Das Gesetz des Dschungels

Der Film Company Men erzählt eine Geschichte vom „Raubtierkapitalismus“. Er zeigt uns den von Ben Affleck gespielten Bobby Walker, einen Sales Manager im international konkurrierenden Transportunternehmen GTX.

Bobby hat alles. Einen tollen Job, ein schönes Haus, eine glückliche Familie und einen nagelneuen Porsche. Bevor er sich morgens in sein Büro aufmacht, schwingt er sich noch schnell ins Auto und spielt ein Stündchen Golf.

Als er an einem gewöhnlichen Montag morgen wieder einmal vom Golfplatz in die Firma kommt und seinen Kollegen stolz von seinem neuen Handicap berichten will, wird er jäh unterbrochen. Um seinen Aktienkurs hochzuhalten, muss sich das Unternehmen gesundschrumpfen. 3000 Leute sind entlassen worden. Und er ist einer von ihnen.

Dass Bobby nach zwölf Jahren aufopferungsvoller Tätigkeit für seine Firma einfach so gefeuert wurde, spricht sich schnell herum. Während er noch ungläubig seinen Schreibtisch leert, stecken bereits die ersten Mitarbeiter ihren Kopf neugierig durch die Tür. Doch statt ihm ihre Anteilnahme zum Ausdruck zu bringen, fragen sie nur, ob ihre Namen auch auf der Abschussliste stehen.

Bobby weiß so viel Sorge zu schätzen und erwidert knapp: „Danke für das Mitgefühl!“

Sein eigene Anteilnahme am Schicksal anderer hält sich jedoch ebenfalls in Grenzen. Als ihn seine bereits etwas betagte Sekretärin fragt, ob auch sie gefeuert werde, entgegnet er kalt: „Ich hab’ nicht gefragt.“

Bobby ist eigentlich keine Figur, mit dem der durchschnittliche Kinobesucher Mitleid empfindet. Er ist überheblich, vom Erfolg verwöhnt und sieht auf seinen von Kevin Costner gespielten Schwager, der sich als Handwerker verdingt, nur mitleidig herab.

„Warum soll es nicht auch einmal die da oben erwischen?“, werden sich die meisten Zuschauer mit einer gewissen Genugtuung fragen. 

Doch der Film schafft es, die Zuschauer nach etwa einer halben Stunde auf Bobbys Seite zu ziehen. Dass er seine Mitgliedschaft im Golfclub verliert, berührt noch niemanden. Doch wenn deutlich wird, dass das Haus noch nicht abgezahlt ist und er bis über beide Ohren in Schulden steckt, wird ein erstes Gefühl wach.

Spätestens als er sich gezwungen sieht, seinen Porsche zu verkaufen, das Haus aufzugeben und mit Frau und Kind bei seinen Eltern einzuziehen, hat er die Sympathien der Kinobesucher gewonnen.  

Wie er, erbosen nun auch sie sich über die Rücksichtslosigkeit des Firmenchefs. Wie kann er Leute, die zumeist zwölf bis vierzehn Stunden am Tag für ihn gearbeitet haben, einfach so auf die Straße werfen?

In dieser moralistischen Haltung wird der Zuschauer noch bestärkt, wenn er sieht, dass es inzwischen auch Bobbys Kollegen Phil an den Kragen geht. Phil, der von dem brillianten Chris Cooper gespielt wird, hat dem Unternehmen 30 Jahre seines Lebens geopfert.

In einem Gespräch mit dem von Tommy Lee Jones dargestellten Gene sagt er: „Ich lass’ mich nicht einfach rausschmeißen. Eher besorg’ ich mir ‚ne Kalaschnikow und mach’ den verdammten Laden hier platt!“

Und mit dieser Äußerung spricht er nicht nur den Zuschauern, sondern einem Großteil unserer ganzen Generation aus dem Herzen.

Doch ist dieser Hass auf die „bösen Kapitalisten“ eigentlich gerechtfertigt?

Unternehmer wollen Geld verdienen. Um Geld zu verdienen, müssen sie ein gutes Produkt oder einen begehrten Service anbieten. Wenn sie Glück haben und genügend Kunden finden, können sie Leute anheuern. Auch wenn sie auf diese Weise für Arbeitsplätze sorgen, ist ihr Motiv doch nicht, Jobs zu schaffen, sondern Geld zu verdienen. Und dieser Tatsache sollte jeder Arbeitnehmer besser ins Gesicht sehen.

Wenn sich ein Unternehmer gezwungen sieht, seine Ausgaben zu kürzen, hat er das gute Recht, Mitarbeiter zu entlassen. Dass sie wie Bobby bereits 12 Jahre oder wie Phil sogar schon 30 Jahre für ihn gearbeitet haben mögen, gibt ihnen kein Anrecht auf einen Job. Kein Arbeitnehmer kann verlangen, nicht gefeuert zu werden. Das einzige, was er verlangen darf, ist, dass er entsprechend seines Arbeitsvertrages entlohnt wird.

In dem Moment, in dem wir einen Arbeitsvertrag unterschreiben, sind wir uns dieser Tatsache auch deutlich bewusst. Wir freuen uns darüber, einen Job gefunden zu haben, der uns ein Auskommen ermöglicht.

Bobby und Phil sind entsprechend ihres Arbeitsvertrages entlohnt worden. Sie haben gutes Geld verdient. Bobby hat sich einen Porsche gekauft und Phil hat seine Tochter aufs College geschickt.

Weder Bobby noch Phil müssen ihrem Chef für das Geld dankbar sein. Ihr Gehalt ist ausgehandelt worden. Und sie haben es sich durch ihre Arbeit verdient. Doch wenn sie meinen, neben dem Lohn auch noch Anspruch auf Treue zu haben, verwechseln sie ihren Job mit einer Ehe. Ein Arbeitsvertrag ist kein Ehevertrag. Niemand gelobt hier, durch gute wie durch schlechte Zeiten zu gehen – bis dass der Tod sie scheidet.

Es erleben zu müssen, dass man nach 30 Jahren harter Arbeit vor die Tür gesetzt wird, ist zweifellos traurig. Und es wäre nett, wenn ein Arbeitgeber auf die möglicherweise schlechte berufliche Perspektive seines Arbeitnehmers Rücksicht nehmen würde. Doch ist er weder rechtlich noch moralisch dazu verpflichtet!

Wenn Bobby, Phil und letztlich auch Gene ihrem Chef grollen, dann liegt es daran, dass sie plötzlich ihr gewohntes Leben aufgeben müssen. Doch hat ihr Arbeitgeber sie dazu gezwungen, Kredite aufzunehmen und Häuser abzuzahlen? Ist er für die Schulden verantwortlich, die sie gemacht haben? Gewiss nicht!

Nach ihrer Kündigung haben sie verständlicherweise nur Augen für ihre eigene Not. In der Mitte des Films sehen wir Phil, wie er, ohnmächtig gegenüber seinem Schicksal, Steine in Richtung seines ehemaligen Bürogebäudes wirft. Er betrachtet seinen Boss als undankbar.

Abgesehen davon, dass die Bezeichnung „undankbar“ einfach unangemessen ist (schließlich hat er mit seinem Gehalt genau das bekommen, was ihm rechtmäßig zustand), vergessen wir nur allzu oft, dass Arbeitnehmer in aller Regel nicht anders als Arbeitgeber sind. Denn wenn sie ein Unternehmen wechseln, um ein höheres Gehalt zu erzielen, handeln sie schließlich genauso eigennützig.

Nirgendwo wird dies so deutlich wie im Sport. Aus Sicht des FC Schalke 04 mag der Torhüter Manuel Neuer „undankbar“ gewesen sein, als er zum FC Bayern München gewechselt ist. Doch von Undankbarkeit kann nur dann gesprochen werden, wenn es über die Erfüllung des Arbeitsvertrages hinausreichende Versprechen gegeben hat.     

Seinen Chef der Undankbarkeit zu bezichtigen, hätte Phil beispielsweise nur dann ein Recht, wenn er ihm trotz attraktiver Angebote von Seiten der Konkurrenz die Treue gehalten hätte. Dann – und erst dann – hätte er sich einen moralischen Anspruch auf die Treue seines Chefs erworben.

Company Men will zeigen, dass in unserer Wirtschaft ein „Gesetz des Dschungels“ herrscht. Und das ist sein gutes Recht. Er sollte dann aber auch so konsequent sein, vor unbegründeten Erwartungen und ungerechtfertigten Ansprüchen zu warnen.

Zu dem Film gibt es einen Trailer.

 

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24 Antworten auf Das Gesetz des Dschungels

  1. Argutus sagt:

    Das System des "hire and fire" in der freien Wirtschaft ist ja allgemein bekannt. Wer im Rahmen dieses Systems berufstätig ist, sollte tunlichst davon Abstand nehmen im Vertrauen auf den Fortbestand seiner Anstellung, der kein Vertrauen verdient, Schulden zu machen.

  2. ilex (E. Ahrens) sagt:

    Der Arbeitnehmer verkauft dem Arbeitgeber z.B. 8 Stunden Zeit täglich. Sein natürliches Interesse ist ein möglichst hoher Lohn. Dazu wappnet er sich mit guter Ausbildung und beruflicher Qualifikation. Daher ist Einwanderung generell nicht im Arbeitnehmerinteresse, weil Überangebot von Arbeitskräften die Löhne drückt (siehe schon Karl Marx "Kapital" in den 1850-er/1860-er Jahren über die deutschen Bäckergesellen, die nach England einwanderten und dort für Dumpinglöhne arbeiteten). Also müßten Arbeiterparteien und Gewerkschaften aus Interesse ihrer Mitglieder gegen Einwanderung sein.

    Da seine Arbeitskraft das einzige ist, was der Arbeitnehmer anzubieten hat, hat er großes Interesse an der Dauerhaftigkeit des Arbeitsverhältnisses. Denn nebenbei soll er ja auch noch Kinder groß ziehen und möglichst viel konsumieren, damit die Wirtschaft läuft. Hire and fire ist unbeschränkt nur dann akzeptabel, wenn kein Arbeitskräfteüberangebot herrscht. Der Arbeitgeber hat in vielen ein gegenteiliges Interesse als der Arbbeitnehmer. Also muss ein für beide Seiten fairer Ausgleich gegeben sein. Die Wirtschaft nur aus Sicht einer der beiden Parteien zu betrachten kann nicht zum Ziel führen.

    So kann es z.B. nicht im volkswirtschaftlichem Interesse sein, dass es so geringe Löhne gibt, dass der Staat Ausgleichszahlungen leisten muss und so dem Arbeitgeber Sonderprofite ermöglicht. Eigentlich ist der bescheuert, der für diesen Lohn arbeitet, wenn er mit sozialen Zuwendungen das gleiche Einkommen erzielt. Es sollte auch nicht sein, dass der Spitzensteuersatz aus Arbeitseinkommen höher ist als der aus Zinseinkünften. Gäbe da noch einige Punkte, die nicht eigentlich mit Sozialismus zu tun haben, sondern eher mit Gerechtigkeit.

    Der Arbeitgeber erhält 8 Stunden tägliche Arbeit, aber nicht die Seele des Arbeitnehmers. Trotzdem kann der Arbeitgeber natürlich Loyalität seines Arbeiters verlangen und dass er anständig arbeitet. Dann gilt aber ebenso umgekehrt Fairnis. Hire & fire funktioniert nur dann, wenn kein gravierender Überhang an Arbeitskräften (sprich Arbeitslosigkeit) besteht. Wie will man sonst vom Arbeitnehmer verlangen, dass er Kinder groß zieht, Autos kauft und Häuser baut, wenn er keine zeitliche Perspektive hat. Daher ist auch Arbeitslosengeld für gewisse Zeit keine staatliche Gnade, sondern ich erinner mich, dass auf meinen Gehaltsabrechnungen immer stand "Arbeitslosenversicherung". Dafür zahlte ich 40 Jahre und erhielt 1962 einmal ingesamt 60 DM – mit dem Rest meiner Zahlung bin ich dann gern solidarisch mit den Kollegen, die ihren Job verloren.

    Eine Volkswirtschaft sollte man nicht nur aus Arbeitgebersicht sehen. Wer kauft denn das ganze Zeug, was hergestellt wird – die große Menge der Arbeitnehmer. Wenn die das nicht können nützt mir das ganze Unternehmertum nichts. Also muss hier ein vernünftiger Interessenausgleich her. Natürlich müssen auch Arbeiter entlassen werden dürfen – aber zu geregelten Bedingungen.

  3. Firithfenion sagt:

    Rein formal gesehen hat der Autor natürlich Recht. Ich persönlich ziehe es auch vor, der Realität ins Auge zu sehen, anstatt in Wunschdenken zu verfallen. Die Lösung für das in "Company Men" gezeigte Dilemma kann nur in einer stärkeren Flexibilisierung der Arbeitnehmer bestehen, die es ihnen ermöglicht, mit solchen Situationen entspannter umzugehen. Sicher ist es extrem unangenehm gekündigt zu werden. Man sollte sich in einer Situation aber davor hüten, sich emotional zu stark aufzuschaukeln und die Sache zu überdramatisieren. Es ist in so einer Situation wichtig, mal tief Luft zu holen und vielleicht einen Spaziergang im Park zu machen. Dann wird man feststellen: Die Welt ist nicht untergegangen, ich werde davon nicht sterben, die Vögel zwitschern weiter im Park, die Sonne scheint am Himmel als wäre nichts geschehen. Es ist immer wichtig, in solchen Situationen einen klaren Kopf zu behalten denn alles andere verschlimmert die Situation.

    Unter "stärkerer Flexibilisierung" verstehe ich, das beide Seiten, Arbeitnehmer wie Arbeitgeber ein stärkeres Interesse an Weiterbildungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten zeigen müssten. Der Arbeitgeber erhält dadurch einen qualifizierteren Mitarbeiter und ein qualifizierterer Mitarbeiter braucht auch weniger Angst vor Arbeitslosigkeit zu haben.

    Ich war für einige Jahre als ehrenamtlicher Gewerkschaftsfunktionär der Gewerkschaft Verdi und als Personalratsmitglied in meiner Firma tätig. Unsere Firma besteht zum größten Teil aus Langzeitbeschäftigten die viele Jahre für die Firma arbeiten. Je länger man für eine Firma arbeitet, desto tiefer gerät man jedoch in eine Abhängigkeit von dieser Firma. In meiner Zeit als Gewerkschaftsfunktionär habe ich deshalb versucht mich für bessere Qualifizierungsmöglichkeiten einzusetzen. Leider stiess ich dabei jedoch auf beiden Seiten, Arbeitgeber wie Arbeitnehmer (deren Interessen ich als Verdi-Funktionär ja vertreten sollte) auf taube Ohren. Die Arbeitgeber haben – zumindest in meiner Firma – offenbar kein Interesse daran das irgendjemand über die für die simple Erledigung seiner gegenwärtigen Tätigkeit hinausgehende Qualifikationen erwirbt und die Arbeitnehmer ziehen es ebenfalls vor bei Tarifverhandlungen lediglich mehr Geld zu fordern.

    Das war einer der Gründe weshalb ich meine gewerkschaftlichen Funktionen abgelegt habe. Diese ganzen Tarifverhandlungen sind zu einem ritualisierten Spiel geworden. Die Tarifkommision fordert beispielsweise 5% mehr Gehalt, die Arbeitgeber zieren sich und schlagen maximal 1% vor, dann wird ein bissel getagt, vielleicht gibt es noch einen oder mehrere symbolische Warnstreiks und dann einigt man sich auf 3% und jeder hält sich für einen Gewinner. Mein Ziel war es immer aus diesen Ritualen auszubrechen. Ich persönlich finde, dass das Gehalt in meiner Firma nicht schlecht ist. Man kann gut damit auskommen. Absolut schlecht und miserabel sind jedoch die Qualifizierungs- und Aufstiegsmöglichkeiten. Eigentlich sollte es doch in beiderseitigem Interesse sein, mal aus dieser Schiene auszubrechen. Statt einer routinemässigen Lohnerhöhung bei den Tarifverhandlungen könnte man doch mal Rahmenbedingungen aushandeln, die konkrete Qualifizierungsmöglichkeiten für qualifizierungswillige Arbeitnehmer beinhalten. Das sollte doch auch im Interesse des Betriebes sein, er könnte dadurch eine Lohnrunde einsparen und die (qualifizierungswilligen) Arbeitnehmer hätten langfristig auch etwas gewonnen. Leider stiess ich mit solchen Ideen stets auf taube Ohren, was dazu führte, das ich mich aus diesem Kindergartenverein zurück gezogen habe.

  4. BeginnersMind sagt:

    Der Autor lässt einige wichtige Aspekte weg. Das Machtverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist oft asymmetisch mit entsprechendem Einfluss auf den Systemzustand. Des weiteren führte ein ökonomisch rationales Verhalten der Arbeitnehmer rasch in ökonomische Schwierigkeiten: Häuser würden nur von wenigen Wohlhabenden gekauft, Männer würden sich sterilisieren lassen, um die Kosten im Griff zu haben. All dies hätte erhebliche negative Rückwirkungen auf die konjunktuelle Lage. Last-not-least: Die Erkenntnissse, die wir aus dem Ultimatumspiel haben müssen mitbedacht werden. Der Mensch verhält sich eben nicht immer wie ein einfacher Profitoptimierer. Das Modell “Homo ökonomikus” greift zu kurz. http://de.wikipedia.org/wiki/Ultimatumspiel

  5. Argutus sagt:

    #3 Firithfenion am 20. August 2011 um 12:28

    die Arbeitnehmer ziehen es ebenfalls vor bei Tarifverhandlungen lediglich mehr Geld zu fordern

    Die einseitige Fixierung der Arbeitnehmer (und in Folge auch der Gewerkschaften) aufs bloße Geld habe ich nie verstanden.

    In manchen Firmen herrschen Arbeitsbedingungen, die ich im Bereich zwischen schierer Ausbeutung und echter Folter verorten würde. Beispielsweise wenn Angestellten eines großen Kaufhauses verboten wird, sich während der Arbeitszeit hinzusetzen, wenn sie ununterbrochen abscheulicher Musik oder (wie in Drogeriemärkten) ekelhaften Gerüchen ausgesetzt sind.

    Und dann wird über nichts weiter verhandelt, als bloß darüber, daß sie ein paar läppische Euro mehr bekommen sollen. Ich fasse es nicht.

  6. Rechtspopulist sagt:

    #1Argutus am 20. August 2011 um 08:16

    "Das System des "hire and fire" in der freien Wirtschaft ist ja allgemein bekannt. Wer im Rahmen dieses Systems berufstätig ist, sollte tunlichst davon Abstand nehmen im Vertrauen auf den Fortbestand seiner Anstellung, der kein Vertrauen verdient, Schulden zu machen."
     
    … oder sich Kinder anzuschaffen. Und schon sieht man, wie ungesund dieses "Hire&Fire"-Prinzip letztlich ist.

  7. Firithfenion sagt:

    #5 Argutus am 20. August 2011 um 18:52
    In manchen Firmen herrschen Arbeitsbedingungen, die ich im Bereich zwischen schierer Ausbeutung und echter Folter verorten würde. Beispielsweise wenn Angestellten eines großen Kaufhauses verboten wird, sich während der Arbeitszeit hinzusetzen, wenn sie ununterbrochen abscheulicher Musik oder (wie in Drogeriemärkten) ekelhaften Gerüchen ausgesetzt sind.

    Und dann wird über nichts weiter verhandelt, als bloß darüber, daß sie ein paar läppische Euro mehr bekommen sollen. Ich fasse es nicht.

    Ja das sehe ich ebenso. Es gibt zahlreiche Dinger, die meiner Meinung nach von dauerhafterem Nutzen sind als ein paar Euro mehr. Verbesserung der Arbeitsbedingungen, qualifizierungsmöglichkeiten für qualifizierungsinteressierte Arbeitnehmer und vieles mehr.

    Nehmen wir mal als Beispiel die Schichtarbeit. In vielen Branchen ist sie unverzichtbar, so natürlich auch in einem großen Verkehrsbetrieb. Die Schichtfolgen sind jedoch äusserst unregelmässig und dadurch für die Gesundheit und auch für die Familien- und Lebensplanung des Arbeitnehmers oftmals problematisch. Schaut man sich aber mal etwas näher an, wie die Dienstpläne aufgebaut sind, dann stellt man schnell fest das es hier jede Menge Optimierungsmöglichkeiten gibt. Mit ein bisschen mathematischem Verständnis könnte man relativ leicht Algorithmen ausarbeiten, welche viel verträglichere und regelmässigere Schichtfolgen zustande bringen, bei gleichzeitig 100%iger Abdeckung der erforderlichen Dienste. Komischerweise scheint aber niemand dafür Interesse zu haben. Jedenfalls stand ich mit solchen Ideen stets als absoluter Aussenseiter da. Die Arbeitnehmer beklagen sich über die unregelmässigen Dienste, wenn man sie aber fragt was da zu tun sei, dann fallen ihnen lediglich höhere Schichtzulagen als Lösung ein. Interessanterweise scheint aber auch die Arbeitgeberseite nicht an derartigen Veränderungen interessiert zu sein. Obwohl sie sich natürlich jedesmal obligatorisch zieren wenn es zu Tarifverhandlungen kommt, sind sie eher bereit höhere Löhne zu zahlen anstatt mal darüber nachzudenken, ob man Arbeitsabläufe, die lediglich durch das Argument: "Das haben wir schon immer so gemacht!" begründet sind, mal auf Optimierungsmöglichkeiten überprüfen könnte, die zu einer Win/Win Situation führen könnten, bei der beide Seiten, Arbeitnehmer wie Arbeitgeber profitieren könnten.

  8. Firithfenion sagt:

    #6 Rechtspopulist am 20. August 2011 um 20:58
    … oder sich Kinder anzuschaffen. Und schon sieht man, wie ungesund dieses "Hire&Fire"-Prinzip letztlich ist.

    Das Prinzip "Hire&Fire" ist natürlich letzendlich ungesund, dennoch muss man mit einer solchen Mentalität rechnen, da diese Erkenntnis in den Kreisen des Managements noch nicht ausreichend durchgedrungen ist. Eine "Hire&Fire" Mentalität auf Seiten des Arbeitgebers wird auf der Seite des Arbeitnehmers zu einer reinen "Dienst nach Vorschrift" Mentalität führen, das man für die Firma nicht einen Handschlag mehr macht als bezahlt wird und im Arbeitsvertrag festgelegt ist. Das kann kaum im beiderseitigen Interesse sein.

    Etwas positives kann ich der im Film gezeigten "Hire&Fire" Mentalität jedoch abgewinnen. Zumindest in den USA gibt es beim "Hire&Fire" kaum gesellschaftliche Schranken, wie in dem Film auch gezeigt wird. Es kann dort einen Manager genau so treffen wie einen Taxifahrer. Das zumindest wäre in Deutschland undenkbar, empfinde ich aber als irgendwie gerecht. "Hire&Fire" bezieht sich hierzulande fast ausschliesslich auf die Ebenen unterhalb des Managements. Die Ebene des Managertums hat sich hier in Deutschland zu einer Art moderner Aristokratie entwickelt, die nicht mehr dem Leistungsprinzip unterworfen ist. Die Vorstellung das ein Manager mit Haus und Porsche aus welchen Gründen auch immer auf der Strasse landet und nach wenigen Monaten sich als Bauhilfsarbeiter betätigen muss um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, ist in den USA durchaus real, hier in Deutschland jedoch schlicht undenkbar. Offensichtliches Versagen im Management wird hierzulande bestenfalls damit bestraft, das der betreffende Manager symbolisch auf einen anderen, kaum geringer bezahlten Posten in einer weniger bekannten Firma versetzt wird und damit aus dem Blickwinkel der Öffentlichkeit gerät.

  9. Azrail sagt:

    Wie man sieht, ist das Raubtiersystem am platzen. Die USA vor dem Kollaps.

  10. GottlosGlücklich sagt:

    #9 Azrail am 20. August 2011 um 22:50

    Wie man sieht, ist das Raubtiersystem am platzen. Die USA vor dem Kollaps.

    Von welchem System sprichst Du? Dass diverse Indizes leicht nachgegeben haben, ist kein Zeichen für das Platzen eines Systems. Und die USA haben unter einem Präsidenten Obama ganz sicher kein "Raubtiersystem".

  11. Azrail sagt:

    #10 GottlosGlücklich

    Man muss noch erwähnen,dass Obama machen kann was er will, der Kongress hat die republikanische Mehrheit und da kann er nichts mehr durchdrücken.
    Siehe Gesundheitsreform.
    Das System ist tatsächlich am Ende. Triple A gibt es nicht mehr und die Chinesen haben die Mehrheit der amerikanischen Staatsanleihen, sind also die Hauptgläubiger. Das wird den Amerikanern ganz schön zum schlucken geben und ich sage für die normalen Arbeiter und Angestellten, also für die Leute, wo das Prinzip: Hire and Fire gilt.
    Keine schöne Aussicht die Mehrheit der Bevölkerung.
    Obama wird auch nicht die Besteuerung der Reichen durchsetzen können. Der Lobbyismus ist dort ausgeprägter wie bei uns.

  12. Azrail sagt:

    #6 Rechtspopulist

    Repo, ich frage mich sowieso wie verrückt diese Gesellschaft da drüben ist, kein Sozialsystem oder nur ganz mies und ein Gesundheitssystem was nur für Reiche da ist. Die Armen können in diese beschissenen Polikliniken abdüsen.
    Trotz dieser Situation, hat die USA eine ziemlich hohe Geburtenrate. Aber wie man sieht, lebt ein Großteil dieser Kinder in großer Armut. Eine Maximierung der Unterschicht, wo auch die durchgeknallte Religiosität daran schuld ist.
    Es gehört z. B. in Texas zum guten Ton, halt Dich fest, ein Bibeltischchen im Korridor aufzustellen und jeden Tag ein Kapitel der Bibel aufzuschlagen, einfach grotesk.
    Ich denke dieser Wahn hat auch zu diesem Raubtierkapitalismus geführt.

  13. GottlosGlücklich sagt:

    #11 Azrail am 20. August 2011 um 23:45

    Man muss noch erwähnen,dass Obama machen kann was er will, der Kongress hat die republikanische Mehrheit und da kann er nichts mehr durchdrücken.

    Ich finde es gut, dass dieser sozialromantische Träumer Obama durch eine realpolitische Mehrheit im Kongress wieder auf den Boden der Realität zurück geholt wird.

    Das System ist tatsächlich am Ende. Triple A gibt es nicht mehr

    Dass die USA als Schuldner kein "Triple A" von einer x-beliebigen Ratingagentur mehr verliehen kriegen, heißt noch lange nicht, dass das System am Ende ist. Die Bewertung durch Rating-Agenturen ist rein subjektiv und erlangt ihre Bedeutung nicht etwa durch ihre Seriosität, sondern dadurch, dass sie von Vielen ohne Nachfrage geglaubt wird. Diese Bewertung hat also religiösen Charakter.

  14. ilex (E. Ahrens) sagt:

    #13 GottlosGlücklich am 21. August 2011 um 00:13

    Ich finde es gut, dass dieser sozialromantische Träumer Obama durch eine realpolitische Mehrheit im Kongress wieder auf den Boden der Realität zurück geholt wird.

    Man kann eine Volkswirtschaft (wie die Praxis zeigt) auf verschiedene Arten organisieren. Die Ergebnisse der der USA sind nicht optimal.

    siehe → hier

  15. GottlosGlücklich sagt:

    #14 ilex (E. Ahrens) am 21. August 2011 um 00:30

    Man kann eine Volkswirtschaft (wie die Praxis zeigt) auf verschiedene Arten organisieren.

    Natürlich kann man das.

    Die Ergebnisse der der USA sind nicht optimal.

    siehe → hier

    Der Satz 3 in Deinem Link lautet:

    Die Daten sind untereinander aber nur sehr bedingt miteinander vergleichbar, da sich sowohl die Methodik als auch der Erhebungszeitpunkt stark unterscheiden.

    Im Übrigen sagt eine Statistik über den "Gini-Koeffizienten" rein gar nichts über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft aus. Oder was würdest Du aus einer Statistik schließen, in der Ruanda und Äthiopien weit vor den USA rangieren?

  16. ilex (E. Ahrens) sagt:

    # 15 – GottlosGlücklich

    Natürlich sagt der "Gini-Koeffizinent" nichts über Leistungsfähigkeit. Eher sagt es was über gerechtere Einkommensverteilung. Du willst mir doch nicht erzählen, dass ein Bankvorstand 500-mal mehr arbeitet als ein Klempner oder Müllwerker.

    Der Unternehmer mag verdienen, was er will – er setzt sein Kapital ein und hat das Risiko. Alle anderen verkaufen nur Arbeitszeit.

  17. kantomas sagt:

    Militärausgaben um die Hälfte kürzen und die Steuern für jeden, der mehr als 150.000 Dollar im Jahr  verdient ordentlich anheben und schon gibt es viel weniger Probleme in den USA.

    Da wäre natürlich noch die negative Handelsbilanz.

    Ausserdem hat bisher nur eine Ratingagentur die USA runtergestuft.

  18. smartshooter sagt:

    Naja, gibt doch immer solche und solche… 

    Im Mittelstand ist es öfter mal üblich, daß die Angestellten zur Familie gehören. Ein kluger Arbeitgeber wird auch nie einfach so feuern. 

    Aber natürlich es gibt sie, die Raubtierkapitalisten. Ich denke da z.B. an eine bestimmte Drogeriekette, oder einen Kleiderdiscount, der schon unter unwürdigen Bedingungen in Fernost produzieren lässt. Gegen derartige Auswüchse muß eine Gesellschaft sich wehren.

    Da sehe ich allerdings ein paar grundlegende Schwierigkeiten. Unsere legale Wirtschaft ist durchseucht von kriminellen Geld, das irgendwann, wenn es nur oft genug den Besitzer gewechselt hat, nicht mehr stinkt. Die organisierte Kriminalität erwirtschaftet Milliarden, die investiert werden wollen. Und mein Eindruck ist, das Ganze färbt ab, irgendwie ist inzwischen so gut wie alles käuflich geworden.

  19. ilex (E. Ahrens) sagt:

    # 18 – smartshooter

    Wenn hier in der Provinz eine Drogeriekette den Laden dicht macht und Tage später neu eröffnet mit zum Teil den gleichen Angestellten aber zu deutlich geringerem Arbeitslohn (angeblich 60 % von vorher), dann kann ich das nicht normal finden. Natürlich nutzt der Unternehmer das aus, was durchsetzbar ist. Aber sollte es so sein?

    Andererseits herrschen vornehmlich im Handwerk wohl zum Glück noch konservativere Bräuche. Ich sehe das bei meinen Cousins in Hamburg und auch bei den örtlichen Handwerkern hier in einem kleinen überschaubaren 7000-Leute-Ort, wo sich alles schnell rumspricht. Gute Handwerker haben eben eine gewisse Qualifikation und benötigen nicht ohne Grund ihre dreijährige Lehrzeit – das schützt sie.

  20. GottlosGlücklich sagt:

    #16 ilex (E. Ahrens) am 21. August 2011 um 01:02

    Du willst mir doch nicht erzählen, dass ein Bankvorstand 500-mal mehr arbeitet als ein Klempner oder Müllwerker.

    Natürlich arbeitet ein Bankvorstand nicht das 500fache an Stunden eines Klempners. Allerdings ist seine Arbeitszeit halt wesentlich mehr wert als die eines Klempners. Deswegen erhält z.B. der Migrant Josef Ackermann eben ein etwas höheres Salär als der Hausmeister der Deutschen Bank.

    Der Unternehmer mag verdienen, was er will – er setzt sein Kapital ein und hat das Risiko. Alle anderen verkaufen nur Arbeitszeit.

    Nur ist halt die Arbeitszeit des Einen mehr wert als die Arbeitszeit des Anderen. Und der Preis für die Arbeitszeit bestimmt sich halt nach Angebot und Nachfrage.

  21. ilex (E. Ahrens) sagt:

    # 20 – GottlosGlücklich

    Du kannst wohl davon ausgehen, dass mir klar ist, dass es Gründe gibt, Arbeitszeit unterschiedlich zu bezahlen. Dass aber bestimmte Gehälter in den letzten Jahren exorbitant gestiegen sind, hat eher mit Kumpanei zu tun als erhöhter Leistung. Im Laufe meines Arbeitslebens habe ich durchaus hautnah mitbekommen, was Vorstände größerer Unternehmen tatsächlich tun.

  22. GottlosGlücklich sagt:

    #21 ilex (E. Ahrens) am 21. August 2011 um 01:27

    Dass aber bestimmte Gehälter in den letzten Jahren exorbitant gestiegen sind, hat eher mit Kumpanei zu tun als erhöhter Leistung.

    Was verstehst Du unter "Kumpanei"? Wer z.B. sollte der Kumpan des Migranten Josef Ackermann sein, der ihm zu seinem nicht gerade geringen Salär verholfen hat? Ich bin der Meinung, dass Ackermann sein Gehalt einfach frei ausgehandelt hat und es deswegen daran gar nichts zu kritisieren gibt.

    Im Laufe meines Arbeitslebens habe ich durchaus hautnah mitbekommen, was Vorstände größerer Unternehmen tatsächlich tun.

    Es geht nicht darum, was die Vorstände größerer Unternehmen Deiner Ansicht nach "tun". Es geht darum, dass auch sie ihre Entlohnung frei aushandeln und dass sich im freien Spiel der Kräfte letzlich immer die richtige, also die marktangemessene Lösung ergibt.

  23. ilex (E. Ahrens) sagt:

    #22 – GottlosGlüclkich

    Wenn es nur nach "Marktangemessenheit" geht, könnte man sich viele Regelungen sparen, die es jetzt aus gutem Grund gibt.

    Außerdem sind die Höhen bestimmter Gehälter wieder nur mal Nebenthema bei "hire&fire". Die Statistiken der Gehaltsentwicklung der letzten 20 Jahre sind wohl deutlich. Und ja – ich suche sie nicht für Dich.

  24. Argutus sagt:

    #23 ilex (E. Ahrens) am 21. August 2011 um 01:56

    Wenn es nur nach "Marktangemessenheit" geht, könnte man sich viele Regelungen sparen, die es jetzt aus gutem Grund gibt.

    Das Problem der Wirtschaftspolitik ist nicht trivial. Einerseits ist der Kapitalismus mit weitem Abstand zu allen anderen Systemen die beste Methode zur Schaffung wirtschaftlicher Werte und somit des Wohlstands einer Volkswirtschaft.

    Andererseits aber gehorcht er seinen eigenen Gesetzen, die mit den Maximen einer humanen und zivilisierten Gesellschaft nur sehr bedingt kompatibel sind.

    Somit muß die Politik durch entsprechende Gesetze den Kapitalismus eindämmen ohne ihn aber ernsthaft zu beschädigen. Das dafür erforderliche Augenmaß überfordert freilich die meisten damit befaßten politischen Entscheidungsträger.

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