Menschen brauchen Gott, um moralisch zu handeln

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Man looking like Jesus Christ reaches a sunshine

Man looking like Jesus Christ reaches a sunshine

Dass Kirchen diese Meinung vertreten, ist wohl klar. dass das auch manche deklarierte Atheisten tun, überrascht immer wieder!

Auf atheisten-info war in den vergangenen Jahren einigemale zu lesen, dass der vermeintliche Linke Gregor Gysi meint, ohne Religionen, ohne Gott würden die Menschen glauben, alles machen zu dürfen, am 28.2.2018 hieß es dazu auf der evangelikalen Site idea.de: "Ohne das Christentum gäbe es kein Nachdenken über Barmherzigkeit, Nächsten- und Feindesliebe. Davon ist der Bundestagsabgeordnete Gregor Gysi (Die Linke) überzeugt. (..). Gysi zufolge gäbe es ohne Gott keine allgemeinverbindliche Moral. Er fürchte deshalb eine gottlose Gesellschaft. Die 'Linke' habe nicht die Stärke, Moral allgemeinverbindlich zu machen. Diese Kraft hätten nur die Kirchen. Es sei kein Zufall, dass die Menschen zu Weihnachten achtmal so viel spendeten wie sonst im Jahr. Der christliche Glaube sei auch dann wichtig, wenn man nicht an Gott glaube." Weiterlesen auf Info 3990.

Und nun hat auch Richard Dawkins, Verfasser des Buches "Der Gotteswahn" ähnliche religiöse Wahnvorstellungen wie Gysi, worüber Hartmut Krauss am 6.11.2019 eine Aussendung verfasste:

Überraschende Wende bei Vertretern des ‚Neuen Atheismus’. Richard Dawkins warnt vor einer Abschaffung des Christentums, weil sonst die Gefahr bestehe, dass die Menschen keine Hemmungen mehr hätten, Böses zu tun.

Noch vor wenigen Jahren hätten führende Atheisten wie Richard Dawkins die Ansicht vertreten, die westliche Gesellschaft könne nur profitieren, wenn die Religionen verschwinden würden. Heute würden sie das anders sehen, schreibt Jonathon Van Maren in seinem Blog auf LifeSitenews.

Optimistische Atheisten hätten geglaubt, dass wir endlich wie Erwachsene leben würden und das utopische Projekt einer Gesellschaft auf Grundlage eines Glaubens an uns selber umsetzen könnten, sobald der Glaube abgeschafft sei. Leider seien diese Skeptiker gegenüber allem skeptisch gewesen, nur nicht gegenüber ihrer Überzeugung, dass die Menschheit gut sei – obwohl sie weder eine metaphysische noch eine evolutionstheoretische Grundlage für diese Annahme hätten. Der kanadische Psychologe Jordan Peterson sei unter anderem deshalb populär, weil er zur Kenntnis nehme, dass die Menschen nicht grundsätzlich gut seien, was Millionen von Toten des letzten Jahrhundert zur Genüge beweisen würden, stellt Van Maren fest.

2015 habe Richard Dawkins, Autor des Buches "Der Gotteswahn", verlangt, Kinder vor der Weitergabe des Glaubens durch ihre Eltern zu "schützen". 2018 warnte er davor, dass die "freundliche christliche Religion" durch etwas weniger Freundliches ersetzt werden könnte. Andere Vertreter des "Neuen Atheismus" wie der Fernsehmoderator Bill Maher oder Ayaan Hirsi Ali hätten ähnliche Überlegungen geäußert.

Im Oktober 2019 habe Dawkins gegenüber der Zeitung The Times davor gewarnt, das Christentum abzuschaffen, weil die Menschen dann zu dem Schluss kommen könnten, dass alles erlaubt sei. Sie könnten eher Böses tun, weil sie nicht mehr davon überzeugt seien, dass Gott sie sehe. Aus ähnlichen Gründen würden Videokameras installiert, um Ladendiebstähle zu verhindern.

Dawkins ist mit dieser Feststellung nicht glücklich. "Ich hasse diese Vorstellung. Ich möchte glauben, dass die Menschen besser sind", schreibt er in seinem neuesten Buch "Outgrowing God". Die Wende von Dawkins sei verblüffend, schreibt Van Maren. Der britische Wissenschaftler sei bis vor kurzem einer der "intolerantesten Fundamentalisten des Säkularismus" gewesen.

Dawkins als naturalistischer Atheist und prominentester Vertreter des evolutionären Humanismus hat immer schon die komplexen Pfade der philosophischen und gesellschaftswissenschaftlichen Religionskritik (als wesentliche Abteilung der Ideologiekritik) unzureichend reflektiert. So ist sein Rückfall hinter Bayle, Meslier, Holbach u.a. nicht wirklich überraschend. Stattdessen hat er die zwischen Gläubigen und Nichtgläubigen abstrakt unlösbare  Frage nach der Existenz Gottes fokussiert. Diese Diskussion zwischen Gläubigen und Nichtgläubigen ist aber völlig unproduktiv. (Hier gilt es  Kants Unterscheidung der kognitiven Modi des Glaubens, des Meinens und des Wissens zu beachten. Der Gottgläubige und der wissensorientierte Nichtgläubige finden letztlich keine gemeinsame weltanschauliche Basis und vermögen bestenfalls – unter modern- säkularen Bedingungen – friedlich zu koexistieren; reziproke Toleranz vorausgesetzt bzw. durch die Trennung von Religion/Staat/Recht/Privatsphäre gesellschaftlich-normativ erzwungen.)

Diderot z. B schiebt die Frage nach der Existenz Gottes einfach beiseite und richtet sein Augenmerk auf die Gestaltung/Optimierung unserer irdischen Existenz in ihrer Endlichkeit. Dazu gehört dann freilich die Zurückweisung von absolutistisch-allgemeinverbindlichen (fundamentalistischen bzw. totalitären) Vorschriftenkatalogen, die auf irrationalen religiösen Setzungen beruhen und letztlich eine irdische Herrschaftsordnung vorschreiben wollen. Genau hier ist der Einsatzort emanzipatorischer Religionskritik.  Dieser geht es nicht vordergründig um die Abschaffung, sondern um die Entverabsolutierung und Entmachtung  religiöser Weltanschauungen als  dominante Deutungs- und Normierungsinstanzen im Kontext der Reproduktion zwischenmenschlicher Herrschaftssysteme.

Siehe hierzu näher: http://www.gam-online.de/text-emanzip-human.html und http://www.gam-online.de/text-emanzip-human.html#wiederum

Notabene: Nicht "Religion" (als phasenspezifisch dominantes Modell), sondern das Bedürfnis nach Welterklärung/Weltanschauung als tätigkeitsrelevantes Orientierungssystem und Mittel der Realitätskontrolle ist eine anthropologische Konstante.


Soweit die Aussendung von Hartmut Krauss –
dazu Anmerkungen von atheisten-info:

Es ist bemerkenswert, dass nicht nur viele Politiker religionsbezüglich solche irreale Vorstellungen haben, sondern dass auch manchmal deklarierte Religionsfreie religiöse Vorstellungen so irreal bewerten. Glauben der Gysi und der Dawkins, dass zum Beispiel Menschen aus Gottesfurcht keine Straftaten begehen? Oder wird es nicht sein, dass diesbezüglich das Strafgesetzbuch gefürchtet wird? Oder dass die meisten Nichtstraftäter einfach keine Schereien haben wollen? Und keine schlechte Nachrede? Und man das nicht tut, was man selber nicht angetan haben will? Und warum werden dann etwa die katholischen Sexualregeln nahezu 100%ig ignoriert, wenn Moral von Gott kommt? Kennt jemand jemanden, der sich daran hält, dass Geschlechtsverkehr nur mit katholischem Trauschein gestattet ist? Die Weltfremdheit vermeintlicher Linker ist ja inzwischen so hoch entwickelt, dass in diesen Bereichen nimmer die Wirklichkeit des Daseins der bestimmende und formende Faktor ist, sondern bloß noch das selbstausgedachte Moralische. Und dadurch glauben dann manche Atheisten, Menschen bräuchten Gott, um moralisch zu handeln, weil sie selber nimmer vernünftig und realitätsgeformt denken können…

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).

 

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