesündigt…

Die heutige Medizin, der heutige Sozialstaat helfen den Menschen in bedrängenden Lagen ganz ohne Gotteshilfe, es passiert natürlich doch bisweilen, dass wenn jemand ins Unglück gestürzt ist, keine weltliche Hilfe mehr nutzen kann, dann gibt's wohl unter gläubigen Menschen hin und wieder noch Beter, die Gotteshilfe brauchen täten, aber viel Arbeit hat der Gott heute mit lästigen Betern nimmer…

Aber das nur nebenbei, das ist ja nur die Widerspiegelung der säkularen Entwicklung. Was meint der Herr Bischof Schönborn dazu? Betet er selber lästig und flehentlich zu seinem Gott? Droht er ihm wie die lästige Witwe dem Richter, wenn ihn sein Gott nicht erhört?

Er schreibt über die lästige Bittstellerei: "Ich gestehe, dass ich selber immer wieder diese Geschichte verwende, wenn jemand sehr drängend um etwas bittet und mir damit schon auf die Nerven geht. Oder umgekehrt, wenn ich selber der lästige Bittsteller bin, der immer wieder mit einer schon mehrmals abgelehnten Bitte kommt. So vergleiche ich mich selber, etwas humorvoll, mit dem bösen Richter oder mit der lästigen Witwe."

Und der Absatz mit der Predigtpointe lautet so: "Nur nicht nachlassen im Beten! Das will Jesus mit der aufdringlichen Witwe sagen. Gott scheint es zu lieben, belästigt zu werden. Er ist nicht der hohe Herr, der für seine Untertanen unerreichbar ist und den man in seiner abgehobenen Ferne nicht stören darf. Und doch bleibt mir eine Frage zurück: Müssen wir wirklich 'Tag und Nacht zu ihm schreien', damit er uns hilft? Weiß er denn nicht, was wir brauchen, wo unsere Not ist? Muss ich sie Gott erst erklären, damit er sie versteht? Jesus selber hat doch gesagt: 'Euer himmlischer Vater weiß, was ihr braucht.' Wozu also bitten und beten? Darauf finde ich nur eine Antwort: Beten heißt vertrauen. Vertrauen heißt glauben. Vertraue, glaube ich Gott? Dann darf ich ihn um alles bitten. Aber habe ich genug Vertrauen?"

Ja, das Vertrauen müsste wohl zuverlässig bestätigt werden! Wenn der Bischof Schönborn Gott vertraut und ihn ständig um was bittet, dann könnte er sich eine Bittenstrichliste machen und die Bitten abhaken, die erfüllt wurden, es passiert ja, dass unsere Wünsche manchmal Erfüllung finden! Aber das hat irdische Gründe, weil göttliche Gründe gibt's mangels Götter keine. Das heißt, für die Schönhorns gibt's natürlich einen wunscherfüllenden Gott: Manchmal scheint er Wünsche zu erfüllen, manchmal nicht, wie es sich eben ergibt. Uns Glaubensfreien geht's genauso, wir haben ja auch Wünsche! Auch gottfrei werden sie manchmal erfüllt und manchmal nicht, wie es sich eben ergibt…

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).


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