530. Wort zum Sonntag, den 1.3.2020

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FastenMt 4,1-11: Dann wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel versucht werden. Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird. Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt. Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er um deinetwillen, und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen. Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest. Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen. Darauf ließ der Teufel von ihm ab und siehe, es kamen Engel und dienten ihm.

Kardinal Schönborn titelt heute seine Predigt "Wozu und wie fasten?". Ja, da gibt's verschiedene Möglichkeiten! Heute wird hauptsächlich gefastet, um Übergewicht zu reduzieren, weil Übergewicht ist ungesund und schaut auch nicht schön aus! In alten Zeiten war das Fasten ein oft notwendiges Übel, weil es zuwenig Nahrung gab. Die armen Leute fasteten, wenn sie nichts zu essen hatten, die jetzige Winterzeit war in alten Zeiten speziell eine Zeit zum Fasten, weil die angelegten Nahrungsvorräte weniger wurden und man damit solange auskommen musste, bis die Natur Nachschub lieferte, weil zum Beispiel gab's in den biblischen Zeiten schließlich noch keine Gefriereinrichtungen und Konservendosen!

Dieses Fasten aus Nahrungsmangel ist heute in unseren Breiten schon lange keine Massenerscheinung mehr, aber im religiösen Bereich sind davon noch Bräuche geblieben: Im ausgehenden Winter ist Fastenzeit, weil man seinerzeit mit den Vorräten sparsam umgehen musste. Und wie es eben seinerzeit üblich war, regelte die religiöse Moral solche Dinge, wenn Gott das Fasten befahl, dann war das Fasten eben eine Pflicht!

Dazu haben wir heute eine lustige Geschichte aus der Bibel, der Jesus als zweiter Teil des dreiteiligen, bzw. dreifaltigen allmächtigen Gottes, wird mit läppischen teuflischen Versuchungen belästigt! Der letzte Satz im obigen Evangelium ist zudem zweideutig, "darauf ließ der Teufel von ihm ab und siehe, es kamen Engel und dienten ihm." Wem haben die Engel gedient? Dem Teufel oder dem Jesus? Von der Satzstellung her ist beides grammatikalisch möglich!

Aber das nur nebenbei, der Teufel, der einen allmächtigen und allwissenden Gott versucht, ist jedenfalls ein dummer Teufel. Aber solche Dummheiten sind ja in der Bibel nix Ungewöhnliches! Was schreibt heute der Herr Schönborn dazu? Er sieht das 40tägige Jesusfasten so: "Kaum jemand fastet so radikal wie Jesus. Es wäre wohl auch nicht zu verantworten, 40 Tage völlig ohne Nahrung zu bleiben. Wie dann aber sinnvoll die Fastenzeit leben?" Ja, einer der 40 Tage nix isst, der wird wohl verhungern! Im Internet war dazu zu finden: "Erwachsene Menschen können nur etwa zwölf Tage und Kinder sogar nur sieben bis acht Tage ohne Nahrungsaufnahme bestehen und dann infolge vollständiger Erschöpfung sterben".

Die 40tägige christliche Fastenzeit war natürlich nie eine komplett nahrungslose Zeit, sonst wäre das Christentum ja schon sehr lange ausgestorben. Fasten bedeutete ursprünglich, aus religiösen Gründen zeitweilig auf Nahrung bzw. auf bestimmte Speisen zu verzichten, heute geht's beim Fasten in der Regel um das Einhalten einer Diät, lateinisch "diaeta" = geregelte Lebensweise.

Eine alte katholische Fastenvorschrift, die von der r.k. Kirche schon in den 1960er-Jahren abgeschafft wurde, hat sich in Bereichen bis heute gehalten: Der fleischfreie Fasttag freitags, in vielen Gaststätten und Betriebskantinen gibt's immer noch im Freitagsmenu die seinerzeit katholisch als fleischfrei deklarierten Fische! Dabei ist das vom Ursprung her, eine typisch katholische Heuchelei gewesen, man deklarierte das Fischfleisch zum Nichtfleisch und damit zur Fastenspeise: da konnten dann fettgefressene Prälaten sündenfrei am Freitag fette Karpfen fressen!

Aber auch das nur nebenbei, was erzählt der Schönborn seinen Predigtlesern? Er ist durchaus realistisch: "Bei uns gab es früher auch feste Fastenbräuche, etwa das strikte Fleischverbot am Freitag. Heute muss jeder selber sein Fasten gestalten, und viele tun es auch, als Heilfasten, für die Gesundheit, zum Entschlacken, um seelisch und körperlich wieder frisch und fit zu werden. So steht am Anfang dieser Fastenzeit die Frage: Wozu fasten? Wie fasten? Was nehme ich mir persönlich für diese vierzig Tage vor?"

Schönborns Schlussabsatz: " Wozu und wie also fasten? Sicher auch für die eigene Gesundheit. Aber wenn ich dadurch nicht aufmerksamer für Gott und die anderen werde, rücksichtsvoller und einfühlsamer, dann war das Fasten bloß ein egoistischer Trip. Dann bin ich dem Versucher auf den Leim gegangen. Davor will uns Jesus bewahren."

Also für sich selber zu fasten, ist egoistisch und darum eine Sünde! Und davor bewahrt der Jesus den Schönborn. Den Menschen wird das wurscht sein, das Diätfasten ist längst das Normale und die Zahl der Faster wegen Gott wird heute wohl recht klein sein…

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).

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