Aktueller Forschungsbericht zum Lebensende in der Schweiz


LebensendeWEIMAR. (fgw) Die Schweiz gilt vielen Deutschen als Sehnsuchtsort, wenn es um selbstbestimmtes Sterben, um den ärztlich assistierten Suizid geht. Wie sieht es nun aber in der Schweiz mit Blick auf das Lebensende wirklich aus?

 

Dieser Frage ging ein umfassendes nationales wissenschaftliches Forschungsprojekt nach. Dessen Ergebnisse haben vier der beteiligten Wissenschaftler – ein theologischer Ethiker, ein Gesundheitsökonom, eine Soziologin, eine Juristin – im Buch „Das Lebensende in der Schweiz" zusammengefaßt. Es ist ihnen dabei gelungen, wissenschaftliche Sachverhalte und Statistiken in einem verständlichen Überblick darzulegen. Sie sehen das Sterben primär als eine immer drängender werdende gesellschaftliche Herausforderung an.

 

In neun Kapiteln werden Themen und Begriffe definiert. Da wird ferner auf Bedürfnisse Sterbender wie auf notwendige Entscheidungen am Lebensende eingegangen. Betrachtet werden nicht nur Rechtslage, Institutionen, Organisationen und Strukturen, sondern auch Kosten. Im Mittelpunkt steht bei alldem, was ein „gutes Sterben" sein könne. Primär geht es da zwar um die palliative Fürsorge, dennoch nimmt die Frage der Sterbehilfe ebenfalls breiten Raum ein. Für die Autoren wie für die Mehrheit der Schweizer ist die Sterbehilfe, konkret der ärztlich assistierte Suizid, kein Tabuthema. Die Studie hat aber auch ergeben, daß gerade mit letzterem sehr verantwortungsbewußt umgegangen wird. Entscheidungen für den Suizid werden nicht leichtfertig getroffen, sondern stellen nur eine Form eines würdevollen Umgangs mit dem eigenen Lebensende dar. Wie wichtig dabei auch Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten sind, das wird mehrfach betont.

 

Angesprochen wird ganz offen, daß gerade Institutionen immer noch von „christlichen Werten" ausgehen, obwohl für die Mehrzahl der Schweizer religiöse Dogmen kaum noch eine Bedeutung haben. Das Buch geht in diesem Zusammenhang auch auf die Herausbildung und Entwicklung der Sterbehilfeorganisationen ein.

 

Dazu heißt es, daß pro Jahr etwa 1000 Menschen den assistierten Suizid in Anspruch nehmen. Wie viele davon aus dem Ausland zum Sterben in der Schweiz anreisen würden, das wird nicht quantifiziert. Deren Herkunftsländer seien Schätzungen zufolge hauptsächlich Deutschland (knapp zur Hälfte), Großbritannieren (rund ein Fünftel) und Frankreich (etwa ein Zehntel).

 

Hervorzuheben ist, daß es beim „guten Sterben" nur um Individuelles geht, sondern ganz dezidiert um Gesamtgesellschaftliches. Die Autoren stellen hier eine ganz wichtige Frage: Will man politisch ein Gesundheitswesen, das der Daseinsvorsorge – also dem Humanismus – verpflichtet ist, oder aber ein Gesundheitswesen, das lediglich unternehmerischen Profitinteressen dient? Eine Frage, die auch in Deutschland im Raum steht. Wohin die Tendenz in beiden Ländern geht, das kann man angesichts immer weitergehender Privatisierung, einschließlich der Hospizbewegung, nur mit großer Sorge gehen.

 

Eine Anmerkung zum Schluß: Während es tatsächlich gelungen ist, wissenschaftliche Sachverhalte allgemeinverständlich zu formulieren, dann sind aber leider die Texte wegen ausuferndedem Genderwahn oft kaum lesbar.

 

 

Siegfried R. Krebs

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Markus Zimmermann et al.: Das Lebensende in der Schweiz. Individuelle und gesellschaftliche Perspektiven. 230 S. Klappenbroschur. Schwabe-Verlag. Basel 2019. 42,00 Euro. ISBN 978-3-7965-3748-6