Weitere Gottesentschärfung


BeteLaut Papst soll das bekannteste Christengebet, das "Vaterunser" jetzt umgebaut werden, die Zeile "…und führe uns nicht in Versuchung" soll umgetextet werden, weil sich diese Zeile ja an den angebeteten göttlichen Vater wendet und der darf doch seine Schäfchen nicht in Versuchung führen. Das griechische Wort πειρασμόν hat allerdings die Hauptbedeutung "Versuchung", aber auch in der Richtung von "Versuch" also von Test und Experiment.

Dass der Vatergott die Menschen in Sündenversuchung führt, das darf nimmer sein! Aber schauen wir einmal in der Bibel unter "Versuchung" nach!

Da ist z.B. bei Paulus im 1. Korinther 10,13 zu lesen: "Es hat euch bisher nur menschliche Versuchung betroffen. Gott aber ist treu, er wird nicht zulassen, dass ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern er wird zugleich mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen, so dass ihr sie ertragen könnt." Der Paulus entschärft also die Zeile im Vaterunser, Gott versucht, aber er überfordert die Versuchten nicht.

Aber nehmen wir das schöne Musterbeispiel des Hiob, den der Teufel mit Zustimmung Gottes verfolgen und versuchen darf. Dazu steht ein Dialog zwischen Gott und dem Teufel in der Bibel, Hiob 1, 8-12: "Da sprach der Herr zum Satan: Hast du meinen Knecht Hiob beachtet? Denn seinesgleichen gibt es nicht auf Erden, einen so untadeligen und rechtschaffenen Mann, der Gott fürchtet und das Böse meidet! Der Satan aber antwortete dem Herrn und sprach: Ist Hiob umsonst gottesfürchtig? Hast du nicht ihn und sein Haus und alles, was er hat, ringsum eingehegt? Das Werk seiner Hände hast du gesegnet, und seine Herden breiten sich im Land aus. Aber strecke doch einmal deine Hand aus und taste alles an, was er hat, lass sehen, ob er dir dann nicht ins Angesicht absagen wird! Da sprach der Herr zum Satan: Siehe, alles, was er hat, soll in deiner Hand sein, nur nach ihm selbst strecke deine Hand nicht aus! Und der Satan ging vom Angesicht des Herrn hinweg."

Und dann verliert Hiob all seine Besitztümer, seine Familie und seine Knechte. Alles kaputt, alle tot! Aber der Hiob reagiert darauf nicht gottfeindlich, Vers 20-22: "Da stand Hiob auf und zerriss sein Gewand und schor sein Haupt, und er warf sich auf die Erde nieder und betete an. Und er sprach: Nackt bin ich aus dem Leib meiner Mutter gekommen, nackt werde ich wieder dahingehen. Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen, der Name des Herrn sei gelobt! Bei alledem sündigte Hiob nicht und verhielt sich nicht ungebührlich gegen Gott".

Danach debattiert der Teufel wieder mit Gott und meint, dem Hiob selber sei ja nichts passiert, daraufhin darf der Teufel im Auftrag Gottes den Hiob foltern: Hiob 2, 7-10: "Da ging der Satan vom Angesicht des Herrn hinweg; und er plagte Hiob mit bösen Geschwüren von der Fußsohle bis zum Scheitel, 8 so dass Hiob eine Scherbe nahm, um sich damit zu kratzen, während er mitten in der Asche saß. Da sprach seine Frau zu ihm: Hältst du immer noch fest an deiner Tadellosigkeit? Sage dich los von Gott und stirb! Er aber sprach zu ihr: Du redest so, wie eine törichte Frau redet! Wenn wir das Gute von Gott annehmen, sollten wir da das Böse nicht auch annehmen? – Bei alledem versündigte sich Hiob nicht mit seinen Lippen."

Gott tritt somit mit Hilfe des Teufels als Zerstörer, Serienmörder und Folterer auf, der Hiob fällt aber nicht von Gott ab. Er jammert dann darüber, dass er überhaupt geboren worden sei, debattiert mit Freunden und Predigern, sein Gott bleibt ihm jedoch heilig, aber er fühlt sich immerhin von Gott grundlos bedrängt. Das ging so dahin bis zum Endkapitel 42, dort heißt es in den Versen 10-17: "Und der Herr wendete Hiobs Geschick, als er für seine Freunde bat; und der Herr erstattete Hiob alles doppelt wieder, was er gehabt hatte. Und alle seine Brüder und alle seine Schwestern und alle seine früheren Bekannten kamen zu Hiob und aßen mit ihm in seinem Haus; und sie bezeugten ihm Teilnahme und trösteten ihn wegen all des Unglücks, das der Herr über ihn gebracht hatte, und schenkten ihm ein jeder eine Silbermünze und einen goldenen Ring. Und der Herr segnete das spätere Leben Hiobs mehr als sein früheres; er bekam 14.000 Schafe, 6.000 Kamele, 1.000 Joch Rinder und 1.000 Eselinnen. Er bekam auch sieben Söhne und drei Töchter. Und er gab der ersten den Namen Jemima, der zweiten den Namen Kezia und der dritten den Namen Keren-Happuch. Und es wurden im ganzen Land keine so schönen Frauen gefunden wie Hiobs Töchter; und ihr Vater gab ihnen ein Erbteil unter ihren Brüdern. Hiob aber lebte danach noch 140 Jahre und sah seine Kinder und Kindeskinder bis in das vierte Geschlecht. Und Hiob starb alt und lebenssatt."

Aber Gott hat sich ja seit den Hiobszeiten stark verbessert! Sowas darf er heutzutage nimmer machen, rechtschaffene und gläubige Leute durch Lebensterror in die Versuchung zu führen, gegen Gott zu sein! Erzbischof Bruno Forte erläuterte auf Radio Vatikan: "Dass Gott uns irgendwie eine Falle stellt, ist eine absolut nicht hinnehmbare Vorstellung." Das Duo Gott & Teufel hat dann wohl auch keinen Hiob gefoltert! Natürlich nicht, es gibt ja schließlich keinen Gott und der Hiob ist auch nur eine Sagenfigur!

Der Papst will jedenfalls nun so einen Vaterunsertext: "Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und lass uns nicht in Versuchung geraten, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen."

Verdammen darf der Christengott nimmer, versuchen darf er auch nimmer, dass er sich endlich auch um das Theodizee-Problem kümmert, ist bisher noch nicht im Gespräch, klar, weil um das Böse auf Erden nicht mehr zuzulassen, dazu bräuchte es ja einen existierenden Gott, den gibt's aber nicht…

Epikur hat das schon vor rund 2300 Jahren so formuliert: "Entweder will Gott die Übel beseitigen und kann es nicht: Dann ist Gott schwach, was auf ihn nicht zutrifft, oder er kann es und will es nicht: Dann ist Gott missgünstig, was ihm fremd ist oder er will es nicht und kann es nicht: Dann ist er schwach und missgünstig zugleich, also nicht Gott, oder er will es und kann es, was allein für Gott ziemt: Woher kommen dann die Übel und warum nimmt er sie nicht hinweg?"

Das Theodizee-Problem ist nicht lösbar. Ist Gott gut, dann müsste er sich um das Böse kümmern und es verhindern oder zumindest die Guten, also seine Anhänger davor schützen.
Aber Krankheiten, Erdbeben oder Flugzeugabstürze fragen nicht nach der Religion. Gott hilft höchstens zufällig, so wie eine geworfene Münze auf Zahl oder Wappen fällt, die religiösen Folgen davon sind auf dem nebenstehenden Schema zu sehen. Und dieses Schema beweist auch die reale Gottlosigkeit der Welt, Gottvertrauen müsste sinnvoll sein, dazu dürfte es jedoch diese Ja-Nein-Varianten gar nicht geben.

Ja eben, es gibt ihn nicht und es ist darum auch egal, ob Gott die Menschen in Versuchung führt oder nicht!
Und unsereiner kommt eh nicht in die Verlegenheit, das Vaterunser beten zu müssen…

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).