Kirchenaustritte, aufgedröselt von Erwin Peterseil


KirchenfluchtWie jedes Jahr hat die katholische Kirche auch 2020 statistische Zahlen fürs Vorjahr und die Details fürs vorvergangene Jahr jetzt anfangs Jänner veröffentlicht, die lange Liste der Austritte von 1995 bis 2019 ist auf Teil 1 zu finden.

Hier die Auflistung der Austritte 2019 nach Diözesen:

Hier sind auch die Zuwanderungsgewinne und -verluste zu sehen, die Spalte "Diff." zeigt die Differenz zwischen der Zahl der Austritte und dem realen plus/minus im Mitgliederbestand, wenn diese Differenz geringer ist als die Austrittszahl, dann hatte die Diözese einen Zuwanderungsgewinn, wenn sie im Minus und rot ist, dann gab es auch einen Wanderungsverlust, dieser hat 2019 leicht überwogen. Von 1995 bis 2019 haben insgesamt 1,207.632 Mitglieder der katholischen Kirche ihren Austritt kundgetan.

Gegenüber 2018 gab es in allen Diözesen eine Vermehrung der Austritte, in der Diözese Gurk/Klagenfurt war das 2019-Plus bei 65 %, das hat der inzwischen von Kärnten nach Niederösterreich weitergegebene Bischof Alois Schwarz tapfer erkämpft, siehe dazu die Info über vertuschten Missbrauch, die Geschichte über die Sauna um 2,5 Mio. Euro und andere Vorwürfe. St. Pölten hat dank Schwarz 2019 auch eine erhöhte Austrittsrate. Eine höhere Austrittsquote hat mit ebenfalls 19 % mehr als 2018 auch Innsbruck, die Tiroler haben diesbezüglich noch einen Nachholbedarf, wie in der Info Nr. 4954 festgestellt wurde.

Gleichzeitig mit den Austrittszahlen für 2019 wurden Statistiken für das Jahr 2018 vorgelegt:

Man sieht es gibt auch 2018 wieder mehr Begräbnisse als Taufen, was mit dem Nachwuchsmangel in der autochthonen Bevölkerung natürlich auch zusammenhängt! Geburten gab es 2018 insgesamt 85.535, 56 % der Bevölkerung sind katholisch, somit passt die Zahl 47.312 zu den Prozenten! Die Zahl der kirchlichen Trauungen steht sehr im Gegensatz zur Zahl der staatlichen Verehelichungsstatistik, das waren nämlich 46.468! Die katholisch-kirchlichen Trauungen sind davon lediglich 24 %! Knapp 70 % der staatlichen Verehelichungen waren für beide Ehepartner erste Ehe, für diese kann es keine Rolle spielen, dass für katholische Geschiedene kirchlich keine Wiedervermählung erlaubt ist. Wenn man nun mit den o.a. 56 % rechnet, also die staatliche Ehezahl um 44 % reduziert und das Resultat nochmals um 30 %, dann müsste es ca. 18.300 kirchlich-katholische Trauungen geben, somit sind entweder die Konfessionslosen unter den Heiratswilligen überproportional verbreitet oder die kirchliche Ehe spielt überhaupt zunehmend eine weniger wichtige Rolle!

Hier nun der Vergleich des Jahres 2018 mit dem Jahr 2017:

Die Taufen sind überall etwas weniger geworden, es sind aber auch die Geburten zurückgegangen, 87.633 waren es 2017, das ist ein Minus von 2.398 – 56 % davon sind 1.343, somit liegt der Rückgang wohl auch im Bereich der niedrigeren Geburtenrate unter den Eingeborenen.

Weitere statistische Zahlen von 2018: Der kirchlich gezählte Besuch der Sonntagsmesse lag 2018 bei rund 528.000 (das waren 10,45 % der Mitglieder), das ist ein Rückgang gegenüber 2017 um 30.000, bzw. um 5,4 %, das sind um 3.3 % mehr als im Vorjahr, das spiegelt natürlich auch die Altersstruktur der Messbesucher wieder, die alten Leute sind dort groß in der Überzahl und sterben weg, es gibt kaum jungen Messbesuchernachwuchs, somit gibt's jedes Jahr weniger Messbesucher, seit 2003 war das ein Rückgang von damals 870.000 um 342.000, also um 40 %!

Veröffentlicht wurden auch die Zahlen der neuen Priester, Mönche und Nonnen: 17 Priester, 8 Mönche, 17 Nonnen, auf die Priestervorstufe "Diakon" ließen sich 37 Männer weihen, diese Diakone sind ja die Reserve für die angedachten Erleichterungen im Zölibatsbereich.

Die Zahl der Diözesanpriester belief sich 2018 auf 2.048, die der Ordenspriester auf 1.411, die der Diakone auf 750, Mönche gab es 403 und Nonnen 3.453, Pfarren waren es 3020.

Veränderungen gegenüber 2017: plus zwei Priesterweihen, minus drei neue Mönche, plus sechs bei den neuen Nonnen. Die Diakone hatten wohl wegen der Überlegungen in Sachen Zölibat ein Plus von 3 auf 37! Der Priesterbestand ging von 3.554 auf 3.459 zurück, der Diakonebestand vermehrte sich um 38, die Mönche hatten einen Rückgang um 59 und die Nonnen um 47, die Pfarren wurden um vier weniger, also keinerlei Rede mehr von der durch Kardinal Schönborn 2012 angestrebten und bis 2022 zu erledigenden Flurbereinigung durch Schließung von Pfarren und Kirchen, obwohl der Bedarf von Jahr zu Jahr sinkt!