Gläubigenbeschwerde

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alte-hölzerne-kirchentür-45811840Eine solche richten echte glaubensaktive Katholiken in Form einer Petition an Bundeskanzler Kurz:

"Gottesdienste / Sakramente sind Grundnahrungsmittel für Gläubige, das Zentrum der Glaubenspraxis. Das völlige Verbot von liturgischen Feiern und das beinahe vollständige Aussetzen der Sakramentenspendung -sogar am höchsten christlichen Fest Ostern!- beraubt die Gläubigen dieser Heilsmittel, verletzt zutiefst die Religionsfreiheit und ist unverhältnismäßig. Ein Live-Stream-Gottesdienst ist zwar löblich, aber stellt dennoch in etwa so wenig eine wirkliche Alternative dar, wie ein Bildschirm-Kaminfeuer wärmt oder ein Foto eines Brotes satt macht.
Für gläubige Christen ist das gemeinsame Beten in der Kirche mehr als nur ein Gemeinschaftserlebnis, auf das man gut und gerne auch ein paar Wochen verzichten könnte. Der Gottesdienst ist notwendig und unverzichtbar, um die Nähe Gottes leibhaftig und echt zu erfahren und um spirituell gesund zu bleiben. »Sine dominico non possumus«.
Der Infektionsgefahr kann auch mit seuchenhygenischen Maßnahmen wie beschränkte Teilnehmerzahl, Mundschutz, Desinfektion, Abstand zueinander, etc begegnet werden – in einer Kirche von beispielsweise 200 Plätzen kann mit etwa 30 Personen mühelos ein Abstand von 4 Metern eingehalten werden; zumal nur einen Tag nach Ostern eh generelle Lockerungen von Herrn Bundeskanzler Kurz in Aussicht gestellt werden.
Schutz der Gesundheit und Schutz der (Religions-)Freiheit müssen sich keineswegs ausschließen, sondern können und müssen in der gegenwärtigen Situation aufeinander abgestimmt werden."

Diese Petition wurde am 3.4.2020 um 16:46 Uhr online gestellt – bis am 8.4. um 13:07 wurde sie von 2.302 Personen unterzeichnet – es dürfte somit nicht besonders viele gottesdienstsüchtige Katholiken geben…

Kath.net meldete am 7.4.: "AfD-Kirchensprecher kritisiert: Gottesdienstverbot nicht hinnehmbar – Volker Münz, der kirchenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, hat am Montag das Verbot von Gottesdiensten aufgrund der Corona-Krise in Deutschland kritisiert und fordert, dass Gottesdienste wieder zugelassen werden. (..)"

Wie einer ORF-Meldung zu entnehmen ist, lautet die kirchliche Problemlösung zu kommunionsfreien digitalen Gottesdiensten jedoch so: Dass die Austeilung der Kommunion nicht möglich ist, sei für die Gläubigen gewiss besonders tragisch. Kardinal Christoph Schönborn empfiehlt deshalb die sogenannte "geistliche Kommunion", also den Empfang des Leibes Christi durch das innere Verlangen nach Jesus Christus im Gebet und die dadurch entstehende geistliche Gemeinschaft der Kirche.

Na also! Die katholische Kirchengemeinschaft existiert somit nicht nur in der Kirche bei der Sonntagsmesse, sondern auch im geistlichen Verlangen danach! Da laut kircheneigener Statistik von 2018 sowieso nur etwa zehn Prozent der Kirchenmitglieder sonntags in der Kirche sitzen, könnte man diese Lehre dafür verwenden! Bis zu 90 % der katholischen Kirchenmitglieder sitzen sonntags samt Jesusverlangen zuhause in der privateigenen Katholikengemeinschaft! Alles paletti!

 

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Eine Antwort auf Gläubigenbeschwerde

  1. Das, was da aus Österreich berichtet wird, scheint mir vergleichsweise harmlos zu sein.

    In der ZEIT heute in einem Gastbeitrag von Azadeh Zamirirad:

    Corona zeigt für alle sichtbar auf, wo Glaube und Aberglaube unweigerlich an ihre Grenzen stoßen.

    Schlimm. Und das klerikale Regime im Iran gerät ob der Pandemie mglw. bald ins Wanken — mindestens.

    Eckhardt Kiwitt, Freising

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