Ernesto Cardenal gestorben – ein atheistischer Nachruf

image_pdfimage_print

Ernesto_Cardenal_2010Darüber berichtete am 3.3.2010 die marxistische deutsche Tageszeitung "Junge Welt":

Der nicaraguanische Dichter, Befreiungstheologe und Revolutionär Ernesto Cardenal ist im Alter von 95 Jahren verstorben. Er erlag am 1.3. im Krankenhaus einem Herzstillstand, wie seine langjährige Assistentin Luz Marina Acosta der Nachrichtenagentur AFP mitteilte. Der Dichter und katholische Priester (»Das Evangelium der Bauern von Solentiname«) war einer der bekanntesten Vertreter der Befreiungstheologie. Die in Lateinamerika entstandene Bewegung propagiert die Hinwendung der Kirche zu den Armen und den Kampf für eine sozial gerechte Gesellschaft. Nicaraguas Präsident Daniel Ortega rief eine dreitägige Staatstrauer aus.
Cardenal wurde nach dem Sturz des Diktators Anastasio Somoza durch die linken Sandinisten 1979 vom damals erstmals die Regierung bildenden Ortega zum Kultusminister ernannt. Das Amt übte er bis 1987 aus. Wegen seines politischen Engagements geriet Cardenal jedoch mit der katholischen Kirche in Konflikt. 1985 verbot ihm der damalige Papst Johannes Paul II. die Ausübung des priesterlichen Dienstes. Erst vor einem Jahr hob Papst Franziskus dieses Verbot wieder auf. Cardenal gelangte als Vertreter der sandinistischen Revolution und als Dichter zu großer internationaler Berühmtheit. 1980 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Mit Ortega hatte Cardenal schon in den 90er Jahren gebrochen, er warf ihm einen autoritären Führungsstil und Korruption vor.

Auch der ORF berichtete, dort hieß es u.a.:

"Sandinist, Marxist und Christ"
Cardenal war eine der schillerndsten Figuren Lateinamerikas. Er nannte sich "Sandinist, Marxist und Christ". Nach einem Literaturstudium in New York beteiligte sich Cardenal 1954 am ersten, gescheiterten Putsch gegen den Somoza-Clan. 1957 trat er in das Trappistenkloster Gethsemany im US-Bundesstaat Kentucky ein. Vor seiner Priesterweihe studierte Cardenal von 1961 bis 1965 in Mexiko und Kolumbien Theologie.
1966 gründete er auf der Insel Solentiname im Nicaragua-See eine an radikal-urchristlichen Idealen orientierte Gemeinschaft. Aus den dortigen Erfahrungen entstand sein wohl bekanntestes Buch, das "Evangelium der Bauern von Solentiname".
1977 floh Cardenal nach Costa Rica und warb um Unterstützung für die Sandinisten. Zwei Jahre später wurden er und zwei weitere Priester Minister der neuen sandinistischen Regierung in Nicaragua. Gemeinsam mit dem verstorbenen österreichischen Schauspieler und Showmaster Dietmar Schönherr gründete Cardenal Ende der 1980er Jahre in seiner Geburtsstadt Granada eine Einrichtung, die europäische, indianische und afrikanische Kulturelemente miteinander ins Gespräch bringen will.

Soweit zwei Medienmeldungen. Meinereiner sah als Atheist in Geistlichen, die sich befreiungstheologisch betätigten, keine üblichen Religiösen, sondern Genossen!

Ernesto Cardenal, Ehre seinem Angedenken!


PD-Foto von 2010, Wikipedia, spanische Version

Entnommen bei www.atheisten-info.at (Erwin Peterseil).

 

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