• Finanzkrise? – War da was?

Was mussten wir als staunende Laien nicht alles in den letzten Wochen beobachten: Indizes an den Börsen dieser Welt im Sturzflug, Anleger zittern, Billionen Blasengelder vernichtet. Die USA verlieren ihren Premium-Status, das hoch begehrte Triple-A, ganze Länder stehen vor der Staatspleite, die Verschuldung der westlichen Welt stößt an die gerade noch machbaren Grenzen, teilweise liegt sie bereits hoffnungslos darüber. Der Lehman-Geist, der soeben mit anspringenden Konjunkturen überwunden schien, geistert wieder in den Köpfen der Volkswirte und Politiker – und wohl auch vieler einfacher Bürger, die große Sorgen wegen der Inflationsgefahren, der Sicherheit ihrer Renten und ihrer Arbeitsplätze haben.

Doch nun steht fest, wo sich die Wurzel allen Übels bisher versteckt hat: Wir haben Gott vergessen! Nun gehört die Auseinandersetzung mit höheren Mächten nicht gerade zum Standardinstrumentarium gewiefter Finanzexperten – aber das ist ja gerade das Manko.

Sarah Lohmann, ihres Zeichens Politikwissenschaftlerin und somit Expertin für Okkultes, zeigt uns den Weg aus der Misere. Sie ist Lehrbeauftragte für US-Außenpolitik an der Universität der Bundeswehr in München und war davor eine Pressesprecherin des Außenministeriums in Washington. Ihre Analyse: „Wir haben Gott vergessen und Schulden angehäuft“. So einfach geht das. Doch lesen Sie selbst bei idea.de („das christliche Nachrichtenportal“ der Evangelikalen in Deutschland).

Das Fazit: Wenden wir uns wieder einem Gott zu – dann verschwinden alle Schulden in Windeseile, und wir dürfen wieder friedlich und zufrieden in den Tag schauen.

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12 Antworten auf • Finanzkrise? – War da was?

  1. Argutus sagt:

    Es ist erschütternd, daß ein Artikel wie der hier verlinkte nicht etwa eine von einem Religionskritiker verfaßte bissige Satire ist, sondern tatsächlich ernst gemeint.

  2. Frank Berghaus sagt:

    #1 Argutus am 12. August 2011 um 17:04

    …weshalb ich ihn ja ordnungsgemäss mit "Satire" getaggt habe :-)

  3. ilex (E. Ahrens) sagt:

    Solange Volkswirtschaften Profit nicht mit Nahrungsmittelerzeugung, Warenproduktion oder Service für andere machen, sondern hauptsächlich durch das Bewegen von Geld und dessen Ersatzstoffen, solange wird auch Gott nicht viel helfen.

    Warentermingeschäfte waren bei Königin Elisabeth I verboten als Wette. Wäre gut, sich an solche Grundsätze zu erinnern und daran, dass nur Arbeit echt was bringt. Vielleicht sollte man den "tertiären" Sektor statistisch auch noch unterteilen in einen 3. mit echten Dienstleistungen und einen 4. mit reinen Finanztransaktionen.

  4. Frank Berghaus sagt:

    #3 ilex (E. Ahrens) am 12. August 2011 um 17:43

    Die Eindämmung von so genannten Leerverkäufen, die jetzt von einigen Ländern geplant und teilweise auch schon durchgeführt wird, weist sicherlich in die richtige Richtung – doch das reicht bei weitem nicht aus, diese ungedeckten Blasen zu verhindern, in denen das Hauptproblem liegt, in anderen Worten: die systematische Abkoppelung von der Realwirtschaft.

  5. GottlosGlücklich sagt:

    #4 Frank Berghaus am 12. August 2011 um 17:54

    Die Eindämmung von so genannten Leerverkäufen, die jetzt von einigen Ländern geplant und teilweise auch schon durchgeführt wird, weist sicherlich in die richtige Richtung

    Das sehe ich anders. Ich halte das, wie auch Jan Gänger auf n-tv, für blinden Aktionismus.

  6. ilex (E. Ahrens) sagt:

    In der Tat ist nur das Verbot von Leerverkäufen blinder Aktionismus und höchstens Symbolik. Zu weiter führenden Bereinigungen der Finanzwelt fehlt den Regierungen offenbar der Mut.

  7. Frank Berghaus sagt:

    #5 GottlosGlücklich am 12. August 2011 um 18:05

    Wer Zitate verstümmelt kommt unabweislich zu falschen Ideen.

    Geschieht dies mit denunziatorischer Absicht so ist es eine Schweinerei!

  8. Rechtspopulist sagt:

    #5GottlosGlücklich am 12. August 2011 um 18:05

    Du hast was vergessen:

    "– doch das reicht bei weitem nicht aus, diese ungedeckten Blasen zu verhindern, in denen das Hauptproblem liegt, in anderen Worten: die systematische Abkoppelung von der Realwirtschaft."

    Deine Handschrift ist trotz neuem Nick gut zu erkennen. :-)

  9. Das System ist bereits kollabiert. Seit mehr als drei Jahren wird gerettet und gerettet und gerettet. Aber nicht die Zukunft der Menschen, sondern ein System, das genau diese Zukunft mit sich in den Abgrund reißt. Wir sollen alles opfern für ein System, das unserer Jugend die Zukunft nimmt?! Das muß ein Ende haben. Heute.  

    Anstatt die Rezepte immer und immer wieder anzuwenden, die uns nach mehr als drei Jahren Krise quasi wieder dahin gebracht haben, wo wir vorher waren, während wir in der Zwischenzeit so viel verloren haben, sollte man den Aufruf lesen und verbreiten, der gemeinsam von Lyndon LaRouche, Helga Zepp-LaRouche und dem französischen Präsidentschaftskandidaten Jacques Cheminade veröffentlicht wurde: Transatlantischer Aufruf für eine dringende Lösung der globalen Zusammenbruchskrise

    WiM: Ich schalte diesen Beitrag mit erheblichen Bauchschmerzen frei, da wir auf unserem politisch neutralen Blog keinerlei Parteienwerbung haben wollen. Ich darf Sie bitten – falls Sie hier weiter aktiv sein wollen – dies in Zukunft genauestens zu beachten.

  10. Argutus sagt:

    #8 Rechtspopulist am 12. August 2011 um 19:44

    Deine Handschrift ist trotz neuem Nick gut zu erkennen.

    Es hat eben jeder so seine charakeristische Art zu denken und zu schreiben.

    Davon abgesehen gibt es auch verschiedene technische Tricks, mit denen man Informationen gewinnen kann, die die Identität zweier Kommentatoren mit hoher Wahrscheinlichkeit erkennen lassen.

  11. pinetop sagt:

    Die Schuldenkrise wird, wenn die größten Wogen geglättet sind (hoffe ich), dafür herhalten müssen, den Kapitalismus als das ewige Übel der Menschheit darzustellen. Aber es ist nicht das System Marktwirtschaft, welches zu den Erschütterungen geführt hat, es ist ein Mentalitätswandel, der die Menschen der westlichen Welt (und nicht nur dort) ergriffen hat und der seit dreißig Jahren spürbar ist. Es handelt sich nicht mehr um einen Sparkapitalismus, wie er u. a. von Max Weber beschrieben wurde, sondern um einen kurzfristigen und mit zuviel Fremdkapital finanzierten Kapitalismus. Das funktioniert für Unternehmen nur, wenn man dauerhaft einen Leverage Effekt erzielen kann. Für Staaten und private Haushalte gilt die banale Weisheit, dass man nicht dauerhaft über seine Verhältnisse leben kann. Das gilt für Paare, die sich auf Kredit einen Urlaub finanzieren genau so wie für Staaten. Nur bei diesen kommt das dicke Ende eben später.

    Wir brauchen einen Kapitalismus, der die Akteure zu einem langfristigen Denken ermutigt, z. B. mit Bilanzierungsregeln, die stille Reserven generieren und nicht stille Lasten. Dem Unsinn der Vierteljahresabschlüsse ist ein Ende zu machen. Führungskräfte sind nicht nach kurzfristigen Erfolgen oder dem Börsenkurs zu belohnen, sondern nach der Nachhaltigkeit. Übrigens geben hier die Unternehmensratings eine in der Regel gute Einschätzung, da diese Ratings qualitative Kriterien berücksichtigen. Wir brauchen die Erkenntnis, dass Staaten nur Investitionen in die Zukunft fremdfinanzieren dürfen.

    Wir brauchen sachliche Kritik, eine pauschale Kapitalismusverdammung wäre in der Konsequenz nur schädlich.

    Der in # 9 verlinkte transatlantische Aufruf ist grauenhafter Unsinn. Das ist so unterirdisch schlimm, dass die Haare zu Berge stehen und sich die Fussnägel nach oben rollen.

  12. pinetop sagt:

    Die Schuldenkrise hat in den letzten Monaten unsere Aufmerksamkeit beansprucht. Da kommt mir der Ökonom und Philosoph Bernard de Mandeville gerade recht in Erinnerung. Dieser Vorläufer von David Hume und Adam Smith schrieb vor etwa dreihundert Jahren: "Man darf Schmuggler nicht schimpfen; sie bestrafen nur den dummen König, der das göttliche Gebot des Freihandels missachtet." Heute würde er schreiben: "Man darf Spekulanten nicht schimpfen; sie bestrafen nur den dummen Finanzminister, der einen Schuldenberg aufgetürmt hat."

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