1. Schawwal 1437

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islam-1299211_1280Am 28. Ramadan zeitlich angepasste Fassung:

Nach gregorianischem Kalender irgendwann am 5. oder 6. Juli 2016 stellt sich die islamische Welt wieder vom Kopf auf die Füße: Der Ramadan kommt mit einem Fest namens Aïd el fitr – in deutschsprachigen Gegenden auch Zuckerfest genannt – zu seinem Ende. Dann liegen dreißig entbehrungsreiche Tage hinter den Moslems, soweit sie der Pflicht zum Ramadan nachgekommen sind, was mitnichten durchgängig der Fall ist. Nach Befragungen durch fowid nehmen in Deutschland allenfalls 50% der Moslems die Mühsal der täglichen Tortur auf sich. Das wird auch von islam.de bestätigt. Wer übrigens glaubt, dass das in so genannten „islamischen“ Ländern (mit Ausnahme der Hardliner-Staaten) völlig anders aussähe, täuscht sich über die wachsende Zahl der von mir gern als Kulturmoslems bezeichneten weniger an Religion Interessierten (Bild: OpenClipart-Vectors, pixabay).

Eines der Sprachrohre des organisierten Islams in Deutschland ist islam.de, eine Website, die darum bemüht ist, die „schönen“ und „edlen“ Seiten des Islams darzustellen. Hauptsprecher der Moslems ist FDP-Mitglied Aiman Mazyek. Durchaus lesenswert – wenn auch völlig weltfremd – ist seine Einführung in das Wesen des Ramadan http://islam.de/16161.php: „Wie einen guten Freund begrüßen Muslime den Fastenmonat Ramadan. Es ist ein Freund, der zum Innehalten anregt, zum Studium des Korans, zur Betrachtung unserer spirituellen Quellen, unserer religiösen Heimat. Es ist eine Zeit der körperlichen Entbehrung und der geistigen Erneuerung, der inneren Einkehr und der Gemeinschaft. Im Ramadan sind die Moscheen voller als gewöhnlich. Im Ramadan rücken Familien und Freunde enger zusammen, ist die Gemeinschaft der Gläubigen spürbarer als sonst. Das Fasten im Ramadan ist die dritte der fünf Säulen des Islams. Es ist ein vierwöchiger Gottesdienst, währenddessen der Mensch über die Beziehung zu seinem Schöpfer nachdenken kann und soll“.

Im Ramadan wird zudem an die Mildtätigkeit der Gläubigen appelliert. Der Zaket, eine weitere Säule des Islam, ist eine am 27. Ramadan festgelegte Summe, die jeder Moslem an Bedürftige entrichtet. Entweder man gibt dieses Geld oder auch eine Sachspende in Form von Nahrungsmitteln an einen Imam, der es an die Empfänger weiterleitet, oder man spendet direkt an eine karitative Einrichtung. Nicht selten werden Wohlhabende zu Banketten geladen, zu denen leicht 250 oder mehr Besucher zusammenkommen, die jeweils ein Iftar (das tägliche Essen zum  Fastenbrechen) zu bewusst sehr überhöhten Preisen einnehmen, damit eine stattliche Summe für die entsprechende Einrichtung zusammenkommt. Das sind – wenn man vom religiösen Hintergrund einmal absieht – sehr schöne Veranstaltungen, an denen sich zum Beispiel hier in Tunesien jeweils auch die ausländische Community lebhaft beteiligt.

Das ideale Bild des „Fastenmonats“ geht auf Mohammed selbst zurück, der angeblich während dieser Zeit seine ersten Begegnungen mit einem „Engel“ namens Gabriel hatte. Von diesem erfuhr er die Worte eines Gottes, den Moslems Allâh nennen. Gebündelt fanden diese Worte sich schließlich im Koran wieder. Erste schriftliche Aufzeichnungen der Visionen des schreibunkundigen Propheten finden sich etwa 40 Jahre nach dessen Tod. Wie viel während dieser Periode mündlicher Überlieferung von den Adepten verändert, umgestellt oder neu hinzugedichtet worden ist, entzieht sich natürlich der detaillierten Kenntnis. Viele der im Koran beobachtbaren Inkonsistenzen lassen sich aber wohl nur durch diesen Transmissionsweg erklären. Entsprechende wissenschaftliche Bemühungen um Klärung werden allerdings von nicht wenigen Moslems argwöhnisch beäugt, selbst wenn die Ergebnisse von der Universität Al Azhar in Kairo stammen, einem Forschungsort, der gemeinhin so etwas wie den Vatikan des Islam darstellt.

Die genaue Anwendung der Regeln verlangt von gesunden Moslems ab der Pubertät rund 14 bis 15 Stunden täglich und trotz Temperaturen von über 40° im Schatten die totale Enthaltsamkeit: Essen, Trinken, Rauchen sind verboten – und natürlich auch Sex.

Weiterhin sind Meditationen und die vorgeschriebenen Gebete, im Ramadan sechs statt der üblichen fünf, einzuhalten. Zudem soll sich der Moslem dazu auch noch aller „unreinen“ oder feindseligen Einstellungen enthalten – soweit sich das überprüfen lässt. Theoretisch ist eine solche genaue Befolgung, wie auch Mazyek andeutet, nur in einer Gesellschaft möglich, die während dieser Zeit Ferien nimmt, oder die sich darauf beschränkt, eine Herde Schafe und Ziegen und allenfalls einige Kamele zu hüten. In der modernen Arbeitswelt, die der muslimische Gott Allâh entweder nicht voraussehen konnte oder wollte, ist dies praktisch unmöglich. Wie sieht also die Praxis aus?

Von den in Deutschland lebenden Moslems praktiziert nach Angaben von islam.de überhaupt nur in etwa die Hälfte den Ramadan, und auch wohl mehrheitlich (soweit sie im Arbeitsleben stehen) befolgen diese nur den Essens-, Trinkens- und Rauchensteil der Regeln (hier „le jeûne“ genannt), was natürlich bereits für sich allein genommen ungemein schwer fällt.

Für die geforderte Meditation dürfte am Arbeitsplatz genauso wenig Zeit verbleiben wie für die ordnungsgemäße Verrichtung der Gebete. Man stelle sich zum Beispiel einen Fliessbandarbeiter vor, der seinen Arbeitsplatz verlässt, um neben dem Band den Gebetsteppich auszurollen! Oder einen Schullehrer, der den Unterricht unterbricht, um sein Gebet zu verrichten. Das würde die Akzeptanz von Moslems in der westlichen, ergebnisorientierten Gesellschaft sicherlich nicht befördern. Also wird es unterlassen. Das ist auch hier in Tunesien so. Man mache sich da bitte keine falschen Vorstellungen. Von etlichen weiß ich, dass sie sich zwar am Arbeitsplatz selbst zurückhalten (um dem sozialen Druck zu entgehen), doch sobald sie das Firmengelände verlassen haben, wird die erste Zigarette angesteckt und zu Hause zumindest Wasser getrunken, weil es sonst nur schwer auszuhalten ist.

Wegen dieser Unmöglichkeiten verkommt der Grundgedanke des Ramadans zur Enttäuschung nicht weniger strenggläubiger Moslems zur bloßen  Einhaltung der äußeren  Regelstruktur, der eigentliche Inhalt höhlt sich zunehmend aus. Das sehen auch die moslemischen Verbände so, aber mehr als Appelle an die nicht-moslemischen Kollegen, doch bitte Rücksicht auf die Moslems zu nehmen, fällt ihnen dazu nicht ein. Die Mehrheit soll sich nach ihren Vorstellungen der Minderheit anpassen. Das gehört zu einer ganzen Serie stetiger Forderungen von moslemischer Verbandsseite: die Aufnahmegesellschaft soll sich bewegen – man selbst hat dies nicht nötig, weil man sich im Besitz der alleinigen Wahrheit glaubt. Dieses offensichtliche Integrationsproblem wird von vielen Moslems einfach dahingehend gelöst, dass sie entweder den Regeln des Ramadan nicht mehr folgen, oder die Exerzitien am Abend nach der Arbeit nachholen.

Eine adaptive Lösung der schwierigen Regel, die die Flüssigkeitsaufnahme verbietet, was nicht selten vor allem bei Älteren zu Dehydrationsbeschwerden bis hin zu echten gesundheitlichen Schäden oder gar zum Tod führt, lieferte bereits vor langer Zeit der Gründungspräsident des modernen Tunesiens, Habib Bourguiba, als er im Fernsehen die Frage, ob er den Ramadan befolge, schlicht mit „Nein, ich arbeite“ beantwortete. Ostentativ leerte er ein Glas Wasser nach seiner Antwort. Von den „Rechtgläubigen“ in der islamischen Gesellschaft wird er seither als Apostat bezeichnet. Der Koran verlangt für Menschen wie ihn die Todesstrafe. Die wird aber derzeit nur in den sehr extremen islamischen Ländern wie Saudi-Arabien oder Iran exekutiert.

Die Reduzierung des Ramadan auf die nur äußere Einhaltung der Fastenregeln unter Auslassung der meditativen Anforderungen gibt einen Hinweis darauf, in welche Richtung sich ein sogenannter moderater Islam entwickeln könnte, nicht etwa durch Selbstreform, dazu erscheint er derzeit unfähig, sondern durch den Druck moderater Moslems, die angesichts der doppelten Anforderungen zwischen Religion und Arbeitswelt praktische Lösungen suchen. So wird auch die Flüssigkeitsaufnahme tagsüber nicht auf ewig das Tabu bleiben können, das es heute vielfach noch ist. So bedienen sich zum Beispiel die 60 Näherinnen, die im Unternehmen meiner Frau arbeiten, nach anfänglichem scheuen Zögern inzwischen wie selbstverständlich an den aufgestellten Automaten, die gekühltes Wasser anbieten.

Die Adaptation an modernere Erkenntnisse und Notwendigkeiten, von Christen und Juden kulturell längst umgesetzt, wird auch den Islam nicht ausklammern, wenn er sich dauerhaft in den europäischen Kulturen etablieren will. Einen Anfang zu den erforderlichen Veränderungen hat in Deutschland der inzwischen emeritierte Göttinger Professor Bassam Tibi gemacht, dessen Vorschläge für einen „Euro-Islam“, ausgerichtet an dem von ihm eingeführten Begriff der „Leitkultur“, vieles von dem, was am Islam stört wie etwa die Scharia oder die Rolle der Frauen, als entweder zweitrangig einstufen, oder dessen völlige Abschaffung einfordern. Inzwischen gibt es auch im Netz, oft von Frauen betrieben, säkular-moslemische Seiten, auf denen Angleichungen der strengen Systematik an das moderne Leben gefordert werden. Unter „säkular-moslemisch“ wird generell ein Islam verstanden, der sich den Anforderungen unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung stellt und die Trennung zwischen Religion und Staat fordert. Man kann solche Bestrebungen nur voll unterstützen, denn genauso wenig, wie es gelingen wird, zum Beispiel den Katholizismus völlig abzuschaffen, wird es möglich sein, etwa den Islam zu verbieten. Also muss er gemeinschaftsverträglicher werden, wie dies ja in Teilen zumindest selbst mit den Kirchen gelungen ist – nicht von heute auf morgen, aber immerhin in überschaubarer Zukunft.

Wenn auch nicht gerade in Saudi-Arabien, so doch in den Randländern des Islam wie zum Beispiel in Tunesien, beginnt der innere Widerstand gegen die als unangemessen empfundene Tortur auf weniger intellektuelle Weise. Man beginnt zu erkennen, in welchem Umfang  die Volkswirtschaft durch die strikte Einhaltung der Ramadan-Regeln beeinträchtigt wird. Ein vernünftiges, durchgehendes Arbeiten ist häufig gar nicht möglich, wenn man nur noch in miesepetrige und unleidliche Gesichter blickt. Die Auswirkungen von Nährstoffmangel auf das Wohlbefinden und die Denkfähigkeit sind in den fortschrittlicheren Ländern längst wissenschaftlich detailliert erforscht und gut bekannt. Selbst einfacher veranlagte Hijab-Trägerinnen trauen sich inzwischen trotz des enormen sozialen Drucks, bei anstrengenden Arbeiten in der Hitze, die Wasserflasche in Griffweite zu haben. In manchen Belegschaften finden sich die strikten Befolger bereits in der Minderheit. Dies gilt nota bene in Tunesien, in Einschränkungen auch in Algerien. In Marokko hindert der §222 des Strafgesetzbuches eine Aufweichung der religiösen Vorschriften. Öffentliches Ramadanbrechen untertags wird mit Gefängnis bestraft. Immerhin existieren bereits an den König gerichtete Initiativen, dieses Gesetz aufzuheben oder abzumildern.

Ein gesondertes Problem stellt die ständige Übermüdung dar, was sich in einer stark erhöhten Unfallrate auf den Strassen zeigt. Zum Verständnis dieses Phänomens muss man sich den Ablauf einer typischen Nacht im Ramadan vor Augen führen. Abends um ca. 19 Uhr ist Iftar, das Ramadanbrechen. Da wird dann wegen des tagsüber erlittenen Mangels gegessen was das Zeug hält (man spricht selbst hier in Tunesien respektlos von „la grande bouffe“ wie der gleichnamige Film: Das große Fressen). Anschließend geht es auf die Strasse, um sich mit Freunden und Bekannten in den Cafés zu treffen, was bis ungefähr Mitternacht dauert. Dann ab nach Hause und noch ein paar Süßigkeiten hineingestopft. Spätestens kurz nach 3 Uhr bimmelt der Wecker (in Kairo und anderen großen Städten geht eigens ein Ausrufer um, der die Leute weckt), denn spätestens gegen 4 Uhr ist es wieder vorbei mit der Nahrungsaufnahme. Dass dieser Schlafmangel nicht gerade dazu beiträgt, die Sicherheit im Verkehr zu erhöhen, liegt auf der Hand. Ich war selbst Zeuge der bizarrsten Unfälle, die unter normalen Bedingungen einfach nicht passieren. Der Grund immer wieder derselbe: am Steuer sanft entschlafen!

Das selbst auferlegte Leiden dokumentiert sich am besten in der Reaktion der Betroffenen selbst: Spätestens eine Woche vor Ablauf des „heiligen“ Monats beklagt sich die Mehrheit und zählt nur noch die Tage, bis endlich der 1. Schawwal erreicht ist. Dann beginnt das Leben wieder. Die islamische Welt steht wieder auf den Füssen.

Nachtrag: In der besonderen Situation Tunesiens sei mir eine Randbemerkung erlaubt. Nach der Revolution wurden alle einsitzenden Extremisten (soweit es nicht Schwerstkriminelle waren) aus den Gefängnissen entlassen. Sie bilden das harte Rückgrat extremistischer Parteien wie Ennahdha des Sheikhs Rachid al-Ghannouchi. An deren extremem Rand wiederum befinden sich die eingefleischten Salafisten, die bereits Kinos in Brand gesteckt haben, Frauen ohne Kopftuch gern mal an den Haaren ziehen, oder sommer-leicht bekleidete Mädchen auffordern, sich züchtig zu bekleiden. Da etliche Cafés in den größeren Städten den Nichtbefolgern weiterhin Getränke und Essen anbieten, befürchtet die Polizei nun Anschläge auf solche Orte und hat die Sicherheitsvorkehrungen entsprechend erhöht. Ich kann nur hoffen, dass diese Maßnahmen von Erfolg gekrönt sein werden, da ich keinen höhnischen Artikel zu einem evtl. Fall in bestimmten Publikationen lesen möchte.

 

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34 Antworten auf 1. Schawwal 1437

  1. ilex (E. Ahrens) sagt:

    Auch Rauchen verboten? Wo doch zu Zeiten des Propheten Amerika noch garnicht entdeckt worden war? Wer hat denn diese blöde Fatwa erlassen? Zigaretten hätten doch ein so gutes Mittel Allahs sein können, das Hungergefühl zu überbrücken.

    Aber klar – hier sind harte Männer gefordert. Letztlich ist Ramadan nichts weiter als eine Vorbereitungsübung für Kriegerentbehrung. Mit Fasten im gesundheitlichem Sinn hat das in keinster Weise zu tun. Vor allen der Verzicht auf Trinken kann nur Training des Wüstenkriegers sein – ansonsten ist dies völlig idiotisch. Eigentlich soll Ramadan nur beeindruckend zeigen, wozu der Djihadist imstande ist.

    Dass viele Islamer die Ramadan-Sache entspannter sehen, kann ja nicht verkehrt sein. Hoffentlich setzt sich die Masse gegen die Hardliner durch. Je mehr nicht mehr mitmachen, um so besser.

  2. Ein Teil von jener Kraft sagt:

    Einen gesegneten Ramadan erst mal an alle. Ich werde nur eine Hälfte einhalten. Die Nachthälfte ;-)

    Nach Befragungen durch fowid nehmen in Deutschland allenfalls 50% der Moslems die Mühsal der täglichen Tortur auf sich. Das wird auch von islam.de bestätigt.

    Hm, ist das nun viel oder wenig? Der Ramadan ist auf jeden Fall von allen Geboten des Islams dasjenige, was am strengsten befolgt wird. In der BMI-Studie „Muslime in Deutschland“ von 2008 finden sich folgende Zahlen hinsichtlich der Einhaltung der Fastengebote (beziehen sich auf die Muslime in Deutschland der jeweiligen Glaubensrichtung bzw. Herkunftsländer. Der Rest zu 100% halten die Gebote nach eigenen Angaben teilweise ein):

    Sunnitisch 70,3% ja, 20,1% nein

    Schiitisch  38,4% ja, 24,4% nein

    Alevitisch 21,2% ja,24,3% nein (A. fasten nicht unbedingt im Ramadan aber zu anderen Zeiten)

    SO-Europa 27,2% ja, 37,1% nein

    Türkei 61,4% ja, 22,3% nein

    Ex-SU 9,1% ja, 77,3% nein

    Iran19,1% ja, 11,8% nein

    S-SO-Asien 52,1% ja, 31,1% nein

    Naher Osten 55,8% ja, 20,3% nein

    N-Afrika 78,2% ja, 11,5% nein (die sind damit die besten Pflichterfüller)

    Sonstiges Afrika 60,0% ja, 26,7% nein

    Aiman Mazyek … „Wie einen guten Freund begrüßen Muslime den Fastenmonat Ramadan. Es ist ein Freund, der zum Innehalten anregt, zum Studium des Korans, zur Betrachtung unserer spirituellen Quellen, unserer religiösen Heimat. Es ist eine Zeit der körperlichen Entbehrung und der geistigen Erneuerung, der inneren Einkehr und der Gemeinschaft. Im Ramadan sind die Moscheen voller als gewöhnlich. Im Ramadan rücken Familien und Freunde enger zusammen, ist die Gemeinschaft der Gläubigen spürbarer als sonst …“.

    Da ist durchaus was dran, der R hat auch seine feierlichen Momente. Man hält eine gemeinsame Hauptmahlzeit (was außerhalb des R. nicht unbedingt in jeder Familie Usus ist) und besucht sch auch gegenseitig (wobei man sich her praktischerweise nicht groß verabreden muss, man weiß ja ganz genau wann die anderen essen).

    Die Auswirkungen von Nährstoffmangel auf das Wohlbefinden und die Denkfähigkeit sind in den fortschrittlicheren Ländern längst wissenschaftlich detailliert erforscht und gut bekannt.

    Hm, speziell zum Thema Ramadan scheint da noch nicht viel Forschungsarbeit geleistet worden zu sein. Wer den nötigen Zugang hat, gebe mal das Stichwort „Ramadan“ in das ISI Web of Science oder in Scopus ein (das sind Datenbanken, welche Artikel aus wissenschaftlichen Zeitschriften listen, Unis haben meistens Zugang). Da gibt es nicht viel, vor allem nichts politisch inkorrektes.

    In Marokko hindert der §222 des Strafgesetzbuches eine Aufweichung der religiösen Vorschriften. Öffentliches Ramadanbrechen untertags wird mit Gefängnis bestraft.

    Ich denke aber, das der Punkt, der die Marokkaner zum Einhalten der Gebote treibt, nicht die Angst vor der Polizei ist, sondern eher der Gruppendruck und die Überzeugung, dass sie von ganz oben tatsächlich jemand beobachtet. Touristen sind nicht betroffen, es haben auch weiterhin Straßencafés geöffnet, welche an Touristen servieren (die meisten machen aber zu, auch weil Marokkaner die Angewohnheit haben, sich tagsüber einfach ins Restaurant zu setzen und dann mit Verweis auf die Fastengebote nichts zu bestellen, sondern einfach nur hier sitzen zu möchten). Wenn man als Marokkaner diskret einen Schluck aus der Flasche nimmt wird man auch nicht gleich verhaftet (bzw. man redet sich ggf. auf gesundheitliche Probleme, Regelblutung o.ä. heraus), aber wenn man sich auf Facebook zu einem Picknick im Wald verabredet riskiert man einen Polizei-Großeinsatz mit anschließender wochenlanger Anprangerung als Staatsfeind in der Presse.

    Ein gesondertes Problem stellt die ständige Übermüdung dar, was sich in einer stark erhöhten Unfallrate auf den Strassen zeigt.

    Es gibt (manipulierte?) Studien die das genaue Gegenteil behaupten, nämlich dass in manchen Ländern die Unfallrate im R sinkt. Warum, sei dahingestellt (klar, wenn Leute den ganzen Tag zu Hause schlafen, können sie keinen Unfall bauen).

    Abends um ca. 19 Uhr ist Iftar, das Ramadanbrechen. Da wird dann wegen des tagsüber erlittenen Mangels gegessen was das Zeug hält (man spricht selbst hier in Tunesien respektlos von „la grande bouffe“ wie der gleichnamige Film: Das große Fressen).

    Nun ja. Weihnachten ist auch nicht gerade das Hochfest der gesunden Ernährung. Und zu Weihnachten wird dem Fressen kein Fasten vorangestellt. Jedenfalls, wenn man während des großen Fressens doch raus auf die Straße geht, genießt man einen paradiesischen Moment der Stille … (einige marokkanische Bekannte haben mir jedoch erzählt dass sie zu dem Zeitpunkt in ihrer Jugendzeit gern Autorennen auf der Straße veranstaltet haben, also Vorsicht ist trotzdem geboten). 

  3. Frank Berghaus sagt:

    Zu den Auswüchsen des Ramadan siehe auch den folgenden Artikel:

    Ramadan, Kauforgie und Völlerei

    http://www.heise.de/tp/artikel/21/21231/1.html

  4. Tolkewitzer sagt:

    #1 ilex (E. Ahrens) am 4. August 2011 um 02:13

    Auch Rauchen verboten? Wo doch zu Zeiten des Propheten Amerika noch garnicht entdeckt worden war?

    Da siehste mal, wie weitsichtig der Alte war!;-)

    Dass viele Islamer die Ramadan-Sache entspannter sehen, kann ja nicht verkehrt sein. Hoffentlich setzt sich die Masse gegen die Hardliner durch. Je mehr nicht mehr mitmachen, um so besser.

    Ich fürchte, der Massendruck ist in der Fremde stärker, weshalb auch in Deutschland die Moslems häufig religiöser sind, als im Mutter- oder Vaterland. Auch die Salafisten haben hier vor allem unter der Jugend einen enormen Zulauf.

  5. Uwe Lehnert sagt:

    Ein hilfreicher und sachkundiger Bericht, gewürzt mit Beispielen aus eigener Anschauung – danke! Ich denke – wie der Verfasser das auch andeutet – dass die Konfrontation einer Religion mit der modernen Arbeitswelt – hier speziell die Regeln des Ramadan, die tief in den Berufsalltag eingreifen – zu einer allmählichen Aushöhlung dieses mittelalterlichen Glaubensgebäudes führen wird.

    So wie ja auch bei uns in großem Umfang christlich-kirchliches Verhalten sich inzwischen auf Äußerlichkeiten beschränkt und allenfalls soweit mitgemacht wird, dass einem daraus keine negativen gesellschaftlichen und beruflichen Nachteile erwachsen. Man kann es an den meist „glaubenslos“ vollzogenen Ritualen bei kirchlicher Hochzeit oder Beerdigung oder an Festen wie Ostern oder Weihnachten beobachten: Ereignisse wie diese haben aus dem einst inbrünstig gelebten Glauben einen äußerlichen Handlungsvollzug gemacht, der den eigentlichen Inhalt längst verdrängt und vergessen gemacht hat. Das Ritual hat sich verselbstständigt und wirkt allein – mitunter wiederum sogar auch auf Ungläubige – durch seine Jahrhunderte lang entwickelte Ästhetik.

    Insofern haben wir es bei solchen traditionellen Glaubensfesten bei ganz vielen Menschen nur noch mit einem Gebräu von traditionellen Glaubensresten, Notwendigkeiten des modernen Lebens und innerer Distanzierung aufgrund aufkeimender Aufklärung zu tun, das nur deswegen noch hingenommen wird, weil man das alles sowieso nicht mehr so ernst nimmt. 

  6. Frank Berghaus sagt:

    #5 Uwe Lehnert am 4. August 2011 um 10:13

    Es bleibt zu hoffen, dass sich auch der Glaube an Allâh irgendwann einmal in Folklore erschöpft wie dies weitestgehend inzwischen beim Christentum der Fall ist.

    So wie ich (Atheist seit 50 Jahren!) einen Weihnachtsbaum aufstelle (auf Bitten meiner moslemischen Frau!), so werden hoffentlich auch bald die grossen islamischen Feste ihres eigentlichen Sinns entleert sein, inshallah!

  7. Azrail sagt:

    #1 ilex (E. Ahrens)

    Ilex, das mit dem Rauchverbot hat alleine mit dem Tabak nichts zu tun, gemeint war damals Opium und ähnliche Substanzen, Haschisch war da nicht dabei. Außerdem wurden die Fatawas immer wieder der Zeit angepaßt. So what, wem es "Spaß" macht.
    Kranke, Schwangere und bei der Regelblutung ist das Fasten sowieso nicht erlaubt. Wer von diesen betroffenen Gruppen es dennoch mach, hat den besonderen Segen.
    Ich denke, dass wird irgendwann genauso zur Folklore werden wie bei uns.

  8. Argutus sagt:

    #6 Frank Berghaus am 4. August 2011 um 10:22

    Es bleibt zu hoffen, dass sich auch der Glaube an Allâh irgendwann einmal in Folklore erschöpft wie dies weitestgehend inzwischen beim Christentum der Fall ist.

    Ich bin zuversichtlich, daß das eines Tages so sein wird und hoffe nur, daß bis dahin nur noch wenige Male ein Jahrtausendwechsel eintritt. :-)

  9. Frank Berghaus sagt:

    #8 Argutus am 4. August 2011 um 14:29

    ein solcher Wandel wird sicherlich nicht (wann auch immer ;-) ) auf einen Schlag eintreten, sondern in den verschiedenen Weltgegenden sicherlich zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten. Bassam Tibis Hoffnung war ja immer, das dies in Europa ziemlich unmittelbar geschehen könne. Leider ist dort (aufgrund der Diaspora-Situation) bei einer grossen Menge der Moslems eher das Gegenteil in der Entwicklung.

    Ich setze meine Hoffnung eher auf die Randstaaten des Islam, die Leuchtfeuer des Wohlstands (ohne Öl) und gleichzeitiger offener Gesellschaft werden können. Gute Ausbildung und ein "kampfloses" Umfeld sind eine Grundvoraussetzung dafür.

  10. Eistee sagt:

    Da habe ich die letzten Tage erst wieder ein paar interessante Dinge beobachten können. Vermutlich werde ich dadurch mehr persönliche Informationen ausplaudern, als mir lieb ist, aber ich denke, dass es sich in einem akzeptablen Rahmen befindet. 

    Ich studiere an der Universität Duisburg-Essen. Im Vergleich zu anderen Universitäten studieren dort wesentlich mehr Türken und Araber. Wenn man sich nun die Cafeteria und die Mensa anschaut, dann sieht man, dass zumindest meinem Empfinden nach sicher 90% entweder erst diese Orte gar nicht mehr betreten oder nichts konsumieren. Ob dann so viele wirklich fasten oder sich einfach nicht vor ihren ebenfalls muslimischen Freunden nicht "outen" wollen, kann ich nicht natürlich beurteilen. 

    Aber Gruppendruck ist keinesfalls abwegig.

    Als ich vor zwei Tagen in McFit war, einem Fitness-Center mit "einem hohen Anteil an jungen Migranten", waren zu dem Zeitpunkt lediglich zwei Araber dort, die jeweils eine kleine 500ml Flasche Wasser bei sich trugen. Als sie mich, einen vermeintlichen Moslem, sahen versteckten sie die Flaschen hinter ihren Handtüchern, obwohl ich selbst eine 1,5 L Flasche in meiner Hand hielt. Ohne Wasser Fitness zu betreiben ist natürlich Irrsinn…

    Das Fasten finde ich recht schwachsinnig. Bis die Sonne untergeht nichts essen und trinken und danach soviel essen wie noch nie. Zur Fastenzeit sollen ja einige Leute richtig zunehmen. 

    Das Fasten der Aleviten unterscheidet sich vom Fasten der anderen. Sie fasten zu einer anderen Zeit "nur" zwölf Tage lang. In dieser Zeit darf keinem lebenden Wesen schaden zugefügt werden. Also gibt es während dieser zwölf Tage kein Fleisch. Wie es mit Eiern und Milchprodukten aussieht, weiß ich momentan nicht. Das Trinken von klarem Wasser ist ebenfalls die ganze Zeit über verboten. Von daher trinkt man Tee oder Softdrinks. Rein theoretisch kann man auch Wasser zum Beispiel mit Lebensmittelfarbe färben. Es darf nur nicht klar sein. 

    So kenne ich das zumindest von meinen Eltern. Es ist für jeden eine persönliche Angelegenheit. Ich habe meinen Eltern vor langer Zeit klargemacht, dass ich mit Religion nichts anfangen kann. Für sie ist es halb so wild.Generell fiel mir unter den Aleviten, die ich persönlich kenne, kein Gruppenzwang auf. Bei anderen Muslimen habe ich einen anderen Eindruck.

    Ich schreibe das hier nicht um zu verallgemeinern. Weder alle Aleviten werden tolerant sein, noch alle Sunniten oder Schiiten intolerant. Ich wurde zum Beispiel von Sunniten gefragt, ob ich fasten würde und auf mein Verneinen kam nur ein "Ok". Geächtet gefühlt habe ich mich seitdem nicht. Lustigerweise wird man nie gefragt, ob man überhaupt religiös ist. Davon wird einfach ausgegangen. Dazu erzählte mir ein Pole vor einiger Zeit, dass man in Polen ebenfalls niemals gefragt werden würde, ob man katholisch, evangelisch oder gar religiös sei, weil es selbstverständlich wäre katholisch zu sein.

  11. Frank Berghaus sagt:

    #10 Eistee am 4. August 2011 um 14:51

    Gruppenzwang ist in der Tat ein wichtiges Stichwort. Man outet sich nur ungern und wenn, dann nur, wenn man weiss, dass der andere eher offen ist.

    Ich hatte gestern zwei Klempner im Haus, denen ich wie normal üblich Wasser anbot, was beide ablehnten. Als einer der beiden fortging, um ein fehlendes Teil zu besorgen, bat mich der Verbliebene sofort um ein Glas Coca und rauchte hastig eine Zigarette. Als ich ihn etwas fragend anlächelte, zuckte er nur mit den Schultern und sagte: "al hayett saîba" = das Leben ist schwer, und damit war die Angelegenheit erledigt :-)

  12. Argutus sagt:

    #10 Eistee am 4. August 2011 um 14:51

    Das Fasten finde ich recht schwachsinnig. Bis die Sonne untergeht nichts essen und trinken und danach soviel essen wie noch nie. Zur Fastenzeit sollen ja einige Leute richtig zunehmen.

    Ich bin nicht bereit, das überhaupt "Fasten" zu nennen. Es ist doch nichts weiter als eine (noch dazu sehr unvernünftige) Verteilung der Nahrungsaufnahme über den Tag. Wenn dann sogar noch mehr gegessen wird als außerhalb der "Fastenzeit", dann ist diese Bezeichnung vollends unsinnig.

  13. Frank Berghaus sagt:

    #12 Argutus am 4. August 2011 um 15:07

    Das Französische hat es hier leichter. Es unterscheidet zwischen "le carême" = Fasten als kontrolliert verminderte Nahrungsaufnahme (wie etwa bei Katholiken) und "le jeûne" = totale Verweigerung der Nahrungsaufnahme bei Tageslicht. Niemand würde hier den äusseren Teil des Ramadan als "carême" bezeichnen. Ich weiss nicht, warum das Deutsche in diesem Punkt so einfallslos ist ;-)

  14. Uwe Lehnert sagt:

    #8 Argutus am 4. August 2011 um 14:29

    Ich bin zuversichtlich, daß das eines Tages so sein wird und hoffe nur, daß bis dahin nur noch wenige Male ein Jahrtausendwechsel eintritt.

    Es hat mich ungemein beruhigt, dass Argutus nur noch wenige Jahrtausendwechsel erwartet, bis aus dem Islam fröhliche Folklore wird. 

  15. Rechtspopulist sagt:

    #14Uwe Lehnert am 4. August 2011 um 16:45

    Islam ist ein politisches System. Wie auch immer dieses aus der Geschichte verabschiedet werden wird: Das wird keine unblutige Sache bleiben.

  16. Saejrlaenner sagt:

    Die Geschichte von meinen früheren Gartenbaukollegen, von denen einer mitten im Hochsommer auf der Baustelle gefastet hat, habe ich wohl oft genug erzählt.

    Davon abgesehen gehe ich davon aus, daß es den meisten Moslems wohl lieber ist, wenn Ramadan sich mit Weihnachten überschneidet.

    WiM: Ich habe nicht feststellen können, warum ich dieses Posting erst freischalten musste, sorry. An Deinen häufigen Postings bei QQ liegt es jedenfalls nicht :-) Das ist uns ziemlich egal. Ah, jetzt habe ich gesehen, dass du die Weckstaben verbuchselt hast

  17. Saejerlaenner sagt:

    @ WiM

    An Deinen häufigen Postings bei QQ liegt es jedenfalls nicht :-) Das ist uns ziemlich egal.

    Warum sollte euch das nicht egal sein? Ich lästere dort nicht über euch und hier nicht über die. Wenn ich meine, was zu maulen zu haben, dann äußere ich das in der Regel da, wo es ankommen soll, und nicht hintenrum :wink:

  18. Frank Berghaus sagt:

    #17 Saejerlaenner am 4. August 2011 um 22:30

    Weiss ich doch! Maul bitte hier rum, wenn Du willst, bisher haben wir davon aber noch nicht sehr viel gehabt ;-)

    Da sind andere ganz anders.

     

  19. Saejerlaenner sagt:

    #18 Frank Berghaus am 4. August 2011 um 22:36

    Habs scheinbar geschafft, ist mir noch nie passiert bisher (ich senfe dort auch nur höchst selten rum):

    #70 Saejerlaenner   (04. Aug 2011 22:35)   Your comment is awaiting moderation.

    Was ein „Zufall“ – ARD „berichtet“ über PI und bei denen kracht der Server zusammen. Kein Wunder. Aber eins könnte man wirklich mal anmahnen: Warum löschen die bei PI nicht die wirklich asozialen Kommentare, auf die sich die ARD nun mit Vergnügen stürzt? Ausdrücke wie „Muselaffen“ und Ansagen wie „Warum glauben die Moslems, wir könnten ihnen nicht den Hals durchschneiden“ haben auf einer Seite, die seriös daherkommen will, nichts zu suchen. Wer einen solchen Blog betreibt, hat die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, die Kommentare solcher Idioten zu löschen, moralisch sowieso, aber schon allein aus dem Grund, sich nicht in dem Maße angreifbar zu machen, wie es PI gerade erfährt. Verdammte Schlamperei.

    #52 liberty (04. Aug 2011 22:16)

    “und wieder… 2 saudumme Kommentare ausgewählt und damit das ganze Anliegen von PI diskreditiert.”

    Ja, genauso läuft das. Ist doch klar. Dann soll PI eben den Blog sauber halten!

    Mal sehen, ob sie es freischalten. Wenn nicht – wen juckts :smile:

  20. Frank Berghaus sagt:

    #19 Saejerlaenner am 4. August 2011 um 22:41

    Andere beklagen sich auch gerade per Mail bei mir, dass sie nicht einmal moderiert werden, sondern erst erscheinen und wenige Minuten später gelöscht werden. Und dabei sind diese Kommentare, die ich hier leider nicht veröffentlichen darf, völlig harmlos und wären sogar in einem "seriösen" PI-sinn, fall es dergleichen gäbe :sad:

  21. Saejerlaenner sagt:

    #20 Frank Berghaus am 4. August 2011 um 22:46

    Sie könnten sich ja selbst "veröffentlichen". In der Regel ist es nicht meine Art, aber ich habs, weil ichs für wichtig halte, auch bei der QQ reingesenft, und ich bin sicher, daß die entsprechenden Leute es auch lesen werden.

    Wenn man ein seriöses Anliegen hat (und davon gehe ich bei PI nach wie vor aus), dann muß man dafür sorgen, daß es einem nicht irgendwelche Idioten in den Dreck ziehen. Sowohl Autoren als auch Kommentatoren.

  22. Frank Berghaus sagt:

    #21 Saejerlaenner am 4. August 2011 um 22:52

    Ich habe gesehen, Du bist bei beiden freigeschaltet. Sone gute siegerländische Wildsau hat auch Vorteile, die aber bildlich nur bei uns sichtbar werden :-)

  23. Frank Berghaus sagt:

    Auch während des Ramadan (in dem jegliche Parteiwerbung untersagt ist) gehen die Vorbereitungen für die Wahlen am 23. Oktober zügig weiter. Hierzu hat das Parlament in Tunesien gestern ein wichtiges Gesetz auf den Weg gebracht, das ich als vorbildlich bezeichne.

    Parteien dürfen ausschliesslich von Privatpersonen Spendengelder annehmen. Alle Spenden von Firmen oder Organisationen, die bisher oder zukünftig eingehen, werden den Parteien entzogen und in einen Fonds eingebracht, der nach den Wahlen entsprechend den Stimmanteilen verteilt wird.

    Das trifft natürlich ganz im Besonderen Ennahdha (die Extremisten), die aus der Türkei (AKP) aufwändig finanziert wurde. Das Schöne dabei: somit finanziert die AKP unter dem Strich echte Demokraten und nicht die Extremisten. Ob Erdogan sich das so gedacht hat? ;-)

  24. Argutus sagt:

    #23 Frank Berghaus am 5. August 2011 um 11:12

    Parteien dürfen ausschliesslich von Privatpersonen Spendengelder annehmen

    Das Gesetz kommt mir zahnlos vor. Was hindert denn eine Firma oder Organisation daran, einer Privatperson Geld zu geben, damit die es dann spendet?

  25. Frank Berghaus sagt:

    #24 Argutus am 5. August 2011 um 11:15

    Natürlich ist ein gewisser Schmu in diesem Punkt nicht auszuschliessen, doch muss die Privatperson den Nachweis bringen, dass die Spende aus eigener Tasche stammt. Und wie soll wohl ein Bauarbeiter mit 400.- Dinar im Monat und vierköpfiger Familie glaubhaft machen, dass er aus eigener Tasche 1.000.- Dinar spendet?

    Das ist also eher über die Reichen möglich, die ohnehin Geld haben, doch das sind nicht gerade die Anhänger der Extremisten. Solche sind in der Regel die Benachteiligten der Gesellschaft. Wirklich gut ist aber, dass alle bisher eingegangenen Gelder in den Fonds müssen – und das dürfte das Gros der Spenden insgesamt ausmachen. Insoweit ist es gut, dass dieses Gesetz erst gestern gekommen ist und nicht vor Monaten :-)

  26. Argutus sagt:

    #25 Frank Berghaus am 5. August 2011 um 11:28

    Wirklich gut ist aber, dass alle bisher eingegangenen Gelder in den Fonds müssen

    Daß das Gesetz auch rückwirkend gilt, ist zwar rechtlich bedenklich aber politisch sinnvoll und wünschenswert. Ich finde, daß ganz allgemein im Leben das faktisch Richtige dem formal Richtigen vorzuziehen ist.

  27. Frank Berghaus sagt:

    #26 Argutus am 5. August 2011 um 11:51

    Es ist auch insoweit gut, weil damit die Diskussion über die Illegalität der Auslandsfinanzierung elegant umschifft wurde. Die jetzige Lösung ist sicher einem langwierigen Verbotsverfahren gegen Ennahdha wegen der türkischen Gelder vorzuziehen. Die haben sich schon was dabei gedacht und Ennahdha verliert zwar jetzt viel Geld, entgeht aber dem Verfahren.

  28. KDL sagt:

    @ Frank:

    Vielen Dank für den sehr interessanten Artikel, der zudem die verschiedene Aspekte offenlegt. Und vor allem: Der Artikel hebt sich wohlzuend von anderen "bestimmten Publikationen" ab ;-)

    Dass sich manche dem Gruppenzwang beugen, kann ich ja noch gut nachvollziehen. Aber Ich werde nie verstehen, wie sich jemand freiwillig(!) so einer Tortur unterziehen kann. Dazu fehlt mir aber offensichtlich das Religiositätsgen.

  29. Azrail sagt:

    #28 KDL

    Ob man da ein bestimmtes Religionsgen benötigt oder nicht, hmmm, da denke ich, dass man da unterschiedliche Meinungen haben kann.
    Was die Sache mit dem Ramadan-Fasten angeht, da bin ich mir absolut sicher, dass dies vollkommen ungesund und sogar gesundheitsschädlich ist. Am Fasten selbst ist ja gar nichts auszusetzen, wenn ich einen gesundheitlichen Vorteil mir erhoffe. Fasten bedeutet nicht hungern und dursten, sondern auf bestimmte Sachen verzichten.

    Aber dieses 12stündige Hungern und Dursten, sogar an heißen Tagen und Wochen, ist absoluter Nonsens.
    Es fördert sogar Diabetes 2 und es ist kein Zufall, dass in den muslimischen Ländern, die Anzahl der Diabetes-Patienten auffällig hoch ist. Dies ist kein Zufall wie gesagt.

  30. KDL sagt:

    #29 Azrail

    Zunächst mal: Was du zur Gesundheitsschädlichkeit des Ramadans geschrieben hast, ist selbstverständlich völlig richtig.

    Das mit dem "Religiositätsgen" war natürlich nicht ganz ernst gemeint, sondern als Seitenhieb gegen Gutmenschen und Medienleute gedacht, die das Wort "Gen" nicht nur im Übermaß, sondern als Kampfbegriff ge-/missbrauchen.

    Ansonsten hätte ich geschrieben "mir fehlt die religiöse Ader". Ich bin der Meinung,dass man entweder religiös ist oder nicht. Ob das jetzt durch die Erziehung kommt oder oder angeboren ist, vermag ich auch nicht zu sagen. Meine Eltern sind bzw. waren auch nicht religiös, aber es wäre vermessen zu sagen, dass das die Ursache ist. Außerdem gibt/gab es reichlich Fälle, wo "Atheisten" später doch plötzlich religiös geworden sind. Z.B. in einer Lebenskrise. Ich denke aber, ich bin dagegen gefeit (was aber nicht hochmütig gemeint ist).

    Übrigens: Ich bin großer Fan des Bundesligavereins Mainz05. Dort spielt der tunesische Nationalspieler Sami Allagui. Heute ist er gerannt und hat gekämpft wie nie zuvor (und hat auch wieder ein Tor gemacht ;-) ). Der nimmt sicher nicht am Ramadan teil, was für mich ein Ausdruck höchster Professionalität ist. Nicht  zuletzt deswegen ist er nach dem Kolumbianer Soto mein Lieblingsspieler bei diesem Verein.

  31. Azrail sagt:

    #30 KDL

    Ein früherer Kollege von mir hat einmal im Sommer den Ramadan gemacht. Ihm ging es da aufeinmal so schlecxht, dass er kollabierte. Wir zwangen ihn alle miteinander etwas Wasser zu trinken und sich hinzulegen, ansonsten hätten wir die Sanis rufen müssen. Er war dann zum Glück einsichtig und sah ein, dass er das "Fasten" brechen musste.
    Ich frage mich, wer so eine unsinnige Fastenregel erfunden hat. Absoluter Unsinn. :???:

     

  32. simbo sagt:

    #31 Azrail

    Wo Du Recht hast hast Du Recht…..

    Ich verstehe nicht und werde nie verstehen, wie man seine Gesundheit für einen sog Gott oder Allah oder wie auch immer die heissen auf's Spiel setzen kann oder will. Das ist doch einfach nur krank…..

    Und da gibt es doch tatsächlich Mitmenschen, die ich sehr schätze und liebe,  sich mit ganz anderen und schwerwiegendern gesundheitlichen Problemen auseinander setzen müssen.

  33. Azrail sagt:

    #32 simbo :love:

    Hab Dir übrigens geantwortet.
     

    Da geb ich Dir Recht und zwar in allem. Wenn jemand nur einmal Ramadan gemacht hat und dann seinen Zuckerspiegel nach dieser Zeit überprüfen lässt, der hat einen extrem und ich meine extrem hohen Zuckerspiegel und zwar Werte über 300 oder sogar 400. Ich frage mich, warum man, trotz aller wissenschaftlicher und ärztlicher Überprüfung, an so einen Unsinn festhält. Entgegen aller Logik und Vernunft.

  34. ilex (E. Ahrens) sagt:

    Ein hübsches Beispiel für angewandten Ramadan und großartige islamische Geisteswissenschaft.

    In hohen Gebäuden ist logischerweise die Sonne von den oberen Stockwerken aus länger sichtbar. Daher gilt im Burdsch-Chalifa-Turm in Dubai nach Entscheid des zuständigen Großmufti für das Fastenbrechen: Etagen 1 – 80 um 18:53; Etagen 81 – 150 um 18:55, ab Etage 151 um 18:56

    [Hinweis für GottlosGlücklich: Quelle = Spiegel 33/2011 vom 15.08.2011, S. 83 unten links]

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