Die Gottes-Antinomien

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 LogikDie "Reductio ad absurdum" 

In der Logik gibt es ein sehr mächtiges Hilfsmittel um von Dingen, über die man sonst nur wenig zu wissen braucht, dennoch eines mit absoluter Sicherheit sagen zu können: daß es sie nämlich nicht gibt. Man nennt das die Reductio ad absurdum (also die Zurückführung auf das Unsinnige). Dabei werden aus der Existenz-Behauptung eines Objekts Schlüsse gezogen, die aufzeigen, daß die Eigenschaften dieses Objekts entweder miteinander oder aber mit anerkannten Fakten in unauflösbarem Widerspruch stehen. Die Nicht-Existenz des besagten Objekts ist dann gesichert und steht deshalb fortan außer Frage.

In der Mathematik macht man davon reichlichen Gebrauch. Das berühmteste Beispiel dafür ist die Erkenntnis, daß es unendlich viele Primzahlen gibt. Dabei ist eine Primzahl eine natürliche Zahl (1, 2, 3 …) mit folgenden Eigenschaften: Sie muß größer sein als 1 und sie darf durch keine natürliche Zahl ohne Rest teilbar sein ausgenommen durch 1 und durch sich selbst. Die Reihe der Primahlen beginnt also mit 2, 3, 5, 7, 11, 13, 17, 19 etc. Es gibt unendlich viele davon (das besagt der Satz von Euklid). Aber wieso weiß man das?

Dazu bedient man sich eben dieser Reductio ad absurdum, die in der Mathematik "indirekter Beweis" genannt wird. Zu diesem Zweck nimmt man einmal an, es gäbe nicht unendlich sondern nur endlich viele Primzahlen. Ausgehend von diesen endlichen Anzahl von Primzahlen läßt sich aber auf wenigstens eine weitere schließen, von der man beweisen kann, daß sie sowohl größer als die "größte Primzahl" als auch ebenfalls eine Primzahl ist.

Somit ergibt sich: Aus der Annahme, daß es eine größte Primzahl gibt, folgt logisch, daß es eine noch größere gibt. Das ist ein Widerspruch und deshalb ist klar: es gibt keine größte Primzahl. Man könnte auch sagen, daß der Begriff "größte Primzahl" einen inneren Widerspruch enthält, der zwar bei flüchtiger Betrachtung nicht auffällt, aber dennoch besteht, und das damit Gemeinte unmöglich macht.

Ebenso berühmt aber unter Nicht-Mathematikern viel weniger bekannt ist die Russellsche Antinomie. Bertrand Russell entdeckte zu Beginn des 20. Jahrhunderts, daß die Basis der damaligen naiven Mengenlehre falsch sein mußte. Das ergab sich zwingend daraus, daß es in ihr möglich war, eine Menge mit widersprüchlichen Eigenschaften zu konstruieren, weshalb eine völlige Revision dieses Zweigs der Mathematik nötig wurde.

Für jene, die es interessiert, sei diese sogenannte Russellsche Menge kurz vorgestellt: Sie ist definiert als die Menge aller jener Mengen, die sich selbst nicht als Element enthalten. (Manche Mengen tun das, beispielsweise ist die Menge aller Begriffe selbst ein Begriff etc.) Es läßt sich nun ohne Mathematik bloß mit den Mitteln der Logik zeigen, daß die Russellsche Menge genau dann sich selbst als Element enthält, wenn sie es nicht tut, und umgekehrt.

In der Mathematik können selbstverständlich nur innere Widersprüche in indirekten Beweisen auftreten, aber in den empirischen Wissenschaften sind Widersprüche zu gesicherten Fakten ebenfalls zu berücksichtigen. Auch hier gibt es ein berühmtes und sehr einfaches Beispiel: das Olbers-Paradoxon in der Astronomie.

Der deutsche Arzt und Amateur-Astronom Heinrich Wilhelm Olbers führte 1826 den Nachweis, daß ein Universum von der Art, wie man es sich damals vielfach vorstellte (nämlich unendlich groß, unendlich alt, durchsichtig und gleichmäßig mit Sternen angefüllt) nicht existieren kann. In diesem Fall dürfte es nämlich keine nächtliche Finsternis geben, sondern der Himmel wäre Tag und Nacht an jeder Stelle so hell wie die Sonnenscheibe. Da das ganz offensichtlich nicht zutrifft, war ein solcherart beschaffenes Universum somit abgehakt und man mußte nach anderen Modellen suchen.

Die Reductio ad absurdum, deren Nutzen für die Mathematik und die Naturwissenschaft ich nun kurz skizziert habe, ist aber universell gültig und somit auch auf Philosophie und Theologie anwendbar.

Der Widerspruch von Gottes Allmacht und Allwissenheit

Unter "Gott" soll im Folgenden das verstanden werden, was die christliche Theologie mit diesem Begriff bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine Person (also ein Wesen mit Bewußtsein und Willen), das seit Ewigkeit besteht und alles Existierende erschaffen hat. Gott ist die höchste Form des Seins und hat die Eigenschaften der Allmacht und der Allwissenheit. Außerdem ist er im moralischen Sinn unendlich gut.

Unter dem Begriff der "Allwissenheit" versteht man, daß es keinen Sachverhalt gibt (sei er vergangen, gegenwärtig oder zukünftig), der dem Allwissenden nicht mit vollkommener Genauigkeit bekannt ist. Das hat eine wichtige Konsequenz, die zwar noch keinen Widerspruch enthält, aber viele Menschen doch befremden dürfte: die totale Determiniertheit der gesamten Zukunft.

Ein zukünftiges Faktum, das gewußt werden kann (egal ob von Gott oder von sonst jemandem) muß sicher sein. Hätte es nämlich einen freien Spielraum, dann wäre kein Wissen möglich, sondern bloß eine Wahrscheinlichkeits-Abschätzung. Weiß Gott beispielsweise, daß es am 6. Juni des Jahres 2500 in Rom regnen wird, dann muß es an diesem Tag dort auch tatsächlich regnen, denn sonst hätte er entweder etwas Falsches "gewußt" oder gar nichts, sondern bloß etwas vermutet. Mit einem allwissenden Gott wäre die Welt also von vornherein bis ins kleinste Detail festgelegt. Unsicherheit könnte nur subjektiv eintreten, wenn man die Fakten nicht kennt. Der allwissende Gott aber müßte sie kennen.

Allerdings – und hier setzt der Widerspruch ein – könnte er daran nichts mehr ändern. Nicht nur Allmacht wäre unmöglich, sondern jedwede Macht. Wenn es einen allwissenden Gott gäbe, dann wäre dieser Gott (und jede andere Person ebenso) vollkommen unfähig, irgendetwas willentlich zu beeinflussen. Der Lauf der Welt würde sich abspulen wie ein Film, an dem nichts mehr zu ändern ist.

Fazit: Einen Gott, der sowohl allmächtig als auch allwissend ist, kann es nicht geben.

Die Widersprüchlichkeit des bloßen Allmachts-Begriffs

Jeder kennt wohl die alte Scherzfrage: "Kann Gott einen Stein erschaffen, der so schwer ist, daß er ihn selbst nicht heben kann?". Bei näherer Betrachtung steckt darin eine Menge philosophischer Sprengstoff.

Es kann darauf nur zwei Antworten geben – ja oder nein. Ich habe mit Menschen diskutiert, die entschieden die erste Alternative vertraten: Ja, Gott kann diesen Stein schaffen, weil Gott allmächtig ist. Und anschließend kann er ihn aus dem gleichen Grund auch heben. Der darin enthaltene logische Widerspruch kümmert Gott nicht, denn er steht über der Logik.

Diese Argumentation ist aber nichts weiter als ein sprachlich camoufliertes Eingeständnis der Unmöglichkeit. Was "über der Logik" steht, ist eben unlogisch und deshalb mit den Mitteln der Reductio ad absurdum widerlegbar. Einen in diesem Sinne allmächtigen Gott kann es somit nicht geben.

Das wissen mittlerweile auch die Theologen, weshalb sie die obige Frage verneinen. Ein Stein, den Gott nicht heben könnte, wäre ein Widerspruch zu seiner Allmacht und somit eine Unmöglichkeit. Etwas Unmögliches aber, so sagen sie, kann Gott auch nicht tun.

Das ist eine in zweierlei Hinsicht interessante Position. Erstens macht sie definitiv Abstriche vom semantischen Inhalt des Wortes "allmächtig". Darunter versteht man eine durch nichts eingeschränkte Macht. Wird sie aber durch Logik eingeschränkt, dann ist sie eben keine "All"-Macht im eigentlichen Sinn des Wortes mehr. Das hat übrigens auch nichts mit der Übersetzung zu tun. Was für das deutsche Adjektiv "allmächtig" gilt, trifft gleichermaßen auch auf das lateinische "omnipotens" und das griechische "pankrates" zu. Die Beschneidung der Allmacht zur Vermeidung des logischen Widerspruchs ist somit ein echter Rückzieher.

Allerdings ist das nur der kleinere der beiden Nachteile, die mit der negativen Antwort verbunden sind. Es stellt sich nämlich die Frage, wo die Logik herkommt, an die sich Gott halten muß, und die er nicht verletzen kann. Seine Schöpfung kann sie nicht sein, denn sonst würde sie ja seinem Willen unterliegen und hätte für ihn keine Zwingkraft. Er muß sie also schon vorgefunden haben (und das vor aller Ewigkeit!), denn sie steckt den Rahmen ab, innerhalb dessen er sich auswirken kann. Das absolut Höchste ist ein Gott dieser Art also nicht. Wird er dennoch so definiert, dann liegt ein Widerspruch vor. Einen eingeschränkt "allmächtigen" Gott, der dennoch die höchste Form des Seins ist, kann es somit nicht geben.

Das Theodizee-Problem

Von Gott heißt es, daß er unendlich gut ist, und obwohl dieses Adjektiv "gut" nicht mit gleicher inhaltlicher Strenge gefaßt werden kann wie andere ihm zuerkannte Eigenschaften, treten dennoch gerade hier so massive Widersprüche zur Realität auf, daß darüber in Philosophie und Theologie seit Jahrtausenden gerätselt wird.

Trivialerweise gibt es auf der Welt Dinge, die nicht gut sind, weil sie dazu führen, daß unschuldige Menschen leiden. Warum verhindert das Gott nicht? Will er nicht? Nein, das widerspräche seiner (noch dazu unendlichen) Güte. Oder kann er nicht? Nein, das stünde ja im Widerspruch zu seiner Allmacht. Warum also läßt er so etwas zu?

Die übliche theologische Antwort darauf lautet, daß das eine Folge der menschlichen Willensfreiheit ist. Das ist aber nicht schlüssig, denn viel Leid entsteht aus Ursachen, auf die der Mensch willentlich gar nicht Einfluß nehmen kann (wie beispielsweise ein Erdbeben).

Außerdem ist eine freie Willensentscheidung des Menschen nicht logisch zwingend mit deren kausalen Folgen verbunden. Auch wenn Gott beispielsweise einem bösen Menschen die Freiheit läßt, auf einen Unschuldigen zu schießen, könnte er immer noch die Kugel in ihrem Lauf ablenken, um trotz dieser Freiheit das Opfer vor Schaden zu bewahren. Das tut er aber nicht.

Eine weitere Antwort lautet, daß die Welt eben so beschaffen ist, daß die Freiheit der einen zum Leid der anderen führen kann. Nun, das ist sie offensichtlich, aber wenn Gott diese Welt geschaffen hat, dann ist er auch für ihre Eigenschaften verantwortlich. Er hätte ja auch eine bessere erschaffen können.

Im Gegensatz dazu nahm Leibnitz an, daß unsere Welt bereits die beste alle möglichen ist. Dem ist aber entgegenzuhalten, daß Menschen kein Problem damit haben, sich eine bessere Welt vorzustellen. Eine solche ist somit keineswegs denkunmöglich. Ein allmächtiger Gott könnte also mit Leichtigkeit eine bessere geschaffen haben, auch wenn er den Gesetzen der Logik unterworfen ist.

Eine weitere Antwort auf das Theodizee-Problem ist die Behauptung, daß alles Schlechte doch letztlich zu etwas Gutem führen wird. Aber abgesehen davon, daß das unschwer als Ausflucht zu erkennen ist, hat es auch keine argumentative Kraft. Einem allmächtigen Gott müßte es sicherlich möglich sein, Gutes auch ohne den Umweg über entsetzliches Leid zu erreichen, wenn er das nur wollte.

Das letzte Verzweiflungs-Argument der Theologie ist der Hinweis, daß das Wort "gut" für Gott eine ganz andere Bedeutung haben kann als für uns. Folgt man dieser Argumentation, dann würde es aber sinnlos, den Menschen zu sagen, daß Gott gut ist, weil der semantische Inhalt dieses Adjektivs für uns Menschen verloren ginge. Da könnte man ebensogut ein anderes nichtssagendes Wort verwenden und beispielsweise behaupten "Gott ist unendlich babig". Das wäre sogar noch besser, weil dann keine durch Synonymie hervorgerufene Irreführung mehr einträte.

Die Antwort der Theologie

Werden Gläubige mit den in diesem Artikel vorgebrachten logischen Einwänden so lange konfrontiert, bis ihnen klar wird, daß sie keine Chance mehr haben, sie zu zerstreuen, dann tritt üblicherweise eine charakteristische Reaktion ein: Sie versuchen, der ihnen lästig gewordenen Diskussion auf eine nicht-argumentative (und somit irrationale) Weise zu entfliehen. Kinder und einfache Menschen, die so reagieren, verwenden dabei gerne den Ausdruck "aber trotzdem!".

Theologen käme das wohl zu ungebildet vor, weshalb sie ein lateinisches Äquivalent vorziehen: "Est mysterium fidei" – das ist ein Geheimnis des Glaubens. Will man das auf die Spitze treiben, dann kann man sich noch eines weiteren berühmten lateinischen Satzes bedienen: "Credo, quia absurdum est" – gerade, weil es absurd ist, glaube ich. Na ja, dem ist dann wohl nichts mehr hinzuzufügen.

Resümee

Der monotheistische Gott der christlichen Theologie hat dogmatisch festgelegte Eigenschaften, die zu logischen und faktischen Widersprüchen führen. Es ist somit sicher, daß es einen so beschaffenen Gott nicht geben kann. Zwar ist es möglich, den Gottesbegriff so abzuwandeln, daß alle hier beschriebenen Antinomien nicht mehr eintreten, aber das wäre dann eben ein anderer Gott und nicht mehr der hier besprochene christlich-monotheistische. Im Hinblick auf diesen jedenfalls ist die Gültigkeit des Atheismus beweisbar. 

 

Die Meinung des Gastautors Argutus muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

An dieser Stelle sei verwiesen auf den Folgebeitrag des Autors:
Gibt es Gott – Warum sollte es?

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 

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50 Antworten auf Die Gottes-Antinomien

  1. foundnoreligion sagt:

    Ein weiterer Widerspruch, der hier vergessen wurde und den man in dem Theodizee-Problem einbringen kann, ist die Verbindung von grenzenloser Güte und der von Allmacht. Wenn ein Wesen absolut gut ist, kann es nicht mehr allmächtig sein, denn die Allmacht braucht auch das Gegenteil des Guten, um zu existieren. Wenn aber ein Wesen Allmacht besitzt, dann kann es nicht gut sein, weil das Gute immer Teil dieser Allmacht ist, niemals die Allmacht selbst. Wenn man die Welt dialektisch betrachtet und ich tue dies, dann scheint es halbwegs nachvollziehbar zu sein. Allmacht bedeutet sowohl Macht des Bösen und Macht des Guten zugleich. Würde sie nur Macht des Guten sein, kann sie keine Allmacht sein. Denn das Gute benötigt zu seiner Existenz das Böse sowie das Böse das Gute braucht. Wenn wir einen Raum sehen, woran erkennen wir die einzelnen Gegenstände in dem Raum. Wir erkennen sie daran, dass auf unser Auge verschiedene Lichtfrequenzen treffen, die sich von der sogenannten Hauptfrequenz und dass ist meistens eine Wand oder sonstirgendetwas abheben. Dadurch sehen wir die Gegenstände. Würden alle die Gegenstände die gleichen Frequenzen senden wie der Hintergrund, dann könnten wir sie nur anhand ihrer Schatten deuten, aber die Schatten würden uns keine echten Bilder zeigen. Wir erkennen also die Gegenstände nicht erkennen. Das Beispiel sollte nur zeigen, dass eine bestimmte Eigenschaft etwas anderes benötigt, um überhaupt erkenbar zu sein. Man kann noch unendliche Beispiele geben, aber das Vorige sollte reichen

  2. Rechtspopulist sagt:

    "Jeder kennt wohl die alte Scherzfrage: "Kann Gott einen Stein erschaffen, der so schwer ist, daß er ihn selbst nicht heben kann?". Bei näherer Betrachtung steckt darin eine Menge philosophischer Sprengstoff."

    Weil dieses Thema gerade wieder erschienen ist und ich heute andere Laune habe …

    … sage ich mal, das ist Quatsch.

    Gibt es einen Fernsehapparat, der ein Auto ist? Selbstverständlich nicht. Autos sind keine Fernsehapparate und umgekehrt. Was aber ist eigentlich ein Stein?

    Wicky… : "Umgangssprachlich verwendet man „Stein“ materialbezogen für ein Gestein, also für eine feste, im Laufe der Erdgeschichte entstandene mineralische Masse. Dafür werden Steine auch „Felsen“ oder „Felsbrocken“ genannt. Altertümlich, noch in Orts- und Flurnamen sowie in alemannischen Dialekten zu finden, steht Stein meist für aufgeschlossenen, sichtbaren Fels, also Felsformationen. … Die Geologie und Petrologie (Lehre der Gesteine) verwendet als präzise Begrifflichkeiten. Nach DIN 4022 sind „Steine“ nur Objekte über 63 mm (siehe Korngrößenklassifikation) …"

    Steine sind also in Gewicht und Größe begrenzte Gegenstände.

    Ein Stein, der unhebbar wäre – und das auch noch für einen Gott -, müsste der Größe und der Masse nach unbegrenzt sein.

    Das Problem ist nur: Dann ist's gar kein Stein mehr!

    Ein Stein, der gar keiner ist: So etwas ist ein Ding der Unmöglichkeit.

    Und nun kommt mein Gedanke: Was IST Allmacht per definitionem und was ist das Unmögliche – auch per definitionem?

    "Allmacht" kann ja nicht heißen, dass das Unmögliche mit dem Möglichen identisch ist, so, als seien Elephanten identisch mit Bäumen.

    Es kann doch letztlich nur um die Semantik der Worte gehen. Die Frage also, ob es einen Stein geben kann, der gar keiner ist, hat nichts mit Gott oder Allmacht zu tun.

  3. Rechtspopulist sagt:

    #88Rechtspopulist am 26. Juni 2011 um 19:17

    "Dein Kommentar muss noch moderiert werden."

    Liegt das an den Wicky-Links?

  4. Dr. Frank Berghaus sagt:

    #89 Rechtspopulist am 26. Juni 2011 um 19:18

    So ist es, aber ich habe dich ja gleich befreit ;-)

  5. Rechtspopulist sagt:

    #90Dr. Frank Berghaus am 26. Juni 2011 um 19:24

    "So ist es, aber ich habe dich ja gleich befreit :wink:"
     
    Ilhamdullillah! – Ich bin nämlich zu blöd, hier die Hyperlinks rauszufummeln.

  6. Argutus rerum existimator sagt:

    #88 Rechtspopulist am 26. Juni 2011 um 19:17

    Die Frage also, ob es einen Stein geben kann, der gar keiner ist, hat nichts mit Gott oder Allmacht zu tun.

    Der entscheidende Punkt ist: Daran, daß ein Stein nicht kein Stein sein kann, ist Gott gebunden. Darüber kann er sich nicht hinwegsetzen, dem muß er sich beugen, denn das steht über ihm. Somit ist er nicht mehr das Höchste.

  7. Rechtspopulist sagt:

    #92Argutus rerum existimator am 26. Juni 2011 um 20:43

    "Der entscheidende Punkt ist: Daran, daß ein Stein nicht kein Stein sein kann, ist Gott gebunden. Darüber kann er sich nicht hinwegsetzen, dem muß er sich beugen, denn das steht über ihm. Somit ist er nicht mehr das Höchste."
     
    Nicht, dass ich jetzt zum Monotheisten mutieren will, aber … das eine schließt das andere nicht aus.
    Dass Fernseher keine Golfbälle sind, hat nichts mit der Fage zu tun, ob ein Gott existiert.

  8. Argutus rerum existimator sagt:

    #93 Rechtspopulist am 26. Juni 2011 um 23:08

    Dass Fernseher keine Golfbälle sind, hat nichts mit der Fage zu tun, ob ein Gott existiert.

    Irgendeinen Gott schließt das natürlich nicht aus, wohl aber einen klassischen monotheistischen Gott, der ja per definitionem als das absolut Höchste gilt und alles erschaffen hat.

    Hat er auch die Logik erschaffen? Wenn ja, dann wäre sie seiner Macht unterworfen und er wäre nicht an sie gebunden. Auch diese Meinung gibt es. Dann hätte er mit dem Heben des nicht hebbaren Steins, der gar kein Stein ist, kein Problem, denn seine Macht wäre eine durch nichts eingeschränkte echte All-Macht.

    Verneint man diese Allmacht aber, dann ist Gott nur noch in dem Sinn monotheistisch, daß er halt der einzige vorhandene Gott ist. Aber die absolute Top-Position ist weg.

  9. Rechtspopulist sagt:

    #94Argutus rerum existimator am 27. Juni 2011 um 07:09

    Ich verstehe, was du meinst.

    Hinsichtlich des Monotheimus ist das ein lohnender Gedanke zu fragen, an was er denn eigentlich gebunden sein soll/darf oder auch nicht.

    Es gibt auch andere Weltbilder und damit verbunden andere Allmachts-Vorstellungen und die sehen erst gar keine "Topp-Position" im Sinne einer kompletten Ungebundenheit an Logik vor.

    Da sieht man mal, wie blödsinnig sog. "Gottesbeweise" waren. Aus der Notwendigkeit von Etwas auf Gott zu schließen bindet diesen an Logik – und damit an Naturgesetze usw. usw.

  10. Argutus rerum existimator sagt:

    #95 Rechtspopulist am 28. Juni 2011 um 14:16

    Da sieht man mal, wie blödsinnig sog. "Gottesbeweise" waren.

    Sämtliche mir bekannte Gottesbeweise haben etwas geradezu Peinliches an sich, denn es bedarf keiner großen Geistesgaben um sofort zu bemerken, wo der Denkfehler liegt.

  11. Rechtspopulist sagt:

    #96Argutus rerum existimator am 28. Juni 2011 um 14:29

    Ich habe mir in meinem Manuskript mal den Scherz erlaubt, mit der Beweisführung des Thomas Aquinus den allmächtigen Teufel zu "beweisen". :-)

    Man kann dabei 1:1 die gleiche Argumentation verwenden.

    Interessant ist, dass die Kirche ja an sowas wie dem teleologischen Gottesbeweis nach wie vor durchaus festhält!

  12. Firithfenion sagt:

    "Kann Gott eine Stein erschaffen…?". Also es gibt ja unterschiedliche Variante dieser Frage. Als Scherzfrage sehe ich sie eigentlich nicht an, denn angesichts einer Allmachtsbehauptung ist eine solche Fragestellung durchaus berechtigt. Eine andere Variante ist: "Kann Gott einen Abrund erschaffen, der so riesig ist das er ihn selbst nicht überspringen kann?" Die meiner Meinung nach eleganteste und raffinierteste Variante dieser Frage ist diese: "Wenn Gott almächtig ist, wäre er dann in der Lage ein Wesen zu erschaffen das mächtiger ist als er selbst?"

    Übrigends erzeugt auch das gleichzeitige Vorhandensein von Allmacht und Allwissenheit ein Paradox. Wenn ich sage: "Ich werde mir heute abend um 20.00 Uhr den Tatortkrimi im Ersten anschauen" dann kann ich es mir nicht mehr anders überlegen und mir den Western auf Kabel 1 anschauen. Ansonsten wäre ich nicht allwissend gewesen und meine Aussage wäre nur eine normale Wahrscheinlichkeitsvermutung gewesen. Wenn ich aber eine Feststellung über die Zukunft treffe, kann ich sie nicht mehr ändern, ich muss also wählen ob ich lieber allwissend oder allmächtig sein möchte.

  13. Rechtspopulist sagt:

    #98Firithfenion am 28. Juni 2011 um 18:00

    "Die meiner Meinung nach eleganteste und raffinierteste Variante dieser Frage ist diese: "Wenn Gott almächtig ist, wäre er dann in der Lage ein Wesen zu erschaffen das mächtiger ist als er selbst?""
     
    Dieser Fehler ist ihm ja mit dem Teufel unterlaufen! :-)

  14. Argutus rerum existimator sagt:

    #98 Firithfenion am 28. Juni 2011 um 18:00

    ich muss also wählen ob ich lieber allwissend oder allmächtig sein möchte.

    Für mich persönlich steht leider beides nicht zur Wahl. :-)

    Wenn man aber eine Phantasiefigur erfindet, dann sollte man sich aber genau überlegen, welche Eigenschaften man ihr zuerkennt, damit keine Widersprüche auftreten. Bei Gott wurde das verabsäumt.

  15. Rechtspopulist sagt:

    #100Argutus rerum existimator am 1. Juli 2011 um 07:48

    "Für mich persönlich steht leider beides nicht zur Wahl. :-)"
     
    Und warum nicht?
     
    (Diese Frage stelle ich aus gutem Grunde … Das ist nämlich hinsichtlich der Religion ein ganz entscheidender Aspekt …)

  16. Azrail sagt:

    Gott ist tot!
    Unterschrift: Nietzsche!
    Nietzsche ist tot!
    Unterschrift: Gott :haha:

    Welcher von Beiden existiert denn nun? :haha: Keiner :haha:

  17. Argutus rerum existimator sagt:

    #101 Rechtspopulist am 1. Juli 2011 um 10:48

    Für mich persönlich steht leider beides nicht zur Wahl.
    Und warum nicht?

    Weil mir keine verläßliche Methode zur Erlangung einer dieser beiden Eigenschaften bekannt ist.

  18. Argutus rerum existimator sagt:

    #102 Azrail am 1. Juli 2011 um 10:58

    Zumindest daß Nietzsche einmal existiert hat, steht außer Zweifel. Bei Gott ist das andes.

  19. Azrail sagt:

    #104 Argutus rerum existimator  :D

    Volle Zustimmung Argutus :ok:

  20. Indianerjones sagt:

    Beim Barte dess Nietzsche! :nerd:

  21. Patrick sagt:

     
    Was die göttliche Allmacht anbetrifft, so bringen Bibelstellen, die sinngemäss aussagen, dass für Gott nichts unmöglich ist (siehe Genesis 18,10-14 oder Lukas 1,26-38) meines Erachtens zum Ausdruck, dass es für Gott keine physischen Grenzen gibt. Nicht inbegriffen in göttlicher Allmacht ist jedoch die Fähigkeit logisch unmögliche oder unmoralische Dinge zu tun.
    Dass göttliche Allwissenheit impliziert, dass die Zukunft determiniert wäre trifft meines Erachtens nicht zu. Da Gott jenseits von Zeit und Raum existiert, sind für Ihn zukünftige Ereignisse bereits geschehen. Aus Gottes Perspektive sind die betreffenden Ereignisse unabänderbar, aber nicht aus unserer Perspektive.
    Was schliesslich das Theodizeeproblem anbetrifft, so könnte der im Folgenden dargelegte Versuch eines Nachweises der Vereinbarkeit des Übels in der Welt mit der Existenz Gottes mit dem Namen „Theodizee aus der göttlichen Gerechtigkeit“ eine Lösung hierzu bieten:

    Gottes vollkommene Gerechtigkeit hindert Ihn daran, Menschen mit unvergebenen Sünden von ihren Leiden zu befreien (siehe Jesaja 59,1-2).
    Im Unterschied zu Gott sind Christen nicht vollkommen gerecht, weswegen sie im Gegensatz zu Ihm in der Lage sind, Menschen mit unvergebenen Sünden von ihren Leiden zu befreien. Dadurch können sie bei denjenigen dieser Menschen, welche göttliche Erlösung nicht angenommen haben bewirken, dass diese für eine solche Annahme empfänglich werden (Matthäus 5.16, 1. Petrus 2,11-12 und 3,1-2), was wiederum zur Folge hat, dass das Leiden dieser Menschen im Jenseits vermindert wird.
    Je grösser Gottes heilsame Kraft aufgrund Seiner Liebe ist, umso grösser ist Gottes zerstörerische Kraft aufgrund Seiner Gerechtigkeit (siehe Matthäus 13,27-29). Darauf bedacht, so viel Leid wie möglich zu verhindern kann Gott nur in dem Masse eingreifen, dass die heilsame Auswirkung eines solchen Eingreifens nicht durch die zerstörerische Auswirkung desselben aufgehoben wird.
    Wer stirbt, bevor er die Fähigkeit hat, bewusst gegen sein Gewissen zu handeln (siehe Genesis 2,16-17, Deuteronomium 1,39 und Jesaja 7,16) hat im Jenseits keine Strafe zu erwarten. Aus diesem Grund mag Gott nicht geneigt sein, den Tod eines solchen Menschen zu verhindern.
    Eines Menschen Leiden in diesem Leben könnte eine sühnende Wirkung haben (Lukas 16,25) und dazu führen, dass auf diese Weise das Leiden des betreffenden Menschen im Jenseits vermindert wird; das Leiden in diesem Leben würde sozusagen von dem Leiden im Jenseits abgezogen. Dies könnte ein Grund sein, dass Gott nicht geneigt ist, das Leiden des betreffenden Menschen zu lindern.
    Eines Menschen Leiden mag ihn für Gottes Erlösungswerk empfänglich machen (siehe Lukas 15,11-21), was ihn vom Leiden im Jenseits bewahrt.
    Es gibt im Jenseits verschiedene Grade von Strafe, je nachdem wie sich jemand verhalten hat (Matthäus 16,27, 2. Korinther 5,10), wieviel jemand von Gott weiss (Matthäus 11,20-24, Lukas 12,47-48) und, wie bereits zuvor erwähnt, wieviel jemand im Diesseits gelitten hat (Lukas 16,25).
    Diejenigen Menschen, die im Diesseits mehr leiden als ihre Taten es erfordern erhalten als Ausgleich dafür im Jenseits Belohnungen.
    Was das tierische Leiden betrifft, so könnte es sein, dass Tiere auf der in Jesaja 65,7-25, 2. Petrus 3,13 und Offenbarung 21,1 erwähnten „neuen Erde“ dafür entschädigt werden.

  22. Argutus sagt:

    #107 Patrick am 1. August 2012 um 10:53

    Aus Gottes Perspektive sind die betreffenden Ereignisse unabänderbar, aber nicht aus unserer Perspektive.

    Veränderbarkeit oder nicht ist keine Frage der Perspektive sondern ein objektives Faktum. Von der Perspektive kann nur das Wissen über dieses Faktum abhängen, aber nicht das Faktum selbst.

    Darauf bedacht, so viel Leid wie möglich zu verhindern kann Gott nur in dem Masse eingreifen, dass die heilsame Auswirkung eines solchen Eingreifens nicht durch die zerstörerische Auswirkung desselben aufgehoben wird.

    Dieses Ausmaß hängt davon ab, wie die Welt beschaffen ist. Gott hätte auch eine Welt erschaffen können, die kein Leid enthält, ohne daß damit unerwünschte Nebenwirkungen verbunden wären. Einem Allmächtigen kann da ja niemand Vorschriften machen. Somit wollte Gott eine Welt, die weniger gut ist als eine andere, die auch möglich gewesen wäre.

    Eines Menschen Leiden mag ihn für Gottes Erlösungswerk empfänglich machen

    Selbst wenn – ohne Leid würde er dieser Erlösung gar nicht bedürfen.

  23. ingres sagt:

    Es gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Diejenigen die einen Gott als existent (wobei man sich fragen muß, was existent eigentlich bedeuten soll) propagieren sind entweder bewußt unredlich indem sie verschweigen, daß sie (bewußt) rein emotional  an diese Vorstellung gebunden sind oder sie empfiinden eine "Qualia" (ich weiß gar nicht ob man das so ausdrücken kann) die derjenige der diese Qualia nicht kennt, nicht "nachvollziehen" kann. Auch für ein und dasselbe Individuum gilt ja bereits, auch wenn man bestimmte Empfindungen (Qualia) immer wieder hat, man sie nur in dem Moment empfinden in dem man sie hat.Man kann sich "das Haben" einer Qualis nicht vorstellen. Man kann sie nur "haben2.
    Insofern müßten Gläubige redlicherweise sowohl die klassische  und auch jede transzendentale (die ja nicht systematisiert werden kann und unredlicherweise reine Willkür ist) Logik zur Rechtfertigung ihres Glaubens ablehnen und sich nur auf diese Qualia stützen. Dass sie das nicht tun, zeigt, dass sie diese Qualia vernutlich i. a. nicht haben. Das heißt wiederum, dass der Gläubige rein emotional an seinen Glauben gebunden ist.
    Rational könnte man den Glauben noch  nicht als Glaubensakt, sondern als Weg des guten Lebens propagieren,  Aber dann würde man die Behauptung der Existenz Gottes  aufgeben. Wie es ja der Buddhismus (Der Weg ist das Ziel) sinnvollerweise wohl irgendwioe vollzogen hat. 
    Jede rationale Diskussion über Gott und seine Eigenschaften ist absurd und sinnlos. 

  24. Argutus sagt:

    #109 ingres am 1. August 2012 um 11:34

    sie empfiinden eine "Qualia" (ich weiß gar nicht ob man das so ausdrücken kann)

    Nein, kann man nicht. Im Singular heißt das "ein Quale".

  25. pinetop sagt:

    Ein sehr guter Artikel, dem man sachlich nichts Wesentliches hinzufügen kann. Interessant wird es, wenn die Theologen nach Ausflüchten suchen. Das reicht dann von erheiternd bis lästig. Dann kann gegenhalten oder denken: "Lass mich doch mit dem Scheiß in Ruhe."
    Bedenklich wird es, wenn die Kleriker immer noch Menschen beeindrucken können und durch die große Zahl der immer noch Glaubenden Machtpositionen erobern können.

  26. pinetop sagt:

    Vielleicht erleben wir noch die Zeit, in der es selbstverständlich ist, dass junge Menschen nicht in eine Religion hineingezwungen werden. Der Eintritt in eine Religion erfolgt durch mündige Menschen, wie der Entritt in eine Partei. Wahrscheinlich werden dann nur sehr wenige eintreten wollen. Nichts fürchten die Klerikalen mehr als diese Lage. Sie werden ihre Möglichkeit, schon Kinder in ihren Bann zu zwingen, mit Krallen und Klauen verteidigen. 

  27. foundnoreligion sagt:

    Ich würde gerne an meinem Geburtstag etwas zum Theodizee-Problem was sagen. Gut und Böse sind abgeschwächte Formen der absoluten Macht. Ein Wesen, das allmächtig ist, kann nicht zugleich gut oder böse sein. Es kann entweder beides sein oder keines von beiden. Deswegen kann der monotheistische Gott zumindest nicht existieren.
     

  28. Frank Berghaus sagt:

    #113 foundnoreligion am 1. August 2012 um 18:08

    Na dann mal herzliche Geburtstagsgrüsse in den Kohlenpott! BVB for ever! :-)

  29. Christoph Deblon sagt:

    #109 ingres am 1. August 2012 um 11:34
    Es gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Diejenigen die einen Gott als existent (wobei man sich fragen muß, was existent eigentlich bedeuten soll) propagieren
    Ich finde diese Formulierung schon schief. Das Hauptverhältnis zur Existenz Gottes heißt nicht behaupten sondern "glauben". Mal in einer nüchternen Formulierung "Davon ausgehen daß…"
    Daß einem ein derartiger Bezug wichtiger sein kann als die wißbare Existenz einer Kaffeetasse oder eines Dinosauriers wäre doch nicht von vornherein auszuschließen.
    Und wieso soll dieses "Davon ausgehen daß…" sich nur auf Empfindungen stützen können? Ich finde, daß z.B. die Pascalsche Wette noch immer nicht erledigt ist, auch wenn man sie ohne direkten Bezug auf das eigene Glück/Unglück formuliert, z.B. so:  Wenn Gott existiert, so wird es irgendwie von Bedeutung können, wenn man an ihn glaubt. Andernfalls wird alles mal egal sein.
     

  30. Argutus sagt:

    #111 pinetop am 1. August 2012 um 16:53

    Interessant wird es, wenn die Theologen nach Ausflüchten suchen.

    Korrekt wäre es, würden sie angesichts der hier aufgeführten Argumente die Waffen strecken ehrlich zugeben, daß ein Gott von der Art, wie sie ihn immer gepredigt haben, natürlich nicht existieren kann.

    Ich kannte persönlich einen katholischen Theologen, der das klar gesagt hat, und der daraufhin mit dem Vatikan ziemlichen Ärger bekam. Den ersparen sich die meisten seiner Kollegen, die das ebenfalls klar erkannt haben, und betreiben lieber geistige Nebelwerferei, um die Widersprüche hinter gelehrt wirkendem aber aber bei näherer Betrachtung unsinnigem Geschwätz zu verstecken.

  31. Argutus sagt:

    #115 Christoph Deblon am 1. August 2012 um 20:07

    Wenn Gott existiert, so wird es irgendwie von Bedeutung können, wenn man an ihn glaubt.

    Dieser Satz ist nicht nur syntaktisch verunglückt, es gelingt mir auch inhaltlich nicht, ihm eine klare Aussage zu entnehmen.

    Andernfalls wird alles mal egal sein.

    Warum sollte irgend etwas, das nicht egal ist, bloß durch die Nichtexistenz Gottes egal werden?

  32. ingres sagt:

    #115 Christoph Deblon am 1. August 2012 um 20:07
    Wie soll man sich rational dazu entschließen, zu glauben? Und wenn Glaube kein Wissen ist, was ist er dann außer einer Empfindung. Man könnte sagen, dass er eine Gewißheit ist, aber das kann man nicht rational fassen, also bleibt es bei einer Empfindung.Oder ist Glaube weder Wissen noch Empfindung? Mir fallen da jetzt keine weiteren Kategorien ein. 

  33. Christoph Deblon sagt:

    #117 Argutus am 1. August 2012 um 20:35
    Dieser Satz ist nicht nur syntaktisch verunglückt
    OK, dann versuche ich es etwas umständlicher:
    FallsGott existiert, so wird es, falls man an ihn glaubt,  irgendwie von Bedeutung sein können, daß man an ihn glaubt.
    Warum sollte irgend etwas, das nicht egal ist, bloß durch die Nichtexistenz Gottes egal werden?
    Wenn auch nur ein Mensch tot ist, absolut und endgültig und vollständig und für immer tot, gibt es für diesen keine Offenbarung der Wahrheit, ist es ist für diesen "alles egal".

  34. Argutus sagt:

    #119 Christoph Deblon am 1. August 2012 um 22:11

    Falls Gott existiert, so wird es, falls man an ihn glaubt,  irgendwie von Bedeutung sein können, daß man an ihn glaubt.

    Das sehe ich nicht so. Ob Gott nun existiert oder nicht – er tritt ja nie in Erscheinung. Deshalb kann man ihn in beiden Fällen einfach ignorieren.

    Wenn auch nur ein Mensch tot ist, absolut und endgültig und vollständig und für immer tot, gibt es für diesen keine Offenbarung der Wahrheit, ist es ist für diesen "alles egal".

    Wenn ein Mensch vollständig tot ist, dann gibt es für ihn weder etwas, das egal ist, noch etwas, das nicht egal ist. Solange er aber lebt, sind alle für sein Leben relevanten Dinge für ihn eben nicht egal.

    Davon abgesehen haben die beiden Fragen ob Gott existiert und ob es ein Jenseits gibt, das den Menschen davor bewahrt beim Sterben vollständig tot zu werden, überhaupt nichts miteinander zu tun. Näheres dazu siehe im zweiten Teil des vorliegenden Aufsatzes (der demnächst ebenfalls wiederholt wird).

  35. Patrick sagt:

     
    Argutus: „Veränderbarkeit oder nicht ist keine Frage der Perspektive sondern ein objektives Faktum.“
     
    Es ist doch unbestreitbar, dass es bezüglich Veränderbarkeit einen qualitativen Unterschied zwischen potentiellen zukünftigen und vergangenen Ereignissen gibt.
     
    Argutus: „Gott hätte auch eine Welt erschaffen können, die kein Leid enthält, ohne daß damit unerwünschte Nebenwirkungen verbunden wären. Einem Allmächtigen kann da ja niemand Vorschriften machen.“
     
    Wie der folgende Beitrag zeigt, besteht in der Religionsphilosophie weitgehend ein Konsens darüber, dass es nicht einmal für Gott möglich ist, Menschen mit freiem Willen auszustatten und gleichzeitig zu gewährleisten, dass diese den freien Willen nicht zu Bösem missbrauchen werden:
     
    http://www.iep.utm.edu/evil-log/
     
    Argutus: „Somit wollte Gott eine Welt, die weniger gut ist als eine andere, die auch möglich gewesen wäre.“
     
    Wenn man mit „Welt“ die diesseitige und die jenseitige Welt versteht ist gemäss der oben dargestellten Theodizee jede Welt die beste, da jedes Leid im Diesseits im Jenseits kompensiert wird.
     
    Argutus: „Selbst wenn – ohne Leid würde er dieser Erlösung gar nicht bedürfen.“
     
    Es geht hier nicht um Erlösung von Leid, sondern um Erlösung von Schuld, und schuldig werden kann man auch ohne Leid.

  36. Frank Berghaus sagt:

    #121 Patrick am 1. August 2012 um 22:51

    Wenn man mit „Welt“ die diesseitige und die jenseitige Welt versteht ist gemäss der oben dargestellten Theodizee jede Welt die beste, da jedes Leid im Diesseits im Jenseits kompensiert wird.

    Was für eine perverse Ideologie und Vertröstungsstrategie. Wie kann man nur auf einen solchen Quatsch kommen? Und schlimmer noch: warum fallen immer noch so viele auf eben diesen herein?

    Aufklärung, Aufklärung un noch einmal Aufklärung!

  37. Argutus sagt:

    #121 Patrick am 1. August 2012 um 22:51

    Es ist doch unbestreitbar, dass es bezüglich Veränderbarkeit einen qualitativen Unterschied zwischen potentiellen zukünftigen und vergangenen Ereignissen gibt.

    Ja, das gilt aber nur dann, wenn es kein allwissendes Wesen gibt. Sobald auch nur ein solches existiert, gibt es nichts Potentielles mehr sondern nur noch Faktisches.

    … besteht in der Religionsphilosophie weitgehend ein Konsens darüber, dass es nicht einmal für Gott möglich ist, Menschen mit freiem Willen auszustatten und gleichzeitig zu gewährleisten, dass diese den freien Willen nicht zu Bösem missbrauchen werden

    Gesetze logischer oder anderer Art, die Gott daran hindern das zu tun, stehen über ihm. Er ist ihnen unterworfen und muß sich danach richten. Somit ist er nicht mehr das Höchste, das es gibt, und geschaffen kann er diese Gesetze auch nicht haben.

    Dazu kommt noch etwas: Auch der freie Wille, der zu Bösem mißbraucht wird, muß nicht logisch zwangsläufig zum Leid anderer führen. Beispielsweise könnte Gott das Projektil, das ein Verbrecher auf sein Opfer abfeuert, in seinem Lauf ablenken oder Naturgesetze schaffen, die das automatisch bewirken. Das geschieht aber nicht. Somit ist die Welt (auch unter Einschluß des Jenseits) schlechter als sie sein müßte.

    Manche Vorschläge zur Lösung des Theodizee-Problems schrammen hart an der Grenze zur Peinlichkeit entlang. So auch dieser.

    Es geht hier nicht um Erlösung von Leid, sondern um Erlösung von Schuld

    Wen würde Schuld interessieren, wenn sie nicht (beispielsweise in Form von Strafe) die Ursache von Leid sein könnte?

  38. ilex (E. Ahrens) sagt:

    #121 Patrick am 1. August 2012 um 22:51 = Es geht hier nicht um Erlösung von Leid, sondern um Erlösung von Schuld, und schuldig werden kann man auch ohne Leid.

    Welche Schuld? Zu existieren und das die ganze Zeit auf Kosten anderer (Roggenähren, Johannisbeeren, Hühnereier, Rotwein, Schweinefleisch)? Wer hat denn den Kosmos so gestaltet, dass man essen muss? Gibt sogar Tiere, die ernähren sich durch tägliches Morden und fühlen sich sauwohl dabei und vollkommen ohne Schuld..

    Oder etwa die Schuld, dass einer meiner angeblichen Vorfahren einen Apfel aß, den er nicht essen sollte? Man kann keine Schuld erben – weder die Adams noch die des Reichssicherheithauptamtes. Schuld ist immer persönlich. Man kann höchstens einer Menschengruppe zufällig angehören, die von anderen wegen Verbrechen verantwortlich gemacht wird und trägt diese Verantwortung aus Solidarität mit nach dem Gedanken, wer die Vorteile einer Gesellschaft hat muss auch deren Nachteile in Kauf nehmen.

    Mir wäre eine Welt deutlich lieber, wo sich der Schöpfer um das Leid seiner Geschöpfe kümmert statt um deren "Schuld", die er selbst durch dummerhaftige Regeln provoziert hat. Wenn man mal drüber nachdenkt, ist nach seinem Verhalten der Gott des Alten Testamentes ein ganz mieser Typ. Ein Mensch, der sich so verhielt, wäre wohl ein Fall für die Psychiatrie.

  39. Argutus sagt:

    #124 ilex (E. Ahrens) am 2. August 2012 um 01:07

    ist nach seinem Verhalten der Gott des Alten Testamentes ein ganz mieser Typ. Ein Mensch, der sich so verhielt, wäre wohl ein Fall für die Psychiatrie.

    Ähnliches trifft wohl auch auf jene Menschen zu, die diesen miesen Gott damals erfunden haben, sowie auf die  heutigen, die sich nicht scheuen ihn immer noch als gut zu verkaufen.

  40. Christoph Deblon sagt:

    #118 ingres am 1. August 2012 um 21:56
    Oder ist Glaube weder Wissen noch Empfindung? Mir fallen da jetzt keine weiteren Kategorien ein.
    Na ja, z.B. so etwas wie eine Annahme: "Ich gehe davon aus, daß heute die Sonne scheint, und lasse deshalb den Regenschirm zuhause".
     

  41. Argutus sagt:

    Zur Frage nach der Bedeutung des Wortes "Glaube".

    Im religiösen Kontext handelt es sich dabei um die Übersetzung von Wörtern, die sowohl im Lateinischen wie im Griechischen die Idee des Vertrauens und der Treue beinhalten.

    Die Wurzel des Glaubens ist somit nicht das intellektuelle Fürwahrhalten aufgrund von Argumenten sondern die demütige Untwerfung unter einen höherstehenden Menschen, dessen Aussagen man blind vertraut, weil man der Aufforderung sie zu glauben Gehorsam leistet.

  42. ingres sagt:

    #126 Christoph Deblon am 2. August 2012 um 08:11
    Eine Annahme, dann vielleicht eher im Sinne einer Hoffnung? Das war ja eine der Kantschen Kategorien. Er hat das schon erschöpfend behandelt. Glauben, Wissen, Hoffnung. und was soll ich tun? 

  43. Christoph Deblon sagt:

    #128 ingres am 2. August 2012 um 09:30
    Eine Annahme, dann vielleicht eher im Sinne einer Hoffnung?
    Ja.

  44. Christoph Deblon sagt:

    Beim Glauben kommt wohl noch eine besondere Zustimmung (etwa zu "Gott existiert") hinzu, ohne den Unterschied zum Wissen zu verschleiern.

  45. G. sagt:

     
    Sowohl Gläubigen als auch Atheisten, Agnostikern sowieso, seien die Texte von Meister Eckhart empfohlen. Sein Gottesbild ist sehr „weiblich“, durchaus erotisch. Sein Gott droht nicht, straft nicht, belohnt nicht, verbreitet keine Angst. Eckharts Gedanken sind voller Phantasie und humanistischer Philosophie. Er betonte schon im 13. Jahrhundert der Mensch solle gefälligst seinen Verstand benutzen. Die heilige katholische Inquisition hat ihn u.a. deswegen seit 700 Jahren auf dem Index. Gestorben ist Meister Eckhart im Laufe des Inquisitionsprozesses, nachdem er einige seiner Texte widerrufen mußte, u.a den unten geposteten. Ratzinger hat eine Rehabilitation Eckharts übrigens abgelehnt.
     
    „Ich habe neulich darüber nachgedacht, ob ich wohl von Gott etwas annehmen oder begehren wollte: Ich will mir das gar sehr überlegen, weil ich da, wo ich von Gott empfangen würde, unter ihm oder unterhalb seiner wäre wie ein Diener oder Knecht, er selbst aber im Geben wie ein Herr wäre, – und so soll es mit uns nicht stehen im ewigen Leben.“

  46. Christoph Deblon sagt:

    Ratzinger hat eine Rehabilitation Eckharts übrigens abgelehnt.
    auf:
    http://www.meister-eckhart-gesellschaft.de/muenchen10.htm
    liest sich das so:
    nach denen die Bemühungen um eine kirchliche Rehabilitierung Meister Eckharts bereits 1992 zu einer über den Dominikaner General Timothy Radcliffe mitgeteilten positiven Äußerung der römischen Glaubenskongregation (Kardinal Ratzinger) führten: Eckhart sei nicht als Ketzer verurteilt, bedürfe daher keiner Rehabilitierung, stehe in einer orthodoxen Tradition und sei zum Studium empfohlen.

  47. Christoph Deblon sagt:

    #131 G. am 5. August 2012 um 19:26:
    Die heilige katholische Inquisition hat ihn u.a. deswegen seit 700 Jahren auf dem Index
     
    Könnten Sie dafür einen Beleg liefern? Danke!

  48. G. sagt:

    Christoph, danke für die Aufklärung. Ich sollte gewissen Aspekten meiner Vorurteile mehr Beachtung schenken.

  49. Wechselwirkungen, von denen man auch nur sagen könnte, dass sie auf das, was man "Gott" (Jahwe, Allah, …) nennt, zurückzuführen sind, kann man keine beobachten oder sonstwie feststellen. "Gott" (Jahwe, Allah, …) gibt es demnach lediglich als Idee, als Gedankengebäude in den Köpfen von Menschen.

    So verhält es sich übrigens auch mit der sog. "Dunklen Materie" oder "Dunklen Energie", von der Wissenschaftler annehmen, dass sie das Weltall ganz überwiegend ausfüllt — weil sie Gravitationsanomalien beobachten, für die sie bislang keine andere Erklärung haben. Es gibt allerdings auch die Überlegung, dass die beobachteten (scheinbaren) Gravitationsanomalien auf Beobachtungsfehler oder Verständnisfehler zurückzuführen sind. Denkbar ist (nicht nur für mich), dass bei sehr großen Materieansammlungen (Galaxien etc.) Gesetze wirken, die sich bei kleinen Materieansammlungen (Sterne, Planeten) nicht oder nur unterhalb des derzeit Beobachtbaren auswirken. Vergleichbares, wenn auch andersherum, kennt man von Geckos und anderen kleinen Tieren, die an der Zimmerdecke oder an Glasscheiben gehen können. Dabei wirken entweder die "Van-der-Waals-Kräfte" oder elektrostatische Kräfte, mittels derer sie sich an der Zimmerdecke oder der Glasscheibe halten. Bei größeren Lebewesen (größeren Materieansammlungen) reicht diese Kraft nicht aus, um an der Zimmerdecke spazieren zu gehen (hab's soeben ausprobiert, die Gravitation war stärker).

    Vor einigen Jahren hat ein katholischer Kardinal in einem Fernsehinterview den Begriff "Glaubensbeweis" gebracht. Wenn ich es richtig verstehe, dann liegt der Beweis für etwas demnach darin, dass man etwas glaubt. Also glaube ich jetzt mal, dass der Mond ein Würfel ist, und das nehme ich nun als Beweis dafür, dass der Mond ein Würfel ist.

    "Kann Gott einen Stein erschaffen, der so schwer ist, daß er ihn selbst nicht heben kann?"

    Darauf ein apodiktisches "Vielleicht".

    Eckhardt Kiwitt, Freising

  50. Eine Anmerkung zur "Dunklen Materie" oder "Dunklen Energie" in meinem vorherigen Kommentar:

    Auch wenn Wissenschaftler an deren Existenz derzeit "nur" glauben, so forschen sie doch weiter an diesem Wissenschaftsgegenstand, hinterfragen, gewinnen neue Erkenntnisse …

    Bei dem, was in "heiligen" Büchern geschrieben steht, ist das oftmals anders — da wird nicht geforscht, da gibt es keine neuen Erkenntnisse — sie gelten denen, die daran glauben, als ewig gültige, unabänderliche "Wahrheiten", sind in sich versteinert und somit tot.

    Eckhardt Kiwitt, Freising

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