Heiliger Stuhl

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Seit dieser Artikel geschrieben wurde hat sich nichts an der Problematik geändert. Deshalb sei er hier noch einmal wiedergegeben.

Wir hatten also einen Staatsbesuch. Dieser „Staat“, der bereits 1870 untergegangen war, wurde auf 44ha und mit rund 500 Einwohnern in den Lateranverträgen 1929 erneut aus der Taufe gehoben. Mussolini, der für die italienische Seite unterschrieb, sicherte sich damit das Wohlwollen der Kirche für seine Politik. Ähnlich verhielt es sich mit dem Reichskonkordat 1933 zwischen Hitler und dem Heiligen Stuhl. So verhindert man Proteste der Kirchen, wenn der Staat ungewöhnliche oder gar verbrecherische Maßnahmen ergreift. Ein probates Mittel! Schon immer in der Geschichte hat Kirche die Nähe der Mächtigen gesucht und gleichzeitig dafür gesorgt, dass unliebsame „Konkurrenz“ von Staats wegen verfolgt und eingeschüchtert wurde. Die Nazis verboten als erstes die Freidenkerverbände, dann die Freikirchen. Die waren mangels Masse leichte Opfer. Das wird bei denen, die die Kirchen gern als Widerstandskämpfer stilisieren wollen, nur allzu gern vergessen oder verdrängt.

Dieser Staat hat auch – obwohl manchmal falsch dargestellt – keinen diplomatischen Dienst, aber immerhin ein schlagkräftige Armee. Alle Botschafter sind beim Heiligen Stuhl akkreditiert und nicht etwa beim Vatikanstaat. Das heißt aber, dass ihr Gegenüber reine Kirchenleute sind und nicht Diplomaten. Gleiches, nur umgekehrt, gilt für die „Botschafter“ (Nuntius) des Heiligen Stuhls in den Ländern, zu denen der Papst diplomatische Beziehungen unterhält. Dieses Konstrukt ist dermaßen ungewöhnlich, dass man mit Fug und Recht nicht von einem Staatsbesuch sprechen kann. Man hat in Kenntnis dieser Tatsachen einen reinen Religionsführer eingeladen, einen undemokratischen dazu, um vor den Demokraten des Bundestags zu sprechen. Möglichen Kritikern soll in diesem Punkt eindeutig Sand in die Augen gestreut werden. Der Papst selbst ist aber im Gegensatz dazu in seiner Rede erfreulich eindeutig und straft die Staatsbesuch-Apologeten Lügen:

Aber die Einladung zu dieser Rede gilt mir als Papst, als Bischof von Rom, der die oberste Verantwortung für die katholische Christenheit trägt. Sie anerkennen damit die Rolle, die dem Heiligen Stuhl als Partner innerhalb der Völker- und Staatengemeinschaft zukommt. Von dieser meiner internationalen Verantwortung her möchte ich Ihnen einige Gedanken über die Grundlagen des freiheitlichen Rechtsstaats vorlegen.

Die Diskussion um die angebliche Respektlosigkeit der ferngebliebenen Abgeordneten ist nur am Rande interessant, zeigt aber ganz deutlich das mangelnde Demokratieverständnis derjenigen, die sich darüber erbosen. Ebenso kritisch muss man wohl die Stimmen betrachten, die an die Inhalte der Papstrede ganz bestimmte Bedingungen knüpfen. Wie sollte man den Papst dazu zwingen können, zu Fragen Stellung zu nehmen, nur weil von manchen Antworten erwartet werden? Missbrauch, Abtreibung, Zölibat, Frauenordination und manches andere mehr standen für Ratzinger nicht auf der Agenda, weshalb auch das Nachhaken in diesem Punkt wenig sinnvoll erscheint, siehe etwa den Artikel Nun hat ER gesprochen. Man sollte sich schon die Mühe machen, sich mit dem auseinanderzusetzen, was er wirklich gesagt hat und welche Konsequenzen sein Besuch in Deutschland mit sich bringt. In diesem Zusammenhang hat Arik Platzek ein interessantes Interview mit Johann-Albrecht Haupt geführt Es ist ein deutlicher Schaden entstanden, das ich zur vollständigen Lektüre wärmstens empfehle. Ich greife deshalb hier nur einen sehr wichtigen Punkt heraus bezüglich des Treffens von Herrn Ratzinger mit den Richtern am Bundesverfassungsgericht:

Die Humanistische Union hat die Form des Treffens mit den Bundesverfassungsrichtern kritisiert. Das ist nur eine Wortmeldung. Was müsste man in Zukunft sicherstellen, damit sich so etwas nicht wiederholt? In diesem Fall ist die Gesellschaft überrumpelt worden.

Haupt: Sicherstellen kann man das in einer religiös, oder vielmehr christlich-religiös geprägten Gesellschaft, wahrscheinlich nicht. Dazu ist die Humanistische Union auch gar nicht in der Lage. Man kann nur versuchen, mit guten Argumenten auf die Öffentlichkeit einzuwirken. Und das ist ja an sich unser Markenzeichen: das wir mit guten Argumenten versuchen, uns in die politische Diskussion einzumischen. Manchmal haben wir mehr Erfolg, manchmal weniger.

Sehen Sie, dass durch dieses Treffen der Souveränität des Bundesverfassungsgerichts als einem weltanschaulich neutralen Verfassungsorgan ein Schaden entstanden ist?

Haupt: Ja, das ist ganz deutlich geschehen. Wenn es in zukünftigen Verfahren darum geht, ob die Grenzen der Neutralität gewahrt oder überschritten sind, muss sich das Bundesverfassungsgericht vorhalten lassen, dass sie sich dem Papst – ich will nicht sagen, zu Füßen geworfen haben -, aber ihm doch sehr nahe getreten sind und eine Nähe nach außen hin gekennzeichnet haben. Und das kann nicht gut sein, denn die Gerichte leben ja auch von der Unabhängigkeit der Richter und davon, dass sie wenigstens den Schein einer Nähe zu einer bestimmten Prozesspartei vermeiden. Diesen wird das Bundesverfassungsgericht in Zukunft nur noch sehr schwer wahren können.

Mich wundert sehr, dass sich die Verfassungsrichter so ohne weiteres von Herrn Ratzinger herbei zitieren lassen. Dieser Staat ist bereits dermaßen von Religion unterwandert, dass kaum noch jemand Anstoß an diesem Bruch aller Regeln nimmt. Für die Gewaltenteilung in Deutschland sieht es zunehmend düster aus. Und wenn dann noch von „islamkritischer“ Seite der Vorwurf kommt, wir befassten uns auf wissenbloggt zu viel mit der Kirche („Die sind doch harmlos, lasst sie in Frieden“), der weiß ganz offensichtlich nicht, wovon er redet.

Der wesentliche Teil der Papstrede befasste sich mit den Grundlagen des Rechts. Auf die Gefahr hin, den einen oder anderen zu langweilen, zitiere ich drei kurze Abschnitte aus dem päpstlichen Diskurs:

Wie erkennt man, was recht ist? In der Geschichte sind Rechtsordnungen fast durchgehend religiös begründet worden: Vom Blick auf die Gottheit her wird entschieden, was unter Menschen rechtens ist. Im Gegensatz zu anderen großen Religionen hat das Christentum dem Staat und der Gesellschaft nie ein Offenbarungsrecht, eine Rechtsordnung aus Offenbarung vorgegeben. Es hat stattdessen auf Natur und Vernunft als die wahren Rechtsquellen verwiesen – auf den Zusammenklang von objektiver und subjektiver Vernunft, der freilich das Gegründetsein beider Sphären in der schöpferischen Vernunft Gottes voraussetzt. […]

Wo die alleinige Herrschaft der positivistischen Vernunft gilt – und das ist in unserem öffentlichen Bewußtsein weithin der Fall –, da sind die klassischen Erkenntnisquellen für Ethos und Recht außer Kraft gesetzt. Dies ist eine dramatische Situation, die alle angeht und über die eine öffentliche Diskussion notwendig ist, zu der dringend einzuladen eine wesentliche Absicht dieser Rede ist. […]

Ist es wirklich sinnlos zu bedenken, ob die objektive Vernunft, die sich in der Natur zeigt, nicht eine schöpferische Vernunft, einen Creator Spiritus voraussetzt?

Zwei Dinge werden klar, die aber in der religiösen Verblendung dieses Herrn zu erwarten waren: Herr Ratzinger verabscheut die Demokratie und bedient sich des dümmlichen Uhrmacher-Arguments (Creator Spiritus). Und die Demokraten, die soeben entwertet wurden, spenden stehenden Beifall – es ist unglaublich. Anscheinend haben sie wirklich nicht verstanden, was ihnen da vorgesetzt wurde. Zusammengefasst kann man sagen: Ihr dürft entscheiden, aber bitteschön nur so wie ich, Papst und Weltenlenker, es euch vorschreibe. In der parlamentarischen Praxis sieht es genau so aus: die zahlreichen vatikanischen pressure groups versuchen mit allen Mitteln, die Entscheidungen des Parlaments im Sinne eines fiktiven Wesens, besser aber der eigenmächtigen Kaste der Priester, zu beeinflussen.

Humanisten und Laizisten stehen da mehr oder weniger hilflos am Rande angesichts dieser totalitären Gewalt, die von Rom aus die ganze Erde zu beherrschen sucht. Es ist noch ein langer Weg zur Vernunft!

Dieser Besuch hat uns jedenfalls keinen Schritt weiter gebracht.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 

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18 Antworten auf Heiliger Stuhl

  1. Argutus sagt:

    Alle Botschafter sind beim Heiligen Stuhl akkreditiert und nicht etwa beim Vatikanstaat.

    Rechtlich ist das so (ich verstehe eigentlich nichts davon, habe das aber einmal in einem Lehrbuch des Völkerrechts gelesen): Der Vatikan ist überhaupt kein Staat sondern ein Gebilde sui generis. Wohl aber ist der Heilige Stuhl ein Völkerrechts-Subjekt und wäre das auch, wenn es den Vatikan gar nicht gäbe. An der völkerrechtlichen Situation haben die Lateran-Verträge von 1929 nichts geändert.

    Es gibt übrigens noch ein weiteres staatenloses Völkerrechts-Subjekt (und das sogar ohn jede ihm zugeordnete Fläche, die man auf einer Landkarte einzeichnen könnte): das ist der souveräne Malteser-Orden.

    Vielleicht gibt es unter unseren Lesern einen Juristen, der das alles noch genauer erklären kann.

  2. Frank Berghaus sagt:

    #1 Argutus am 24. September 2011 um 10:17

    Ich halte das nicht für so sonderlich interessant: dann hatten wir eben einen Völkerrechtssubjektbesuch – aber zum Staatsbesuch wird es damit noch lange nicht, was uns eingetrichtert werden sollte, um die Einladung ins Parlament zu begründen.

  3. grottian sagt:

    Gut gebrüllt, Löwe.

    Selbst in der GBS begegnet man jenen, die sich darüber beklagen, dass man sich zuviel mit der Kirche beschäftigt, ihr zuviel Aufmerksamkeit schenkt ("Die sind doch harmlos, lasst sie in Frieden.") und sich wichtigeren Themen zuwenden sollte. Diese Auffassung scheint mir vor allem im studentischen Bereich der Humanisten verbreitet zu sein, d.h. in einem weitgehend klerikal befreiten akademischen Raum. Die Berufswelt sieht anders aus. Der Klerus hat wohl ein gewisses Interesse an einem "low profile", (damit das krasse Mißverhältnis zwischen personeller und materieller Ausstattung vielleicht nicht zu offensichtlich wird) aber sein Einfluss im sozialen Bereich ist weiterhin immens, vom medialen und politischen ganz zu schweigen. Letzteres hat uns der Papstbesuch aber dann doch noch einmal vor Augen führt: wenn die alten Herren sich entschließen die Strippen zu ziehen, dann tanzen die Puppen, sprich Journalisten, Politiker und Verfassungsrichter(Ich fass es nicht!).

    Voltaires "Écrasez l'infâme!" hat für mich daher nicht viel von seiner Dringlichkeit verloren.

  4. ilex (E. Ahrens) sagt:

    Wobei Benedikt XVI eben taktisch wieder verschwiegen hat, was seit dem 31.10.1999 Konsens ist: Die Rechtfertigungslehre auch der katholischen Kirche hält sich an Luthers Auffassung. Davon weiß er als Theologe natürlich mehr als Millionen seiner Schäfchen. So kam er kaum umhin, Luther zu loben (schlechtes Gewissen ?), allerdings ohne daraus weitere praktische Konsequenzen zu ziehen, denn der Machterhalt ist wichtiger.

    Wenn denn deutsche Katholiken verheiratete Priester wollen und Frauen als Priesterinnen – was hält sie ab, lutherisch zu werden, wenn sie denn unbedingt Christen bleiben wollen. Die christliche Theologie ist zwischen beiden Konfessionen weitgehend angepaßt, wie schon Papst JP II ausdrücklich festgestellt hat. Nur die Folklore ist etwas unterschiedlich. So könnte man ein Zeichen gegen päpstliche Reformverweigerung setzen.

  5. Frank Berghaus sagt:

    #3 grottian am 24. September 2011 um 10:37

    Schön, dich endlich auch bei WB begrüssen zu dürfen: Herzlich Willkommen und rege Teilnahme!

  6. Pingback: Heiliger Stuhl | WISSEN BLOGGT « Toumai1470's Blog

  7. Felix sagt:

    „Anscheinend haben sie wirklich nicht verstanden, was ihnen da vorgesetzt wurde. “
    Ich und viele andere Leser und Hörer haben es offenbar verstanden. Sollen wir also bei unseren Palamentariern ungenügende Aufmerksamkeit oder Intelligenz konstatieren?

    Oder ist es noch viel schlimmer: sie haben verstanden und spenden bewußt stehenden Applaus, weil sie sich schon im Bewußtsein künftiger religiöser Unterordnung haben wählen lassen?
    Es ist erschreckend.

  8. Frank Berghaus sagt:

    #6 Felix am 24. September 2011 um 13:12

    Beides ist möglich – aber ich gehe immer erst einmal von Dummheit aus! Seltsamerweise wird dieser Punkt auch nirgendwo in der Presse (soweit ich weiss) aufgegriffen.

    Doch zunächst einmal Herzlich Willkommen auf WB!

  9. KDL sagt:

    Ich habe in meinem Arbeitszimmer eine Skulptur vom Künstlermarkt, die die Karikatur eines Mönchs, der an seinem Schreibtisch steht darstellt. Am Fuß des Tisches ist ein dampfendes "Häufchen" abgebildet – mit der Beschriftung "heiliger Stuhl". ;-)

  10. Frank Berghaus sagt:

    Auch unser Freund Skydaddy (Matthias) nimmt aus dem fernen Singapur mit seinen Argumenten Stellung: Der Papst pfeift auf dem letzten Loch:

    http://skydaddy.wordpress.com/2011/09/22/bundestagsrede-der-papst-pfeift-auf-dem-letzten-loch/

  11. smartshooter sagt:

    Ich empfinde diesen "Staatsbesuch" als Ärgernis, wobei mich dieser Auftrieb doch erstaunt. Es wird ein breiter gesellschaftlicher Konsens vergegaukelt, in dem ich aber weder mich, noch mein Umfeld sehe.

    Beim Kohl Zitat ist die ein "dabei" rein gerutscht. 

    "Entscheidend ist, was hinten rauskommt." – während einer Pressekonferenz am 31. August 1984; zitiert in DER SPIEGEL, 3. September 1984

    Soviel Zeit muß sein. 

     

  12. Rechtspopulist sagt:

    "In der Geschichte sind Rechtsordnungen fast durchgehend religiös begründet worden: Vom Blick auf die Gottheit her wird entschieden, was unter Menschen rechtens ist. Im Gegensatz zu anderen großen Religionen hat das Christentum dem Staat und der Gesellschaft nie ein Offenbarungsrecht, eine Rechtsordnung aus Offenbarung vorgegeben."

    Ähm …, NEIN!

    Wie steht's denn z.B. mit dem Scheidungsverbot? Wie steht es mit den Gesetzen, die Homosexualität unter Strafe stellten? Kuppelei? Und äh: Inquisition? Etc. etc. etc.

    "Es hat stattdessen auf Natur und Vernunft als die wahren Rechtsquellen verwiesen – auf den Zusammenklang von objektiver und subjektiver Vernunft, der freilich das Gegründetsein beider Sphären in der schöpferischen Vernunft Gottes voraussetzt. […]

    Ja, klar, der ach so "vernünftige" Gott im Himmel hat dann eben doch das letzte – nein vernünftigste Wort. Gott ist jetzt auch aufgeklärt – Hallelujah!

    "Wo die alleinige Herrschaft der positivistischen Vernunft gilt – und das ist in unserem öffentlichen Bewußtsein weithin der Fall –, da sind die klassischen Erkenntnisquellen für Ethos und Recht außer Kraft gesetzt."

    Ja, ja, die Kuffar taugen nichts. Wie oft musste ich mir das schon von Chrsiten anhören, dass ich der letzte Dreck bin?

    "Dies ist eine dramatische Situation, die alle angeht und über die eine öffentliche Diskussion notwendig ist, zu der dringend einzuladen eine wesentliche Absicht dieser Rede ist. […]"

    Und wo ist die Einladung Pierre Vogels? Wann spricht der im Parlament?

    "Ist es wirklich sinnlos zu bedenken, ob die objektive Vernunft, die sich in der Natur zeigt, nicht eine schöpferische Vernunft, einen Creator Spiritus voraussetzt?"

    Eben! Eben!  Darum sagen wir alle ganz laut: "Allah hu akbar!  Wer will die Existenz und Vernunft des großen Allah leugnen? Nur Ungläubige erkennen Gottes genialen Qur'an nicht an …

    Religion macht blöd!

    Die "objektive Vernunft" in der Natur gibt es nicht. Diese Form des Gottesbeweises ist sattsam widerlegt, Herr Ratzinger!

  13. Abu Sheitan sagt:

    Ich habe letzte Woche mal Wolf Singer, der unter anderem auch lebenslang Mitglied in der päpstlichen Akademie der Wisswenschaften ist, gefragt, ob die Erkenntnisse der Hirnforschung nicht den von den Religionen behaupteten Offenbarungs- und Erleuchtungserlebnissen den Boden wegzöge, da z.B. bei ca. 80% der  Probanden solche Phänomene experimentell erzeugt werden könnten. Erstaunlich fand ich, dass er von Persingers Versuchen mit transkaranieller Magnetstimulation mit dem sogenannten Koren-Helm noch nichts gehört hatte. Noch viel erstaunlicher war allerdings seine Antwort. Er meinte, es sei nicht auszuschließen, dass die (Religiösen) etwas wüssten, was wir nicht wissen. Überhaupt sei die Hirnforschung mit ihren relativ groben Methoden erst am Anfang und würde wahrscheinlich in Zukunft beurteilt wie heute die Erkenntnisse des Kopernikus. Singer hat mit seinem buddhistischen Freund Matthieu Ricard ein  Buch geschrieben, das den Dialog zwischen den religiösen und wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Thema hat.

    Volker Beck hat gerade gefordert, den Dalai Lama in den Bundestag einzuladen. Dann dürfen in Zukunft auch die Eiertoller nicht fehlen. (Kleiner Anflug von Kewilismus) und dann führende Astrologen, Anthroposophen usw….

  14. pinetop sagt:

    Ich habe am Sonntagmorgen hr4 gehört. Gast zu einem Plauderstündchen war die Schauspielerin Ruth Maria Kubitschek. Sie bekannte sich zu ihrem christlichen Glauben und verteidigte ihn mit Eloquenz. Dabei offenbarte sich, dass sie eine überzeugte Pantheistin ist. Pantheismus ist nach Schopenhauer nur die vornehme Version des Atheismus. Ich vermute, dass sehr viele Menschen, die sich selbst für christlich halten, eine gewaltige Distanz zum Christentum haben ohne sich darüber bewusst zu sein.

  15. Frank Berghaus sagt:

    #13 pinetop am 26. September 2011 um 16:49

    Das ist ja ein (fast unbegreifliches) Phänomen, das auch Lehnert in seinem Buch anschaulich schildert. "Natürlich bin ich Christ" sagt sich schnell, aber die Kenntnis fast aller dazu nötigen Details fehlt.

    Dasselbe findet sich bei der grossen Mehrzahl der Moslems. Sie wissen schlicht nicht, was in den heiligen Schriften steht und wofür sie sich hergeben.

  16. Argutus sagt:

    #13 pinetop am 26. September 2011 um 16:49

    Pantheismus ist nach Schopenhauer nur die vornehme Version des Atheismus.

    Vornehmheit ist Ansichtssache, aber in einem Punkt hat Schopenhauer Recht: der Pantheismus ist eine Form des Atheismus. Früher nannten sich manche Atheisten Pantheisten, um so der Verfolgung zu entgehen und heute tun sie es um sich unbewußt selbst zu betrügen.

    Ich vermute, dass sehr viele Menschen, die sich selbst für christlich halten, eine gewaltige Distanz zum Christentum haben ohne sich darüber bewusst zu sein.

    Davon bin ich überzeugt, denn das beobachte ich seit Jahrzehnten immer wieder. Viele, die sich Christen nennen, sind wenn man ihnen theologisch auf den Zahn fühlt, eigentlich Atheisten. Und der überwiegende Großteil des Rests sind Häretiker.

    Das Christentum war einmal eine Tragödie und ist heute nur noch eine Farce.

  17. Rechtspopulist sagt:

    #12Abu Sheitan am 26. September 2011 um 09:01

    Solche Erlebnisse werden ja ebenso durch Drogen hervorgerufen oder durch irgendwelche Trance-Praktiken, die beispielsweise Naturvölker anwenden mit ihren Tänzen und Trommelwirbel etc. Am bekanntesten sind wohl, von solchen Völkern abgesehen, die Derwische des vorderen Orients.

    Jenseits der Frage danach, was sich derweil im Hirn abspielt und welche Arten von Wechselwirkungen es so gibt (mich hatte z.B. mal ein Unfall in die VIII. Stufe buddhistischer Versenkung katapultiert – das ist fast schon Nirwana), interessiert mich dabei ein ganz besonderer Aspekt. Und zwar die Frage nach der Objektivität bzw- auch Intersubjektivität.

    Mal ein Beispiel: Im Koran findet man bezeichnenderweise nichts, das den Wissenshorizont Mohammeds bzw. der damaligen Zeit übersteigt. Der Gott Allah oder sein sogenannter "Engel" hat also nichts offenbart, das nicht der angebliche Prophet selbst hätte irgendwoher wissen können – zuzüglich der für die damalige Zeit üblichen Irrtümer.

    Ich wage mal zu behaupten, dass der Koran bestenfalls Stammtisch-Niveau hat und nichts weiter wiederspiegelt als Mohammeds eigene Fantasieprodukte.

    Nun aber ein anderes Beispiel, das gut dokumentiert ist: Swedenborg und der "Brand von Stockholm". Der Mann weilte seinerzeit hunterte Kilometer von Stockholm entfernt und "sah" die brennende Stadt.

    Hier deckt sich das Erlebnis plötzlich mit Ereignisssen, die woanders tatsächlich ablaufen. So etwas hat als Phänomen eine andere Bedeutung als was auch immer für Zustände, die rein subjektiver Natur sind. Da ich derartige Phänomene selbst kenne, bin ich natürlich geneigt, entsprechende Schilderungen nicht grundsätzlich als Nonsens abzutun.

    Für mich folgt daraus, dass unser derzeitiges Wissen über uns selbst in Relation zur Komplexität der tatsächlichen Beschaffenheit eben nur ein begrenztes ist. Das aber heißt ja nicht, dass man religiösen Unfug blind zu glauben hätte. Es mag ja sein, dass vielleicht irgendwelche Leute tatsächlich irgendwelche Wahrnehmungen hatten. Aber was nützen solche, wenn man keine Möglichkeiten adäquater Interpretation hat?

    Das ist übrigens sehr banal: Wenn ich in einen Media-Markt gehe, sehe ich etliche Kleingeräte, bei denen ich gar nicht weiß, welchen Zweck die Erfüllen. Das aber weiß heute jeder 15-Jährige.

    Mit anderen Worten: Selbst wenn ich der Religion einen tatsächlichen Offenbarungscharakter zubillige, so schließt das nicht aus, dass die gesamte Offenbarung eine völlig blödsinnige Fehlinterpretation von sonstwas sein kann. Ich denke, dass der historische Monotheismus mit oder ohne echter Offenbarung logisch unhaltbar ist.
    Nur weil mir irgendwas erscheint und erzählt, es sei der Herr aller Welten, muss da noch längst nicht stimmen! :-)
    Hinterfragt man den Offenbarungskram, stößt man ja sofort auf die üblichen Ungereimtheiten, angesichts derer man nicht weiß, ob man nun lachen darf oder sich an den Kopf fassen sollte.

  18. Rechtspopulist sagt:

    #14Frank Berghaus am 26. September 2011 um 16:58

    "'Natürlich bin ich Christ' sagt sich schnell, aber die Kenntnis fast aller dazu nötigen Details fehlt."

    Zu viele Details dürfen es aber auch nicht sein, sonst ist der Glaube nämlich auch ganz fix wieder im Eimer. Insofern muss die Sache schon richtig dosiert sein! :-)

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