• Qadhafi getötet

Saddam Hussein in einem Erdloch – Qadhafi zuletzt in einem Abwasserkanal. Doch während der Iraker von regulären Besatzungstruppen gefasst wurde, einen regulären Strafprozess erhielt und staatlich geordnet hingerichtet wurde, nutzte dem Libyer auch seine goldene Pistole nicht viel. Die Meute der Freiheitskämpfer hetzte ihn zu Tode, facebookgerecht und quasi weltweit life. Schon im August diesen Jahres hatte man ihn abgeschrieben und sein unmittelbares Ende prophezeit – doch weitere 3 Monate beschäftigte er die Welt mit seinem Versteckspiel. Das hatte nichts mehr mit Ausüben von Macht zu tun – eher mit dem kinderhaften bizarren Buhlen um Beachtung. Die Niederlage einer Hyäne ist eben weniger glanzvoll als die eines Löwen.

Offensichtlich war den Diktatoren Libyens und des Iraq klar, keine Gnade erwarten zu können, würden sie freiwillig aufgeben. Zu Anfang noch beider Drohung, bis zur letzten Patrone zu kämpfen. Aber beide endeten nicht mit heldenhaftem Widerstand, sondern in schmählicher Flucht, um die eigene Haut doch noch irgendwie zu retten. So ist inzwischen auch im arabischen Raum klar,  dass die großen Diktatoren fallen können. Allerdings haben in beiden Fällen amerikanische und europäische Truppen mitgeholfen, die Machtstruktur der Diktatoren zu zerschlagen.

Das ist dann auch die Lehre, die Baschar Assad aus dem Schicksal seiner Kollegen ziehen kann: Vermeidung der Einmischung von außen und gnadenlose Niederwerfung jedweder Opposition. Syrien hat kein Öl – das läßt dem Mann in Damaskus die Hoffnung, dass die restliche Welt weniger beachtet, was in seinem Land geschieht. Hier zeigt sich auch der Vorteil einer weniger schillernden Persönlichkeit als Saddam Hussein oder Qadhafi – mangelnde Exzentrik und mehr Bürokratie der Macht kann den Vorteil haben, weniger Aufmerksamkeit anzulocken.

Die NATO-Truppen haben ihren Job getan und wollen sich nach dem Tod des Diktators aus Libyen zurückziehen. Eine Menge Waffen ist im Land und die divergierende Interessenlage der "Koalition der Freiheit" läßt die Befürchtung von Diadochenkämpfen aufkommen. Wünschen wir dem libyschen Volk, dass jetzt Ruhe und Frieden einkehrt – wenn es denn nicht die Friedhofsruhe eines Islamismus a la Iran ist.

 

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26 Antworten auf • Qadhafi getötet

  1. simbo sagt:

     

    Also, ich muss zu diesem Despoten folgendes sagen. Ich weine diesem Mann keine Träne nach.

    ABER: die Videos, die jetzt fast überall auf dem Netz kursieren schaue ich mir nicht an. Denn es wird ja gewarnt, dass diese NICHTS für schwache Nerven ist. Und ja, ich habe schwache Nerven. Und ich habe gelesen, dass die Übergangsregierung den Tod von Gadaffi nicht untersuchen lassen will. Da kommen bei mir folgende Gedanken. Ist das denn eine "Demokratiebewegung" die uns fast alle Medien weismachen wollen ? Ich glaube eher nicht……

  2. Argutus sagt:

    #1 simbo am 21. Oktober 2011 um 09:48

    Sollte das, was da in Libyen hochtrabend "Demokratiebewegung" genannt wird, tatsächlich zu einer Demokratie führen, dann würde mich das zwar sehr freuen – aber noch mehr wundern.

  3. Frank Berghaus sagt:

    #1 simbo am 21. Oktober 2011 um 09:48

    Es gibt eine Demokratiebewegung in Libyen. Ich habe selbst mit einigen, die im Moment noch in Tunesien sind, gesprochen. Doch sie ist sehr klein und schwach. Ich vermute, dass sie sich gegen die Extremisten in Libyen nicht wird durchsetzen können. Doch – wie schon gesagt – diesem Thema werde ich mich dann widmen, wenn die Wahlen bei uns erfolgreich (hoffentlich!) über die Bühne gegangen sind.

    Das Video des Lynchmords an Qadhafi ist entsetzlich. Das sind keine Menschen, das sind wilde Tiere. Meine Frau konnte erst schlafen nach einem Gläschen Wein mehr als üblich.

  4. Indianerjones sagt:

    Die wilden Rufe zu einen Gott, lassen auf eine dieser merkwürdigen Religionen schließen, die in Grauer Vorzeit ,wüst in einer Wüste, entstanden sind.8-O

    Diese Spezies ist aber demokratieunfähig, ja, deren sogar eher feindlich gesinnt….[..]:nerd:

  5. Argutus sagt:

    Ich habe mir das Video soeben angesehen. Seine schlechte technische Qualität machte es (zumindest für mich) schwierig dem Geschehen zu folgen zumal mir ja auch der Inhalt des Gesprochenen mangels Arabisch-Kenntnissen verborgen blieb.

    Aber soweit ich die Geschehnisse beurteilen kann, überrascht mich das Video nicht. Ich hätte mir Lynchjustiz an einem verhaßten Diktator in einem arabischen Land nie anders vorgestellt.

  6. Azrail sagt:

    Simbolein <3 Gruesly

    Du hast vollkpmmen Recht. Diesem Mann eine Träne nachzuweinen, wäre übertrieben. Eine Demokratiebewegung wird es nicht geben, schon gar keine Demokratie. Wenn schon die grausam-bestialischen Umstände von Ghaddaffi nicht untersucht werden sollen, dann läßt das schon tief blicken.
    Aber der Westen ist, wie immer, für eine SChmierenkomödie gut. Vorher wurde dieser Mann gefeiert und empfangen und jetzt wollen es alle nicht wahrgehabt haben – ich meine die Verbrechen dieses Mannes. Was für eine Farce, lächerlich.

    Libyen wird eine Zukunft a la Iran bekommen – von wegen Demokratie. :crazy:

  7. Azrail sagt:

    Unvergesslich bleiben seine witzig-skurillen Auftritte, mitsamt seinen "Phantasie-Uniformen". Es war manchmal köstlich.
    Alleine seine Statur hat die Kabarettisten inspiriert.
    Seinem Operetten-Dasein wurde ein jähes Ende gesetzt. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan und der Mohr ist gegangen.

    Hollywood wird bestimmt einen Schund-Schinken daraus drehen. In der Hauptrolle der Sperminator, Arnie das Hulkmonster, als Muammer, :haha:   :ohno:

  8. simbo sagt:

    #6 Azrail :kiss:

    Grüessli zurück. Und jetzt noch OT: Azrail, ich habe Dir 2 :mail: geschickt und hoffe dass die auch gut angekommen sind. Ich habe in letzter Zeit Probleme mit meinem Compi, denn lange :clean: will der einfach nicht mehr akzeptieren :mrgreen:

  9. Frank Berghaus sagt:

    #6 Azrail am 21. Oktober 2011 um 10:45

    Grüss dich, liebe Azrail.

    Libyen wird eine Zukunft a la Iran bekommen – von wegen Demokratie

    Das wird, falls deine Prognose eintrifft, aber nicht unmittelbar geschehen. Die wahrscheinlichste Variante: unter westlichem Druck werden Wahlen organisiert, bei denen dann sogenannte "gemässigte" Islamisten eine Mehrheit erzielen werden. Die wirklich demokratischen Kräfte werden nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen. Der Westen wird hocherfreut auf die neue Regierung zugehen, die dann sukzessive die Gelegenheit nutzen wird, immer grössere Teile der Sharia in die Verfassung (die im Moment nicht existiert) einzufügen, bis irgendwann der Zeitpunkt erreicht ist, dass eine Theokratie machbar sein wird. Wie im Iran, aber nach sunnitischer Lesart.

  10. emporda sagt:

    Das Verhalten gegenüber diesen Despoten ist wohl eher typisch menschlich, übernommenes Erbgut unser entfernten Verwandten auf den Bäumen. Die Grausamkeit der Bilder, die @simbo so erschütternd findet, die ist nicht anders als bei den brennenden Scheiterhaufen der heiligen Inquisition oder den Eroberungskriegen der Religionen mit Millionen Opfern sowie den Massenvernichtungen und Genoziden der Neuzeit mit Hunderten Millonen Toten.

    Keine gesellschaftliche Moraltheorie und Ethikvorgabe macht aus dem Raubtier und Halbaffen Homo-sapiens-sapiens den edlen Gutmenschen, der hier so vehement gefordert wird. Bei den Hominiden und Primaten ist die Akzeptanz des Führers Vorraussetzung im Clan zu leben. Altruismus bzw. Nächstenliebe hat uns die Evolution gebracht, das sind keine Ergebnisse einer Religion. Experimente zeigen auch Menschenaffen kennen ein gewisses Maß an Empathie und Hilfsbereitschaft, obwohl sie kein „Heiliges Buch“ studieren.

    Im Syndikat der Religiotie mit Göttern, Engeln, Dämonen, Teufeln und Heilern wird der größte Lügner und unverschämteste Wortverdreher zum Führer. Etwa <25% der Menschen stellen weder die Führer noch deren Begründung in Frage. Solche Menschen sind unfähig eine Demokratie zu gestalten, jede ihrer Aktionen zielt darauf ab den persönlichen Despotismus zu stärken. Niemand der Beteiligten hat eine Ahnung wie Demokratie funktioniert, irgendwann wird der Clanchef der stärksten Gruppierung alles an sich reißen, seine Gefolgsleute mit Posten und Geld bedienen und den Rest des Landes ausbeuten..

  11. pinetop sagt:

    Ich hätte mir auch eine Gerichtsverhandlung gewünscht; aber hoffentlich ist sein Ende eine klare Botschaft an gegenwärtige und zukünftige Diktatoren.

  12. Abu Sheitan sagt:

    Dass Sadam Hussein sich in einem Rattenloch versteckt habe, ist (wie unter Verschwörungtheoretikern bekannt :-)  ) eine amerikanische Propagandalüge, die seinen Ruf genau so schädigen sollte wie das weltweit gezeigte Video seiner ärztlichen Untersuchung.  Er wirkte darin desorientiert und apathisch, möglicherweise unter Drogen gesetzt, während ihm eine Speichelprobe entnommen wurde.  Dieses entwürdigende Vorführen erinnerte mich an die Filmaufnahmen der Verschwörer des 20.Juli vor dem Freislerschen Volksgerichtshof, denen wegen der abgenommenen Gürtel ständig die Hosen rutschten. So sollte der Eindruck von "ehrlosen Lumpen" auch optisch vermittelt werden. Gaddafi blieb durch seine brutale "Hinrichtung" wahrscheinlich viel erspart. Möglicherweise hätte er auch allerhand Unliebsames ausplaudern können von seinen guten Beziehungen zu europäischen Politikern, die ihn in den letzten Jahren hofierten, küssten und herzten.  

    Bei Beckmann konnte gestern abend Kienzle mühsam ein paar kritische Anmerkungen zum arabischen Frühling anbringen ehe ihm von Schleimer Hodentöter ins Wort gefallen wurde. Immerhin wurde Hodentöter des öfteren von Oberschleimer Beckmann das Wort entzogen wg. Kitsch und Hang zur Selbstdarstellung. :-)  

    Ein stabiles und starkes Libyen liegt wohl kaum im Interesse der Länder, die sich die Ölversorgung sichern wollen. "Divide et impera!" heißt die Devise.

  13. Abu Sheitan sagt:

    #10 emporda

    Also muss es nicht mehr heißen "homo homini lupus", sondern "Homo homini pan troglodytes".  Ob der Rudelführer Religiot oder Politiker ist, spielt eigentlich keine Rolle. Er muss nur  Führungs-Qualitäten und Sendungsbewusstsein besitzen oder diese glaubhaft darstellen können. Daher eignen sich in bestimmten Ländern Schauspieler besonders zu Gouvereuren oder Praesidenten.

  14. ilex (E. Ahrens) sagt:

    #12 Abu Sheitan am 21. Oktober 2011 um 14:29 = Möglicherweise hätte er auch allerhand Unliebsames ausplaudern können von seinen guten Beziehungen zu europäischen Politikern, die ihn in den letzten Jahren hofierten, küssten und herzten. 

    Wahrscheinlich ist manchen sich honorig gebendem europäischen Politiker ein Stein vom Herzen gefallen, dass die libyschen Rebellen diese Arbeit getan haben.

    Wahrscheinlich kommt aber bei den libyschen Revolutionsführer jetzt des große Bangen wegen der zu erwartenden neuen Machtverteilung. Persönlich schätze ich, dass es eher nach Warlord-Bräuchen abläuft statt in geordnete Staatsregierung zu münden und eher eine neue Diktatur, Demokratie recht unwahrscheinlich. Lasse mich aber gern positiv korrigieren.

    Das war von Beginn an der Zweifel: entweder Gewißheit von 100 % Qadhafi oder Chance von 45 % Sharia-Gottesstaat, 45 % Afghanistan und 10 % mehr oder minder funktionierende Demokratie.

  15. Abu Sheitan sagt:

    "Veni, vidi, vici."  Gaius Julius Caesar zum Sieg über Pharmakes.

    "Veni, vidi, mortuus erat."  Hilaria Clintonia zum Sieg über Gaddafi.

    http://www.youtube.com/watch?v=J_x04Gn3-2g

  16. KDL sagt:

    #9 Frank Berghaus

    <i>"… bei denen dann sogenannte "gemässigte" Islamisten eine Mehrheit erzielen werden"</i>. Das sehe ich genauso. Dazu können wir uns über Grußbotschaften à la  "Wir beglückwünschen (die Türkei) zum Sieg der Demokratie" (Claudia Roth  nach dem Sieg Erdogans) freuen.

    zu #3

    Wie, deine Frau und du trinken Wein? Hoffentich ist der wenigstens halal, sonst werdet ihr ewig in der Hölle schmoren :wink:

  17. Frank Berghaus sagt:

    #16 KDL am 21. Oktober 2011 um 19:19

    Lange schon vor der moslemischen Invasion wurde in Tunesien Wein angebaut. Es gibt sogar echte Spitzentröpfchen darunter, die mit den französichen keinen Vergleich zu scheuen brauchen.

    Ja, ich gestehe: wir trinken Wein :-)

    Aber seit ich weiss, dass nur erhöhte Spiritualität in der Regel zum Leberschaden führt, trinke ich ihn mit sehr gutem Gewissen.

  18. Saejerlaenner sagt:

    Naja nun, jetzt haben sie ihn unter wildem Allahu-akbar-Geschrei gelyncht, somit hat die arme Seele vorerst Ruh.

    Über kurz oder lang kommt dann wahrscheinlich der nächste Tyrann auf den Thron, und der Sport kann aufs neue beginnen.

    Warum auch immer die NATO diesem Gesindel geholfen hat, die Gründe dürften nichts zu tun haben mit der langfristigen Etablierung einer besseren Gesellschaftsform.

  19. KDL sagt:

    #17 Frank Berghaus

    Ja das machen wir auch. Aber wir leben ja in einer Weingegend, da ist er sehr preiswert. Bei euch wird es ja wohl eine "Strafsteuer" geben. Aber was mich interessiert: Gehen die einheimischen Tröpfchen unter der Hand im Land weg, oder müssen die alle exportiert werden?

  20. Frank Berghaus sagt:

    #19 KDL am 21. Oktober 2011 um 19:44

    Die heimischen Tröpfchen (ich kaufe sie günstiger direkt beim Weingut) werden viel zu wenig exportiert, weil sie in Europa kein rechtes "standing" haben. Die Preise sind moderat, ein guter Tischwein liegt bei 2.50€, unser Lieblingswein bei 5.50€.

    Die Steuern sind (anders als bei Spirituosen) erstaunlich gering.

  21. KDL sagt:

    #20 Frank Berghaus

    Also bei den Preisen lässt es sich in Tunesien tatsächlich gut leben. Aber hoffentlich bleibt es auch so, denn das muss ja den Islamisten ein Dorn im Auge sein.

  22. Frank Berghaus sagt:

    #21 KDL am 21. Oktober 2011 um 19:56

    Ich wage jetzt mal (zwei Tage vor den Wahlen) eine eindeutige Prognose – nach bestem Wissen: die Extremisten von Ennahdha (wie AKP in der Türkei) haben keine Chance. Sieger der Wahl wird sein: Ahmed Najib Chebby, ganz so wie ich es prophetisch am 16. Januar verkündet habe. Er vertritt die Progressisten-Partei (PDP, so etwas wie konservative Sozialdemokraten), für die auch ich kräftig die Werbetrommel gerührt habe. Wahrscheinlich wird er mit den Liberaldemokraten und zwei weiteren kleinen Parteien koalieren. Das wurde jedenfalls so vereinbart. Zusammen werden die vier mit Sicherheit zwischen 50 und 60% einheimsen.

    Am Montagmorgen werden die vorläufigen Ergebnisse verkündet (mit Hilfe der 1.600 ! Wahlbeobachter der OECD). Dann folgt mein Bericht mit Konsequenzen und Aussichten.

  23. Argutus sagt:

    #22 Frank Berghaus am 21. Oktober 2011 um 20:24

    Sieger der Wahl wird sein: Ahmed Najib Chebby, ganz so wie ich es prophetisch am 16. Januar verkündet habe.

    Sollte das so sein, dann wirst du den von mir in Aussicht gestellten Titel "empirisch geprüfter Prophet" ehrlich erworben haben. :-)

  24. smartshooter sagt:

    So sehr ich diesen Lynchmord verabscheue, er ist eine klare Botschaft an andere Despoten.

  25. Rechtspopulist sagt:

    Die Jungs führen erstmal die Scharia ein – ist ja ein islamisches Land …

    Das die keine Demokratievorstellung im Sinne westlicher Länder haben, ist doch klar- wo sollte die herkommen?

  26. Azrail sagt:

    Wie sagte doch Qadhafi so treffend in einer seiner Reden:

    Möge sich der Wüstensand in eine Feuersbrunst verwandeln.

    Sehr prophetisch.

    In der Wüste wurde er vorher bombadiert, um dann von den eigenen Leuten gelyncht zu werden.

    Außerdem arbeitete der Terrorpate heimlich mit dem Westen zusammen. Ein Januskopf sondersgleichen.

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