Wo Unsinn Sinn macht

image_pdfimage_print

Cropped shot of an unrecognizable man reading a book

Cropped shot of an unrecognizable man reading a book

(Von Dr. Andreas E. Kilian, Gastautor). Es gibt nur einen einzigen Beweis, den Gläubige immer akzeptieren sollten: Ihre eigenen heiligen Schriften! Was in diesen steht ist verpflichtend, sonst wird jede Religion sehr beliebig. Was ist aber, wenn sich in diesen Texten Nachrichten finden, die die Glaubensinhalte als Mittel zum unheiligen Zweck erklären?


 


Manche Inhalte in heiligen Schriften sind dermaßen abstrus, dass sich die Leser automatisch fragen, ob dies in ekstatischer Gottesschau oder mit humorvoller Absicht so geschrieben wurde. Folgt diese Abstrusität jedoch mathematischen Gesetzmäßigkeiten, so wird sie auch für Wissenschaftler interessant.


 


Ene mene muh und raus bist du


 


Der Historiker Flavius Josephus berichtet in seinem Buch De Bello Judaico von einer extrem außergewöhnlichen Hochbegabung, die ihm zu Ehren heute als Josephus-Permutation bezeichnet wird. Als die Römer im judäischen Aufstand im Frühjahr des Jahres 67 die Stadt Jotapata einnahmen, wollte sich der Oberbefehlshaber Josephus ergeben. Doch seine Mitstreiter ließen ihn nicht gehen. Sie wollten lieber Selbstmord begehen, als sich den Römern auszuliefern. Josephus griff zu einer List. Er ließ alle 40 Mitkämpfer im Kreis aufstellen und abzählen. Wer an der Reihe war, wurde sofort vom Nachbarn erstochen. Wer es im Kopf ausrechnen konnte, brauchte sich nur an die richtige Stelle im Kreis stellen und blieb als Letzter übrig. Josephus und sein bester Freund überlebten und dienten sich dem römischen Feldherrn Vespasian als Berater an [DBJ-B3K8,7]. Ob dieses Ereignis exakt so stattgefunden hat, sei dahingestellt, doch es wird garantiert nicht ohne Grund erwähnt.


Permutationen wurden nicht nur von der römischen Armee verwendet, wenn Truppenteile zur Strafe dezimiert wurden, indem jeder zehnte Legionär stellvertretend für die Kohorte hingerichtet wurde. Sie finden sich auch in antiken Abzählreimen von Kindern, die mit Hilfe von Städtenamen und Pilgerrundreisen – vergleichbar unserem heutigen „Ene mene muh“ – zum Fangenspielen abzählten. Wo man sie findet, verleitet der Reim intuitiv zum Abzählen und auch in der Johannes-Offenbarung finden sich in definierter Reihenfolge Städtenamen, die sich reimen [Offb 1,9-11 NA].


 


Πάτμος, Ἔφεσος, Σμύρνα


Πέργαμον, Θυάτειρα


Σάρδις, Φιλαδελφία


Λαοδίκεια, Ῥώμα


 


In lateinischen Buchstaben:


 


Pat1 mos2 E3 phe4 sus5 Smyr6 na7


Per8 ga9 mon10 Thy11 a12 tei13 ra14


Sar15 dis16 Phi17 la18 del19 phi20 a21


La22 o23 di24 ce25 ia26 Ro27 ma28


 


Es ist ein Sieben-Silben-Rythmus und die betonten letzten Silben bilden die Worte „nara, ama“. Zu deutsch „antworte!“ und „liebe!“ Welches Kind soll diesen Reim entdecken und antworten? Die Antwort findet sich, wenn jede siebte Silbe fortlaufend wie bei einer Josephus-Permutation aus dem Reim heraus genommen und in der neuen Folge angeordnet wird.


 


na7 ra14 a21 ma28 per8 dis16 di24 phe4 tei13 o23 sus5 phi17 ro27 thy11 ce25 mon10 ia26 sar15 e3 la22 del19 la18 phi20 mos2 a12 pat1 smyr6 ga9


 


So wurde es ausgesprochen und so im heutigen Schullatein geschrieben:


 


narra ama perdis diffiteo suspiro te cemonia Sarela delavimus a patescam Yrga


 


Übersetzt:


Antworte! Liebe! Du verdirbst. Ich leugne, wie sehr ich mich nach Dir sehne. Wir waschen uns rein von der „Blume“ Sarahchen (und) ich werde mich zu Dir bekennen, Yrga.


 


Da es sich um eine offizielle Amtsübergabe handelt, wird der Adressat – für alle in den Code eingeweihten Priester lesbar – genannt. Der Nachfolger heißt mit religiösem Namen Johannes und mit weltlichen Namen Yrga, lateinisch Hyrcanus. Gemeint ist also Johannes Hyrcanus III., der als hasmonäischer Hohepriester und Christkönig nach dem Aufstand in Judäa (66-70/73) auf den Thron in Jerusalem steigen soll. Er soll der Morgenstern (lat. Lucifer) werden [Offb 22,16].


 


Alpha und Omega


 


Doch der Herr der Offenbarung ist nicht nur das erste Wort im Text, das Alpha [Offb 1,8], sondern auch das Omega [Offb 21,6]. Also findet sich am Ende noch eine weitere Nachricht für den ältesten Sohn. Flavius Josephus berichtet in den Antiquitates Judaicae von einem Essenes (griech. Logion), welches nur vom höchsten Hohepriester getragen werden durfte und welches in Kriegen als Orakel befragt wurde. Es bestand aus zwölf Edelsteinen, welche die zwölf Stämme Israels symbolisierten [AJ-B3K7,5]. Dieses soll an den Sohn als Amtszeichen übergeben werden. Doch in dem Geschichtswerk ist eine andere Reihenfolge sowie Schreibweise der Edelsteine angegeben als in der Offenbarung [Offb 21,19-20 NA].


 


ἴασπις σάπφιρος χαλκηδών σμάραγδος σαρδόνυξ σάρδιον χρυσόλιθος βήρυλλος τοπάζιον χρυσόπρασος ὑάκινθος ἀμέθυστος


 


Es fehlen noch zwei Edelsteine, die nur Eingeweihte kennen können. Die religiösen Namen von Absender und Adressat sind der Schlüssel zur Permutation.


 


Io1 ann2 us3 Ias4 pis5 Sap6 phi7 ros8 Chal9 ce10 don11 Smar12 ag13 dos14 Sar15 do16 nyx17 Sar18 di19 on20 Chrys21 o22 li23 thos24 Ber25 ill26 os27 To28 pa29 si30 on31 Chrys32 op33 ras34 os35 hy36 a37 cinth38 os39 Am40 eth41 ys42 tos43 Io44 ann45 o46


 


Die Transposition gemäß Siebener-Permutation ergibt folgenden Text:


 


phi7 dos14 chrys21 to28 os35 ys42 us3 don11 di19 os27 hy36 io44 sap6 do16 ber25 ras34 ann45 chal9 on20 on31 eth41 ros8 o22 op33 io1 sar15 si30 o46 nyx17 a37 pis5  ill26 ann2 thos24 ias4 chrys32 ag13 tos43 os39 cinth38  am40 smar12 pa29 ce10 sar18 li23


 


Im heutigen Schullatein geschrieben:


 


Fidus christuos Yesus don dios hyios abdo, per ra sann calo non et rosoo pio sarcio,


nixa piis illa entusias, chrys actos oscine tam, sum Arpa cesarli


 


Übersetzt:


ich verberge zuverlässig hinter christuos Yesus das Erbe vom Sohn Gottes, ich beschwöre nicht Ra´s Fratze oder verbessere mit dem getadelten Frommen. Bemühe du die Begeisterung jener für die Märtyrer, ebenso das Treiben des Weissagevogels für Gold! Nimm an als Arpa des Caesarleins!


 


Der Autor hat zwar mit Jesus einen Sonnengott – ähnlich Ra – erschaffen, doch anbeten tut er ihn selber nicht. Auch möchte er nicht die gefallenen galiläischen Aufständischen besser machen, als sie in Wirklichkeit waren. Er teilt allen Eingeweihten also mit, dass er seinem Glauben treu geblieben ist.


Arpa ist das altgriechische Wort für Horus Pa, den Pharao und Sohn Gottes auf Erden. Nicht die Romanfigur Jesus, sondern der höchste Hohepriester ist der Sohn und Stellvertreter Gottes auf Erden. In dieser Funktion wacht der Autor nicht nur über Vespasians zweiten Sohn, den letzten Kaiser der Flavier, Domitian. Er benutzt auch die Romanfigur des christuos Yeschuos, des gesalbten Retters, als Sprachrohr, um die Aufständischen mit frommen Idolen zu beschäftigen. Damit es im römischen Senat mit der Übernahme des Postens für seinen Sohn in Jerusalem klappt, wird viel Geld in die Wahrsager Roms investiert. Das römische Volk erwartet eine Legitimation durch die Auguren.


 


Die Offenbarung des Autoren


 


Wer konnte solche theologischen Texte verfassen und wer hatte vom Kaiser das Recht erhalten, dies zu publizieren? Wer wollte wieder in Jerusalem an die Macht gelangen? Mit den vorliegenden Dechiffrierungen ist der Autor der Johannes-Offenbarung identifiziert: Josephos ben Mathitjahu ha Cohen, alias Flavius Josephus. Dieser hatte mit seiner dritten Frau Sarah drei Söhne, von denen die beiden ältesten gestorben waren. Der Jüngste hieß Hyrcanus [Vita 426] und sollte nun sein Erbe als Hohepriester antreten. Da sich der Autor jedoch von seiner dritten Frau scheiden ließ, weil ihm – offiziell – ihr Lebenswandel nicht gefiel [Vita 426], lebte der Junge in Patmos und der Vater unter permanenter Überwachung durch die Flavier in Rom. Der Vater musste also die Öffentlichkeit eines „wirren“ religiösen Buches wählen, um eine chiffrierte Botschaft an seine Amtskollegen sowie nach Patmos zu bekommen. Er wollte eine Antwort haben, ob der Sohn die Erbfolge in den Jahren 115 bis 117 antreten würde, oder er seine beiden jüngeren Söhne aus vierter Ehe – Justus und Simonides [Vita 427] – fragen sollte.


Somit werden einige Hinweise in der Offenbarung verständlich, z.B. weshalb jemand mit nur einem Ohr zuhören soll [Offb 2,7; 2,17; 2,29; 3,6; 3,13; 3,23; 13,9]. Dem Vorfahren Johannes Hyrcanus II. wurden nämlich um das Jahr 40 v.u.Z. die Ohren abgebissen, damit er als Hohepriester zurücktreten musste [DBJ-B1K13-270].


 


Lucifer und Bar Kosiba


 


Es gibt nur einen einzigen Beweis, dass es sich bei dem Helden des Neuen Testamentes, Jesus Christus, um eine erfundene Figur handelt: die Zeugenaussage des Autors der Offenbarung.


Ob Johannes Hyrcanus diesen Job als Papst bei den Flaviern angenommen hätte, werden wir nie erfahren. Zumal Kaiser Domitian als letzter Flavier bereits im Jahr 96 verstarb und Hyrcanus zu diesem Zeitpunkt mit ca. 18 Jahren noch zu jung war, um höchster Hohepriester zu werden. Dieses Amt hätte er erst mit 30 Jahren, also ca. ab dem Jahr 116 antreten können. Ebenso werden wir nie erfahren, welche Rollen der „Morgenstern“ Hyrcanus und der „Sohn des Sterns“ Simon in dem Diaspora- (115-117) und Bar Kochba-Aufstand (132-136) spielten. Mit Kaiser Hadrian begann die Diaspora und das rabbinische Judentum, aber die Hasmonäer überlebten, wie spätere Werke belegen. Doch dies ist eine andere Geschichte und ein anderer Artikel.


 


Aus Unsinn Sinn dechiffrieren


 


Das Codesystem der Hasmonäer basiert auf Namen sowie deren definierter Reihenfolge. Hierfür bedarf es keiner Textform. Es reicht, wenn die Geschichte erzählt wird, denn Namen und deren Folge sind leicht zu merken. Zudem können durch Fantasienamen benötigte Silben hinzu gefügt werden und die Namen bleiben auch bei Übersetzungen bestehen sowie in der richtigen Reihenfolge des Handlungsstranges.


Mit der Methode kann doch alles in einen Text hinein interpretiert werden? Nein! Zwar kann kein statistischer Nachweis geführt werden, da der Wortschatz von Sender und Empfänger unbekannt ist. Doch es gibt eine interne und eine externe Kontrolle, ob es sich um richtige Chiffrierungen handelt. Zur internen Kontrolle können die altgriechischen Namen mit einer anderen Zahlenfolge, z. B. jede 3. oder 5. Silbe, transponiert werden. Zur externen Kontrolle eignet sich jede andere Namensliste aus Roman oder Telefonbuch.


Interessanter ist es jedoch, den Spuren der Antike zu folgen. Humorvolle Begriffe, wie Maranata [1 Kor 16,22], Onesimus [Phlm10] oder Epaphras [Phlm 23], laden zum Dechiffrieren der Namenslisten ein. Und wofür heißt es im Prolog „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort“ [Joh 1,1]?


 


 

Literatur:

 

Flavius Josephus: Antiquitates Judaicae. Übers.: Jüdische Altertümer. Marix Verlag, Wiesbaden 2011.

 

Flavius Josephus: De Bello Judaico. Übers.: Der Jüdische Krieg und kleinere Schriften. Marix Verlag, Wiesbaden 2005.

 

Flavius Josephus: Vita. Übers.: Selbstbiographie. In: Der Jüdische Krieg und kleinere Schriften. Marix Verlag, Wiesbaden 2005.

 

Nestle, Eberhardt & Aland, Kurt: Novum Testamentum Graece. 28. Auflage. Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 2012

Mehr zum Thema:
Dieser Beitrag wurde unter Gesellschaft, Religion veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar